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von Susanne Bach

Renate Welsh (*22.12.1937 in Wien) ist eine österreichische Schriftstellerin.

Biographie

Renate Welsh wurde am 22. Dezember 1937 in Wien geboren. Ihr Vater, Dr. Robert Redtenbacher, war Arzt, ihre Mutter Elisabeth starb an einem Hirntumor, als Welsh erst vier Jahre alt war. Welsh wuchs daraufhin bei den Großeltern auf. Ihre Kindheit hat die Autorin wiederholt als unglücklich bezeichnet, was sie dem frühen Tod geliebter Bezugspersonen (Mutter, Großvater), den daraus resultierenden diffusen Schuldgefühlen und dem Erleben des Zweiten Weltkriegs zuschreibt (vgl. Urbanek 2007, S. 1; Welsh 2007, S. 3-5.). Schon früh begann Welsh Erlebtes durch Schreiben und das Erfinden von Geschichten zu verarbeiten.

Auf eigenen Wunsch besuchte Welsh schon ab dem fünften Lebensjahr die Dorfschule in Aussee, später die Mittelschule. 1953 ging sie für ein Jahr als Austauschschülerin nach Portland in Oregon/USA und legte dort ihre erste Matura ab. Ein Jahr später absolvierte sie in Wien ihre zweite Matura und begann 1955 ein Studium (Englisch, Spanisch und Staatswissenschaften) an der Universität Wien, das sie nach ihrer Heirat 1956 jedoch abbrach um als nebenberufliche, später freischaffende Übersetzerin beim British Council in Wien zu arbeiten.

Seit 1975 ist Welsh als freiberufliche Schriftstellerin tätig und vor allem für ihre Kinder- und Jugendliteratur bekannt. Seit den 1980er Jahren schreibt sie auch Romane und Erzählungen für Erwachsene. An der Universität Innsbruck hielt sie 1994 die Poetik-Vorlesung zum Thema Kinderliteratur. Seit 2006 ist Renate Welsh Präsidentin der Interessensgemeinschaft Österreichischer Autorinnen und Autoren. Die Schriftstellerin lebt heute mit ihrem Lebensgefährten Shiraz Rabady in Wien und Hilzmannsdorf in Niederösterreich. Sie ist Mutter von drei Söhne (geboren 1958, 1959 und 1962) und hat mehrere Enkelkinder.

Werk

Die Bandbreite von Welshs Gesamtwerk reicht von Bilderbüchern für Kleinkinder (Karolin und Knuddel, 1985; Stefan, 1989) über fantastische Erzählungen (Das kleine Moorgespenst, 1985) und sozialkritische Kinder- und Jugendromanen bis hin zur Erwachsenenliteratur (Liebe Schwester, 2003; Die schöne Aussicht, 2005) und zu historischen Romanen (Constanze Mozart. Eine unbedeutende Frau, 1990). Ihr Buch Das Vamperl (1979) über einen kleinen, grünen Vampir, der unverhofft ins Leben der alten, schrulligen Frau Lizzi platzt, wurde zum humoristischen Kinderbuchklassiker. Statt Blut saugt Vamperl Gift aus der Galle und macht damit ärgerliche oder böse Menschen friedlich. Mittlerweile gibt es zwei Fortsetzungen: Vamperl soll nicht alleine bleiben (1992) und Wiedersehen mit Vamperl (1998).

Doch ist Welsh vor allem für ihre realistische Kinder- und Jugendliteratur bekannt, die soziale Missstände hervorhebt und Tabuthemen angeht. Meist sind ihre Werke sozialkritisch und zeithistorisch ausgerichtet und stellen die Kindheit nicht als Idyll, sondern als problembehaftete Zeit dar. Welsh bindet hier ihre eigenen Kindheitserfahrungen in die Literatur mit ein, wie sie auch generell bevorzugt, über ihr Bekanntes oder von ihr umfangreich Recherchiertes zu schreiben (vgl. Welsh 2007, S. 10-13). In Sonst bist du dran! (1994) thematisiert sie Mobbing und Gewalt in der Grundschule. Behinderungen, Krankheit und Tod werden im Briefroman Eine Hand zum Anfassen (1982), Drachenflügel (1988) oder Disteltage (1996) stets durch den Blick der jugendlichen Protagonisten behandelt.

