von Sophie Swensson

Hund Ludwig und seine Freunde leben in einer Bücherwelt. Damit sind alle zufrieden, nur  Ludwig nicht: Er träumt davon, zu fliegen und den Weltraum zu erkunden. Erzählt wird die Geschichte in einer ansprechenden Mischung aus Collagen und 3D-Illustrationen.

Löhlein, Hennning (Text/Illustration): Ludwig, der Weltraumhund.
Aus dem Englischen von Günther, Herbert/Günther, Ulli.
Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel, 2017.
40 Seiten, 13,95 €
ISBN 978-3-407-82155-3.
Empfohlen ab 5 Jahren.

Inhalt

Ludwig, der Hund, lebt mit seinen fünf tierischen Freundinnen und Freunden zwischen den Seiten verschiedener Bücher. Das Schwein Emma ist einem Buch über Blumen entsprungen und blumenübersät. Schaf Mats ist aus dem Foto eines Rasens ausgeschnitten und wird vor einem botanischen Bestimmungsbuch gezeigt. Jedes der Tiere entstammt einem anderen Buch, das seine Stärken oder Interessen charakterisiert. Ludwig, der mit seiner Haut aus Landkarten einem Atlas entspricht, liest gern und träumt davon, im Weltall zu fliegen.

Eines Tages landet ein Weltraumforscher mit einer defekten Rakete bei den sechs Freunden. Ludwig hilft ihm bei der Reparatur und begleitet ihn anschließend auf dessen Reisen durch das Universum. Seine zurück gebliebenen Freunde erfahren durch Postkarten und Briefe von Ludwigs Abenteuern.

Kritik

Der erfahrene Illustrator Henning Löhlein hat mit Ludwig, der Weltraumhund sein erstes eigenes Buch (Text und Bild) vorgelegt. Es erschien 2016 bei Templar, London, und wurde 2017 bereits durch einen bisher nur auf Englisch erschienen zweiten Band, Ludwig the Sea Dog, ergänzt. Seit 2017 ist der erste Band auf Deutsch erhältlich.

Der offensichtliche Erfolg des Werkes beruht auf dem kreativen Umgang mit der 3D-Technik, die besonders Kindern gefällt, und der Collagentechnik, die das Buch auf eine Metaebene hebt.
Löhlein nutzt sehr geschickt einen Mix aus beiden Verfahren. So bildet er anscheinend Collagen aus älteren, aufwendig illustrierten Büchern wie Atlanten oder Bildbänden. Diese sind teilweise auf Englisch, teilweise auf Deutsch gehalten, was ihre Authentizität unterstreicht. Durch die Weichzeichnung der Illustrationen bleiben jedoch Zweifel, ob diese Bilder aus antiquarischen Werken abfotografiert oder vielmehr aufwändig eigene gestaltet und die Stile des 19. und 20. Jahrhunderts perfekt nachgeahmt wurden. Dabei bedient sich Löhlein bei Vignetten und Illustrationen im Stil der Kupferstiche des 19. Jahrhunderts, technischen Handbüchern der1950er bis 70er Jahre, Enzyklopädien, Spielebüchern und zeitlosen Atlanten. Der generelle Eindruck der Bücherwelt ist der einer in die Jahre gekommenen, breit bestückten Bibliothek. Deren Werke sind Bücher besonders faszinierend, weil sie einen Einblick in interessante Sachgebiete und vergangene Epochen bieten. Durch fehlende Quellenangaben ist die Herkunft aller Illustrationen nicht nachzuvollziehen: geschickte Fälschung oder aufwändige Recherche? – Dass viel Arbeit hinter den Illustrationen steckt, ist offensichtlich. Die Mischung aus Stilen verschiedener Epochen entspricht dem aktuellen Zeitgeschmack und ist für Kinder wie Erwachsene unterhaltsam.

(Copyrightvermerk: Henning Löhlein: Ludwig, der Weltraumhund ©2017 Beltz & Gelberg in der Verlagsgruppe Beltz · Weinheim Basel)

Das Buch ruft die Freude beim Entdecken kurioser Fundstücke in Bibliotheken wach. Ludwig, der Weltraumhund ist damit, neben der Erzählung von einem abenteuerlustigen Hund, auch ein Buch über das Schmökern und Träumen und vor allem darüber, dass jedes Buch eine Welt für sich ist, die sich zu bereisen lohnt.

Dreidimensional gezeichnet (durch ein rotes und ein blaues Bild, mehrere Millimeter versetzt abgedruckt) sind dabei fast nur Bilder vom Fliegen oder dem Weltraum. Es sind die Vögel in einer Enzyklopädie, die Rakete des Weltraumforschers, Sterne auf einer Sternenkarte und Ludwigs Traumblasen, die Planeten oder Raketen beinhalten. Sie sind das, was Ludwig in den Büchern nicht finden kann, die "Welt da Draußen" (o.S.), die er kennenlernen möchte. Als er die Bücherwelt verlässt, fliegt er mit dem Weltraumforscher durch ein komplett dreidimensional gezeichnetes Universum. Ludwig ist ein Leser, der schließlich das Buch zuklappt und, inspiriert vom Gelesenen, die Welt um sich herum entdeckt.

