von Anna Dylong

Der neue Animationsfilm der erfolgreichen Macher von Shrek hinterlässt leider nicht nur positive Eindrücke: Madagascar bietet brillante Computeranimationen und überaus witzige Charaktere, aber leider auch eine akustische Reizüberflutung.

Verleih: UIP

Inhalt

Eigentlich führen die Zootiere Alex, Marty, Gloria und Melman ein glückliches und behütetes Leben im Zoo von New York. Bis eines Tages das Zebra Marty den Wunsch verspürt, die Welt hinter den vier Zäunen seines Geheges kennenzulernen. Als er sich schließlich heimlich davonmacht, eilen ihm seine Freunde hinterher, um ihn zur Vernunft zu bringen: mit fatalen Folgen.

Die vier Ausgebrochenen werden in einer spektakulären Polizeiaktion an der Grand Central Station eingefangen und – auf Druck von Tierschutzorganisationen – auf ein Schiff verfrachtet, das sie in ein Tierreservat bringen soll. Nach einem heftigen Streit landen ihre Kisten jedoch im Meer und stranden auf der Insel Madagaskar.

Die Wildnis stellt die vier hilflosen Tiere schnell vor ungewohnte Herausforderungen: Während Marty die neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen auskostet, sehnt sich der Löwe Alex nach seinem Dasein als Star des New Yorker Zoos. Und da er nicht mehr von der Zooverwaltung mit Steaks versorgt wird, entwickelt er sich bald zum Raubtier und zur Bedrohung für alle. Ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Die vier Freunde entdecken, dass die ersehnte Freiheit auch ihre Schattenseiten hat. Dennoch gibt es schließlich ein Happy End mit Augenzwinkern: Alex kann sich für Sushi begeistern, die Vier versöhnen sich und fassen den Entschluss, nach New York zurückzukehren. Wenn sie bloß wüssten, dass das von vier Pinguinen gekaperte Schiff, das an der Küste vor Anker liegt, keinen Sprit mehr hat…

Verleih: UIP

Kritik

Schon nach wenigen Minuten fragt sich der Zuschauer, wann ihm eigentlich ein Moment Pause von dem ununterbrochenen Redefluss der Hauptfiguren vergönnt wird. Während es selbst für einen Erwachsenen mühsam wird, den atemlosen Dialogen auf Dauer zu folgen, dürften insbesondere kleinere Kinder schnell damit überfordert sein. Das überladene Drehbuch ist die größte Schwäche dieses ansonsten gut gelungenen Family Entertainment Films. Eric Darnell und Tom McGrath zeigen am Beispiel einer einfallsreichen  Geschichte, dass Freiheit oftmals ihren Preis hat – und schnell zur Hölle werden kann.

Die Problematik des Films richtet sich in erster Linie an die kindlichen Rezipienten: Die Geschichte um den Löwen Alex, das Zebra Marty, das Flusspferdweibchen Gloria und die Giraffe Melman führt ihnen sehr anschaulich vor Augen, dass Zootiere nicht ohne weiteres ohne die Hilfe des Menschen überleben können. Das Beispiel von Alex zeigt außerdem, dass Tiere, die im Zoogehege niedlich und harmlos aussehen mögen, in der freien Wildbahn zwangsläufig zu wilden Raubtieren werden müssen.

Dennoch werden sich bei diesem Film dank der sympathischen und witzigen Charaktere (besonders gelungen: das gerissene Pinguin-Quartett und der kindisch-naive Lemurenkönig Julien) auch die erwachsenen Zuschauer nicht langweilen. Das Thema Freundschaft, das in diesem Animationsfilm eine große Rolle spielt, dürfte alle Altersklassen ansprechen: Letztendlich ist es die Freundschaft, die siegt (obwohl er am Verhungern ist, rettet Alex seinen Freunden das Leben) und die den vier Tieren hilft, ihr Überleben in der Wildnis gemeinsam zu meistern.

Fazit

Insgesamt bietet dieser Film trotz einiger Schwächen gute Unterhaltung für die ganze Familie. Er überrascht mit komischen Situationen und witzigen Sprüchen, stimmt aber dennoch auch nachdenklich – die Geschichte von Alex, der einsehen muss, dass er zum fleischfressenden Monster geworden ist, wird sehr einfühlsam erzählt. Schade nur, dass Darnell und McGrath einem modernen Trend folgen und ihren Film mit akustischen Reizen überladen – die Schnelligkeit und Frequenz, mit der in diesem Animationsfilm gesprochen wird, ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Das wird ein konzentriertes und genaues Hinhören der kindlichen Zuschauer sicherlich nicht fördern. Der alte Spruch bewahrheitet sich: Weniger ist manchmal doch eben mehr.  

Titel: Madagascar
Originaltitel: Madagascar
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2005
Dauer: 86 Minuten
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 14.07.2005
Verleih: UIP
Einspielergebnis: $193,136,719 (USA) (9 Oktober 2005)
Regisseure: Eric Darnell, Tom McGrath
Drehbuch: Mark Burton, Billy Frolick, Eric Darnell, Tom McGrath
Darsteller: Ben Stiller/Jan Josef Liefers (Alex), Chris Rock/Rick Kavanian (Marty), David Schwimmer/Bastian Pastewka (Melman), Jada Pinkett Smith/Claudia Urbschat-Mingues (Gloria)
Musik: Hans Zimmer
Schnitt: Clare De Chenu, Mark A. Hester, H. Lee Peterson
Produzenten: Teresa Cheng, Mireille Soria

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