von Kjara von Staden

Stormheart. Die Rebellin schafft eine außergewöhnliche Fantasywelt, in der Stürme und andere Unwetter eigenständig denkende Wesen und damit noch gefährlicher als ohnehin schon werden. Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine selbstbewusste und mutige Prinzessin, die wild entschlossen ist, ihr Königreich vor den Naturgewalten zu beschützen und die Stürme zu besiegen. Eine Geschichte voller Abenteuer und Spannung für Leser ab zwölf Jahren.

Carmack, Cora: Stormheart. Die Rebellin
Oetinger, Hamburg 2017.
460 Seiten. 19,99 €
ISBN 9783789104053.
Empfohlen ab 12 Jahren.

Inhalt

Auf den Schultern der 18-jährigen Prinzessin Aurora liegt eine schwere Bürde: Ihr Königreich Pavan wird seit vielen Jahren von alles zerstörenden Unwettern heimgesucht, die sie mithilfe von Sturmmagie aufhalten muss. Diese Magie liegt den Adeligen (auch Sturmlinge genannt) des Reiches schon seit Generationen im Blut. Das Problem ist nur: Aurora scheint diese außergewöhnlichen Kräfte nicht zu besitzen und kann ihr Volk und ihre Stadt deshalb nicht beschützen. Um das Fehlen dieser Gabe zu vertuschen und einen Skandal zu verhindern, wird Aurora schon früh von ihrer Mutter isoliert. Zusätzlich soll sie nun Cassius, einen Prinzen, der diese Sturmmagie besitzt, heiraten, damit Pavan geschützt wird. Schnell findet Aurora jedoch heraus, dass ihr Verlobter weder an ihrer Gesellschaft noch an ihrer Liebe interessiert ist und es nur auf den Thron und die damit einhergehende Macht abgesehen hat. Als sie Cassius eines Nachts auf einen geheimen Markt in der Stadt folgt, öffnet sich ihr eine ganz neue Welt: Sie lernt den Sturmjäger Lock kennen, der ihr erklärt, dass nicht nur Sturmlinge Sturmmagie anwenden können. Auch gewöhnliche Menschen können sich den Unwettern stellen und sie bezwingen. Wild entschlossen täuscht Aurora ihre Entführung vor und schließt sich Lock und seiner Gruppe von Sturmjägern an. Sie will lernen, ihr Königreich und Volk selbst beschützen zu können. Dabei muss sie jedoch feststellen, dass sie eine viel engere Bindung zu den Unwettern verspürt, als sie ihr Leben lang angenommen hat.

Quelle: Oetinger

Kritik

Stormheart ist multiperspektivisch erzählt. Diese Erzählweise gibt dem Rezipienten die Möglichkeit, die Geschichte aus den Blickwinkeln von Aurora, ihrer besten Freundin Nova, dem Verlobten Cassius, dem Sturmlord und dem Sturmjäger Lock zu sehen und den unterschiedlichen Umgang der Figuren mit Sturmmagie nachvollziehen zu können. So geben beispielsweise die Abschnitte, die Nova fokussieren, dem Leser einen Einblick in die naturgebundene Magie der Elemente und zeigen, dass diesen Kräften ebenfalls große Macht innewohnt. Durch die Absätze aus Cassius‘ Perspektive wird deutlich, wie die Magie der Sturmlinge eigentlich aussehen sollte.

Im Zentrum der Geschichte steht allerdings Aurora und ihre Wandlung von einer Prinzessin zur Sturmjägerin. Die einzelnen Entwicklungsschritte der Protagonistin sind durch die unterschiedlichen Namen, die die Autorin für die Figur verwendet, markiert. So wird die Thronerbin von Pavan mit dem Namen Aurora eingeführt, welcher im Leser sofort die Erinnerung an die Disney-Prinzessin aus dem Film Dornröschen wachruft. Als Aurora agiert die Thronfolgerin jedoch nicht wie die Filmfigur demütig und sanft, sondern selbstbewusst, befehlend und souverän. Fernab der royalen Pflichten und Auftritte wird die Prinzessin allerdings Rora genannt, ein Spitzname aus ihrer Kindheit. Aufgrund ihrer mangelnden sozialen Kontakte wirkt Rora sehnsuchtsvoll, unerfahren und fast schon schüchtern – allein aus Büchern erfährt sie, was es bedeuten kann, in Freiheit zu leben:

"Sie genoss die Zeit allein [...] Wenigstens hatte sie sich das bisher immer selbst gesagt. Jetzt aber fühlte sie sich, als wäre sie mitten in die Geschichte eines ihrer Bücher getreten oder zum ersten Mal aus dem Schatten ihres eigenen Lebens." (S. 29)

Nachdem sie sich allerdings den Sturmjägern anschließt, gibt sie sich selbst den Namen Roar, der ihr nicht nur aufgrund der lautmalerischen Bedeutung eine kämpferische und mutige Ausstrahlung verleiht. Dieses Spiel mit den verschiedenen Namen für die Protagonistin wird auch im Text immer wieder hervorgehoben: "Denn es war Zeit. Zeit, Roar Lebewohl zu sagen. Und wieder Aurora zu werden." (S. 458)

Interessant ist vor allem die Darstellung der Stürme als lebendige Wesen. Schon die Tatsache, dass die Unwetter ein Herz haben, das sowohl Sturmlinge als auch Sturmjäger aus dem Unwetter entfernen müssen, um dieses zu besiegen, lässt den Rezipienten sofort an ein Lebewesen denken. Auch können die Stürme sich untereinander spüren, kämpfen und besitzen Intelligenz: "Unwetter waren empfindsam genug, um Zerstörung zu suchen, Opfer zu jagen, Strategien zu entwickeln wie ein Feldherr im Kampf." (S. 60) Dem Begriff Naturgewalt wird in Stormheart also eine ganz neue Bedeutung verliehen. So ist zu Beginn dieses ersten Bandes der Trilogie noch nicht deutlich, wer eigentlich der Antagonist der Geschichte sein soll: Auroras intriganter Verlobter, der ebenfalls unter den Stürmen und ihren Auswirkungen leidet – oder die Unwetter, die jedoch bis zum Ende von Stormheart immer menschlicher und damit auch verletzlicher wirken.

Lust auf den zweiten Band wecken vor allem die – bisher noch spärlich auftretenden – Abschnitte aus der Perspektive des Sturmlordes, einem mystischen Wesen, das scheinbar absolute Kontrolle über die Unwetter hat und diese für Tod und Zerstörung nutzt. Der Lord, der bislang noch sehr wenig beschrieben wird und deshalb die Neugier der Leser entfacht, bekundet zum Ende des Romans sein Interesse an Aurora, da diese dieselben Fähigkeiten wie er zu besitzen scheint.

Fazit

Stormheart. Die Rebellin ist ein gelungener Auftakt zu einer neuen Fantasy-Reihe, die Potential hat, an aktuell erfolgreiche Trilogien wie Die Chroniken der Verbliebenen oder Im Reich der Sieben Höfe anzuschließen. Vor allem die Darstellung der Gewitter als eigenständig agierende Wesen erscheint besonders. Da diese Unwetter und deren Bekämpfung weder brutal noch schockierend gestaltet ist, wird die Geschichte viele Leser ab zwölf Jahren fesseln. Der Text kann aber auch durch die Inszenierung der Protagonistin überzeugen, deren innere Wandlung sich authentisch und für den Rezipienten ständig transparent vollzieht.


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