Der Schwerpunkt der Gestaltung liegt eindeutig auf den Illustrationen. Sie erzählen die Geschichte. Ergänzt werden sie durch einen serifenlos gesetzten Text und Sprechblasen in ebenfalls serifenlosen Großbuchstaben, ganz klassisch an das Genre Comic angelehnt. Dabei erläutert der sehr kurz und sprachlich einfach gehaltene Text ausschließlich das, was ohnehin durch die Illustrationen gezeigt wird.

So werden z.B. auf der zweiten Doppelseite die Freunde beim Spielen abgebildet: Vor einem Hintergrund aus vergilbtem Papier liegen ein aufgeschlagenes Spielebuch etwa der 1950er, eine herausgerissene Seite aus einem älteren Buch und eine angeschnittene Karte eines Sternenatlas. Vor diesen wiederum bewegen sich die Tiere, die mehrfach in verschiedenen Konstellationen und Szenen dargestellt sind. Ganz oben links spielen sie vor dem abgebildeten Schlangen-und-Leitern-Spiel Tauziehen. Im zweiten Bild verstecken sie sich hinter einer Buchseite, während das Schaf sich die Augen zuhält und in einer Sprechblase " … 25 … 26 … 27 …" (o.S.) zählt. Schließlich hüpfen sie auf einem Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spielfeld herum. Ludwig nimmt an diesen Aktivitäten zwar zuerst teil, aber beim dritten Spiel ruft das Schwein: "Ludwig, spiel doch mit!" (o.S.), während dieser am Seitenrand auf der Sternenkarte sitzt und in einem Atlas blättert. Dreidimensional gezeichnete Gedankenblasen über ihm zeigen dabei seine Träume vom Fliegen und dem Weltraum. Der Text kommentiert diese Bildervielfalt in drei Sätzen: "Die sechs Freunde spielten gern zwischen den Seiten der Welt. Aber Ludwig hatte auch Freude am Lesen. Seine Lieblingsbücher handelten vom Fliegen im Weltraum." (o. S.)

Da die Bilder gut durch die Geschichte führen und durch die Sprech- und Gedankenblasen auch die Wünsche und Vorstellungen der Tiere thematisiert werden, erfüllt der Text im Prinzip keine weitere Funktion. Er bietet einzig ein niedrigschwelliges Angebot, das Betrachten kommunikativ zu begleiten. Durch kurze Sätze und einfache Wortwahl wie das kindliche "Weltraumforscher" statt des Fachwortes "Astronaut" begibt sich der Text auf eine (angenommene) kindliche Sprachebene. Schwierigere Komposita wie "Käsemond" oder "Würstchenplaneten" werden illustriert (siehe Abbildung). Der Text eignet sich damit auch für Leseanfänger bzw. Vortragende, für die Deutsch eine Fremdsprache ist oder die selbst nicht viel Erfahrung mit dem Lesen haben.

(Copyrightvermerk: Henning Löhlein: Ludwig, der Weltraumhund ©2017 Beltz & Gelberg in der Verlagsgruppe Beltz · Weinheim Basel)

Natürlich ist das Buch für Kinder besonders attraktiv wegen der 3D-Illustrationen. Sie werden durch eine beigelegte Brille betrachtet. Die 3D-Illustrationen sind durch das ganze Buch hin eingestreut und machen etwa ein Drittel aller darin enthaltenen Bilder aus. Da sie farblich gestaltet sind, lässt sich das Buch auch ohne Brille betrachten, nur fallen dann die Versätze von Rot-Bild und Blau-Bild auf, die erst durch die Brille betrachtet die 3D-Optik erzeugen. Leider ist der Versatz bei vielen Bildern sehr groß, wodurch die Bilder manchmal unscharf sind und der Effekt nur schwach funktioniert. Hier hätte in der Buchherstellung sorgfältiger gearbeitet werden müssen. Die normalen farbigen Illustrationen sind dagegen perfekt gedruckt. Kinder haben dennoch ihre Freude daran und konzentrieren sich beim Betrachten auf die Bilder und den Spaß mit der 3D-Brille.

Fazit

Durch die knappen, einfachen Texte und die Attraktivität der Brille eignet sich das Buch besonders dafür, Kinder ab fünf bis etwa acht Jahre an das Lesen und Bücherbetrachten heranzuführen. In einer Klassenbibliothek oder als Geschenk für Erstleser ist es gut vorstellbar. Ludwig, der Weltraumhund wäre auch als Klassenlektüre geeignet; zum Beispiel als Auftakt zu Sachthemen (Weltraum, Welt der Bücher, Reisen und Briefe schreiben) oder zu Werktechniken mit Papier (Collagieren, Basteln mit alten Büchern). Es macht Kindern sicher Lust darauf, selbst ein Abenteuer zu erträumen oder eigene Postkarten zu gestalten und zu versenden.

Wir verlosen dieses Bilderbuch: Schreiben Sie uns zur Teilnahme an der Verlosung einfach eine eMail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit dem Titel des Buches, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an dem Tag, an dem wir das Bilderbuch vorstellen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Sophie Swensson und die Redaktion wünschen Ihnen viel Glück und drücken alle Daumen!

Erstveröffentlichung: 19.12.2018


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