Inhalt

Eine Nachricht vom Planeten Globux erreicht die Erdlinge. Sie spricht davon, wie einst Wasser Leben von Pflanzen und Tieren ermöglichte: Bäume, Sträucher und Blumen grünten und blühten in den schönsten Farben. Insekten, Fische, Reptilien, Vögel und Säugetiere fühlten sich in verschiedenen Lebensräumen wohl, tummelten sich an Land, im Wasser und in der Luft. "Dann tauchten die Menschen auf und mit ihnen Fortschritt, Wissenschaft, Geld und Gier." (o. P.) Sie bauten Fabriken, Autos, Flugzeuge und Schiffe, die giftige Gase ausstießen. Riesige Müllberge entstanden, auch Gewässer blieben nicht verschont. Nichts erschien den Globuxanern unantastbar, um es nicht für ihre Zwecke zu nutzen und auszunutzen.

Kritik   

Mit Unsere Erde. Wenn wir sie schützen, beschützt sie uns, übersetzt aus dem Italienischen von Lisa Rühl, legen Carolina Zanotti, Musik- und Theater-Journalistin, und Giancarlo Macrì, Schauspieler und Musiker, erneut ein Bilderbuch zu einer der größten Debatten unserer Zeit vor. Nachdem das italienische Ehepaar mit den internationalen Bestsellern Punkte und Die Mauer (dt. Erstausgabe 2017 bzw. 2019) so brisante Themen wie Flucht und Migration, Ausgrenzung von und Solidarität mit Menschen verschiedener Ethnien, Religionen und Kulturen beleuchtet hat, steht im vorliegenden Sachbuch die ökologische Krise unseres Planeten im Zentrum.

Auf zwölf großen Doppelseiten (Buchformat: 23,8 x 30,7 cm) wird die Veränderung von Globux erzählt, die das italienische Illustratorenpaar Elisa Vallarino und Mauro Sacco bildlich in Szene gesetzt hat. Auf den ersten zehn rechten Seiten befindet sich je eine Abbildung des Planeten, die durch einen links stehenden, schräg verlaufenden Text kontextualisiert wird. Dieser ist auf weißen Streifen in schwarzen Großbuchstaben vor verschiedenfarbigen Hintergründen zu lesen. Dominiert wird die Erzählung durch ein auf acht Seiten wiederkehrendes ganzseitiges Wimmelbild. Es zeigt Landschaften und Klimazonen des Planeten, die an ihrer Farbgebung und Fauna zu erkennen sind. In diesen lassen sich sehr viele verschiedene Tiere entdecken, die zum größten Teil auch auf der Erde vorkommen. Die Anwesenheit von Menschen auf Globux wird allein über Objekte deutlich, die auf der Weltkarte verteilt zu finden sind, wie z. B. Wolkenkratzer, Lastwagen, schwarzsprudelnde Bohrtürme, Windräder und Atomkraftwerke.

Mit jeder Seite wird offenbar, dass die Spezies Mensch durch ihre Handlungen Globux immer mehr abholzte, vergiftete und verschmutzte, so dass "ein Teil des Planeten verschwand …" (o. P.). Nicht nur der drei bis vier Zeilen umfassende Text, der auf sieben aufeinanderfolgenden Seiten mit demselben, soeben zitierten Satz abschließt, vermittelt diese Entwicklung. Jede folgende rechte Buchseite wird immer kleiner, sodass der schwarze Hintergrund der vorletzten Doppelseite zunehmend sichtbar wird. Dadurch ergibt sich der Eindruck, als ob sich von der oberen rechten Ecke beginnend eine schwarze Leere in das sehr feste Papier hineinfrisst.

Diese verdeutlicht visuell und haptisch sehr nachvollziehbar die Zerstörung von einst farbenfrohen Lebensräumen. Je kleiner der bewohnbare Raum auf Globux wird, desto stärker tauchen Tiere in Habitaten auf, die sie ursprünglich nicht bewohnten. Pinguine befinden sich auf einmal in der Wüste, Kühe im Polareis und Eisbären in gemäßigten Zonen. Doch der sich reduzierende Platz lässt eine Flucht der Tiere in andere Lebensräume kaum mehr zu, sodass viele von ihnen verschwinden und "am Ende blieb nichts mehr übrig." (o. P.)

