von Sophie Swensson

Die Hundebande ist ein neunköpfiges Rudel liebenswerter Hunde. In den drei Bänden der Comic-Reihe erleben sie alltägliche Abenteuer voller Witz, in denen sich bei aller Verrücktheit Kindergarten- und Grundschulkinder mit den dargestellten Emotionen und Problemen identifizieren können. Die Themen – Freundschaft und das Für-Einander-Sorgen – werden lustig dargestellt, bleiben aber tiefgründig genug, um zum Nachdenken über die eigene Position im Rudel anzuregen. 

Monfreid, Dorothée de: Keine Lust. / Wartet auf mich! / Schläfst du?
Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock.
Reprodukt, Berlin, 2017-8.
jeweils 24 Seiten, 14,00 €
ISBN ISBN 978-3-95640-152-7 / -153-4 / - 138-1.
Empfohlen ab 3 Jahren.

Inhalt

Im französischen Original zuerst erschienen ist der Comic Keine Lust. Der Hund Micha hat keine Lust, mit den anderen zu spielen. Nacheinander treten sechs Hunde auf, die mit ihm spielen, toben oder einfach nur spazieren wollen. Micha aber sitzt mürrisch herum und lehnt alle Angebote ab – bis sie den Spielverderber fragen, warum er eigentlich keine Lust hat, und schnell eine gemeinsame Lösung finden.

In Wartet auf mich! unternehmen gleich neun Hunde einen Ausflug zum Strand. Leider vergessen die Großen, auf den kleinen Omar zu warten. Während sie mit dem Boot zur Insel übersetzen, muss Omar allein hinterherschwimmen. Und als er sich ausruht, springen die anderen schon ins Wasser. Das haben alle Kinder schon einmal erlebt, und so freuen sie sich mit Omar, als er aus lauter Frust das Boot entführt und zum Kentern bringt. Am Ende picknickt das Rudel gemeinsam nasse Brötchen, während sich die kindlichen LeserInnen über den Schlamassel freuen.

Durch sein ungewöhnlich schmales Hochformat ragt Schläfst du? aus der Reihe heraus. Acht Hunde liegen in ihren Betten, nur Nono kann nicht schlafen und kriecht zu Micha. Nach und nach erwachen auch die anderen Hunde, bis an Schlaf nicht mehr zu denken ist. 

Kritik

Die Pariser Grafikerin Dorothée de Monfreid hat bereits über ein Dutzend Bilderbücher illustriert und legt ihren Schwerpunkt deutlich auf Tiere, mit denen sie ihre Geschichten erzählt. Aus der vorliegenden Reihe sind bisher drei Titel auf Deutsch erschienen, vier weitere warten noch auf eine Übersetzung.

Jeder der drei Titel ist in einer Primärfarbe gehalten, die auch die Bilder im Inneren dominiert: Knallrot ist das schlechtgelaunte Buch über den grumpigen Protagonisten, der Keine Lust hat, knallgelb wie der Sand für die Strandgeschichte ist Wartet auf mich! und dunkelblau wie die Nacht ist das Cover von Schläft du?. Auf dem Titel abgebildet sind bei Keine Lust  und  Wartet auf mich!  die beiden Protagonisten. Schläfst du? bricht mit vier Hunden im Stockbett zurecht das Schema: immerhin spielen die Betten, auf denen die Hunde auf- und absteigen, eine ganz zentrale Rolle.

Die Aufteilung des Bildes, und das gilt ausnahmslos für jede Doppelseite der drei Bände, korrespondiert stets mit dem Inhalt. In Keine Lust verharrt der schlecht gelaunte Micha in seiner Ecke, während die anderen Hunde um ihn herum tollen, bis er sie aus seiner Seite heraus schiebt. In Schläfst du? setzt das ungewöhnliche Format von 16 x 30 cm die vieretagigen Stockbetten in ungewöhnlichen 16 x 30 cm gekonnt in Szene. Hier steigen die Hunde die Leitern hinab und hinauf, bis sie schließlich alle in einem Bett übereinander liegen. Wartet auf mich!  dagegen wird bestimmt von weiten Flächen, in denen Omar einsam hinter der Meute hertappelt. Die Doppelseiten laden dazu ein, die Bewegungen der Hunde und damit den Fortgang der Geschichte als auch ihre Emotionen zu verfolgen. Das Format der Papp-Bände ist mit 21 x 26 cm groß genug für ein Bilderbuchkino in einer kleinen Gruppe.

Keine Lust ist der einzige Band, in dem es keinen Horizont gibt und die Hunde vor einer eindimensionalen Fläche mit Requisiten spielen.  Es ist aber auch der einzige Band, der keine Räumlichkeit definieren muss, während es in Wartet auf mich! und Schläfst du? die Geschichten mit dem Hin und Her im Raum arbeiten. Folglich sind Himmel, Strand und Wasser mit schlichten Strichen voneinander abgegrenzt und flächig getuscht oder ein verhängtes Fenster und zwei Teppiche füllen den notwendigen Raum zwischen den beiden Stockbetten unauffällig aus.

Der Text beschränkt sich, wie im Comic üblich, auf die in Sprechblasen in handgeschriebenen Lettern gesetzte wörtliche Rede. Dabei verzichtet die Serie auf einige Konventionen, so gibt es keine gestrichelt umrandeten Flüsterblasen und viele Sätze enden unaufgeregt mit einem Punkt. Allerdings ist alles in Großschreibung gesetzt, das muss bei der Auswahl für LeseanfängerInnen berücksichtigt werden.

