von Dr. phil. Isa Schikorsky

Das Phänomen "Harry Potter"

In der Kinder- und Jugendliteratur begann das neue Jahrtausend etwas verfrüht. Mit Harry Potter und der Stein der Weisen (1997, dt. 1998) von Joanne K. Rowling (*1965) vollzog sich ein Epochenwechsel, dessen Auswirkungen bis in die unmittelbare Gegenwart hinein zu spüren sind. Die Buchserie, die sich vom Geheimtipp englischer Kinder zum weltweit präsenten, kommerziell höchst lukrativen Markenprodukt entwickelte, setzte neue Standards im Hinblick auf Verkaufszahlen, Merchandising und Zielgruppenansprache.

Über das Erfolgsgeheimnis der sieben Bände ist viel spekuliert worden. Rowling hat sich durch Klassiker der englischsprachigen Kinderliteratur (Alice, Der Zauberer von Oz usw.), aber auch durch Sagen, Fantasy und Märchen, Detektiv-, Schul- und Entwicklungsgeschichten anregen lassen. Aus Elementen dieser Genres hat sie ihre motivisch eng verklammerten Romane komponiert, die alles das enthalten, was Kinder zu allen Zeiten zum Lesen animiert hat: vor allem aufregende Abenteuer, innige Freundschaften und Kämpfe gegen das Böse. Zum Lesegenuss werden die Bände durch die ungemein bildhafte Sprache, eine unglaubliche Fülle kurioser, komischer und fantasievoller Einfälle sowie die zahlreichen höchst lebendigen Dialoge. Viele witzige, aber auch bedrohliche Effekte ergeben sich auch aus dem Nebeneinander von Alltags- und Zauberwelt. Zudem gelingt es Rowling, die Spannung über mehrere Hundert Seiten hin zu erhalten, durch Andeutungen, Vor- und Rückbezüge und genau kalkulierte Szenenwechsel, vor allem aber, weil ihr Erzählen ganz und gar der Handlung verpflichtet ist. Großen Anteil am Erfolg hat die Hauptfigur: Harry ist ein Held mit Schwächen, schüchtern und unauffällig lebt er in der Welt der Muggels, wo ihn seine Verwandten drangsalieren. In der Wunderwelt jedoch ist er eine bewunderte Gestalt mit legendärem Ruf, hier kann er die Ohnmacht des Ausgeliefertseins überwinden. Das hier gestaltete Aschenputtelmotiv bietet ein ausgeprägtes Identifikationspotenzial. In Harry Potter erfüllt sich die bei Erwachsenen wie Kindern gleichermaßen vorhandene Sehnsucht nach persönlicher Großartigkeit, aber auch das Bedürfnis nach Unterhaltung und Regression auf einem sprachlich-stilistisch hohen Niveau.

Variationen fantastischer Leselust

Harry Potter verhalf der fantastischen Kinder- und Jugendliteratur zu einem beispiellosen Popularitätsschub. Kaum ein Verlag, der nicht Hexen, Magier oder andere Zauberwesen ins Programm aufnahm, und wer als Autor Geld verdienen wollte, tat gut daran, magische Welten zu erfinden. Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends stand ganz im Bann üppig dimensionierter Fantasy, mindestens eine Trilogie musste es sein, gern auch mehr. Ein Ende des Trends ist noch nicht abzusehen. Damit die Leser nicht das Interesse an den recht gleichartigen Stoffen verlieren, in denen meist ein Außenseiter Länder, Völker oder das Universum retten muss, nutzt man im Wesentlichen zwei Mittel: das Empfindungspotenzial verschärfen und bekannte Genres neu mischen. Waren schon Rowlings Bücher von Band zu Band düsterer und gewalttätiger geworden, so verstärkte sich der Hang zur ausgiebigen Darstellung emotionaler Extremsituationen in der Folge noch. Durch Zutaten aus Science-Fiction, Mystery, Thriller oder Romanze werden fantastische Geschichten aufgepeppt und erwecken so zumindest den Anschein, innovativ zu sein.

