von Kjara von Staden

Eine Wette mit Zeus gewinnen, um wieder sterblich zu werden, die Welt der Götter retten und Jess erobern – das will Prometheus. Prometheus vergessen und in ihr normales Leben ohne göttliche Gesellschaft zurückkehren – das erhofft sich Jess. Doch die Götter haben einen anderen Plan mit ihr. In GötterFunke. Hasse mich nicht, dem zweiten Band der Trilogie, lässt Autorin Marah Woolf die Götter erneut die menschliche Welt besuchen und Jess’ Leben auf den Kopf stellen. Diesmal rückt der Kampf zwischen Zeus und seinem Sohn Agrios jedoch mehr in den Vordergrund.

Woolf, Marah: GötterFunke. Hasse mich nicht

Dressler, Hamburg 2017.
441 Seiten. 18,99 €
ISBN 9783791500416.
Empfohlen ab 12 Jahren.

Inhalt

Nachdem Cayden alias Titan Prometheus Jess im Sommercamp in den Rocky Mountains das Herz gebrochen hat, will sie nur noch eines: Ihn hassen und sich aus dem Kopf schlagen. Fest davon überzeugt, Cayden nie wiedersehen zu müssen, stürzt Jess sich wieder in ihr Alltagsleben. Doch gleich am ersten Schultag widerfährt ihr das Unfassbare: Cayden und seine göttliche Familie tauchen nicht nur in ihrer Heimatstadt Monterey auf, sondern auch in ihrer Schule! Jess ist sich sicher, dass das nichts Gutes bedeuten kann. Zumal seit ihrer Zeit im Sommercamp klar ist, dass sie die übernatürliche und äußerst seltene Gabe besitzt, ihre Einblicke in die Götterwelt nicht wie normale Menschen gleich wieder zu vergessen. Und als wären Caydens Anwesenheit und Jess' Fähigkeiten nicht schon genug Belastung für sie, wird sie auch noch in einen Krieg der Götter mit hineingezogen: Zeus' totgeglaubter Sohn Agrios will seinen Vater stürzen, die Erde zurückerobern und die Menschheit auslöschen. Um seinen immer schwächer werdenden Anspruch auf den Thron nicht zu verlieren, bittet Zeus Jess um ihre Hilfe. Sie soll versuchen, den abtrünnigen Gott und seine Anhänger zu enttarnen und damit das Geschlecht der Menschen retten. Doch Jess ist verwirrt – schließlich verheimlichen die Götter ihr noch eine Menge. Zu allem Überfluss will Cayden sie zurückerobern und wirbt mit aller Macht um sie. Aber kann sie ihm diesmal wirklich trauen? Und wollen die Götter tatsächlich nur ihr Bestes?

Quelle: Dressler

Kritik

Der Aufbau des Romans gleicht dem ersten Band GötterFunke. Liebe mich nicht: Das Geschehen wird wieder abwechselnd von Jess und dem Götterboten Hermes geschildert, wobei die Kapitel aus Hermes' Perspektive meist nur eine Seite umfassen und einen kleinen Einblick in das private Leben der Götter bieten. Durch seine Textabschnitte kann der Leser die an einigen Stellen etwas erschreckende Gleichgültigkeit der Götter gegenüber den Menschen erkennen und erfährt von Zeus’ Plänen. Hermes scheint jedoch viel mehr Mitgefühl für die Menschen und vor allem für Jess zu empfinden als seine Familie. Dies und sein ironischer und flapsiger Wortwitz lassen den Götterboten – im Gegensatz zu den anderen Göttern – im zweiten Band der Trilogie noch sympathischer wirken:

"Dann verkrieche ich mich in meinem gemütlichen Haus und baue Wein an. Wollte ich schon immer machen. Der Fusel von Dionysos wird auf Dauer zu teuer." (S. 141)

Auch der Handlungsbogen hat zu Anfang des Romans große Ähnlichkeit mit dem ersten Band. So wird zunächst die Wette zwischen Zeus und Prometheus wieder aufgegriffen, letzterer versucht so viele Mädchen wie möglich von seinem Charme zu überzeugen – darunter auch Jess. Im Fokus der Handlung steht jedoch nicht mehr Caydens Versuch, mit dem Gewinn dieser Wette sterblich zu werden, sondern der Krieg der Götter. Erstmals bekommt man einen genaueren Einblick in die Welt der Götter, die parallel zur Menschenwelt existiert. Bei dieser Gelegenheit werden auch weitere Titanen und ihre Familien eingeführt, wodurch der Leser, wie bereits im ersten Band, sein Wissen über griechische Mythologie erweitern kann. Allerdings werden die Geschichten um die Götter mit unhistorischen, dafür aber zum Teil sehr amüsanten und spannenden Nebeninformationen gespickt. So schildert Athene Jess den Grund Aphrodites, den trojanischen Krieg zu befeuern, folgendermaßen:

"Dabei war Aphrodite sauer auf meinen Vater [Zeus], weil er sie mit dem hässlichen Hephaistos vermählt hat. Sie hat sich einen Spaß aus der ganzen Sache gemacht." (S. 303)

Schauplatz des Romans ist diesmal allerdings Jess' Heimat, die Küstenstadt Monterey in Kalifornien. So erhält der Leser Einblick in Jess' Alltag und ihr Leben zu Hause, das von ihrer suchtkranken Mutter und ihrem verantwortungslosen Vater, der die Familie bereits vor Jahren verließ, maßgeblich negativ beeinflusst wird. Dabei wirkt Jess' deutlich erwachsener, als eine 17-jährige es sein sollte. Sie stellt das Wohl ihrer kleinen Schwester über ihr eigenes, kümmert sich um die Finanzen, den Haushalt und die Mutter und sorgt für das Überleben der Familie. Auch als in der Schule wenig schmeichelhafte Gerüchte über sie auftauchen, verkraftet sie das ungerechte Verhalten ihrer Mitschüler scheinbar unbeschadet. Dieses verantwortungsvolle und souveräne Auftreten der Protagonistin führt dazu, dass sich auch Leser, die keine Teenager mehr sind, gut mit Jess identifizieren können.

Damit aber auch Jugendliche ab vierzehn Jahren sich in der Geschichte wiederfinden können, decken die Nebenhandlungen des Romans normale High-School- und Teenager-Themen ab: Neid unter Freundinnen, Mobbing, Schulstress und das Erwachsenwerden. Vor allem die Liebe zwischen Cayden und Jess wird jugendliche Leser fesseln. Jess’ widerstreitende Gefühle für den Titanen sind auch im zweiten Band von GötterFunke gut nachvollziehbar beschrieben und es wird deutlich, wie sehr sie zwischen Hoffnung und Misstrauen gegenüber Caydens Absichten schwankt:

"Ich wollte, dass er ging. Natürlich wollte ich das. Ich kniff kurz die Augen zusammen. Am liebsten hätte ich die Arme um seine Taille geschlungen und mich an ihn gelehnt. Dich mag er wirklich, hatte Athene gesagt." (S. 383)

Fazit

Marah Woolf kann mit GötterFunke. Hasse mich nicht an die hohe Qualität des ersten Band ihrer Trilogie anschließen und schafft es erneut, ihre Leser mit einem spannungsgeladenen Cliffhanger auf den dritten Band warten zu lassen. Aufgrund der reifen Gestaltung der Protagonistin können sich sowohl Jugendliche ab zwölf Jahren als auch junge Erwachsene an dem Roman erfreuen.


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