von Simone Anna Stefan

Was passiert, wenn ein kleines Faultier und ein junger Jaguar aus ihren vorgegeben Rollen ausbrechen? Stefan Karch liefert dazu in seinem aktuellen Bilderbuch eine amüsante Antwort. Denn Faultier und Jaguar stellen "den Dschungel auf den Kopf". Ein lustiges Leseabenteuer für Groß und Klein.

Karch, Stefan: Und der Dschungel steht Kopf.
G&G Kinder- und Jugendbuch, Wien, 2018.
32 Seiten, 12,95 €
ISBN 978-3-707421644.
Empfohlen ab 4 Jahren.

Inhalt

"Sei faul!" sagt der Papa zum Faultier. "Sei wild!" sagt der Papa zum Jaguar. So ist das Faultier faul, obwohl dieses ständige Nichtstun sehr langweilig sein kann, und der Jaguar ist wild, was ihn müde und einsam macht. Eines Tages trifft das Faultier, als es seinen Baum zur Verrichtung seines Geschäfts verlässt, auf den am Boden schlafenden Jaguar. Der macht auf das Faultier so gar keinen gefährlichen Eindruck, im Gegenteil: Der Jaguar schaut richtig freundlich aus. Um ihn auch für die anderen Tiere freundlicher zu machen, bastelt das Faultier eine Blättermaske und als der Jaguar aufwacht lachen ihn die anderen Tiere des Dschungels an. Ein schönes neues Gefühl durchströmt den Jaguar und er möchte mit den anderen spielen. Aber wieder hört er die Stimme seines Papas, die zur Wildheit ermahnt. "'Du musst ihnen zeigen, wer der König des Dschungels ist.' 'Muss ich das wirklich? Ich bin ein Jaguar. Ich kann tun, was ich will', […]" (o.S.). Und so spielt der Jaguar mit den anderen und alle stehen – im wahrsten Sinne des Wortes – Kopf.

Kritik

Die gewohnte Ordnung zu durchbrechen, erfordert Mut, kann aber unwahrscheinlich bereichernd sein. Eine wichtige Botschaft also für diejenigen, die sich immer an Regeln halten sollen und denen das manchmal vielleicht schwer fällt. Eine wichtige Botschaft aber auch an die, die die Regeln aufstellen. "Sei brav! Ein Bub weint nicht. Ein Mädchen ist nicht so wild …" (o.S.) Noch immer werden Kinder mit Anweisungen konfrontiert, die eigentlich inhaltsleer sind oder überholte Rollenbilder stützen.

Der in der Steiermark lebende österreichische Autor, Illustrator und Puppenspieler Stefan Karch liefert mit Und der Dschungel steht Kopf ein farbenfrohes Bilderbuch. Die starken Illustrationen sind nicht nur Beiwerk, sondern verdeutlichen und erweitern den Text. Insgesamt gibt es auf den Bildern viel zu entdecken z.B. eine kleine mutige Schnecke, die sich dem Jaguar auf die Pfoten setzt. So beschließt das Faultier, den Jaguar freundlicher aussehen zu lassen. Das Wie bleibt auf der Textebene aber offen und wird nur im Bild beantwortet. Nur hier entdeckt man die Überlegungen zu und die schlussendliche Ausführung der Blättermaske für den Jaguar. Auch der Schluss, also das Auf-dem-Kopf-Stehen, bleibt auf die Bildebene beschränkt. Diese geschickte Verknüpfung macht das Buch spannend und anspruchsvoll, bleibt aber auch für sehr junge oder ungeübtere Betrachterinnen und Betrachter nachvollziehbar. Der Entstehungsprozess der Faultier- und Jaguar-Illustrationen kann übrigens auf der Homepage von Stefan Karch eingesehen werden.

Das Bilderbuch enthält eher wenig Text, manchmal findet sich nur ein Satz auf einer Doppelseite, was der Bildebene viel Raum gibt. Wörtliche Rede ist häufig, kurze Sätze dominieren: "Der Jaguar wunderte sich, als er erwachte. Der Dschungel hatte sich verändert. Die Tiere waren nicht in ihren Verstecken. Im Gegenteil. Sie lächelten ihn freundlich an. Sie winkten ihm zu. Sie boten ihm an, mit ihnen zu spielen." (o.S.) Die Textebene erscheint auf den ersten Blick zwar sehr einfach, trotzdem arbeitet Karch auch hier mit gelungen Effekten: "[…] Unten angekommen begegnete es …" (o.S.) Hier wird ein großes Spannungsmoment erzeugt, das erst nach dem Umblättern mit "dem Jaguar" gelöst werden kann. An dieser Stelle nimmt sich die Bildebene etwas zurück, da das Tier an den Rand gerückt und ohne Kopf dargestellt wird. Die Text-Bildverknüpfung zeigt also verschiedene Muster, was u.a. ein hervorzuhebendes Qualitätsmerkmal für Bilderbücher darstellt.

Fazit

Ein farbenfrohes Buch mit einer fröhlichen Botschaft für junge Leserinnen und Leser ab drei Jahren: Halte dich nicht immer an die Regeln der Großen! Trau dich, anders zu sein! Die Großen sollten stets die Sinnhaftigkeit der Regeln hinterfragen und die Kleinen dürfen sich trauen, sinnlose Regeln zu durchbrechen.


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