Zu den Gewinnern der Pottermania zählt unter anderem der amerikanische Fantasyautor Christopher Paolini (*1983), der im Alter von fünfzehn Jahren mit dem Schreiben des Drachenreiterepos Eragon begann. 2004 erschien der erste Band, der vierte und bislang letzte kam im November 2011 heraus und eroberte sofort Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste. Sieben Bände umfasst zurzeit die Reihe über Artemis Fowl (ab 2001) des Iren Eoin Colfer (*1965). Colfer hat Fantasy mit Science-Fiction kombiniert: Der anfangs zwölfjährige Gentlemanganove und Computerfreak Artemis Fowl trifft in einer unterirdischen Nebenwelt auf technisch hochgerüstete Elfen, Zwergen und Kobolde. Von den deutschen Autoren hat insbesondere Kai Meyer (*1969) zahlreiche Fans. 2001 gelang ihm mit der Merle-Trilogie der Durchbruch; mit der Wellenläufer-Trilogie (2003-2004) konnte er seinen Bekanntheitsgrad noch steigern. Meyer verbindet realistische und fantastische Erzählweisen, greift gerne mythologische Motive auf und setzt auf starke Identifikationsfiguren.

Am überzeugendsten gelang es Cornelia Funke (*1958), die zuweilen als "deutsche Rowling" tituliert wird, an den Erfolg der Engländerin anzuknüpfen, obwohl sie inhaltlich und stilistisch einen ganz eigenständigen Weg beschritten hat. Die Tintenwelt-Trilogie (2003-2007) handelt von der Liebe zu Büchern und der Begeisterung für das Vorlesen. Der Buchbinder Mo verfügt über die Fähigkeit, Gestalten aus der Literatur in die Realität hineinzulesen, für die im Gegenzug Menschen in Büchern verschwinden. Mit Reckless. Steineres Fleisch (2010), inspiriert von den Märchen der Brüder Grimm, konnte Funke ihre Leserschaft offenbar nicht im gleichen Maße begeistern.

Stephenie Meyers (*1973) Rezept für hohe Auflagen und Spitzenplätze auf Bestsellerlisten ist ein Mix aus Liebesgeschichte, Thriller und Fantasy. Von Bis(s) zum Morgengrauen (2005, dt. 2006) angefangen, können die Leserinnen vier Bände lang mitfiebern, ob Bellas unsterbliche Liebe zu dem Vampir Edward sich erfüllt.

Ebenfalls bis auf die vordersten Verkaufsränge schaffte es Kerstin Gier (*1966) mit ihrer Edelstein-Trilogie (2009-2010). Rubinrot, Saphirblau und Smaragdgrün (2010) sind Zeitreiseromane, die ins historische England führen, angereichert mit Fantasyelementen und einer romantischen Liebesgeschichte.

Kinderliteratur als Markenerlebnis

Die Erfolge von Harry Potter und seinen Erben verdanken sich nicht zuletzt medialen Neuerungen. In den Achtziger- und Neunzigerjahren verlor das Buch seine Position als Leitmedium an das Fernsehen, inzwischen verbringen Jugendliche mehr Zeit vor dem Computer als vor dem Fernseher und nutzen ansonsten alle Medien von der Zeitung bis zum Handy.

Vor allem die neuen Möglichkeiten der sozialen Netzwerke im Internet sorgten bei der Distribution von Kinder- und Jugendliteratur für einschneidende Veränderungen. Verlage und Autoren können seither mit der Zielgruppe direkt kommunizieren, und müssen nicht mehr den Umweg über die Erwachsenen nehmen, die in der Regel eher Büchern mit pädagogischem Mehrwert den Vorzug geben als solchen mit reiner Unterhaltungsfunktion. Das sogenannte Endkundenmarketing eröffnete völlig neue Perspektiven. Durch Gewinnspiele, Making-of-Videos, Fanaktionen, Leseclubs, Social-Media-Kampagnen über Facebook und andere soziale Netzwerke sowie weitere Formen des viralen Marketings lassen sich Neuerscheinungen wesentlich effektiver und nachhaltiger als zuvor präsentieren. Autoren pflegen eigene Web- und Fansites, für einzelne Titel und Reihen richten Verlage oder Leser Homepages ein. Kinder und Jugendliche sind längst nicht mehr nur Adressaten von Werbebotschaften, sondern tragen sie selbst aktiv weiter, durch Empfehlungen, Rezensionen, das Drücken von »Gefällt-mir«-Buttons und das Teilen von Informationen. So ergibt sich für beliebte Titel ein enormer Multiplikationseffekt.

