von Anna Stemmann M.A.

Nikolaus Nützel beschreibt und erklärt in dem Sachbuch 7 Wege reich zu werden – 7 Wege arm zu werden die komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge und Strukturen um den Themenkontext von Geld, Macht und Gesellschaft in einfacher und anschaulicher Art und Weise. Wie der Untertitel verspricht: "Das etwas andere Buch über Wirtschaft."

Nikolaus Nützel: 7 Wege reich zu werden – 7 Wege arm zu werden. Das etwas andere Buch über Wirtschaft.
cbj, München 2014 [EA 2010]
221 S.,  €7,99
ISBN: 978-3-570-40213-9

Inhalt
Die Funktionsweisen globaler wirtschaftlicher Systeme sind Aufhänger von Nützels Sachbuch. Gegliedert ist dies dabei in drei Abschnitte, die verschiedene Wirtschaftsmodelle vorstellen und beschreiben. Ergänzt werden die Ausführungen von kleinen Illustrationen, die der Comiczeichner Flix beigesteuert hat. Ganz im Sinne der "ÖKUHNOMIE" wird eine Kuh zur Leitfigur, die unterhaltsam die Inhalte des Textes unterstreicht und den Leser nonchalant durch die Kapitel begleitet.
Unterteilt sind diese drei Kapitel in kurze Abschnitte, die mit prägnanten Zwischenüberschriften aufwarten und für eine schnelle Orientierung beim Lesen sorgen. Ergänzt wird das übersichtliche Seitenlayout durch zusätzliche Kästen, die vertiefende Informationen zum Erzähltext liefern und beispielsweise Adam Smith als den Erfinder der modernen Wirtschaftstheorie vorstellen oder den Monatsbedarfssatz nach Hartz IV vorrechnen.

Den Auftakt des Buches bilden zunächst die "sieben Wege reich zu werden". Am Beispiel von einzelnen Personen, wie etwa den Brüdern Albrecht (die für die Gründung des Aldi Konzerns verantwortlich zeichnen) oder Bill Gates und dessen Windows-Monopol, veranschaulicht der Autor zunächst im Kleinen die dazugehörigen Prozesse und Vorgänge. Darauf aufbauend werden diese Mikroprozesse eingebettet in die größeren Zusammenhänge des weltweiten wirtschaftlichen Gefüges. Immer wieder eingestreut werden dabei Querverweise auf spätere Kapitel, so dass beständig die untrennbaren Wechselwirkungen und Verschränkungen dieser komplizierten Netze sichtbar gemacht werden.

Die "sieben Wege arm zu werden" bilden den zweiten Teil des Buches und arbeiten zunächst heraus, was Armut überhaupt bedeutet. Denn zwischen relativer und absoluter Armut besteht ein großer Unterschied. So wird zunächst das Modell "Dritte Welt" vorgestellt, das insbesondere die ärmsten Länder dieser Welt betrifft, um daraufhin die verschiedenen Stufen und Formen von Armut in Deutschland zu diskutieren. Dabei werden von Hartz IV und Arbeitslosengeld über Altersarmut bis hin zur Schuldenfalle die breitgefächerten Aspekte des Themas diskutiert und immer wieder eingebunden in ihre historischen Ursprünge und in den aktuellen gesellschaftlichen Kontexten erörtert.

Den Abschluss des Buches bildet das Kapitel "Sieben Wege, wie es auch anders gehen könnte" und stellt alternative Systemtheorien zum Status quo, wie den Kommunismus und Sozialismus vor, diskutiert diese kritisch und zeigt aktuelle Gegenentwürfe, wie das Prinzip der Mikrokredite oder zinsloses wirtschaften, auf. Ein umfangreiches Glossar sowie ergänzende Hinweise auf Internetseiten beschließen das Buch.

Kritik
Nikolaus Nützel schafft es, in seinem gut 200 Seiten starken Sachbuch auf anschauliche, anregende und spannende Art und Weise die komplizierten und komplexen Grundlagen unseres heutigen Wirtschaftssystems zu erklären. Zentrale Leitfrage ist dabei immer die "Logik des Marktes", worüber die unterschiedlichen Facetten des schweren und vermeintlich trockenen Themas der Ökonomie in den Blickpunkt rücken. Das betrifft sowohl Fragen nach Versicherungen, Steuern, das Bank- und Zinswesen als auch politische Vorgaben und Eingriffe. Die historischen Wurzeln und bis heute bleibenden Nachwirkungen, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen sowie globale und nationale Perspektiven markieren dabei zentrale Erörterungsstandpunkte des Buches und machen deutlich, wie komplex die gegenseitigen Beeinflussungen dieses fragilen Systems sind.

Nützel greift dafür stets auf plastische Beispiele zurück und kann die komplizierten Zusammenhänge in einfacher, aber vor allem anschaulicher Sprache plötzlich ganz leicht erscheinen lassen (auch die Rezensentin hat einiges gelernt). So werden die jungen Leser und ihre Fragen ernst genommen und Nützel nimmt sie mit auf einen spannenden Streifzug durch das Wirtschaftssystem, ohne dabei mit moralisierenden Botschaften zu verschrecken. Stets evoziert der Autor behutsame Denkanstöße, weist auf Vor- und Nachteile hin und zeigt auf, dass es nicht immer eine Patentantwort gibt. Denn Nützel verzichtet auf lapidare und eindimensionale Antworten, sondern macht deutlich, dass es meist kein Idealrezept für wirtschaftlichen Erfolg gibt. Stattdessen fächert er verschiedene mögliche Optionen auf, die wiederum weitgreifende Folgen haben können und zeigt die komplexen Mechanismen des Systems auf. Dies spiegelt sich auch im Gesamtaufbau des Buchs, wenn konsequent Vor- und Rückverweise zu anderen Kapiteln des Buchs eingeflochten werden.

Fazit
Dieses Buch sollten nicht nur Schüler ab ca. 12 Jahren für den Politikunterricht lesen, sondern jeder, der sich schon immer gefragt hat, wie das System Wirtschaft überhaupt funktioniert. Neben der inhaltlichen und sprachlichen Klarheit, dem durchdachten und sinnvoll strukturierten Aufbau sowie den aktuellen (und vor allem lebensnahen) Beispielen überzeugt das Buch auch durch seine grafische Aufmachung. In ansprechenden und lebendigen Grüntönen sind sowohl die Illustrationen als auch die Überschriften und Blockkästen eingefärbt und rekurrieren dabei auf die Gestaltung des Covers, woraus sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Nikolaus Nützel kann in 7 Wege reich zu werden – 7 Wege arm zu werden die Entwicklung des heutigen Wirtschaftsgefüges spannend nachzeichnen und nimmt den Leser mit auf eine Safari durch den Dschungel der Ökonomie.

 

 

 


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