von Betül Davulcu

Lina und ihre Schlafschafe sind wieder da! In einer neuen spannenden Geschichte von Harriet Grundmann und Tobias Krejtschi steht erneut der Wolf Nummer 5 im Vordergrund, um sich zusammen mit Lina und ihren wolligen Freunden auf die Suche nach dem verlorenen Schlafschaf Nummer 8 zu machen.

Grundmann, Harriet und Krejtschi, Tobias: Die Sache mit Nummer Acht.
Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 2013.
32 Seiten. 13,90 €
ISBN 978-3779504320 .
Empfohlen ab 4 Jahren.

Inhalt

Die Fortsetzung zu Das fünfte Schaf (2008) der Hamburger Autorin Harriet Grundman wurde erneut liebevoll von Tobias Krejtschi illustriert. Auch diesmal kann Lina nicht schlafen und zählt ihre Schlafschafe, um zur Ruhe zu kommen. Doch etwas scheint anders zu sein: Ihr Freund Nummer 5, der Wolf im Schafspelz und Held des ersten Teils, weint! Er hat einen Drohbrief von bissigen Wölfen erhalten und soll ihnen Nummer 8 aushändigen. Das Rudel wird in wenigen Tagen persönlich kommen, um es sich zu holen. Nummer 8? Ein verschollenes Schaf? Ist Nummer 5 vielleicht doch nicht so unschuldig, wie er sich gibt? Kann man ihm doch nicht trauen? Doch! Lina glaubt an ihn und zusammen mit den Schlafschafen rüsten sich die Freunde auf, um sich den wilden Wölfen gemeinsam zu stellen. Dabei wird viel gejault, verkleidet und Mut gemacht. Diesmal dreht sich der Spieß um und wir sehen eine Meute wilder Schafe im Wolfspelz. Werden sie es gemeinsam schaffen Nummer 8 zu retten?

Kritik

Die Sache mit Nummer 8 erschien 2013, ebenso wie sein Vorgänger Das fünfte Schaf, im Peter Hammer Verlag. Das 32 Seiten umfassende Buch ist sehr bildlastig und durch das großzügige Querformat (21,5 x 30,4 cm) sowie die doppelseitigen Bildfolgen ideal zum Vorlesen geeignet. Die Illustrationen stehen im Vordergrund. Sie unterstützen nicht bloß den Text, sondern machen vielmehr die Geschichte aus. Besser gesagt: Bild und Text verlaufen parallel und ergänzen sich gegenseitig. So gibt es auch einige Seiten, auf denen kein Text notwendig ist, um der Geschichte zu folgen. Die Bilder sind sehr lebendig und ideenreich, sodass durch kleine Details die Phantasie der jungen Leserinnen und Leser angeregt wird. Das Bilderbuch wird für Kinder ab vier Jahren empfohlen und läd durch die detaillierten Illustrationen zum Vorlesen und gemeinsamen entdecken ein.

Bereits beim ersten Durchblättern fallen die eindrucksvollen und stimmungshaften Bilder auf. Krejtschi setzt hauptsächlich deckende Farben ein. Hierbei dominieren warme beige-braun Töne, es gibt keine grellen oder knallige Farben. Brauntöne stehen in der Farblehre für Ruhe, Entspannung und Natürlichkeit. Dies unterschreibt die Thematik des Bilderbuches als typische Gute-Nacht-Geschichte, die dazu beitragen soll, dass Kinder zur Ruhe kommen. Aufgeregte Farbtöne wären hier kontraproduktiv. Darüber hinaus werden durch die Farben bestimmte Stimmungen und Emotionen zum Ausdruck gebracht. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Darstellung des wilden Wolfsrudels in Schwarz und Grau – die dunklen und farblosen Kreaturen, die der Vorstellung der Schafe entspringt, wirken angsteinflößend und aggressiv.

Bei Krejtschis Illustrationen stehen die Figuren deutlich im Vordergrund: Lina, der Wolf und die Schlafschafe. Hintergründe werden nur angedeutet, sie sind nicht nötig, um der Geschichte zu folgen, da diese nur in Linas Kinderzimmer stattfindet. Die Dialoge zwischen den verschiedenen Charakteren sowie ihre persönlichen Entwicklungen sind hier wesentlich. Die Leserinnen und Leser befinden sich also fast ausschließlich in Linas Zimmer, einem ruhigen und warmen Ort. Lediglich die gruseligen Wölfe sehen die Rezipierende an einem anderen Ort, einem dunklen Wald als Symbol für Herausforderung und Bedrohung.

