[18.11.2019]

Der Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2019 geht an Tanja Fabsits. Fabsits bekommt den Preis für ihr Kinderbuchdebüt Der Goldfisch ist unschuldig. Der mit 8.000 Euro dotierte Preis wurde der Autorin am Montag, 18. November, im festlichen Rahmen im Alten Rathaus von Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann überreicht.

© Martin Wacht

Die Nominierten

Unter 212 Einsendungen, darunter 63 verlegte Werke und 149 Manuskripte, hatte die Jury zunächst drei Nominierte – Nora Hoch mit Das Salzwasserjahr, Christine Zureich mit Ellens Song und Tanja Fabsits mit Der Goldfisch ist unschuldig – ausgewählt.

"Bei den diesjährigen Nominierungen handelt es sich um drei herausragende Texte, die sich mit dem Thema Bindung und Zusammenhalt beschäftigen: mit dem Wunsch, in der Familie, Heimat oder in der neu gewonnenen Gemeinschaft den ersehnten Frieden zu finden oder sie gar zu verlassen, um das Glück in der Ferne zu suchen. Die nominierten Bücher glänzen durch die sehr plastische und empathische Darstellung ihrer Protagonistinnen und Protagonisten. Sie überraschen mit außergewöhnlichen Erzählmitteln und unerwarteten Wendungen. Diese tiefgehenden Erzählungen regen an, sich mit seiner eigenen Geschichte auseinanderzusetzen", begründet Mehrdad Zaeri, Mitglied der fünfköpfigen Jury, deren Auswahl.

Nora Hoch: Das Salzwasserjahr

Ein Austauschjahr in Australien. Alles soll sich ändern, findet Jannik, als er auf die andere Seite der Welt reist. Vor allem er selbst. Wenn er sich neu erfinden könnte, wäre er gerne so rätselhaft wie Sienna, die das Meer und ihre Freiheit liebt, die Jannik nahekommt und ihn dann doch immer wieder im Regen stehen lässt. Oder wenigstens halb so lässig wie sein Gastbruder Neil, der scheinbar alles kann, aber verdammt verschlossen ist. Die ganze Familie hütet ihre Probleme wie geheimnisvolle Schätze – bis Ruby wegläuft, die jüngste Tochter der Maddens. Gemeinsam mit Sienna macht Jannik sich auf die Suche und endlich löst sich auch die Sprachlosigkeit der Familie. Eine Geschichte über das Reisen. Und über das Suchen, Finden und Werden.

Aus der Jurybegründung (von Christine Paxmann):

Die Autorin schafft es brillant Naturgegebenheiten und Szenerien zu verbalisieren – sei es die Wucht des Wassers während eines Surfgangs oder die beengten Wohnverhältnisse der Gastfamilie, deren Lebensmittelpunkt der riesige Garten ist. […] Die beständige Anwesenheit des Meeres korrespondiert mit dem aufgewühlten Innenleben der Protagonisten. Wie Jannik und Sienna eine ganz eigene Sprache finden, indem sie Worte zur Geheimsprache ihres Zusammenseins machen, das erzeugt jene Poesie, die schon im Titel steckt. Beide werden durch ihre Sprache zu einem romantischen Paar, ganz im Sinne von Novalis blauer Blume.

Christine Zureich: Ellens Song

Sommer 1990. Ellen kann es kaum erwarten: Abi machen und nichts wie weg, raus aus der süddeutschen Provinz, endlich ein eigenes Leben, ihre eigene Wende. Da trifft sie Johnny, den punkigen Theaterspieler vom humanistischen Gymnasium. Johnny, den alle anhimmeln, der Geld hat und funktionierende Eltern, keinen Vater, der säuft. Mit ihm findet Ellen so etwas wie ein Ersatzzuhause, bis eine Diagnose auch dieses Glück vor die Zerreißprobe stellt. Christine Zureich spielt kunstvoll mit verschiedenen Perspektiven und schreibt mit großer erzählerischer Intensität von der ersten Liebe, der Kraft der Freundschaft, aber auch Krankheit, Sucht und Tod.

