Call for Papers: Angst und Selbstermächtigung im Kinderfilm

Tagung

Angst und Selbstermächtigung im Kinderfilm

26.6.–28.6.2015

Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst

Veranstalter: Dr. Tobias Kurwinkel (Universität Bremen), Dr. Benjamin Moldenhauer und Dr. Philipp Schmerheim (Universität Bremen)


"Ein süßes Grauen kriecht derzeit durchs einst so niedliche Animationskino", konstatierte Anke Sternborg Anfang 2013 in der Süddeutschen Zeitung. "Untote, Geister und Monster unterwandern das Kinderland, von CORPSE BRIDE über PARANORMAN bis zum HOTEL TRANSSYLVANIEN. Vor etwa dreißig Jahren hätte man sich eine solche Invasion noch keinesfalls vorstellen können." 

Der Befund lässt sich verallgemeinern: Der Kinderfilm insgesamt hat sich gewandelt, nun scheint erlaubt, was früher – Ausnahmen bestätigen die Regel – unmöglich gewesen wäre. In PARANORMAN kämpfen die Helden gegen verwesende Untote, in CORALINE verwandelt sich eine Mutterfigur in ein spinnenartiges Monster und versucht, die Heldin zu packen, und Max wird in WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN von einem der Monster verschlungen und wieder ausgespuckt; nicht zu vergessen den dänischen Kinderfilm ALIEN TEACHER, in dem sich eine Lehrerin als Außerirdische entpuppt, die lebendige Hühner verspeist – und das weitgehend onscreen.

Wenngleich Kinder faktisch auch früher schon angstevozierende Filme geschaut haben, die nicht für ihr Alter vorgesehen waren, haben sich nun auch die Spielräume und Möglichkeiten des originären Kinderfilms – der Filme, die eigens für Kinder produziert werden – erweitert.  

Die Tagung "Angst und Selbstermächtigung im Kinderfilm" nimmt diese aktuelle Tendenz zum Anlass, einen grundlegenden filmanalytischen Blick auf die Inszenierungen und die Evokation von Angst zu werfen und nach den entwicklungspsychologischen Potenzialen dieser Bilder zu fragen. Der Diskurs über gewaltvolle Bilder, die Angst hervorrufen und damit passives – im Zweifelsfall aktives – Gefährdungspotential seitens der Rezipienten bedeuten, kapriziert sich heute zumeist auf das neuere Medium der Computerspiele. Damit ist der Blick freigeworden für Perspektiven, die nicht mehr nur nach den Gefahren, sondern auch nach dem lebensweltlichen Nutzen der Filmbilder fragen; so grausam diese zunächst auch erscheinen mögen. 

Geplant sind grundlegende Tagungspanels: zum Diskurs über Angst im Kinderfilm, zur kinderfilmhistorischen Entwicklung der Angstbilder und zur Psychologie der Kinderängste. Der Hauptteil der Tagung ist der Filmanalyse gewidmet: Auf mehreren Panels soll in Einzelanalysen die Motivik der Angst einschließlich der damit verbundenen Inszenierungsstrategien zur Evokation von Angstlust behandelt werden. 

Zuletzt sollen die didaktischen Potentiale dieser Filme thematisiert werden. Davon ausgehend, dass derartige Filme eine große lebensweltliche Bedeutung für Kinder haben, liegt eine Integration in die Filmdidaktik nahe. Ein Panel ist dementsprechend den methodischen Ansätzen zur Vermittlung Angst evozierender Bilder im Unterricht gewidmet. 

Bitte senden Sie bis spätestens 30. März 2015 ein Proposal für einen 20-minütigen Vortrag (ca. 300 Wörter) an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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