Von besonderem Stellenwert ist die Darstellung von Haltung, Mimik und Gestik der Figuren, denn sie gibt den Betrachtenden Hinweise auf das Empfinden der Charaktere und deren Beziehungen zueinander. In anderen Worten: Das Bild gibt Leserinnen und Lesern mehr Informationen zur emotionalen Lage der Charaktere als der Text. Mehr noch: Das Bild erschafft eine emotionale Beziehung zwischen Figur und Lesenden. Die Tiere weisen eine nahezu menschliche Mimik und Gestik auf. Besonders der Wolf wird sehr facettenreich dargestellt. Als eigentlichem Helden der Geschichte wird ihm nicht nur besonders viel Platz eingeräumt, auch seine im Vergleich zu den anderen Figuren übertriebene Größe unterstreicht seine Gewichtung. Alle Charaktere sind dynamische Figuren, die sich über den Textverlauf hinweg entwickeln. Im Vordergrund steht die gemeinsame Weiterentwicklung innerhalb der Gruppe, welche sich gegenseitig motiviert und ermutigt.

Doch nicht nur die Illustrationen sind phantasievoll gestaltet, auch Grundmanns Text trägt zu einem spannenden Leseerlebnis für Groß und Klein bei. Krejtschi unterstützt dies, indem er die Schrift als gestalterisches Element nutzt. Zwar bleibt die Schriftart immer gleich, doch variiert die Schriftgröße – zum Beispiel beim lauten Geheul der Schlafschafe – oder die Schrift wird wellenartig dargestellt. Zusammenfassend handelt es sich hierbei um ein inszenierendes Lesen, welches den Kindern Schrift schon im Vorschulalter näherbringt. Die hier verwendete klassische Serifenschrift ist durch ihren statischen Aufbau zudem besonders gut für Leseanfängerinnen und -anfänger geeignet. Grundmann macht Gebrauch von alltagssprachlichen Wörtern bei minimalem Redeschmuck, wodurch die Geschichte leicht verständlich ist, jedoch durch die lebhaften Dialoge, in denen auch gerne mal saloppe Ausdrucksweisen verwendet werden, nicht langweilig wird. Auch die vielen rhetorischen Mittel, wie Lautmalerei ("... pitsch - - pitsch … landeten zwei Wassertopfen auf Linas Hand.") oder Anaphern ("Wie ängstlich sie plötzlich waren. Wie aufgebracht! Wie wütend!") machen den Text mitreißend und gleichzeitig leicht verständlich.

Fazit

Die Thematik der Geschichte geht über eine einfache Gute-Nacht-Geschichte hinaus, da die Charaktere bei näherer Betrachtung tiefgründiger sind als erwartet. Ein Wolf im Schafspelz, nicht etwa aus hinterhältigen Beweggründen, sondern aus reinem Wunsch nach Freundschaft und Zugehörigkeit. Und ein nicht konventionskonformer Held, der sich wie schon im ersten Teil durch seine Herkunft und sein äußeres Erscheinungsbild rechtfertigen und beweisen muss. Die Leserinnen und Leser lernen, dass Freundschaft mit Vertrauen zu tun hat und dass man gemeinsam am stärksten ist. Es wird eine starke Gruppendynamik gezeigt und vor allem, dass man sich nicht von Vorurteilen lenken lassen sollte. Eine Moral, die zu jeder Zeit von großer Relevanz ist.

Die Sache mit Nummer Acht ist eine gelungene Fortsetzung zu Das fünfte Schaf. Es ist eine liebe- und vor allem phantasiereiche Gute-Nacht-Geschichte für Vorschulkinder die textlich und gestalterisch überzeugt, denn Bild, Schrift und Inhalt sind konsequent und stilvoll aufeinander abgestimmt. Sie regt die Phantasie von Vorleserinnen und Vorlesern sowie Zuhörerinnen und Zuhörern an und lässt sie mit den sympathischen Charakteren mitfiebern.

Erstveröffentlichung am 11.08.2020


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