Auf diese Weise sind enge Bindungen zwischen Autor und Leser entstanden. Das gilt nicht nur für die erwähnten Fantasyautoren, sondern für besonders produktive Schreiber allgemein. Einer der Ersten, der die Bedeutung des virtuellen Direktkontakts zur Zielgruppe erkannte, war Thomas Brezina (*1963). Er bediente das ausgeprägte Interesse junger Leser an Pferde-, Grusel- und Detektivgeschichten mit diversen Reihen, die trotz moderner Attribute wie Computer und Internet ganz dem Trivialschema in der Tradition von Enid Blyton verpflichtet blieben. Die Klaviatur des Online-Marketings beherrscht auch Joachim Masannek (*1960) perfekt, der mit vierzehn Bänden über Die Wilden Fußballkerle (2002-2008) Lesespaß und aufregende Abenteuer bot und damit selbst Jungen zum Lesen brachte. Auf eine große und treue Anhängerschaft kann auch die ungemein erfolgreiche Mädchenbuchserie Freche Mädchen – Freche Bücher (seit 1998) bauen, deren umfangreiche Homepage ein breites Angebot an Informationen und Mitmachaktionen bis hin zu Schreibwettbewerben anbietet. Die Romane, die vorzugsweise um die Wirren der ersten Liebe kreisen, werden von verschiedenen Autoren und Autorinnen verfasst. Allein sechsundzwanzig Bände hat bislang Bianka Minte-König (*1947), die Erfinderin der Reihe, beigesteuert.

Längst geht es den Werbestrategen in den Verlagen nicht mehr darum, zum Kauf eines Buches anzuregen, sondern ein umfassendes "Markenerlebnis" zu ermöglichen, das weit in alle Bereiche des Alltags und der Freizeit hineinwirkt. Die Literatur dient hier als Auslöser für weitere Kaufimpulse. Wie die Verwirklichung eines solchen Merchandisingkonzepts idealerweise aussieht, zeigt etwa der Prinzessin-Lillifee-Kosmos, in dem die Geschichten um die Blütenfee aus dem Zauberland Rosarien und ihre Freunde auf der breiten Produktpalette nur noch ein schmales Segment beanspruchen neben Musical, Kinofilm, TV-Serie, Zeitschrift, Trinkflasche, Armband, Zauberstab, Bettwäsche und anderen Angeboten – insgesamt mehr als 350 – alle natürlich in Lillifee-Rosa. Dass die Prinzessin eine eigene Homepage und eine Fanseite bei Facebook unterhält, versteht sich von selbst.

Provokationen in der Jugendliteratur

Kennzeichnend für die Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur während der letzten Dekade ist ein Auseinanderdriften zweier Marktsegmente: Die bestsellertaugliche Unterhaltungsliteratur entfernt sich immer weiter vom literarisch ambitionierten Kinder- und Jugendbuch mit innovativem Anspruch. Die eher sperrigen Titel mit ästhetischem Mehrwert werden vor allem von Pädagogen, Literatur- und Kunstwissenschaftler, Journalisten und engagierten Buchhändler empfohlen und von Heranwachsenden aus bildungsnahen Sozialschichten gelesen. Auf Bestenlisten wie "Die Besten 7" und in den Titeln, die mit renommierten Preisen wie "Eule", "Luchs" oder dem "Deutschen Jugendliteraturpreis" ausgezeichnet werden, dominieren weiterhin klassische Problemthemen wie Krankheit, Tod, Drogen, Alkohol, Sex, Gewalt, Familien- und Immigrationskonflikte.

