Seit Jahren ist eine Zunahme des Populismus zu beobachten, in Deutschland, wie auch in anderen Staaten innerhalb und außerhalb Europas. Demokratie, so können wir täglich feststellen, ist nicht etwas, das nur einmal eingeführt, sondern täglich gelebt und geschützt werden muss. Und seit fast 20 Jahren verengt die Literaturdidaktik zum Teil noch immer ihren Blick auf Standards und Kompetenzen, was mit literarischer Bildung wenig zu tun hat. Grund genug also für ein Themenheft, das sich dem Potenzial von KJL für Politische Bildung zuwendet.

 

Editorial

Politische Bildung, so führt Werner Wintersteiner im einleitenden Beitrag dieses Heftes aus, setzt Interesse an politischer Teilhabe voraus, die Bereitschaft des Einzelnen, sich für die Gemeinschaft einzubringen. Sie beschränke sich somit nicht auf die Vermittlung politischer Inhalte, sondern ziele auf die Ausbildung einer demokratischen, politischen Haltung ab. Diese sei gewissermaßen eine conditio sine qua non, politische Inhalte wahrzunehmen, kritisch zu beurteilen und in den persönlichen Habitus zu integrieren. Wintersteiner vertritt die These, ein Literaturunterricht, der die Lernenden unterstützt, literarischen Texten etwas abzugewinnen und dabei einen Dreischritt –Text, Kontext, Ich-Bezug – zu wagen (was Interpretationskompetenzen sowohl voraussetzt als auch fördert), korrespondiere mit einer Politischen Bildung, die es den Lernenden ermögliche, Politik als etwas Lebendiges zu erfahren, das elementar mit ihnen persönlich zu tun habe. Gleichzeitig verweist Wintersteiners These auf die von KJL-Kritiker*innen und Literaturdidaktiker*innen immer wieder zu
stellenden Fragen nach der Bestimmung der ästhetischen Qualität von KJL, nach den Voraussetzungen ihrer Leser*innen sowie ihren Wirkungsdimensionen. Wie Bettina Hurrelmann bereits vor fast 30 Jahren schrieb, ist die ästhetische Qualität von KJL an ihrer Polyvalenz festzumachen. Maßgeblich für ihr Wirkungspotenzial ist, ob sie zu Empathie und Fremdverstehen anregt, in Identitätsprozesse stabilisierend oder verunsichernd eingreifen kann, die Kritik- und Urteilsfähigkeit stärkt und nicht zuletzt Genuss bereitet. In diesem Sinne eignet sich KJL grundsätzlich für Politische Bildung.
Im vorliegenden Heft geht es um eine Auswahl von Themen, Gattungen und Medien, wie auch um didaktische Perspektiven: Erinnerungskultur/Nationalsozialismus in Buch, Hörbuch und Film (Matthias Preis und Steff Ebert), Erinnerungskultur/DDR und Rechtsradikalismus (Heidi Nenoff), KJL der DDR (Barbara Schubert-Felmy), Flucht und Migration (Mareike Gronich), Europa/Gerechtigkeit und Solidarität (Suanne Brandt), Macht/Gewalt im Bilderbuch (Tanja Freudenau). Aber auch das auf Politische Bildung gerichtete Kinder- und Jugendfernsehen (Maya Götz) wird einbezogen. Das Spektrum widmet sich u. a. den Wissenssendungen im Kinderfernsehen (Sebastian Schmideler) und einem Bildungsprojekt mit Filmen zum Nationalsozialismus an einer Universität auf Zypern (Mehmet Ünlüsoy).

Petra Josting

 

Inhaltsverzeichnis

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