von Nele Cichon

Hexe Lilli rettet Weihnachten ist eine abenteuerliche Einstimmung auf die Festtage, in der Freundschaft, Familienzusammenhalt und das Lernen aus Fehlern im Mittelpunkt stehen.

Inhalt

Die Vorweihnachtszeit könnte so schön sein, doch Lilli ist genervt von ihrem Bruder Leon. Aufgrund seiner Allergie bekommt sie kein Kaninchen, obwohl sie sich so sehnlichst eins wünscht, und dann macht Leon auch noch Lillis neues Teleskop kaputt, das sie zum Nikolausfest bekommen hat. Und sowieso steht er immer im Mittelpunkt! Um Leon einen Schrecken einzujagen, zaubert die kleine Nachwuchshexe, deren Familie nichts von ihrer Begabung weiß, Knecht Ruprecht aus dem Mittelalter herbei, den inständigen Warnungen ihres Drachen Hektors zum Trotz. Ruprecht wurde inzwischen jedoch durch den Nikolaus besänftigt und bestraft keine Kinder mehr, sondern beschenkt sie nun. Nachdem Lilli durch Knecht Ruprecht zu ihrem ersehnten Kaninchen kommt, möchte Lilli ihn in seine Zeit zurückzaubern, doch stattdessen macht sich Ruprecht in der Gegenwart auf die Suche nach dem Nikolaus, von dem er im Mittelalter getrennt worden war. Dabei richtet der Knecht viel Schaden an, denn er kennt sich im 21. Jahrhundert nicht aus. Schlimmer ist jedoch, dass der erst so nette Ruprecht durch das Verhalten anderer Menschen nach und nach wieder zu dem bösen Wesen der Unterwelt wird, das er vor dem guten Einfluss des Nikolaus war: Er lässt Lillis Lehrer verschwinden und droht den Kindern das selbe Schicksal an, wenn sie nicht artig bleiben.

Ausgerechnet die strebsame Layla aus ihrem Theaterkurs, mit der sich Lilli erst so gar nicht versteht, stellt Lilli wegen Knecht Ruprecht zur Rede und bietet dann ihre Hilfe dabei an, ihn wieder in seine Zeit zu hexen. Dabei landen sie zwar im Mittelalter - allerdings ohne den Knecht. Dort versuchen die unterschiedlichen Mädchen herauszufinden, wie sie Ruprecht besänftigen können. Sie treffen auf den jungen Grafen Tetrich und erfahren, dass (und warum) er Knecht Ruprecht in ein Verlies sperren ließ. 

(c) Universum Film GmbH

Währenddessen treibt Ruprecht allerdings weiter sein Unwesen und lässt viele Kinder verschwinden, die sich seiner Meinung nach nicht gut benommen haben - darunter auch Leon, Lillis kleinen Bruder! Als Lilli und Layla von ihrer Zeitreise zurückkehren, sieht es ganz danach aus, als würde das Weihnachtsfest in ihrer Kleinstadt ausfallen… Doch Lilli hat zum Glück eine Idee, wie sie Weihnachten doch noch retten kann.

(c) Universum Film GmbH;
VÖ: 26.10.2018 

Kritik

Hexe Lilli rettet Weihnachten ist der dritte Teil der Hexe Lilli-Reihe und basiert, wie seine Vorgänger Hexe Lilli – Der Drache und das Magische Buch (2009) und Hexe Lilli – Die Reise nach Mandolan (2011) auf den Figuren der Hexe Lilli-Buchreihe des deutschen Kinderbuchautors Knister. Wie in den Vorgängern leiht der Komiker Michael Mittermeier dem kleinen, animierten Drachen Hektor seine Stimme und Anja Kling übernimmt erneut die Rolle von Lillis Mutter. Lilli selbst wird erstmals von der Nachwuchsdarstellerin Hedda Erlebach dargestellt, die mit ihrem natürlichen Spiel ein auch im übertragenen Sinne bezauberndes Spielfilmdebüt hinlegt. Ein regelrechter Geniestreich ist dem Filmteam aber bei Knecht Ruprecht gelungen: Jürgen Vogel schafft es, in den entsprechenden Szenen urkomisch zu sein und sein Erstaunen angesichts der merkwürdigen neuen Umgebung glaubwürdig darzustellen. Wichtiger noch ist aber, dass der wandelbare Schauspiel-Star Ruprecht nicht nur als zunehmend furchteinflößende, sondern auch als bemitleidenswerte Figur spielt. Knecht Ruprecht widerfährt ein tragisches Schicksal in der ihm unbekannten Welt: Er beobachtet Kinder, die stehlen, habgierig oder rücksichtslos sind, und die Menschen in seiner Umgebung verspotten ihn aufgrund seiner Andersartigkeit und lachen ihn aus. Somit tragen sie eine Mitschuld an seiner Wesensänderung: Nach und nach findet Ruprecht wieder Gefallen daran, andere zu bestrafen. Dass man seine Empörung ein Stück weit nachvollziehen kann und stellenweise Mitleid mit ihm verspürt, macht Ruprecht gerade für einen Kinderfilm zu einem ungewöhnlichen Antagonisten.