Besonders gut trifft offenbar der englische Autor Kevin Brooks (*1959) die Erwartungen erwachsener Kritiker wie junger Leser. Er kombiniert Elemente des Problembuchs mit spannenden Krimihandlungen. Die Protagonisten geraten in extreme emotionale Schieflagen, müssen sich mit Erpressung, Verfolgung, Aggression, Mord, Hass, Rache und Liebe auseinandersetzen und schwierigste Gewissensentscheidungen treffen. Im Jahresrhythmus erschienen in Deutschland Martyn Pig (2002, dt. 2004), Lucas (2003, dt. 2005), Candy (2005, dt. 2006), Kissing the Rain (2004, dt. 2007) und The Road of the Dead (2006, dt. 2008). Die authentisch wirkenden Schilderungen der Milieus, die brutal ehrliche Sprache und die exakt kalkulierte Dramaturgie trugen seinen Romanen zahlreiche Auszeichnungen ein. Vier der fünf genannten Titel wurden für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert (nur Candy nicht), für Lucas und The Road of the Dead gewann er ihn 2006 bzw. 2009.

Während Brooks zwar drastisch schreibt, am Ende aber doch zumindest Lösungsansätze aufzeigt, gibt es andere Autoren, die sich konsequent einer wie auch immer gearteten Sinnkonstruktion verweigern, die bewusst polarisieren und so teilweise heftige Kontroversen ausgelöst haben. Den Beginn dieser Entwicklung markierte 1999 Kirsten Boies Kinderroman Nicht Chicago. Nicht hier. Im letzten Jahrzehnt wurde immer wieder darüber diskutiert, ob in einer desillusionierten Gesellschaft, die keine Sicherheiten mehr kennt, die alten Grundsätze der Kinder- und Jugendliteratur noch ihre Berechtigung haben: Soll Literatur für Heranwachsende auch unter veränderten Vorzeichen noch pädagogischen Mehrwert bieten, Sinnangebote bereitstellen, Lösungen aufzeigen und Werte vermitteln?

 Zu den umstrittenen Autoren gehört die in England lebende US-Autorin Meg Rosoff (*1956). In ihren rätselhaften Romanen, die zwischen Wirklichkeit und Fantasie mäandern, geht es um existenzielle Dinge: Leben, Tod, Angst, Krankheit, Krieg und die rettende Kraft von Freundschaft und Liebe. Rosoffs Bücher So lebe ich jetzt (2004 dt. 2005), Was wäre wenn (2006, dt. 2007) und Damals, das Meer (2007, dt. 2009) fanden nicht zuletzt wegen ihres schonungslosen, eigenwilligen Schreibstil, der Schnoddrigkeit mit Beklommenheit vereint, viel Beachtung.

Noch radikaler sind die Gedankenexperimente, die Janne Teller (*1964) in Nichts. Was im Leben wichtig ist (2000, dt. 2010) und Krieg – stell dir vor, er wäre hier (2004, dt. 2011) konsequent durchspielt. Nichts stellt die Frage nach dem Sinn des Lebens ganz explizit und erzählt darüber eine ebenso eindringliche wie erschreckende Parabel.

Mit seiner unverblümten und realistischen Darstellung von Sexualität unter Jugendlichen, die deren Gedanken, Bedürfnisse und Gefühle sehr glaubwürdig abbildet, provozierte der englische Autor Melvin Burgess (* 1954) in Doing It (2003, dt. 2004).

Von großer Bedeutung ist in der Jugendliteratur nach wie vor das Thema Gewalt. Kontroversen ergeben sich vor allem, wenn Autoren sich weigern, mit einfachen Ursache-Wirkung-Modellen zu erklären, wie Gewalttaten motiviert sind und sich verhindern lassen. Das trifft auf Evil. Das Böse (1981, dt. 2005) von Jan Guillou (*1944) und Im Schatten der Wächter (2003, dt. 2004) von Graham Gardner (1975) zu. Beides sind gelungene Beispiele für Romane, die Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht angesichts von Aggression zulassen, deutlich machen, wie schwer es ist, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und zeigen, wie leicht Opfer zu Tätern werden können.