Aus der Jurybegründung (von Prof. Dr. phil. Tobias Kurwinkel):

Christine Zureichs Coming-of-Age-Story überzeugt und beeindruckt: zum einen durch die Geschichte, die auf ihrem Höhepunkt zeigt, welche Bedeutung der Musik als Seelenkraft und -helfer zukommen kann. Zum anderen durch die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird: So reflektiert Zureich die Entfremdung, die Distanz ihrer traumatisierten Protagonistin zu sich selbst durch verschiedene Erzählperspektiven, die sie mit einer filmischen Schreibweise kombiniert: Situationen, die für Ellen emotional schwer zu bewältigen sind, werden von ihr drehbuchgleich in Filmszenen wiedergegeben – und übersetzen damit kongenial, wie weit entfernt Ellen von einem kohärenten Ich ist.

Tanja Fabsits: Der Goldfisch ist unschuldig

Henri ist wütend. So wütend, dass er den Goldfisch aus dem Fenster wirft. Samt Glas. Weil sein Papa seit Monaten nur mehr diesen Goldfisch anstarrt, auf dem Sofa liegt, nicht reagiert, nicht redet. Aber der Goldfisch kann nichts dafür – das erkennt Henri schnell. Und hat Glück, denn das Glas ist direkt in die offene Mülltonne gesaust, die der Hausmeister gerade aus dem Hof holen wollte. Goldie ist also gerettet, doch das Papa-Problem weiterhin nicht gelöst. Dazu braucht es einen ziemlich guten Plan, meint zumindest Signore Montesanto – der italienische Hausmeister, oder auch Geheimagent, das weiß man nicht so genau. Gute Pläne sind jedoch rar und so mancher kann schnell durchkreuzt werden, vor allem wenn man die Hilfe von anderen braucht, und noch viel mehr, wenn die gar nicht helfen wollen. So stolpert Henri von einem Plan in den nächsten und muss seine Gehirnwindungen mächtig anstrengen, um seinem Ziel näherzukommen – unterstützt durch so manches faszinierende Agenten-Gespräch mit Montesanto im Treppenhaus.

Aus der Jurybegründung (von Birgit Müller-Bardorff):

Die Autorin thematisiert, wie Kinder mit der Krankheit eines Elternteils – einer Depression oder einem Burnout – umgehen. Besonders beeindruckend ist, wie konsequent sie dabei die Perspektive Henris einnimmt. Es geht nicht um den kranken Vater, und so ist es auch nicht von Bedeutung, seine Krankheit im Buch zu benennen. Literarisch überzeugend findet Tanja Fabsits einen Ton, der das schwere Thema mit Leichtigkeit und Komik erzählt. Dazu kommen originelle und interessante Figuren wie der Hausmeister Montesanto, der statt Blaumann Anzug trägt und sich als Geheimagent vorstellt, oder die neugierige Nachbarin Frau Pelinka. Nicht zuletzt Henris Schulalltag, in dem sich der pfiffige Junge mit Cleverness gegen den Klassentyrann Max durchsetzen kann, macht dieses Buch zur ebenso unterhaltsamen wie berührenden Lektüre, die ebenso zum Schmunzeln wie zum Nachdenken bringt.

Die Preisträgerin

Letztendlich entschied sich die Jury für Tanja Fabsits als Preisträgerin. Die Preisrede auf Der Goldfisch ist unschuldig hielt die Autorin und Illustratorin Ute Krause.

"Tanja Fabsits erzählt in einem sehr eigenen, fast beiläufigen Ton, der ihrer Geschichte einen großen Charme verleiht. Sprache und Humor gehen in diesem Buch Hand in Hand. Die Autorin führt uns noch durch die ernstesten und traurigsten Momente mit Leichtigkeit. Ich glaube, jede Leserin und jeder Leser wird das Buch am Ende mit einem warmen Gefühl im Bauch zuschlagen und noch einen Moment in diesem Wiener Mietshaus verharren, um Henri, seiner Familie und seinen Freunden beim wohlverdienten Weihnachtsessen über die Schulter zu schauen."

[Quelle: Pressemitteilung]


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