Schon seinem Erscheinungsbild sieht man an, dass Ruprecht 'aus der Zeit gefallen' ist: Er sieht ungepflegt aus, trägt lumpenartige Kleidung und hat zwei Beulen auf dem Kopf, die umso größer werden, je wütender er wird, bis er schließlich Hörner hat und damit an Teufelsdarstellungen erinnert. Somit wird sein innerer Wandel auch auf der bildlichen Ebene verdeutlicht. Aus dem großen Sack, der zu typischen Darstellungen des Knechts gehört, zieht Ruprecht zunächst noch Geschenke; später nutzt er ihn, um Menschen darunter verschwinden zu lassen. Der Effekt ist - wie auch die anderen visuellen Effekte, insbesondere die Integration des animierten Drachen - toll umgesetzt, trägt aber auch dazu bei, dass die Szenen mit Knecht Ruprecht jüngere Kinder ängstigen könnten.

(c) Universum Film GmbH

Entlastend wirkt, dass Lilli selbst meistens zuversichtlich und mutig ist, auf ihre Hexenkünste zurückgreifen kann und sich der schwierigen Lage nicht alleine ausgesetzt sieht, denn Schulkameradin Layla steht ihr bei ihrem Abenteuer zur Seite. Die gemeinsamen Erlebnisse schweißen die Mädchen zusammen und es zeichnet sich der Beginn einer wundervollen neuen Freundschaft ab. So wird jungen Rezipierenden die schöne Botschaft vermittelt, dass zwei Menschen befreundet sein können, auch wenn sie eigentlich sehr verschieden sind.

Kritisch anzumerken ist, dass der Film auf ein Erzählmuster zurückgreift, das immer wieder in vielen Kinderfilmen mit einer weiblichen Hauptrolle zu beobachten ist: Lilli sorgt mit Hilfe von Layla (und mithilfe des Nikolaus) zwar für einen guten Ausgang der Geschichte, ist aber überhaupt erst für die Probleme verantwortlich, die sie zu beseitigen hat. Sie fühlt sich ungerecht behandelt, handelt unüberlegt und verursacht damit einen großen Schaden. Zuletzt sieht die junge Hexe ein, dass sie einen großen Fehler begangen hat und bereut ihre Tat zutiefst. Erst nach dieser Reue folgt die positive Auflösung. Gleichzeitig muss aber auch betont werden, dass Lilli schon vorher mutig alles daran setzt, die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. Mit viel Einfühlungsvermögen gelingt es ihr, Ruprecht wieder auf den rechten Weg zu bringen, positiv auf das Leben von Graf Tetrich einzuwirken - und am Ende glückt ihr sogar ein Zeitzauber, der laut ihrem Drachen Hektor eigentlich nur was für "große Hexen" ist.

