von Sara Aitchafhi, Julia Thilo und Nele Cichon

In diesem Monat tumeln sich viele authentische, lebensnahe Filme auf der Leinwand – etwa das einfühlsame niederländische Drama GIRL über die Geschlechtsangleichung einer jungen Ballerina, das Dokudrama Sandmädchen über die 18-jährige  Veronika, die ihren Autismus verarbeitet, indem sie über sich und ihre Erlebnisse schreibt, oder das Biopic Bohemian Rhapsody, das den Aufstieg der ikonischen Rockband Queen verfolgt. Eher für den Mainstream-Geschmack ist der neueste Marvel-Ableger Venom; Familienkino ist im Animationsfilm Smallfoot angesagt, in dem ein Yeti einen bisher als mythisches Wesen geltenden Menschen entdeckt.

 

Venom
Kinostart: 04.10.2018, FSK 12

Eddie Brock (Tom Hardy), ein in San Francisco lebender Reporter, der besonders gut darin ist, verborgene Machenschaften aufzudecken und die Wahrheit ans Licht zu bringen, hat ein neues Ziel: die Enttarnung von Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed), Chef der "Life Foundation". Dieser soll Gerüchten zufolge Experimente an Menschen durchführen, die oftmals tödlich enden. Als eine der mitwirkenden Wissenschaftlerinnen Eddie aufsucht und ihm von der außerirdischen Lebensform erzählt, die Drake für seine Experimente verwendet, bricht er in die Labors der Foundation ein. Dort kommt er selbst in Kontakt mit einer dieser Lebensformen, den sogenannten Symbionten, und wird von ihr in Besitz genommen. Eddie muss seinen Körper und sein Bewusstsein nun mit diesem Symbionten teilen und mit ihm koexistieren. Verschmelzen sie jedoch zu einem Wesen, so werden sie der übermenschlich starke und skrupellose 'Venom', der es mit der Life Foundation aufnehmen kann.

Die Figur des Venom erschien zuvor schon einmal auf der Leinwand: In Sam Raimis Spider-Man 3 (2007) verkörperte Topher Grace den Antihelden und Gegner Spider-Mans. In Venom, dem ersten Solofilm der Figur, wird der bekannte Spinnenheld nicht zu sehen sein und auch andere Figuren des Marvel Cinematic Universe werden nicht auftauchen. Venom findet in einem anderen Filmuniversum statt und konzentriert sich auf die Etablierung des Titelhelden. 


Die Abenteuer von Wolfsblut 
Kinostart: 04.10.2018, FSK 6

Der Welpe Wolfsblut ist halb Hund und halb Wolf. Mit seiner Mutter lebt er in der noch unberührten Natur Alaskas zu Zeiten des Goldrausches und lernt schnell, dass sein Dasein von einem ständigen Überlebenskampf geprägt ist. Nach dem Tod seiner Mutter kommt er zu einem Stamm Ureinwohner und wird von Häuptling Grey Beaver zum Schlittenhund ausgebildet. Er lernt schnell, unterwirft die anderen Hunde und ist alsbald der Anführer des ganzen Rudels. 

Eines Tages jedoch gerät er in die Hände von Geschäftsmann Beauty Smith, der ihn für Hundekämpfe missbrauchen will. Retter in der Not ist ein Marshall, der Wolfsblut aus seiner hoffnungslosen Lage befreit. Er ist schwer verletzt und der Marshall und seine Frau Maggie pflegen ihn gesund. Es entsteht eine unzertrennliche Freundschaft zwischen Mensch und Tier, doch Beauty Smith ist damit ganz und gar nicht einverstanden. Er setzt alles daran, Wolfsblut für die Hundekämpfe zurückzubekommen.

Der Animationsfilm basiert auf Jack Londons Jugendbuch Wolfsblut von 1906, das um 1900 in Nordamerika spielt und von der Wandlung eines wilden Wolfshunds zu einem domestizierten, dem Menschen angepassten Tier erzählt. Der Klassiker wurde schon mehrere Male verfilmt, in diesem Fall vom Oscarpreisträger Alexandre Espigares (Mr Hublot, Kurzfilm), der hier sein Debüt als Langfilmregisseur gibt.


