von Gerd Klingeberg

Sie ist die wohl berühmteste Kinderbuch-Autorin des 20. Jahrhunderts, hat Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, die Gebrüder Löwenherz, den Michel aus Lönneberga und viele andere Figuren erfunden, die heutzutage unzählige Kinder weltweit kennen. Aber auch aus dem Leben Astrid Lindgrens selbst – ihrer eigenen Kindheit, Jugend und den vielen Jahre als Autorin – gibt es etliche schöne und ungewöhnliche Geschichten zu berichten, die bisweilen fast so klingen, als seien sie ihren Romanfiguren passiert...

Bjorvand, Agnes Margrethe: Astrid Lindgren, Ihre fantastische Geschichte.
Übersetzung von Neele Bösche. Illustrationen von Lisa Aisato.
Woow Books (Atrium Verlag) Zürich 2018.
110 Seiten. 18,00 €.
ISBN 978-3961770076.

 Inhalt

Auf einem Hof in Vimmerby im schwedischen Småland wurde Astrid Lindgren als zweites von vier Kindern geboren. In der idyllischen Umgebung hat sie nach eigener Angabe eine wunderschöne Kindheit verbracht; viele ihrer Erinnerungen spiegeln sich in ihren bekannten Kinderbüchern wider. Sie war zeitlebens eine selbstbewusste, durchsetzungsfähige Frau. Aber im Buch erfährt man auch von schwierigen Zeiten, etwa davon, dass es die weltoffene Autorin niemals gänzlich verwunden hat, dass sie als alleinstehende Mutter ihren Sohn Lasse anfangs zu Pflegeeltern geben musste. Quasi per Zufall, nämlich als Geschichtenerzählerin am Krankenbett ihrer siebenjährigen quengelnden Tochter Karin, wurde Lindgren, die schon immer viel Freude am Schreiben hatte, zur vielbeachteten Kinderbuchautorin – obwohl ihre Pippi-Geschichte nicht sofort vom Verlag angenommen worden war. Und die Ideen zu ihren mehr als hundert Büchern kamen oft aus eigenen Erlebnissen, die bisweilen ebenso fantastisch waren wie ihre Kindergeschichten...

Kritik

Astrid Lindgren – Ihre fantastische Geschichte als übliche Biografie einzuordnen, würde gewiss zu kurz greifen. Aufgrund seiner umfangreichen Illustrationen und einer anrührend erzählten, mit vielen Anekdoten angereicherten Beschreibung ihrer abwechslungsreichen Vita ist es gleichermaßen ein wunderschönes Bilder- und Geschichtenbuch. Es gibt zwar einen weitgehend chronologischen Überblick über das Leben der berühmten schwedischen Literatin, ist aber vor allem an dem Menschen Astrid Lindgren und den biografischen Hintergründen ihres literarischen Œuvres interessiert. Das wird beispielsweise auch an einer – aus historisch 'korrekter' Sicht sicher wenig relevanten – Aussage deutlich, wenn es in der abschließenden Auflistung wichtiger Jahreszahlen über Astrids Vater heißt: "1888: Samuel August verliebt sich in Hanna. Und er bleibt für den Rest seines Lebens in sie verliebt." (S. 89)

Dass manche Erinnerungen durchaus etwas verbrämt anmuten und die entsprechenden Ereignisse möglicherweise nicht exakt so stattgefunden haben mögen, ist dabei eher belanglos; der Anspruch Bjorvands besteht offensichtlich mehr darin, Lindgrens "fantastische" Geschichte (so der Untertitel) stimmungsvoll und mit viel menschlicher Wärme zu erzählen, um zugleich aus biografischen Details eine Verbindung mit den Personen der Lindgren-Romane zu verdeutlichen.

In der Lebensbeschreibung der Astrid Lindgren, die als große Rahmenhandlung fungiert, stellen die einzelnen Episoden nahezu eigenständige kleine Binnenerzählungen dar, die auch für sich alleine gelesen werden können. Die quasi tabellarisch angeordneten "Weißt du was?"-Einschübe wecken aufgrund ihrer direkten Ansprache an den Leser unmittelbares Interesse; sie vermitteln interessante Zusatzinformationen und sorgen zudem für ein lebendiges, aufgelockertes Schriftbild. Gewiss mehr für erwachsene als für kindliche Leser sind die knapp 50 Eigenzitate Lindgrens, die einerseits in Anpassung an den jeweiligen Text im Buch auftauchen, aber zudem am Schluss allesamt erneut mit Quellenangabe aufgelistet werden. Sie verdeutlichen in klaren Worten, aber mit bisweilen durchaus philosophischer Tiefe auf eindrückliche Weise die Ansichten einer lebenserfahrenen und – im Hinblick auf ihre kindlichen und jugendlichen Leser – weltoffenen und dabei aus pädagogischer Sicht ebenso weitsichtigen wie weitherzigen Literatin. "Für ein Kind war es interessant und lehrreich, mit Menschen unterschiedlicher Art und Eigenheiten und Altersgruppe aufzuwachsen. Von ihnen lernte ich, dass das Leben Bedingungen unterworfen ist und wie schwierig es manchmal ist, Mensch zu sein.“ (S. 14) "Lass die Kinder in Ruhe, aber sei in Reichweite, wenn sie dich brauchen." (S. 55) "Wer stark ist, muss auch gut sein." (S. 74)

Die liebevoll ausgeführten, ganzseitigen oder in den Text eingefügten Illustrationen der norwegischen Künstlerin Lisa Aisato – zumeist farbenfrohe Aquarelle in teils annähernd fotorealistischer Wiedergabe – sind durchweg echte Hingucker. Sie orientieren sich erkennbar an bekannten Darstellungen der Lindgren-Protagonisten oder verwenden Fotos als Vorlage.

Fazit

Die überaus gelungene Komposition aus Geschichten und Informationen macht Bjorvands Lindgren-Biografie zu einem wunderschönen All-Age-Schmökerbuch. Es ist – egal, ob als Bilder-, Erzähl- oder Sachbuch verwendet – geeignet für Kinder ab 6 Jahren, vor allem für solche, die bereits die eine oder andere Geschichte von Astrid Lindgren kennen und ein bisschen mehr über die jeweiligen Hintergründe erfahren möchten.


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