Historische Themen werden eng mit der eigenen Biographie verbunden, wie in Dieda oder Das fremde Kind (2002) und Johanna (1979). Der 1980 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnete Roman gilt als Welshs erfolgreichstes Werk und zeigt deutlich den für die Autorin typischen Realismus. Als uneheliches Kind wächst Johanna in den 1930er Jahren auf einem Bauernhof im Burgenland auf. Trotz der Unterdrückung und Ausbeutung durch ihre Umwelt entwickelt sie sich zu einer selbstständigen jungen Frau. Welsh verweigert einfache Lösungen und Antworten und regt durch ihre Literatur eher dazu an, Fragen zu stellen.

Weitere Werke von Renate Welsh sind Der Enkel des Löwenjägers (1969); Ülkü, das fremde Mädchen (1970); Drittes Bett links (1976); Wie in fremden Schuhen (1983); Einfach dazugehören (1984); Julie auf dem Fußballplatz (1984); Schneckenhäuser (1986); Empfänger unbekannt – zurück! (1987); In die Waagschale geworfen (1988); Seifenblasen bis Australien (1988); Nina sieht alles ganz anders (1989); Melani Miraculi (1990); Spinat auf Rädern (1991); Denn Toto ist groß und stark (1991); Du bist doch schon groß (1991); Eine Krone aus Papier (1992); Martin in der Seifenschale (1993); Zwischenwände (1993); Das Haus in den Bäumen (1993); Das Lufthaus (1995); Mäusespuk (1995); Das Gesicht im Spiegel (1997); Sechs Streuner (1998); Tanja und die Gespenster (1998); Besuch aus der Vergangenheit (1999); Lillis Elefantenglück (2005); Gut, dass niemand weiß (2006); …und raus bist du (2008); Großmutters Schuhe (2008); Max, der Neue (2010).

Einige von Welshs Werken sind auch als Hörbücher oder Hörspiele vertont. Renate Welsh ist auch als Übersetzerin und Herausgeberin tätig.

Populärrezeption

Renate Welsh hat über 80 Bücher publiziert und ihre Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Autorin sucht auf ihren Lesereisen (bis nach China und in die USA) und in Schreibwerkstätten auf der ganzen Welt nach Kontakt zu ihrem Leserpublikum aller Altersklassen.

Ihre Werke wurden mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen bedacht (in Auswahl): Friedrich-Bödecker-Preis (1978), mehrfach der Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis (1977, 1978, 1984, 1989, 1997), mehrfach Aufnahme auf die Ehrenliste zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, Deutscher Jugendliteraturpreis für Johanna (1980), mehrfach Verleihung des Jugendbuchpreises der Stadt Wien, Silberne Feder des Bundes deutscher Ärztinnen (1989), Jugendliteraturpreis der Stadt Harzburg (1991), Preis der katholischen Akademie Hamburg (1991), Großer Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. Volkach (2003), Österreichischer Würdigungspreis für Jugendliteratur (1985), mehrfach Aufnahme auf die Auswahlliste zum Deutschen Jugendbuchpreis, Nominierung für den Lindgren Memorial Award (2003).

1992 wurde Welshs Gesamtwerk mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur geehrt. Im gleichen Jahr wurde ihr auch der österreichische Titel der "Professorin" verliehen. 

Wissenschaftliche Rezeption

Dass Renate Welsh als eine der namhaftesten Autorinnen der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur gilt, belegen ihre Erwähnungen in den einschlägigen Lexika. Neben diversen fachdidaktischen und pädagogischen Beiträgen zu ihren Werken, liegt auch eine Dissertation von Andrea Urbanek über Welshs realistische Kinder- und Jugendliteratur vor.


Literatur

Weitere Beiträge zu Renate Welsh auf KinderundJugendmedien.de:

Literaturkritiken

Welsh, Renate: Chickensoup

Welsh, Renate: Das große Buch vom Vamperl

Welsh, Renate: Ohne Vamperl geht es nicht

Erstveröffentlichung: 01.01.2013