[23.06.2020]

Vom 21. bis zum 23. September 2021 findet in der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd eine Tagung zu Interpretationsverfahren und didaktische Referenzkonzepte der germanistischen Literaturdidaktik statt. Sbstracts können bis zum 01. September 2020 eingereicht werden.

Ziel der Tagung ist es, herauszufinden, welche impliziten und expliziten Vorannahmen die literaturdidaktische Textinterpretation und anschließende -didaktisierung leiten, welche Zusammenhänge zwischen der Textarbeit und deren didaktischer Perspektivierung bestehen. Dabei soll es darum gehen, die Bezüge zwischen literaturwissenschaftlichen und literaturdidaktischen Arbeitstechniken zu explizieren und unterschiedliche Arten literaturdidaktischer Textarbeit in den Blick zu nehmen. Untersucht werden soll ferner, wie aktuelle Theoriengebote (Interkulturalität, Gender, Intertextualität, Autortextualität) rezipiert, mit den Interpretationspraktiken verknüpft und ggf. didaktisch reduziert werden.

Zeitschriften wie Literatur im Unterricht, einige Themenhefte von Praxis Deutsch, Schriftenreihen wie Beiträge zur Didaktik der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und thematische Überblickswerke wie Mikota/Wrobel Flucht-Literatur oder Standke/Spinner Erzählende Kinder- und Jugendliteratur im Deutschunterricht nehmen literarische Texte in den Blick, indem sie auf Basis einer Interpretation und Analyse zu einer Auseinandersetzung mit der unterrichtlichen Eignung und Didaktisierung dieser Texte gelangen. Im Gegensatz zu der Erforschung der Lernprozesse, in deren Rahmen eine intensive Reflexion der eigenen Methodologie erfolgt, werden im Rahmen der Textinterpretationen und -didaktisierungen die methodischen Grundlagen weitaus weniger expliziert und auch die Einleitungen zu den Sammelbänden bieten keine explizit ausgewiesene Methodologie.

Sowohl in den oben genannten Schriftenreihen, als auch in der konkreten Planung unterrichtlicher Schritte spielt der Vorgang der Interpretation eine zentrale Rolle, wobei eine klar ausbuchstabierte Kartographie literaturdidaktischer Textinterpretationsmethodologie ein Desiderat darstellt. Dieses Desiderat soll im Rahmen der Tagung erforscht werden.

Zusätzlich zielt die Konferenz auf eine Positionsbestimmung der Methodologie literaturdidaktischer Textinterpretationen ab. Dabei soll einerseits Klarheit über unterschiedliche zielgruppenbezogene Formate und Zielsetzungen der Textinterpretation im literaturdidaktischen Kontext herbeigeführt und andererseits eine Diskussion über die Methodologie angebahnt werden. Umgreifende Klammer ist die Frage nach dem Verhältnis von germanistischer Literaturwissenschaft und germanistischer Literaturdidaktik in Bezug auf die Textinterpretation und die darauf aufbauende Didaktisierung. Anders als bei der durch die Romanistik der Universität Bremen durchgeführten Tagung Kontrovers: Literaturdidaktik meets Literaturwissenschaft (08.03.-09.03.2018) geht es in der geplanten Tagung also nicht darum, das Verhältnis der beiden Disziplinen in unterschiedlichen Fachkontexten (Romanistik, Anglistik, Germanistik, ...) zu bestimmen, sondern um die Frage nach der konkreten Ausgestaltung der Interpretation literarischer Texte und nach der darauf aufbauenden didaktischen Perspektivierung im Bereich der germanistischen Literaturdidaktik.

Neben der Bestimmung des Verhältnisses der germanistischen Literaturdidaktik zur germanistischen Literaturwissenschaft soll darüber hinaus auch thematisiert werden, welchen Stellenwert die didaktischen Modulationen in der literaturdidaktischen Textarbeit einnehmen. So werden in literaturdidaktischen Beiträgen zu literarischen Einzeltexten zum Teil Ideen für einen unterrichtlichen Einsatz skizziert, in anderen Beiträgen hingegen Konzepte literarischen Lernens mit den Analyseergebnissen zusammengebracht oder aber im klassisch allgemeindidaktischen Sinne Reduktionen vorgeführt. Hierbei soll die Tagung eine Klarheit über verschiedene Methoden der didaktischen Perspektivierung herbeiführen und geeignete Referenzkonzepte als Orientierungsrahmen diskutieren.
Michael Baum wirft der Literaturdidaktik in seiner aktuellen Monographie Der Widerstand gegen Literatur unter anderem "verkürzte Formen der Theorierezeption" gerade in Bezug auf die Interpretationen von Texten vor. Im Rahmen der Tagung wird auch zu klären sein, inwiefern Baum mit seiner Kritik überhaupt das Wesen der Literaturdidaktik angreift, ist es doch nicht selbstverständlich, dass die Literaturdidaktik überhaupt Bezüge zu literaturwissenschaftlicher Theorie herstellen müsste.

Beiträge zu folgenden Sektionen sind erwünscht:

  1. Das Alleinstellungsmerkmal der Literaturdidaktik
    Inwiefern gehen literaturdidaktische Begründungszusammenhänge über das hinaus, was allgemeindidaktische Theoriebildung bereitstellt?
    Inwiefern stellt das Avisieren literarischer Lernprozesse eine didaktische Reduktion dar?
    Wie umgeht die Literaturdidaktik die Gefahr, doch als "reine Umsetzungswissenschaft" zu erscheinen?
  2. Methodologie literaturdidaktischer Textarbeit
    Inwiefern hat die Literaturdidaktik in der Arbeit mit literarischen Texten schon implizit eine Meta-Theorie eingeschrieben, die der Explikation bedarf?
    Wie werden literaturwissenschaftliche Theorien in der Literaturdidaktik rezipiert?
    Mit welcher Zielsetzung und mit welcher Methodologie werden didaktische Perspektivierungen von literarischen Einzeltexten oder ganzer Textkorpora vorgenommen?
    Welche literaturdidaktischen Referenzkonzepte gelangen zur Anwendung, wenn literarische Texte didaktisch erarbeitet werden?
    Welches Verhältnis besteht zwischen der Methodologie der Interpretation und der darauf aufbauenden Didaktisierung?
  3. Metareflexive Textarbeit – oder: Was tun Literaturdidaktiker, wenn sie Texte aufbereiten?
    Exemplarische literaturdidaktische Textarbeit zu ausgewählten Einzeltexten, wobei die Herangehensweise jeweils metareflexiv kommentiert wird.

Interessierte senden bis zum 01.09.2020 ein Exposé (maximal 1 DIN A4-Seite) mit einer knappen Skizze ihres Vortragsvorhabens und einigen Informationen zu ihrer Vita an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Sie werden bis zum 1.10.2020 über Ihre Teilnahme informiert.

Die Vorträge sollen ca. 20 Minuten dauern, anschließend ist eine Diskussion geplant. Im Nachgang soll eine Publikation entstehen.

[Quelle: Call for Papers]


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