Genregemäß behauptet sich Lilli in ungewöhnlichen, fantastischen Situationen - der Handlungsstrang um Lilli und ihren Bruder wiederum ist ganz nah am Alltagsleben von Kindern dran. Dass man (jüngere) Geschwister nicht nur liebt, sondern hin und wieder auch sehr lästig findet (und umgekehrt: dass man Geschwister selbst dann liebt, wenn man sie hin und wieder lästig findet) kennen viele junge Zuschauerinnen und Zuschauer bestimmt aus ihrem eigenen Leben und können sich gut mit Lilli (oder Leon) identifizieren. Das Beziehungsmuster zwischen Lilli und Layla spiegelt sich in der Beziehung zwischen Lilli und ihrem Bruder Leon wider, die zu Beginn des Films von Eifersucht und Missgunst geprägt ist. Im Laufe der Handlung entdeckt die kleine Hexe jedoch ihre Gefühle für den kleinen Bruder. Auch dieses Muster findet sich oft in Kinderfilmen und ist erneut eine tolle Botschaft für kindliche Rezipierende. Zu Lillis innerer Entwicklung gehört auch, dass sie nicht mehr an Weihnachtsmann und Nikolaus glaubt, ihr Bruder aber schon, und die kleine Hexe sich anfangs nicht besonders rücksichtsvoll verhält. Somit lässt sich Hexe Lilli rettet Weihnachten als Lehrstück über zwischenmenschliche Lernprozesse lesen, denn obwohl ihr Bruder es ihr manchmal gewiss nicht leicht macht und Lillis Wut über ihn verständlich ist, zeichnet es das junge Mädchen aus, dass sie im Laufe des Films erkennt, wie wichtig Leon ihr eigentlich ist.

Durch die Zeitreisen und eine zusätzliche Rückblende ist die Erzählstruktur des Films durchaus komplex, auch die Vielzahl der Schauplätze könnte bei jüngeren Kindern für Verwirrung sorgen. Zuschauerinnen und Zuschauer ab acht Jahren können der Geschichte aber gut folgen, die positiven Botschaften entschlüsseln und auch die etwas grusligeren Spannungsmomente gut aushalten. Neben dem Erscheinungsbild von Knecht Ruprecht können die Bilder aus dem dunklen Mittelalter und das Verschwinden der Kinder für etwas Grusel sorgen - daneben gibt es aber auch viele Sequenzen, die die Gemütlichkeit einer behaglichen Weihnachtszeit ausstrahlen und ganz und gar nicht ängstigend sind. Drache Hektor sorgt durch seine gemütliche Art und seine Eifersucht auf das Kaninchen für Lacher und lockert die Atmosphäre auf, und auch sonst punktet der Film immer wieder mit Humor: Lilli nutzt ihre Kräfte nicht nur für die Reise in der Zeit, sondern verhext temporär auch ihre Lehrerin, und im Mittelalter verwandelt sie bedrohliche Gestalten flugs in verschiedene Tiere, wodurch Gefahrensituationen sofort eine komische Auflösung erfahren. Die Filmmusik, die streckenweise ein wenig an den Harry-Potter-Score erinnert, klingt zauberhaft-weihnachtlich und die schönen Schauplätze sowie das ansprechende Set-Design runden das Filmerlebnis ab.

(c) Universum Film GmbH

Fazit

Hexe Lilli rettet Weihnachten ist ein wirklich gelungenes Familienabenteuer mit wichtigen Botschaften, bei dem auch die behagliche Weihnachtsstimmung nicht zu kurz kommt. Für Kinder ab 8 Jahren bietet der toll besetzte Filme spannende Unterhaltung, die fantastische Elemente und alltagsnahe Themen verknüpft.

 

Titel: Hexe Lilli rettet Weihnachten
Genre: Kinderfilm, Familienfilm
Produktionsland: Deutschland, Österreich, Schweiz
Produktionsjahr: 2017
Dauer: 100 Minuten
Altersfreigabe (FSK): Ohne Altersbeschränkung
Kinostart (Deutschland): 09.11.2017
Veröffentlichungstermin DVD/Blu-Ray: 26.10.2018
Verleih: Universum Film
Regie: Wolfgang Groos
Drehbuch: Gerrit Hermans
Musik: Anne-Kathrin Dern
Darsteller: Hedda Erlebach (Lilli), Michael Mittermeier (als Synchronstimme von Drache Hektor), Jürgen Vogel (Knecht Ruprecht), Maresa Hörbinger (Lillis Oma), Anja Kling (Lillis Mutter), Christopher Schärf (Reipold), Claudio Magno (Leon), Maurizio Magno (Graf Tetrich), Aleyna Hila Obid (Layla)
Kamera: Marcus Kanter
Schnitt: Britta Nahler
Produktion: Corinna Mahner, Michael Coldewey
Altersempfehlung: empfohlen ab 8 Jahren

 Erstveröffentlichung: 06.12.2018

 

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