von Adienne Karsten

Unter all den Büchern über Bienen und Hummeln, die es zurzeit in der Kinderliteratur gibt, überrascht dieses mit seiner fantasievollen Geschichte und den zarten, farbenfrohen Illustrationen. Die surreale Handlung, erzählt in großen und kleinen Bildern, erfreut große und kleine LeserInnen.

Jay, Alison: Mia und das Blumenwunder.
Deutscher Text von Erwin Grosche.
Arena Verlag, Würzburg, 2017.
32 Seiten, 12,99 €
ISBN 978-3-401-71148-5.
Empfohlen ab 3 Jahren.

Inhalt

Eines Tages landet eine kleine erschöpfte Biene in Mias Zimmer. Das Mädchen bringt sie mit Zuckerwasser wieder zu Kräften und lernt, wie nützlich die Biene ist. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft und sie spielen einen Sommer lang miteinander. Die Biene zeigt Mia ihre Lieblingsblumen und gemeinsam erschaffen sie ein kleines Wunder: In einer großen Stadt säen sie Blumen und verwandeln sie in einen großen Garten.


Kritik

Sach- und Bilderbücher über Bienen und Hummeln haben derzeit Hochkonjunktur. Den Bienen geht es schlecht und die Kinderliteratur macht auf ihr Schicksal aufmerksam. Was Mia und das Blumenwunder von vergleichbaren Bilderbüchern, zum Beispiel Bienen von Piotr Socha (Gerstenberg, 2016; nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017) oder Bienen – Kleine Wunder der Natur von Britta Teckentrup (arsEdition, 2017), unterscheidet, ist die fantasievolle, oft surreale Geschichte. Beispielsweise wird die Biene im Verlauf der Geschichte des Buches immer größer und wächst Mia bald über den Kopf. Die Erzählweise auf der Bildebene in großformatigen Szenen und kleinen Vignetten erinnert an Storyboards von Animationsfilmen. Dies verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass die englische Illustratorin Alison Jay lange Zeit als Zeichnerin für Animationsstudios und in der Werbebranche tätig war.

(Bildausschnitt S. [12], Copyright Arena Verlag)

Speziell sind auch Mia, die mit ihrer Frisur und der Kleidung an die 1950er-Jahre erinnert, sowie die pastelligen Ölfarben, die im Verlauf der Geschichte von Blau-, Gelb- und Grautönen immer bunter werden. Die Zartheit der Farben unterstreicht die Freundschaft der beiden ungleichen Figuren. Die Bildaufteilung ist abwechslungsreich und interessant, die Perspektiven sind ungewohnt. Es ist, als ob man als LeserIn mit Mia und der Biene über die Häuser und Felder fliegt.

(Bildausschnitt S. [11], Copyright Arena Verlag)

Die Utopie des Urban Gardening, die Alison Jay mit ihrer Geschichte zeigt, regt die LeserInnen überdies selbst zum Gärtnern an. Die Freundschaft der beiden, von der es heißt, "sie wächst wie eine Blume" (S. 27), ist schön zu beobachten, sie weckt das Bewusstsein für bedrohte Tiere und macht spielerisch auf Missstände aufmerksam.

Ein wenig schade ist, dass sich der Verlag nicht getraut hat, das Bilderbuch – wie im englischen Original – ohne Text auskommen zu lassen. Sicherlich ist es eine Hilfe für die VorleserInnen, das Dargestellte zu verbalisieren und Erwin Grosche, als Verfasser witziger Texte für Groß und Klein, ein Verkaufsargument. Seine Texte hätte es dennoch nicht zwingend geben müssen.

Am Ende des Buches gibt es eine Seite mit Informationen zu Bienen und man erfährt, warum sie so nützlich (für den Menschen) sind. Hier wird kritisiert, dass das Wachstum der Städte für das Bienensterben verantwortlich sei. Dies lässt sich allerdings pauschal nicht so sagen. Hinweise auf Monokulturen in der Landwirtschaft oder der Einsatz von Pestiziden in der Agrarindustrie fehlen im Buch. Gerade in Städten gibt es bepflanzte Rückzugsorte, in Parks, Friedhöfen, Klein- und Gemeinschaftsgärten oder auf begrünten Dachflächen. Guerilla und Urban Gardening liegen im Trend und helfen, das Überleben der Bienen zu sichern. Natürlich bietet das Bilderbuch einen weiteren Anreiz hierzu. Dennoch dürfen diese anderen Fakten nicht außer Acht gelassen werden.

Ein letzter Wermutstropfen ist, dass biografische Hintergrundinformationen zur Illustratorin, die zahlreiche Bilderbücher in England veröffentlicht hat, fehlen, sowohl im Buch als auch auf der Homepage des Verlags.

Fazit

Mia und das Blumenwunder ist eine schöne, fantasievolle Alternative zu den (Sach-)Bilderbüchern über Bienen, die es zurzeit auf dem deutschen Markt zu kaufen gibt. Besonders für jüngere Kinder ab drei Jahren eignet es sich sehr gut zum Anschauen und weckt das Bewusstsein für diese wichtigen und vielseitigen Tiere.

Erstveröffentlichung: 08.07.2017


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