Smallfoot – Ein eisigartiges Abenteuer
Kinostart: 11.10.2018, FSK 0

Als der junge, neugierige Yeti Migo eines Tages zuerst ein Flugzeug – welches ihm vollkommen unbekannt ist – und nach Absturz dessen darin einen Menschen entdeckt, traut er seinen Augen nicht. In seinem Dorf wurde ihm beigebracht, dass es Menschen, die von den Yetis "Smallfoots" genannt werden, nicht gibt. Doch Migo sieht sich an diesem Tag eben einem solchen Smallfoot gegenüber. Als er dem Dorf von seiner Entdeckung berichtet, glaubt ihm niemand, außer seiner Freundin Meechee und den Mitgliedern der Organisation S.E.S. Von diesen angespornt, beschließt er, sich auf den Weg zu machen, um den Smallfoot zu finden und seine Existenz zu beweisen. Als er auf diesen Menschen (Percy) trifft, ist auch dieser verblüfft von dem Anblick des für ihn als Mythos geltenden Wesen. 

Begleitet vom Song Don't stop believing von der Rockband Journey erzählt der frostige Animationsfilm von den Konflikten zweier Spezies, die sich gegenseitig aufgrund des fremden Aussehens und der anderen Sprache bedrohlich erscheinen. Smallfoot – Ein eisigartiges Abenteuer ist ein Film über das Fremdsein, das Anderssein und Freundschaft, die alle Barrieren überwindet.


Blame – Verbotenes Verlangen
Kinostart: 18.10.2018, FSK 12

Als Abigail (Quinn Shepard) nach längere Abwesenheit an ihre Highschool zurückkehrt, machen einige ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler ihr mit gehässigen Sprüchen das Leben schwer, allen voran die gleichaltrige Melissa. Die Situation verschlimmert sich, als ein gutaussehender Vertretungslehrer (Chris Messina) Abigail statt Melissa die Hauptrolle in Arthur Millers Theaterstück "Hexenjagd" gibt und die beiden beginnen, um die Aufmerksamkeit des Lehrers zu konkurrieren.

Gerade wenn es um das "verbotene Verlangen" geht, das der deutsche Untertitel recht reißerisch hervorhebt, misslingt dem Teenagerfilm nach Einschätzung vieler Filmkritiken eine differenzierte und kritische Betrachtung. Doch die problematische Annäherung eines Lehrers und seiner Schülerin ist auch weniger das eigentliche Thema des Films als der Ausgangspunkt, um die Machtspiele, die Unsicherheiten und die wechselnden Allianzen zwischen den Protagonistinnen zu portraitieren. Dass der Blick auf das Innenleben der jungen Frauen so authentisch wirkt, liegt sicher auch daran, dass die Schauspielerin Quinn Shepard, die hier nicht nur ihr Regiedebüt gibt, sondern den Film auch co-produziert, geschnitten und das Drehbuch geschrieben hat, selbst erst Anfang 20 ist und damit sehr nah dran am Alter ihrer Figuren und deren Lebenswelt.


GIRL
Kinostart: 18.10.2018, FSK 12

Lara ist fünfzehn Jahre alt und möchte Ballerina werden. Sie wird an der besten Tanzschule Belgiens unter Vorbehalt angenommen und darf acht Wochen  lang probeweise trainieren. Ihr Vater unterstützt sie, wo er nur kann – auch bei dem Wunsch, sich einer Geschlechtsangleichung zu unterziehen. Denn Lara ist transident und ihr Körper ist noch der eines Jungen. Von Psychologen und Ärzten begleitet soll Lara mithilfe von Hormonpräparaten die weibliche Pubertät durchleben. 

Das Tanztraining und die Pubertät sind kräftezehrend. Lara steht unter starkem Leistungsdruck und geißelt sich regelrecht. Die Ärzte verbieten ihr schließlich das Training und ihre beiden Träume scheinen immer weniger miteinander vereinbar zu sein. Lara trifft eine radikale Entscheidung, um endlich einen weiblichen Körper zu bekommen – mit schweren Folgen.

GIRL wirkt authentisch und bewegend, ohne dabei auf Klischees zurückzugreifen. Regisseur Lukas Dhont gibt sein Spielfilmdebüt und stellt Laras Probleme glaubwürdig dar. Das sensibel erzählte Drama mit Victor Polster in der Hauptrolle zeichnet sich durch den Anspruch aus, die Realität so ehrlich wie möglich darzustellen. Dies fällt in einigen Szenen sehr drastisch und radikal aus, doch Zuschauende haben so die Möglichkeit, sich in Lara hineinzuversetzen und das, was sie bewegt, nachzuvollziehen. Vielleicht können sie sich sogar mit der ein oder anderen Situation identifizieren.


