Literaturbegegnung in der frühen Kindheit ist gleichsam ein ästhetischer wie auch ein sozialer Akt, der Vermittlung und Vermittler*innen erfordert. Die hier verankerten kinder-literarischen Gattungen sind daher immer auch stark an der Mündlichkeit orientiert oder umfassen verschiedene Modi der Zeichendarstellung wie das Bild und den Ton neben der Schrift.

 

Editorial

Literaturbegegnung in der frühen Kindheit ist gleichsam ein ästhetischer wie auch ein sozialer Akt, der Vermittlung und Vermittler*innen erfordert. Die hier verankerten kinderliterarischen Gattungen sind daher immer auch stark an der Mündlichkeit orientiert oder umfassen verschiedene Modi der Zeichendarstellung wie das Bild und den Ton neben der Schrift.
Mit dem Erwerb der Lesefähigkeiten – in der Regel am Beginn der Schulzeit – kommen Kinder mit einer neuen Form des Lesens in Berührung. Zunehmend wird das Lesen ein selbstständiger und selbstbestimmter, intimer und zurückgezogener Akt. Dabei besteht das große Problem, dass die vorschulischen und außerschulischen Literaturerfahrungen weit über die ästhetische Qualität hinausreichen, die Kinder in den ersten Lesetexten der schulischen Lesefibeln und oft auch der Erstleseliteratur erleben. Damit sind diese Texte vielfach nicht sehr attraktiv für Kinder, die bereits mehr von literarischen Werken erwarten. Weiterhin fehlt vielen Kindern die familiale Unterstützung bei der Begegnung mit Literatur, sodass die Lernvoraussetzungen am Schulanfang auch in diesem Bereich stark differieren.
Der Literatur des Leseerwerbs wird daher eine in vielerlei Hinsicht entscheidende, aber nicht widerspruchsfreie Rolle zugewiesen. Sie soll leicht zugänglich sein und Lesenoviz*innen erste Erfahrungen eigenständigen Lesens ermöglichen. Sie darf keine Barrieren aufbauen gegenüber Kindern, denen die literarische Sprache noch fremd ist. Sie soll gleichzeitig auch Kinder herausfordern, die bereits über vielfältige Erfahrungen im Umgang mit Schriftsprache verfügen. Sie soll die Freude am Lesen und an der Literatur entwickeln und erhalten.
Das vorliegende Themenheft wendet sich der Literatur dieser kindlichen Lebensphase zu. Dabei richtet sich der Blick einerseits auf die Gattung der Erstlesebücher, die sich durch eine besondere Berücksichtigung der entwicklungsbedingten Besonderheiten des Leseerwerbs auszeichnet. Welche Tendenzen zeigt der aktuelle Buchmarkt (Stephanie Jentgens, Sandra Siewert), wie können Erstlesebücher zur Leseförderung herangezogen werden (Anita Schilcher) und wie bewerten eigentlich Kinder selbst das vielfältige Programm der Erstleseliteratur? (Christoph Jantzen) Was sind Vorläufer der heutigen Fibeln und schulischen Leselernmaterialien? (Sebastian Schmideler) Andererseits ist das Themenspektrum aber auch weiter gefasst, da Kinder in der Phase des Leseerwerbs mit vielfältigen Formen von Literatur konfrontiert werden. Die Beiträge des Heftes thematisieren auch ABC-Bilderbücher (Anna Herrmann), Märchen (Johanna Duckstein), digitale Leseangebote (Anne Krichel/Michael Staiger, Clara-Charlotte Orland/Michael Ritter), inklusive Buchkonzepte (Judith Riegert) und das mündliche Erzählen als möglichen Zugang zur Schriftlichkeit. (Nadine Naugk) Als Ort der Erstlesesozialisation geraten die Städtischen Bibliotheken Dresden in den Blick. (Rebekka Putzke/Christine Lippmann) Und im Interview mit Sebastian Schmideler berichtet Susanne Riegler von den besonderen Herausforderungen bei der Textbearbeitung für Leseeinsteiger*innen.
Im Spektrumsbeitrag stellen Kirsten Kumschlies und Tobias Kurwinkel das Konzept einer transmedialen Lektüre zur Diskussion. Schließlich werden neue wissenschaftliche Publikationen und der diesjährige Preisträger des Heinrich-Wolgast-Preises der GEW vorgestellt.

Michael Ritter

 

Inhaltsverzeichnis

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