All Age – das Ende der Kinder- und Jugendliteratur?

Der auffälligste Trend des ersten Jahrzehnts nach 2000 betrifft Verschiebungen innerhalb des Systems der Kinder- und Jugendliteratur sowie die Überschreitung der Grenze zur Erwachsenenliteratur. Einerseits greifen Heranwachsende in immer jüngerem Alter zu Titeln, die eigentlich für eine höhere Altersstufe gedacht sind, anderseits bedienen sich Erwachsene ungeniert in den Bücherregalen der Kinder, und Mütter und Töchter fiebern gemeinsam der nächsten Neuerscheinung ihrer Lieblingsautorin entgegen. Doch nicht nur Fantasy und sehr komplexe Jugendbücher lassen sich immer schwerer eindeutigen Leserschichten zuweisen. Beim Bilderbuch ist eine Tendenz zum Artifiziellen und - damit verbunden - zur Ausweitung der Alterszielgruppe beobachten. Steht der künstlerisch-ästhetische Aspekt der Gestaltung ganz im Vordergrund, richten sich die Werke oft nicht mehr an Vorschulkinder, sondern sprechen ältere Kinder an oder sind als Kunst- und Sammelobjekte für Erwachsene gedacht. Auch Sachbücher für Kinder und Jugendliche werden häufig von Erwachsenen gelesen.

"All Age" heißt das Schlagwort, mit dem Verleger und Autoren die sprichwörtliche Lesergruppe von acht bis achtzig erreichen möchten. Beim Publikum scheint das Bewusstsein von einer spezifischen Altersdifferenzierung der Literatur zu schwinden. Viele Leser wissen nicht, ob sie ein Jugend- oder Erwachsenenbuch lesen. Zur Verwischung des Unterschieds trägt auch bei, dass wesentlich mehr Autoren als noch vor einigen Jahrzehnten für mehrere Zielgruppen schreiben. Kai Meyer etwa sagte in einem Interview, er finde eine Differenzierung künstlich. Zu den bekannteren Namen gehören Isabel Allende, Friedrich Ani, Andreas Eschbach, Paula Fox, Joyce Carol Oates und seit neustem John Grisham, der 2010 in Deutschland den ersten Band seiner Jugendbuchreihe Theo Boone veröffentlicht hat.

Deutlich wird die Grenzüberschreitung auch daran, dass seit einigen Jahren Bücher aus allgemeinen Publikumsverlagen den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten. Als 2002 Alexa Hennig von Lange (*1973) für Ich habe einfach Glück (2001) ausgezeichnet wurde, schien das ein Einzelfall zu sein, inzwischen sind viele weitere Titel gefolgt.

Von den zwanzig meistverkauften Titeln zwischen 2002 und 2009 im Bereich Belletristik waren elf Jugendbücher: nicht nur Harry Potter und die Tintenwelt-Saga, sondern auch Bücher von Markus Zusak, Kerstin Gier und anderen. Ein Blick auf die aktuellen Bestsellerlisten zeigt, dass dieser Trend sich weiter verstärkt hat.

So lässt sich Ende 2011 resümieren: Ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, jeder sucht sich aus dem Gesamtangebot der Bücher, Filme, DVDs und Hörbücher offenbar das heraus, was seinen Interessen und Vorlieben entspricht. Ist das als Freiheit des mündigen Medienbürgers oder als Beliebigkeit eines auf größtmöglichen Profit bedachten Literaturmarkts zu bewerten? Vor allem: Was bedeutet dieser Befund für die Zukunft der Kinder- und Jugendliteratur? Wenn der Trend sich fortsetzt, könnte die spezifische Kinder- und Jugendliteratur im Sinne von Zielgruppenliteratur irgendwann mehr oder weniger vollständig im Gesamtsystem Literatur aufgehen. Vielleicht aber werden Kinder und Jugendliche das nicht zulassen, und sich ihre eigene Literatur zurückerobern. Man kann also auf die weitere Entwicklung gespannt sein.


Der Artikel wurde übernommen aus:

 

Erstveröffentlichung: 16.05.2013 


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