[02.11.2017]

Für die 31. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (GKJF) vom 31.5-2.6.2018 im Haus auf der Alb/Bad Urach werden bis zum 10.01.2018 Themenvorschläge gesucht. Im Fokus der Vorträge soll die politische und ideologische Einbettung von Kinder- und Jugendmedien stehen.

Kinder- und Jugendliteratur und -medien sind in vielfältiger Weise in politische und ideologische Horizonte eingespannt. Teils dezidiert und explizit, wenn es im Literatursystem um die Vermittlung politisch-ideologischer Positionen oder – in kritischer Auseinandersetzung damit – um politische Aufklärung geht und ging, teils implizit, bezieht man beispielsweise die sich in vielen Texten und Bildern findenden normierenden und stereotypen Einschreibungen ein, teils unterschwellig, wenn man an die Lesarten etwa der parabolischen Literatur bis hin zur Fantasy denkt, deren Bildsprache auf diese Dimensionen politischer Anspielungen hin ausgedeutet werden kann.

Eine jüngst medial geführte Debatte die sich an Textrevisionen bei Otfried Preußlers Die kleine Hexe oder Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf entzündete, erwies sich als wenig historisch und diskurskritisch fundiert. Vielmehr zeigte sich, dass es im Kern um die grundlegende Verortung von Kinder- und Jugendliteratur ging, die am Grad ihrer political correctness bemessen zu werden schien. Die stark polarisierte Auseinandersetzung ist allerdings insofern von Interesse, als sie auf ein Desiderat der Kinder- und Jugendliteraturforschung verweist, die sich mit Fragen politischer Positionen und ideologischer Einschreibungen in den letzten Jahrzehnten vor allem im Zusammenhang mit historischen Schnittstellen beschäftigt hat (so z.B. Erster Weltkrieg, Nationalsozialismus oder 'Wende'; ebenso mit Epochenphänomenen wie Globalisierung, Migration und Vertreibung). Fragen nach dem 'falschen Bewusstsein', wie sie im Zuge der 1968er bzw. der Rezeption der Kritischen Theorie gestellt wurden, erscheinen (offenbar) nicht mehr 'zeitgemäß', obwohl die sozialwissenschaftliche Forschung den Ideologiebegriff weitgehend entstaubt und ausdifferenziert hat.

Eine kulturwissenschaftlich ausgerichtete Reflexion über politische Dimensionen und ideologische Interferenzen steht indes aus. Die Jahrestagung 2018 der GKJF hat sich zum Ziel gesetzt, eine theoretisch fundierte Diskussion über die ideologischen Interferenzen und politischen Dimensionen von Kinder- und Jugendliteratur und ihren Medien anzustoßen. Nicht die Korrektheit einzelner Werke steht also im Mittelpunkt, sondern die Diskursivierung politischer Einschreibungen und Positionen in pädagogischer und poetologischer Sichtweise.

In deren Mittelpunkt zu stellen wären z.B. Konzepte und Konstruktionen, wie sie beispielsweise literarisch-medialen Welten eingeschrieben sind (etwa Utopien / Dystopien, Future Fiction); Fragen der Lenkung und Zensur (hier besteht in der Forschung eine Fokussierung auf Texte aus dem NS und ebenso aus der DDR; wenig untersucht sind hingegen Eingriffe, Verbote oder konventionalisierte Vorgaben, so z.B. von Verlagsseite, bei Texten, die nach 1945 auf dem deutschsprachigen Buchmarkt der Bundesrepublik Deutschland, Österreichs und der Schweiz erschienen sind.) Eine kritische Debatte wäre zu führen über ideologische Implikationen, die den Vorgaben des Literatur- und Medienbetriebs geschuldet sind (Wirkkraft von Medienverbünden, Normierungstendenzen durch Formate, ebenso poetologische Fragen bezogen auf Schreibvorgaben im Rahmen des Creative Writings) oder wirkmächtige Normierungen, wie man sie im Zuge der political correctness beobachten kann.

Nicht nur 50 Jahre nach 1968 und angesichts der aktuellen 'Wiederkehr' des Ideologischen, sondern insbesondere nach dem kulturwissenschaftlichen Turn in den Geisteswissenschaften stellen sich die Fragen nach politischen und ideologischen Einschreibungen in das kinder- und jugendliterarische System unter neuer Perspektive. Dabei stehen literarästhetische Aspekte ebenso im Mittelpunkt wie pädagogische Diskurse oder interdisziplinäre Vernetzungen. Gefragt wird nach theoretisch fundierten Beiträgen, die sich mit Fragen der Ideologie in historischer wie gegenwärtiger KJL und KJL-Forschung beschäftigen und diese mit kulturwissenschaftlicher Perspektive neu ausrichten.

Mögliche Themen – immer mit Bezug auf die Kinder- und Jugendliteratur/-medienforschung – sind:

  • Positionen der Forschung in historischer wie gegenwärtiger Perspektive
  • Ideologie und Ideologiekritik
  • Paradigmenwechsel ('45 - '68 - '89)
  • Zensur und Lenkung
  • Gattungen und Genres: Historische und zeitgenössische KJL/M, die politische Themen und Inhalte bzw. ideologische Positionen und Haltungen fokussiert; ebenso problemorientierte Texte, politische Dimensionen parabolisch/allegorischer Formen (Fantasy, Tiererzählungen etc.), politische Konstrukte und ideologiekritische Warngeschichten in Utopie / Dystopie / Future Fiction. Weitere Gattungen: Theater, Lyrik
    Bild-Medien: Film, Computerspiel, Bilderbuch …
  • Geschlechts-, Alters- und Generationenkonstruktionen (auch mit Bezug auf Aufklärungsbücher / Diskurse über kindliche Sexualität)
  • Literarischer Markt, Literatursystem(e), Medienverbünde
  • Effekte von kultureller Globalisierung, Renationalisierung und Kommerzialisierung

Um Zusendung von Vortragsangeboten (von maximal 30 Minuten Dauer) wird bis zum 10.01.2018 gebeten.
Dem Vorschlag sollte ein kurzer Aufriss des Vortragsthemas beigefügt sein.
Bitte beachten Sie bei der Einreichung Ihrer Abstracts (von ca. 300 Wörtern) folgende Anforderungen:
Die Abstracts sollen in einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung den Bezug zu theoretischen Positionen herstellen sowie die Literatur und ggf. Primärquellen nennen, auf die sich der Vortrag stützt. Damit die Vorträge zu einem Programm im oben beschriebenen Sinn zusammengestellt werden können, sollte sich der geplante Vortrag einem der oben aufgelisteten Schwerpunkte zuordnen lassen.
Bitte senden Sie Ihre Vorschläge per E-Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

 

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