Dass das kleine unscheinbare Huhn von den vielen bunten Perlen, mit denen es bei seiner Arbeit zu tun hat, geradezu fasziniert ist, kann man gut verstehen. Aber dies rechtfertigt nicht, dass es das Vertrauen seines Arbeitgebers Peacock (Engl.: Pfau) schändlich missbraucht. Das Huhn bestiehlt ihn und sorgt damit für ungeahntes Durcheinander. Aber die Einsicht kommt gerade noch rechtzeitig. Und so gibt es in dieser nett erzählten Fabel doch noch ein glitzerndes Happy End...
 
Scheffler, Axel (Text und Bild); Scheffler, Rosa (Bastelanleitungen): Die Perlendiebin.
80 Seiten, 10 €
ISBN 978-3-499-00130-7.
Empfohlen ab 5 Jahren.
 
Inhalt
 
Das kleine namenlose Huhn liebt alles, was glitzert und funkelt. Wie schön, dass es vom Perlenkaufmann, dem Pfau Peacock, als Hilfe in dessen Laden eingestellt wird. Schon nach kurzer Zeit beherrscht das Huhn seine handwerklichen Aufgaben. Wann immer es beim abendlichen Ausfegen der Werkstatt eine Perle im Staub entdeckt, nimmt es diese an sich. Die Gier nach allem Glitzernden wird dabei immer größer. Als eines Tages der König seine vom Transport lädierte Krone zur Reparatur bringt, hat das Huhn keine Hemmungen, selbst dieses Prachtstück an sich zu nehmen. Aber dann kommt doch noch – spät, aber nicht zu spät – die Einsicht, damit einen schweren Diebstahl begangen zu haben. Glücklicherweise findet das Huhn mit der Hilfe des Mondes einen Ausweg aus seiner vertrackten Situation. Am Schluss sind alle Beteiligten, darunter auch der König, glücklich und zufrieden. Und aus dem unscheinbaren Huhn mit dem graubraunen Gefieder ist ein glitzerndes Perlhuhn geworden…
 
 
Kritik
 
Axel Scheffler, der unter anderem als Illustrator des Grüffelo bekannt wurde, hat mit Die Perlendiebin ein reizvolles Märchen-Bilder-Bastelbuch vorgelegt. Die Fabel vom unscheinbaren kleinen Huhn mit dem stumpfgrauen Gefieder, das sich sehr bald als äußerst gelehriger Helfer des Perlenhändlers Peacock erweist, wird auktorial im Präsens erzählt und ist für Kinder gut verständlich. Eine gewisse Dramatik kommt dadurch ins Spiel, dass das Huhn – zunächst ohne jedes Unrechtsbewusstsein – immer wieder Perlen stibitzt, anfangs nur einzelne, aber dann werden es mehr und mehr:
"Wer soll etwas bemerken? Peacock ist doch reich genug und besitzt mehr Perlen und Glitzerkram als irgendjemand sonst. Ein kleines, unscheinbares, graues, leicht verstaubtes Huhn wird schon niemand verdächtigen … So denkt das Huhn in seinem kleinen Kopf." (S. 13)
Genau diese Thematik steht im Fokus der Geschichte: Allein die Tatsache, dass jemand mehr besitzt, rechtfertigt keinen Diebstahl. Pädagogisch geschickt, ohne dass die Tat als solche (ein "Diebstahl von solcher Unverfrorenheit", S. 27) dadurch verharmlost würde, löst sich die Problematik durch einen Dialog des Huhns mit dem Mond. Die Wiedergutmachung seitens des Huhnes sowie dessen uneingeschränktes Schuldbekenntnis führen indes zwar zu einer gerechten Ahndung des Diebstahls, die Ehrlichkeit wird letztlich aber auch belohnt.
"Das Huhn hebt den Kopf: 'Hallo, lieber Mond. Du hast mir sehr geholfen. Wer weiß, was für ein Ende es genommen hätte mit mir und meiner Glitzergier. Sicher hätte ich viel härter bestraft werden können für meine Diebereien. Peacock war sehr gutherzig und nachsichtig mit mir.' […] Das kleine Huhn ist sehr glücklich …" (S. 44)
Im Buch wird keine Gesellschaftskritik vorgenommen; Hierarchien und etwa eine ungerechte Verteilung von Besitzgütern werden weitgehend als gegeben vorausgesetzt, aber durch ein vertrauensvolles, wertschätzendes Miteinander zumindest relativiert.
Die ansprechenden farbigen Illustrationen sind kindgerecht. Nahezu auf jeder Seite begleiten sie parallel-symmetrisch den Text. Die unterschiedlichen Tiere sind in menschenähnlichen Bewegungsmustern, jedoch mit tierspezifischen Köpfen und Extremitäten dargestellt.
Eine Besonderheit des Buches sind die ausführlichen, in einem knapp dreißigseitigen Anhang zusammengefassten Bastelanleitungen Perlenzauber zum Selbermachen (von Rosa Scheffler), mittels derer verschiedene perlengestickte Figuren und Schmuckstücke, die auch im Text erwähnt werden, selbst hergestellt werden können. Für weitere Detailfragen wird auf die Internetadresse  www.rowohlt.de/perlendiebin verwiesen, bei der man sich Fotos und Videos einzelner Arbeitsschritte ansehen kann.
 
Fazit
 
Die Perlendiebin ist kein Erstlesebuch, aber sehr gut zum Vorlesen und Betrachten für Kinder ab fünf Jahren geeignet. In pädagogisch einfühlsamer Weise betont die Fabel die Wertigkeit eines ehrlichen Umgangs miteinander. Vor allem etwas ältere, handwerklich geschickte Kinder werden zudem durch die bebilderten Bastelanleitungen dazu animiert, mit Perlen entweder die vorgegebenen Stickfiguren, Armbänder u. dgl. nachzuarbeiten oder auch selbst kreativ zu werden.

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