von Sarah Aßmann

Wer hat sich als Kind nicht einen Drachen oder ein anderes aufregendes Haustier gewünscht?
Für Alex aus dem Buch Drachenpost hat sich dieser Wunsch erfüllt. Da hat er plötzlich einen Drachen als Mitbewohner. Doch so ein ungewöhnliches Tier zu haben, ist etwas kniffliger als gedacht…

Yarlett, Emma: Drachenpost.
A. d. Englischen von Ebi Naumann.
Thienemann Esslinger, Stuttgart, 2019.
32 Seiten, 15 €
ISBN 978-3-522-45896-2.
Empfohlen ab 4 Jahren.

Inhalt

Alex träumt von einem echten eigenen Drachen als Haustier. Und eines Tages taucht tatsächlich einer in seinem Haus auf. Alex ist begeistert. Doch das Zusammenleben mit dem neuen Mitbewohner ist nicht nur einfach. Der Drache mag seine Marmeladenbrote nicht fressen. Außerdem macht er so viel Lärm, dass Alex eine Mahnung von der Nachbarin bekommt und zudem ist das Haus eigentlich viel zu klein für den schon riesengroßen Babydrachen. Zum Glück weiß Alex genau, an wen er sich mit seinen Sorgen wenden kann. So schreibt er an die unterschiedlichsten Leute: an die Feuerwehr, den Metzger und den Zoo. Von allen erhält er nützliche Antworten. Der wichtigste Brief kommt allerdings ganz zum Schluss, von seiner besten Freundin. In diesem rät sie Alex, den Drachen frei zu lassen, damit er endlich genug Platz hat. Also verabschieden die Beiden sich schweren Herzen voneinander. Alex vermisst seinen Drachen sehr, auch wenn er weiß, dass es richtig war, ihn frei zu lassen. Doch dann kommt eines Tages ein allerletzter Brief: Post von seinem Drachen!

Kritik

Das Buch Drachenpost von der Autorin und Illustratorin Emma Yarlett, von der unter anderem auch das Buch Wie Leo seine Angst im Dunkeln verlor erschienen ist, besticht schon auf den ersten Blick mit seinem wunderbaren, thematisch passend gestalteten Cover. Das quadratische Buch ist wie ein Brief gestaltet, mit Alex und seinem Drachen sowie einer Briefmarke auf der Vorderseite und der Inhaltsangabe auf der Rückseite. Auch die Innengestaltung ist sehr hochwertig, mit festen Papierseiten und aufwendiger Fadenbindung. Die einzelnen Seiten sind meist vollständig illustriert und in bunten, dennoch dezenten Farbtönen gehalten.
Die Geschichte wird ausschließlich durch kurze, teilweise nur ein bis zwei Zeilen lange Texte erzählt. Diese bringen das Geschehen kurz und knapp auf den Punkt und werden hauptsächlich durch die aussagekräftigen Zeichnungen  ergänzt. Dabei werden die einzelnen Maßnahmen, die Alex zur Lösung der Probleme ergreift, überspitzt dargestellt. So füttert er den Drachen zum Beispiel mit einer Lanze mit einem Stück Fleisch. Etwas mehr Text findet sich hingegen auf den Antwortbriefen, die Alex erhält. Hierbei setzt der Verlag auf eine post-digitale-Umsetzung, um die haptischen Vorteile des Buches hervorzuheben. So können die Kinder die Briefe herausziehen und sich somit aktiv mit dem Buch auseinandersetzten. Auch die einzelnen Briefe sind passend zu den antwortenden Personen gestaltet. Bei der Antwort des Metzgers findet man auf der Rückseite noch eine Auswahl an verschiedenen Angeboten aus seiner Fleischtheke und der Brief aus dem Zoo ist von einem Raubtier etwas zerbissen.
Inhaltlich ist die Idee, wie Alex mit seinen Problemen umgeht und versucht diese zu lösen, wirklich gut gelungen. Er sucht selbst nach einer Lösung, scheut sich dabei jedoch nicht, nach Hilfe zu fragen. Doch statt sich, wie oft in anderen Büchern üblich, an seine Eltern zu wenden, schreibt er an die richtigen "Fachleute". Hierbei wird den Kindern unterschwellig vermittelt, dass es in Ordnung ist, nach Hilfe zu fragen und diese anzunehmen. Dass diese nicht immer von den eigenen Verwandten kommen muss, sondern auch viele andere Menschen bereit sind zu helfen, ist dabei eine unterbewusste Botschaft. Beim Lesen der Briefe lässt sich auch erahnen, mit wie viel Kreativität diese von der Autorin verfasst und von der Übersetzerin übertragen worden sind. Es finden sich viele witzige Wortspiele wieder. So heißt die Anwältin, die den Mahnbrief wegen Lärmbelästigung schreibt, P. Dantisch und ist von der Kanzlei E. T. P. Tete (etepetete) und der Absender des Briefes aus dem Zoo ist ein gewisser Leo Pard. Mit solchen lustigen sprachlichen Spielereien bringt Emma Yarlett nicht nur die kleinen Leser und Leserinnen zum Kichern, sondern entlockt auch den erwachsenen Vorlesern und Vorleserinnen das eine oder andere Schmunzeln.
Die Kernbotschaft der ganzen Geschichte kommt jedoch erst zum Schluss. Manchmal muss man sich von dem, was man liebt, verabschieden, auch wenn es noch so schwer ist. Der Drache ist einfach zu groß für das kleine Haus. Was traurig klingt, nimmt auf der letzten Seite doch noch eine positive Wendung. Alex bekommt einen allerletzten Brief: Post von seinem Drachen. Hier wird darauf angespielt, dass Freundschaft auch über räumliche Distanz hinweg bestehen kann. Zudem lässt das Buch die Leser und Leserinnen durch diese Wendung nicht mit einem traurigen, sondern ruhigen "Alles-richtig-gemacht-Gefühl" zurück.

Fazit

Drachenpost ist durch die kurze, dennoch sehr abwechslungsreiche Geschichte und vor allem durch die gestalterische Umsetzung ein einziges Lesevergnügen. Die dicken Seiten, die aufwändige Fadenbindung und die schlichten, dennoch aussagekräftigen Illustrationen machen es zudem zu einem haptischen Erlebnis. Das Highlight bleiben jedoch die echten Briefe, die mit witzigen Wortspielen bestechen und die Kinder aktiv mit in das Leseabenteuer einbinden. Zudem werden die wichtigen Botschaften, dass es in Ordnung ist nach Hilfe zu fragen und dass Freundschaft auch über die Distanz hin bestehen kann, unterschwellig, dennoch einprägsam vermittelt. Ein Buch, das einen Platz im Bücherregal für Kinder ab vier Jahren wirklich verdient hat.

Erstveröffentlichung: 13.02.2020


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