rezensiert von Philipp Schmerheim

Mit spektakulären Naturaufnahmen erzählt der Dokumentarfilm Ailos Reise von den Abenteuern eines Rentierjungen, der sich mit seiner Herde in den so majestätischen wie gefährlichen Weiten Lapplands behaupten muss. In der deutschen Synchronfassung kommentiert Anke Engelke Ailos Erlebnisse.  

Inhalt

Ailos Reise erzählt von dem ersten Lebensjahr eines gleichnamigen kleinen Rentiers, das in den eisigen Weiten von Lappland heranwächst. Als Teil einer Rentierherde im Frühjahr geboren, lernt Ailo nach und nach die Schönheit und die Gefahren seiner Umgebung kennen.

Bereits die Geburt des Kleinen ist dramatisch: Er kommt zu früh zur Welt, noch während der Wanderung der Rentiere zu den Sommerweiden. Zusammen mit seiner Mutter muss das Neugeborene der Herde folgen, die bereits weitergezogen ist, bevor es auf der Sommerweide die Herdfamilie und deren Neugeborene kennenlernt. Im Laufe der folgenden Monate lernt Ailo (und damit die Zuschauer) auch andere Tiere kennen, darunter hektische Hermelinweibchen auf Eierjagd sowie gefährliche Vielfraße und Wölfe. Aber auch andere kleine Tiere laufen ihm über den Weg, etwa verliebte Polarfüchse, Eichhörnchen oder ein weißes Kaninchen, mit dem Ailo mehr oder weniger Freundschaft schließt.

Verleih: Ascot Elite

Kritik

Rentiere sind nicht nur das bevorzugte Transportmittel des Weihnachtsmanns, sie sind vor allem eine bemerkenswert robuste Tierart, die ihrer teils lebensfeindlichen Umwelt rund um den Polarkreis trotzt. In dem narrativen Dokumentarfilm Ailos Reise führt uns das gleichnamige Rentier als Protagonist durch ein Jahr im Leben der nordischen Hirschart. Das Filmmaterial ist ein Mix aus genuin dokumentarischen Aufnahmen, die ein Filmteam um den französischen Regisseur Guillaume Maidatchevsky gesammelt hat, sowie aus Szenen, die mit quasi-domestizierten Rentieren in einem kontrollierteren Setting gedreht wurden. Insgesamt folgten die Filmemacher zwei Jahre lang einer Rentierherde in Lappland auf ihrer gefahrenvollen Reise von den Wintergebieten in den Gipfelregionen zu den Sommerweiden an den Flussläufen und zurück ins Winterquartier.

Das Resultat sind spektakuläre Landschaftsaufnahmen, die sich durchaus mit denen vergleichbarer Filmreihen wie Unsere Erde messen können, aber vor allem intime Aufnahmen des Alltagslebens der Rentiere und der anderen Tierarten. Gerade ein jüngeres Publikum im Vorschul- und Grundschulalter dürfte sich für den knuddeligen Protagonisten des Films erwärmen, der eine wunderbare Identifikationsfigur ist, ohne dabei vermenschlicht zu wirken. In chronologischer Reihenfolge erfahren wir von den Lebensstationen des Rentierkinds, wir lernen seine Lebensumgebung ebenso kennen wie die vielen Gefahren, die auf die Tiere lauern: brüchige Eisflächen, reißende Flüsse und gefährliche Wolfsherden machen den Rentieren zu schaffen und fordern auch regelmäßig Todesopfer.

Ailos Reise verrät einiges über die Kunst des Filmemachens: So suggeriert die dramaturgisch durchdachte Montage des Filmmaterials dem Publikum eine konkrete narrative Abfolge, die von der Erzählstimme aus dem Off explizit hergestellt wird. In der deutschen Synchronfassung verwebt Anke Engelke als Sprecherin die spektakulären Aufnahmen zu Ailos Abenteuergeschichte, wobei sich nüchterne Wiedergabe der Ereignisse mit humorvollen Kommentaren etwa über das übermütige Balzverhalten der Tiere abwechseln.

Dankbarerweise präsentiert Ailos Reise kein romantisiertes Naturbild, sondern zeigt neben den auch für die Tiere schönen Momenten den Überlebenskampf in der Wildnis auf bemerkenswert nüchterne Weise – und das, obwohl der Film explizit (und zu Recht) auch für ein Kinderpublikum vermarktet wird. Dementsprechend differenziert fällt auch der Schlusskommentar der Erzählerinnenstimme Engelkes aus, während wir Ailo noch einmal auf seinen Streifzügen durch die schneebedeckten Gipfellandschaften begleiten:

"Die Welt ist seltsam: Manchmal ist sie so hart, dass man alles hinwerfen möchte, sich in eine Ecke flüchten und sich verstecken möchte. Und dennoch, jedes Mal, wenn wir uns dazu entschließen, aufzustehen und das Leben so zu nehmen, wie es kommt, ohne Umwege, wie es kommt, lächelt uns die Welt am Ende zu."

Erhältlich ist die Heimkinofassung von Ailos Reise als DVD, Blu-ray und als digitaler Stream. Neben der deutschen Synchronfassung ist der Film auch mit französischer Originalspur verfügbar, zudem gibt es deutsche Untertitel. Die Blu-ray enthält (leider nicht untertitelt) ein Interview mit Anke Engelke, B-Rolls von den Synchronaufnahmen sowie (untertitelte) Interviews mit den Tiertrainern und ein kurzes "Behind the Scenes"-Special.

Interessant für Lehrende: Auf ailo-derfilm.de stellt der Verleih Ascot Elite umfangreiches Schulmaterial zur Verfügung, das den Bezug zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen herstellt und auch Aufgabenstellungen für Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 bis 6 enthält. (https://www.ailo-derfilm.de/wp-content/uploads/AILO_Schulmaterial.pdf

Verleih: Ascot Elite

Fazit

Ailos Reise ist gerade in der Winterzeit ein wunderbar unterhaltender Familienfilm, der mittels schöner Naturaufnahmen vom ebenso faszinierenden wie harten Leben einer mystifizierten Tierart erzählt. Gerade Kindern dürfte der Ansatz, Dokumentarisches in explizit narrativer Form mit einem kindlichen Protagonisten zu erzählen, sehr gefallen. Empfohlen ab sechs Jahren.

 

Wir verlosen zwei Exemplare von Ailos Reise: Schreiben Sie uns zur Teilnahme an der Verlosung einfach eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit dem Titel des Films, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an dem Tag, an dem wir den Film vorstellen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Philipp Schmerheim und die Redaktion wünschen Ihnen viel Glück und drücken alle Daumen!

Die Adventskalender-Aktion im Überblick

 

Titel: Ailos Reise
Originaltitel: Aïlo: une odyssée en Laponie
Genre: Naturfilm, Tierfilm
Produktionsland: Frankreich, Finnland, Deutschland
Produktionsjahr: 2018
Dauer: 86 Minuten
Altersfreigabe: Ab 0 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland, Kino): 14.02.2019
Verleih: Ascot Elite
Regisseur: Guillaume Maidatchevsky
Drehbuch: Guillaume Maidatchevsky, Morgan Navarro
Musik: Julien Jaouen
Erzählerin: Anke Engelke
Kamera: Teemu Liakka, Daniel Meyer
Schnitt: Laurence Buchmann
Produzent: Laurent Baudens, Laurent Flahault, Gaël Nouaille
Empfohlen ab acht Jahren

Erstveröffentlichung: 06.12.2019


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