 Johnny English – Man lebt nur dreimal
Kinostart: 18.10.2018, FSK 6

Seit einigen Jahren ist Johnny English (Rowan Atkinson) nicht mehr als Geheimagent des MI7 tätig und unterrichtet stattdessen Geographie an einem Internat. Als jedoch ein Hacker alle aktiven britischen Undercover-Agenten enttarnt, ist English die letzte Hoffnung der britischen Premierministerin (Emma Thompson), egal wie sehr ihr das widerstrebt. Denn English konnte sich nie mit modernster Technik anfreunden und erledigte alle seine Missionen auf die altmodische Art, weshalb er keine digitalen Spuren hinterließ und kein Opfer des Hackers werden konnte. Gemeinsam mit seinem treuen Sidekick Angus Bough (Ben Miller) und der Hilfe der mysteriösen und unwiderstehlichen Ophelia (Olga Kurylenko) begibt er sich auf sein nächstes Abenteuer. Das Schicksal der Welt hängt erneut von dem tollpatschigsten Geheimagenten Großbritanniens ab…

Der dritte Teil der Agentenfilme mit dem bekanntem Mr. Bean-Darsteller Rowan Atkinson bringt noch mehr Gags und Humor mit als die beiden Vorgänger: Drehbuchautor William Davies, der auch schon das Drehbuch für den ersten Film schrieb (Johnny English – Der Spion, der es versiebte), kitzelt aus der Gegenüberstellung des analogen Agenten und der digitalen Herausforderungen so viel Witz und Action wie möglich heraus.


 Krystal
Kinostart: 18.10.2018, FSK 12

Als der 18-jährige, mit einem Herzfehler geborene Taylor (Nick Robinson) die zwanzig Jahre ältere Krystal (Rosario Dawson) das erste Mal sieht, ist es Liebe auf den ersten Blick –jedenfalls von seiner Seite aus. Die ehemalige Prostituierte und Stripperin kämpft bei den anonymen Alkoholikern gegen ihre Sucht und so beschließt Taylor, an diesen Treffen teilzunehmen, um den Kontakt zu seiner Traumfrau aufzubauen. Mit der Zeit freundet er sich außerdem mit Krystals Sohn an und hilft diesem, den Exfreund seiner Mutter loszuwerden.

Krystal konnte mit seiner etwas anderen Liebesgeschichte und der Message dahinter bei den Kritikern nicht punkten. Schwachstellen des Dramas unter der Regie von William H. Macy, der vor allem für seine Schauspielleistungen bekannt ist, seien unlogische Handlungen und überspitzte Charaktere. Lediglich die Schauspielerin Rosario Dawson werte die "Möchtegern-Komödie" auf.


Ploey – Du fliegst niemals allein
Kinostart: 18.10.2018, FSK 0

Der junge Goldregenpfeifer Ploey kann noch nicht fliegen und wird von einer Katze verschleppt. Die Familie der Katze sperrt ihn in einen Käfig und so wird Ploey von seiner Familie zurückgelassen, als diese Richtung Süden fliegt. Auf sich allein gestellt muss er den Winter überleben, um seine Familie und Freunde im nächsten Frühling wiederzusehen. Doch er trifft viele neue tierische Freunde, die ihm helfen, in einer Welt voller Feinde zu überleben.

Der isländische Animationsfilm stammt von den Machern von Thor – Ein hammermäßiges Abenteuer: Produzent war unter anderem Hilmar Sigurðsson und das Drehbuch schrieb Friðrik Erlingsson. Regie führte Árni Ólafur Ásgeirsson, der in dem nur 83 Minuten langen Film viele Themen anspricht: Es geht um Abenteuer, aber auch Trauer, Einsamkeit und Mut.


Sandmädchen
Kinostart: 18.10.2018, FSK 0

Der Dokumentarfilm Sandmädchen begleitet die 18-jährige Veronika Raila bei der Bewältigung ihres Alltags und gibt Einsicht in die tiefsten Gedanken, Gefühle und Wünsche der jungen Frau. Sich selbst beschreibt Veronika als aus Sand bestehend, da sie sich instabil fühlt, wie leicht zu zerbröseln. Die Studentin leidet an Koordinationproblemen und Autismus, kann nicht sprechen, aber das Schreiben ist für sie zur größten Leidenschaft geworden. So gewinnt die junge Schriftstellerin ihre Stärke und ihren Lebenswillen durch das Schreiben von Geschichten und Gedichten und kann sich aus ihrer Isolation befreien.

Ein Kurzfilm über das Leben von Veronika Raila hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, wie zum Beispiel den Friedrich-Wilhelm-Murnau-Kurzfilmpreis 2012, die Nominierung Deutscher Kurzfilmpreis 2011, den Goldenen Spatz für Innovation 2012 und den Bamberger Reiter 2012. Jetzt folgt auf diesen Erfolg ein Dokumentarfilm in Spielfilmlänge, der einen noch tieferen Einblick in den klaren, feinfühligen Geist der kämpferischen Autorin ermöglicht.