Wie die letzte schwarzeingefärbte Doppelseite zeigt, auf der links geheimnisvolle bunte Schriftzeichen und rechts ihre deutsche Übersetzung in weißen Großbuchstaben abgedruckt sind, stellt sich die Geschichte des Planeten Globux als Warnung an die Erdlinge dar: "Macht nicht die gleichen Fehler wie wir! Respektiert die Natur, das Meer, die Wälder und die Luft. Beschützt eure Welt, und eure Welt wird euch beschützen." (o. P.) Damit ähnelt sie der Botschaft, die Oliver Jeffers in Hier sind wir. Anleitung zum Leben auf der Erde (dt. Erstausgabe 2018) an seinen neugeborenen Sohn richtet, wo es heißt: "Pass gut auf [die Erde] auf. Sie ist alles, was wir haben." [o.P.] Die Nachricht der Globuxaner soll eine mögliche Zukunft der Erde aufzeigen, die droht, wenn gegen den Raubbau an der Natur und die blinde Verschwendung ihrer Ressourcen, gegen die damit verbundene Verschmutzung und den ungezügelten Konsum- wie Umgestaltungswahn kollektiv und global nichts unternommen wird. Es ist offensichtlich, dass diese Zukunft bereits Gegenwart ist. Die Zerstörung unseres einzigen Heimatplaneten ist in vollem Gange, viele Lebensformen und -räume sind in ihrer Existenz bedroht oder bereits ausgestorben bzw. unbewohnbar geworden.

Der letzte Satz des Globux-Appells, der nicht mehr beendet werden konnte ("Für uns war es leider zu sp...", [o. P.]), verweist auf eine solche Katastrophe. Doch durch die vielfarbigen Bilder, lustigen Tiergestalten und die dynamische Grafik erschreckt und überfordert das Buch jüngere Betrachterinnen und Betrachter nicht. Vielmehr ermöglicht es zunächst ein Entdecken der dargestellten Vielfalt an Farben, Formen und Figuren, die sich bereits auf dem Buchcover ankündigt. So lässt sich über Tiere schmunzeln, die ihren Ort, ihre Mimik, Blickrichtung oder Position ändern, wie z. B. das Chamäleon, das nicht nur von Seite zu Seite seine Farbe ändert, sondern einmal kopfsteht oder seine lange Zunge heraussteckt. Wer aufmerksam hinschaut, wird umgestürzte Bäume erkennen sowie Tiere, die nicht immer freundlich einladend schauen, sondern den zerstörenden Einfluss der Menschen mit Erschrecken, Ratlosigkeit oder Kummer zu betrachten scheinen. Erst durch diese gestalterischen Details und die minimalistischen, sehr einfachen Texte, die einige Gründe für die ökologische Krise nennen, kann sich die Gravität der Entwicklung auch für jüngere Rezipientinnen und Rezipienten verdeutlichen und zum Nachdenken anregen. Dieses sollte nicht nur durch erwachsene Personen behutsam angestoßen und begleitet, sondern auch von der Sensibilität jüngerer Betrachterinnen und Betrachter abhängig gemacht werden. So lässt sich vermeiden, dass Ängste geschürt werden, die durch das Schwarz des Einbandes, der Vorsatzpapiere und letzten beiden Doppelseiten begünstigt werden könnten.

Fazit

Nicht nur für das Auge der kleinsten Betrachterinnen und Betrachter ab fünf Jahren gibt es in Unsere Erde sehr viel zu entdecken. Das Anschauen der Bilder entlockt Fragen und fordert Antworten heraus. Sehr kurze Texte initiieren die Auseinandersetzung mit der existentiell dringlichen Thematik, auch wenn oder gerade weil das Buch selbst keine konkreten Maßnahmen oder Verhaltensweisen aufzeigt, wie wir nachhaltig und schützend mit unserer planetaren Heimat umgehen müssen, um auf ihr weiterhin Leben in seiner ganzen Vielfalt gewährleisten zu können. Auf sehr elementare und zugleich kunstvolle wie innovative Weise stößt das Sachbuch an, Wertschätzung für unsere Erde auszubilden. Es eignet sich daher auch gut für die Projektarbeit zum Thema Klimawandel, Natur- und Umweltschutz in Kindergärten, Vor- und Grundschulklassen.

Titel: Unsere Erde. Wenn wir sie schützen, beschützt sie uns
Autor/-in:
  • Name: Giancarlo Macrì
  • Name: Carolina Zanotti
Originalsprache: Italienisch
Originaltitel: ‎ Terra
Übersetzung:
  • Name: Lisa Rühl
Illustrator/-in:
  • Name: Mauro Sacco
  • Name: Elisa Vallarino
Erscheinungsort: Schriesheim
Erscheinungsjahr: 2019
Verlag: 360 Grad
ISBN-13: 978-3-96185-528-5
Seitenzahl: 32
Preis: 14,00 €
Altersempfehlung Redaktion: 5 Jahre
Macrì, Giancarlo/Zanotti, Carolina/Sacco, Mauro/Vallarino, Elisa:  Unsere Erde. Wenn wir sie schützen, beschützt sie uns