Schläfst du? fällt durch etwas mehr Sprechblasen auf. Hier wird die Konvention eingeübt, die Sprechblasen innerhalb eines Panels von links nach rechts und oben nach unten lesen zu müssen, um die richtige Reihenfolge zu erzeugen. Diese Anforderung wird durch maximal drei Sprechblasen pro Doppelseite eingegrenzt, ist aber für LeseanfängerInnen sicher nicht zu unterschätzen. Grundsätzlich gilt aber, dass sich die Anzahl der Sätze in der Regel auf einen in Wartet auf mich! und drei, maximal vier pro Seite in den anderen Bänden beschränkt.

Bild und Text ergänzen sich widerspruchsfrei. Die Hunde sind einfach getuscht, aber Mimik und Gestik sind ausdrucksstark. Durch die helle, klare Farbgebung wirken die Bücher freundlich und übersichtlich. Die Zeichnungen werden sinnvoll ergänzt durch die alltagssprachliche, knappe Rede. Die Hauptrolle spielen die Bilder und das Hin und Her der Hunde. Auf jedem Bild gibt es eine Veränderung zu beobachten. Auffällig an Keine Lust ist, das hier pro Seite nur ein oder zwei Hunde das Geschehen betreten und jeweils ein Spiel – verdeutlicht durch schlichte Requisiten wie einen Ball oder zwei Schwerter – mitbringen, zu dem sie Micha einladen.

Durch den nachvollziehbaren Aufbau aller Bände können Kinder, die das Buch später allein betrachten, die Geschichte gut selbst lesen. Dazu tragen auch die kurzen Sätze bei, die in ihrer geringen Zahl schnell auswendig gelernt sind. Herausragend ist auch hier Keine Lust, dessen Titel schon auf Doppelseite zwei zum Catchphrase wird, der vom Publikum schnell aufgegriffen und intoniert werden kann. Dadurch, und durch die sukzessive Einführung der Hunde, eignet sich besonders Keine Lust auch schon für sehr junge Kinder.

Den drei Büchern ist gemeinsam, dass sie alltägliche Sorgen und Emotionen junger Kinder aufgreifen.

Keine Lust beschäftigt sich mit einem Hund, der vor lauter Hunger schlechte Laune hat und Spielangebote abweist. Das regt zum Gespräch über Freundschaft, Teilen und auch das aktive Einbeziehen an. Jedes Kind hatte schon einmal schlechte Laune und kann sich gut in den Protagonisten hineinversetzen. Am Ende wird eine Lösung angeboten und die Geschichte endet logisch und zufriedenstellend, der allgemeine Friede in der Spielgruppe ist wiederhergestellt. Durch den Catchphrase „Keine Lust!“, der sich fünfmal wiederholt, und den räumlichen Aufbau sowie die dialogische Situation eignet sich das Buch nicht nur gut für das Vorlesen, es regt auch sehr zum Mitsprechen und Nachspielen an. Daher ist dieses Buch auch schon für Kinder ab zwei Jahren zu empfehlen.

Wartet auf mich! bearbeitet die Angst jedes Menschen vor dem Zurückgelassen- und dem Vergessen-Werden. Bei allem Verständnis für die ungeduldige Hundegruppe, die ins Wasser springt, identifizieren sich LeserInnen sofort mit dem zurückgelassenen Omar, dessen hilflose Rufe Mitgefühl wecken. Am Ende wird die Situation durchaus schadenfroh aufgelöst. Das, die fröhlich herumtollenden Hunde und die hellen Farben lassen die Geschichte nicht tragisch oder beängstigend erscheinen, sie ist aber für jüngere Kinder durchaus spannend. Auch hier wird die unangenehme Situation durch ein gemeinsames Picknick zufriedenstellend gelöst. Gleichwohl muss die Lösung im anschließenden Gespräch gefunden werden: Wie hätte das Chaos verhindert werden können? Das Buch spricht Kinder über mehrere Altersstufen hinweg an: Die Komik und die Sprechblasen machen es für LeseanfängerInnen interessant, die Situation für Jüngere. Auch dieses Buch würde sich durchaus für ein gemeinsames Rollenspiel oder als Gesprächsanlass über Gruppenverhalten anbieten. Es eignet sich für Kinder der Elementarstufe im Kindergarten, also etwa ab drei Jahren.

Von Wirkung und pädagogischem Potenzial her betrachtet, fällt Schläfst du? etwas aus der Reihe. Auch hier wird ein alltäglicher Wunsch der Kinder danach, nicht alleine schlafen zu müssen, aufgegriffen. Für Eltern und Erziehende etwas unbefriedigend ist dabei vielleicht, dass am Ende alle Hunde übereinander in Michas Bett, statt in ihren eigenen, liegen. Für Kinder ist diese Lösung durchaus optimistisch. Die Spannung der Handlung ergibt sich hier daraus, dass immer mehr Hunde in einem Bett landen, das wird besonders von älteren Kindern im Grundschulalter als komisch rezipiert. Auf der Metaebene ist interessant, dass hier eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen wird, das Buch reiht sich in die vielfältigen Geschichten über Geschichten ein. Es eignet sich zum Vorlesen für Kinder ab drei und durchaus als Comic für Kinder im Grundschulalter.

Fazit

Die Bücher dieser Reihe sind vom Verlag mit dem Lesealter ab zwei Jahren angegeben, realistischer ist wohl die Annahme ab drei Jahren. Es lohnt sich die Anschaffung aller drei Bände, sie sind aber als Einzelausgaben konzipiert und lesbar. Sie eignen sich für alle Kinder bis hinauf zur ersten Klasse, besonders aber für solche, die humorvolle Literatur oder Comics schätzen.


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