Gänsehaut 2 – Grusliges Halloween
Kinostart: 25.10.2018, FSK: noch nicht bekannt

Kurz vor Halloween brechen die beiden Schüler und Freunde Sonny und Sam in ein verlassenes Haus ein und stoßen auf eine Kiste, in der ein Buch eingeschlossen ist. Dabei handelt es sich um eine unveröffentlichte Geschichte des bekannten Autors der "Gänsehaut"-Bücher R. L. Stine mit dem Titel "Gruseliges Halloween". Als sie das Buch öffnen, lassen sie versehentlich die gefährliche Bauchrednerpuppe Slappy (Originalsprecher: Avery Lee Jones) auf die Welt los. Erneut befreit, beginnt Slappy fröhlich nach und nach die Monster aus Stines anderen Gruselgeschichten zum Leben zu erwecken und verbreitet Chaos, Angst und Schrecken in der Kleinstadt Wardenclyffe. Die beiden Jungs müssen nun gemeinsam mit Sonnys Schwester Sarah (Madison Iseman) versuchen, die Monster zu stoppen und ihr Zuhause und das Halloweenfest zu retten.

Die Fortsetzung des 2015 erschienenen Gruselfilms Gänsehaut basiert erneut auf der bekannten und erfolgreichen gleichnamigen Buchreihe des (realen) R. L. Stine. Da die Hauptdarsteller des ersten Teils, Jack Black und Dylan Minnette, nicht wieder in ihre Rollen schlüpfen, konzentriert sich das Geschehen dieses Mal auf eine neue Gruppe von Kindern. Thematisch passend erscheint der Film kurz vor Halloween in den deutschen Kinos.


Wildhexe
Kinostart: 25.10.2018, FSK 6

Zwölf Jahre lang hat sich Clara für ein ganz gewöhnliches Mädchen gehalten, doch nachdem sie erst einer unheimlichen, geflügelten Gestalt begegnet und dann von einer schwarzen Katze angefallen wird, erfährt Clara, dass sie eine Wildhexe ist und eine besondere Verbindung zu Tieren hat. Auch wenn das rothaarige Mädchen das völlig verrückt findet und nicht wahrhaben will, muss sie nun bei ihrer Tante Isa lernen, ihren "Wildsinn" einzusetzen, denn das geflügelte Wesen trachtet nach ihrem Blut und nur mit ihren Hexenkräften kann sich Clara zur Wehr setzen.

Der atmosphärisch dichte Fantasyfilm nach Motiven der sechsteiligen Kinderbuchreihe von Lene Kaaberbøl wartet - der Naturverbundenheit der Wildhexen gemäß - mit wunderbaren Landschaftsbildern ebenso auf wie mit genretypischen visuellen Effekten. Für jüngere Kinder sind einige Szenen zu düster und ängstigend geraten, aber für Fans der Bücher ab 9 oder 10 Jahren bietet das erste Filmabenteuer der Wildhexe spannende Unterhaltung mit einer tollen Hauptdarstellerin.


Bohemian Rhapsody
Kinostart: 31.10.2018, FSK 12

Queen gehören zu den größten Bands des Rock-Olymp, auch weil Frontman Freddie Mercury wie wenige andere mit seiner Stimme und seinem Charisma ganze Stadien in den Bann ziehen konnte. Nach dem bekanntesten Song der Band benannt, spielt Bohemian Rhapsody in der Zeit zwischen Bandgründung und dem legendären Live Aid-Konzert im Wembley-Stadion 1985.

Rami Malek, als Hauptdarsteller der Amazon-Serie Mr. Robot bekannt, spielt seinen Freddie Mercury als ebenso brillante wie getriebene Ausnahmeerscheinung, unterstützt von anderen jungen Schauspielern wie Lucy Boynton, Ben Hardy und Joseph Mazzello. Turbulent waren Entwicklungsphase und Dreharbeiten zu dem in der Filmbranche seit langem erwarteten Biopic nicht zuletzt deshalb, weil Regisseur Bryan Singer (X-Men, Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat) kurz vor Ende der Dreharbeiten entlassen wurde.

 

Kinostarts im Überblick:

03. Oktober 2018: Venom

04. Oktober 2018: Die Abenteuer von Wolfsblut

11. Oktober 2018: Smallfoot – Ein eisigartiges Abenteuer

18. Oktober 2018: Blame – Verbotenes Verlangen; GIRL; Johnny English – Man lebt nur dreimal; Krystal; Ploey – Du fliegst niemals allein; Sandmädchen

25. Oktober 2018: Gänsehaut 2 – Grusliges Halloween; Wildhexe 

31. Oktober 2018: Bohemian Rhapsody


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