von Adienne Karsten

Das detailreich illustrierte Sachbilderbuch Jetzt sind auch die Kirschen reif zeigt – wie bereits der Vorgänger Was wächst denn da? Ein Jahr in Opas Garten – auf wundervoll leichte Weise den Lauf der Natur und deren unbändige Vielfalt. Es macht große Lust auf den Sommer und animiert dazu, selbst Obst und Gemüse anzupflanzen. Ein wunderbares Buch für kleine und große Gärtnerinnen!

Muller, Gerda: Jetzt sind auch die Kirschen reif! Wo kommen all die Früchte her? A. d. Französischen von Tatjana Kröll.
Moritz, Frankfurt a. M., 2017.
40 Seiten, 14,95 €
ISBN 9783-89865-335-3.
Empfohlen ab 5 Jahren.

Inhalt

In Jetzt sind auch die Kirschen reif ‒ Wo kommen all die Früchte her? lässt uns die sympathische Protagonistin Sophie erneut an ihren Entdeckungen im Garten teilhaben. In diesem Band dreht sich alles um Früchte, die an Sträuchern und Bäumen wachsen. Sophie, die eigentlich in einer großen Stadt wohnt, besucht ihre Familie in den Ferien auf dem Land und hilft ihrem Cousin beim Gärtnern. Kurz darauf findet ihr Vater eine neue Stelle in Südfrankreich, sie ziehen aufs Land und Sophie bekommt einen eigenen Garten. Gemeinsam mit den Nachbarskindern nimmt Sophie die LeserInnen mit durch das Gartenjahr, es werden im Sommer Melonen geerntet und im Herbst Nüsse gesammelt. Am Ende des Buches präsentieren Sophie und ihre neuen MitschülerInnen eine Ausstellung rund um Obst und Nüsse aus der ganzen Welt. Dabei erfährt man (auch als Erwachsener) Erstaunliches, zum Beispiel wie mühsam die Ernte und der Anbau von Cashewnüssen sind, warum unter dem Walnussbaum keine andere Pflanze wachsen möchte und wie die Frucht der Passionsblume heißt.

 

Kritik

Das Sachbilderbuch schlägt in die Kerbe der zurzeit so beliebten Selbstversorger-, Guerilla-Gardening- und praktischen Gartenbücher für Kinder. Es knüpft damit auch an die Trends der Entschleunigung, der Nachhaltigkeit und des umweltfreundlichen saisonalen und regionalen Speiseplans an. All das tut das Buch jedoch, ohne dass diese Themen dezidiert angesprochen werden oder das Buch mit diesen Verkaufsargumenten "belabelt" wird. Gerade dies macht es auch so erfrischend: Der Text wirkt nie pädagogisch oder wie ein klassisches Sachbuch, weil man Sophie als LeserIn einfach begleitet und ihr über die Schulter blickt, so wie einer guten Freundin.
Dabei lässt das Buch auch nicht den Eindruck entstehen, dass die Hobbygärtnerei nur Spaß und keine Arbeit mache. Aber es gelingt durchaus, Lust auf eine eigene kleine Erdbeerzucht oder einen kleinen Garten zu wecken. Und was gibt es Schöneres, als für seine Mühen mit einem köstlichen Obstsalat belohnt zu werden?
Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass nicht all die gezeigten Pflanzen auch in unseren Gefilden wachsen ‒ südfranzösische Kinder haben eben ein größeres Angebot an heimischen Früchten und Nüssen.
 
Man kann das Buch von vorn bis zur letzten Seite (vor)lesen oder sich einfach von Bild zu Bild treiben lassen und sich gänzlich in den Seiten verlieren. Denn in den großformatigen Illustrationen gibt es so viel wie sonst nur in Wimmelbüchern zu entdecken. Auch die Vignetten liefern häppchenweise Informationen zu den einzelnen Pflanzen. Es ist ein Buch, das man immer wieder aus dem Regal nehmen und in dem man Neues entdecken kann. Gerda Mullers Stil erinnert dabei ein wenig an die schwedischen Linnéa-Bilderbücher der 1980er-Jahre. Die Farben sind zeitlos und fröhlich.
Praktisch ist das Register "Sophies Früchte-ABC", mithilfe dessen man noch einmal alles Wissenswerte nachschlagen kann und weitere Informationen zu den Stichworten findet. Das Bilderbuch wurde in der Originalfassung sogar wissenschaftlich von drei Gärtnern bzw. Pädagogen lektoriert.
Eine weitere tolle Idee ist das Quiz auf dem Vorsatzpapier, bei dem man zwölf Früchte ihren jeweiligen Blüten zuordnen kann. Schön wäre es gewesen, hätte es sich auf dem hinteren Vorsatz nicht wiederholt, sondern noch ein anderes Quiz, mit anderen Früchten, gegeben. Entsprechende Früchte hätten sich in dem umfangreichen Buch sicherlich noch finden lassen!
Das Buch eignet sich bereits für jüngere Kinder, die die zahlreichen Bilder lesen und bekannte Früchte und Pflanzen entdecken können, und vor allem für Kinder ab fünf Jahren, die gut mit den großformatigen Seiten zurechtkommen.

Fazit

Gerda Muller, die den Text und die Illustrationen angefertigt hat, feierte in diesem Jahr bereits ihren 91. Geburtstag. Es ist sehr zu wünschen, dass sie den LeserInnen trotz ihres hohen Alters noch viele Bilderbücher dieser Art beschert. Gerda Mullers Prämisse war es stets, für Kinder zu arbeiten, nicht für deren Eltern oder Verlage. Dies ist auch an den absolut kindgerechten, detailvollen und naturalistischen Illustrationen in diesem rundum gelungenen Werk zu spüren, das einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt!


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