Wie keine andere literarische Gattung spannt der Mythos einen Bogen zu den Anfängen. Er erzählt Menschheitsgeschichte in der Form der Menschheitsgeschichten. Deshalb sind mythische Texte hochgradig relevant für die Identitätsbildung von Menschen, sei es in religiöser, kultureller oder ethnischer Hinsicht. Das vorliegende Themenheft versucht dieses Spektrum zwischen traditionellen Formen und modernen Adaptionen und Einflüssen der KJL zu thematisieren.

 

Editorial

Wie keine andere literarische Gattung spannt der Mythos einen Bogen zu den Anfängen. Er erzählt Menschheitsgeschichte in der Form der Menschheitsgeschichten. In Mythen wird Ursprung berichtet, Herkunft im elementarsten Sinne geklärt und Sinnhaftigkeit begründet. Deshalb sind mythische Texte hochgradig relevant für die Identitätsbildung von Menschen, sei es in religiöser, kultureller oder ethnischer Hinsicht. Dabei kommen die alten Texte oft archaisch und ungeschlacht daher, roh nehmen sie kein Blatt vor den Mund und das Tabu kennen sie nicht. Umso mehr mag es verwundern, dass sich Mythen auch in der Gegenwart einer ungebrochenen Popularität erfreuen. Es erscheint sogar fast so, als ob die modernen literarisch-medialen Formate eine besondere Affinität zu den Mythen als narrativem Stoff aufweisen würden. So zeigt sich der Mythos heute als vielgestaltiges literarisches Material. In den Medien für Kinder und Jugendliche kommen mythologische Texte und Bezüge vielfältig und häufig vor.
Das vorliegende Themenheft versucht dieses Spektrum zwischen traditionellen Formen und modernen Adaptionen und Einflüssen zu thematisieren. Im Basisbeitrag verortet Michael Stierstorfer aktuelle Mythen und Mythenadaptionen in den vielfältigen Sparten der Kinderund Jugendliteratur. Mythen werden als populärer Stoff sichtbar, auf den explizit und implizit referiert wird. Den Anfängen der Mythen als Lesestoff für Kinder geht Wolfgang Wangerin nach. Dabei entdeckt er Ambivalenzen in der Bewertung des pädagogischen Potenzials der Mythen. Eva Maria Kohl wendet sich den Mythenadaptionen von Franz Fühmann zu. Hier geraten auch die Bildwelten der verschiedenen Ausgaben des Prometheus in den Fokus. Markus Janka schließlich thematisiert die aktuellen Phänomene der Ovid-Adaption. Laura Zinn betrachtet Mythenadaptionen unter dem Gesichtspunkt der Genderkonstruktionen und Geschlechterstereotypisierungen, die in den Texten aufgegriffen und verarbeitet werden. Tobias Kurwinkel hingegen untersucht, wie sich ein bekannter Mythenstoff durch verschiedene aktuelle kinderliterarische Schriften verfolgen lässt und sogar zum Leitmotiv eines Autors wird. Abgerundet wird der Themenschwerpunkt von drei Beiträgen, die auch eine didaktische Perspektive eröffnen. Mario Zehe untersucht das Genre der Superhelden-Comics im Spannungsfeld von Mythisierung und Politisierung und leitet daraus auch pädagogische Überlegungen ab. Marion Ziesmer zeigt, wie das Nibelungenlied in der szenisch-performativen Verarbeitung erschlossen werden kann und dabei auch sprachliche Grenzen überwindet. Bei Alexandra Ritter findet sich ein Vorschlag für die produktive Erarbeitung eigener Schöpfungsmythen mit sprachspielerischem Charakter, der bereits für jüngere Kinder zugänglich ist. Jennifer Brand stellt abschließend die Mythos-Bibliothek der Georg-August-Universität Göttingen als eine besondere Sammlung historischer Texte vor. Im Spektrum finden sich schließlich ein Interview mit Kurt Franz und ein Aufsatz von Angelika Nix, der ein dichtes intertextuelles Referenznetz innerhalb der skandinavischen Kinder- und Jugendliteratur thematisiert. .

Michael Ritter

Inhaltsverzeichnis

Klicken Sie bitte hier, so die Darstellung des Inhaltsverzeichnisses nicht erfolgen bzw. fehlerhaft sein sollte.


catchme refresh
Joomla Extensions powered by Joobi

Veranstaltungen

Dezember 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
26 27 28 29 30 1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
31 1 2 3 4 5 6