Von Hadassah Stichnothe

"Kalt? Uns? Niiie!" Unter diesem Motto sagt der Verein "Verkühl dich täglich", alias die Nasskalte Nelly, der Frostige Felix, der Polare Pauli, der Eisige Emil und die Stürmische Sophie dem kratzigen Wollklamotten den Kampf an. Vergnüglicher Lesestoff für die Herbst- und Winterzeit!

Laibl, Melanie: Verkühl dich täglich.
Mixtvision, München 2017.
80 Seiten. 12,90 €
ISBN 9783958540644
Empfohlen ab 7 Jahren.

Inhalt

Man kennt das: Kaum ist der Sommer um, schon beginnt sie wieder – die gefürchtete Wollzeugzeit! Kratzige Schals, verschwitzte Pullover und juckende Strumpfhosen. Kein Vergnügen, erst recht nicht, wenn man ein Kind ist, dessen Eltern an einer Verkühlphobie leiden. Die Kinder in Melanie Laibls Verkühl dich täglich haben offenbar alle solche Eltern oder Großeltern. Um dem frühherbstlichen Verpackungswahn zu entgehen, beschließen Pauli und seine Freunde kurzerhand, zum Gegenangriff überzugehen. Dabei wollen die "kleinen Großen" die "großen Großen" mit ihren eigenen Waffen schlagen und gründen statt einer Bande – einen Verein. Schließlich ist so ein Verein, wie Pauli seinen Freunden erklärt, ja nichts weiter als eine Bande für Erwachsene und daher der einzige Weg, von ihnen ernst genommen zu werden. Die Mitglieder von "Verkühl dich täglich" demonstrieren daher nun auf äußerst ernstzunehmende Weise, dass man sehr wohl auch ohne übertriebene Kleidungsschichten auskommt. Denn wirklich verkühlen will sich schließlich niemand. Alles läuft gut, bis die Erwachsenen dem Verein auf die Schliche kommen – und natürlich alles übertreiben müssen. Am Ende haben die kleinen Großen immerhin einen Etappensieg über das Wollzeug gewonnen – und fordern die Leser triumphierend auf, es ihnen nachzumachen.

 

 

Kritik

Melanie Laibls Verkühl dich täglich liest sich ausgesprochen leicht und unterhaltsam. Die Komik des Textes wird dabei durch die Illustrationen von Susanne Göhlich passend unterstützt. Bereits auf der ersten Seite schlängelt sich drohend ein Wollschal ins Bild, dem auf der nächsten Seite gleich das nächste Strickungetüm folgt. Später lässt Göhlich sogar die – im Text nur metaphorische – Titanic gegen einen gigantischen Winterklamottenberg fahren.

Jedes der sechs kurzen Kapitel ist mit einer Temperaturangabe versehen, die von Kapitel zu Kapitel sinkt. Gleichzeitig steigt auch der Konflikt zwischen Kindern und Erwachsenen und sogar jüngere Leser werden sich wohl die bange Frage stellen, wie lange die Sache mit dem nicht Verkühlen wohl noch gutgehen mag. Dass es ausgerechnet die angeblich so vernünftigen Erwachsenen sind, die mit der Gründung des Gegenvereins "Verkühl dich sekündlich" schließlich in die Verkühlungsfalle tappen, ist eine gelungene Pointe des Romans.

Erzählt wird aus der Perspektive von Pauli, der sich als ziemlich engagierter autodiegetischer Erzähler erweist. So weigert er sich zunächst standhaft, seinen Lesern das geheime Passwort des Vereins zu verraten, wird aber leider vom Gang der Ereignisse überrollt:

"Die [Leute] sind ja vor Neugierde fast gestorben, als wir bloß unser Vereinslokal einrichteten. Weil Sophie über Nacht richtig tolle Wimpel gebastelt hatte, mit unserem Vereinsnamen auf der einen und unserem geheimen Passwort auf der anderen Seite. (Was beweist, dass sie nicht immer ein Superhirn ist.)" (26)

Über dem Text befindet sich an dieser Stelle eine Illustration, die besagte Wimpelkette und – natürlich – das geheime Passwort zeigt. Text und Bild tragen so gleichermaßen zur komischen Wirkung bei.
Am Schluss erfährt der Leser in einem Nachwort von Pauli nicht nur, wie es nach der Vereinsgründung weitergegangen ist, sondern auch etwas über das historische Vorbild des Vereins. Dabei handelt es sich um einen Wiener Eisbadeverein, dessen Mitglieder in der Zwischenkriegszeit der Kälte trotzten.

Der knappe Umfang des Buches (73 Seiten Text) und die einfache Sprache machen Verkühl dich täglich zu einem geeigneten Buch zum Vor- und Selberlesen, besonders auch für Wenigleser, die sich mit einer zügig und humorvoll erzählten Geschichte locken lassen.

Fazit

Melanie Laibl gelingt ein kurzweiliger und ansprechend illustrierter Text, der durch seine temporeich erzählte Handlung und den Sprachwitz des Erzählers überzeugt, aber gleichzeitig auch weniger geübte Leser nicht überfordert. Eine vergnügliche Lektüre für Wollzeugverächter ab sieben Jahren, die sich bestens zum Lesen bei sinkenden Temperaturen eignet.

Dieses Bilderbuch können Sie im Rahmen unserer Adventskalender-Aktion bei einer Verlosung gewinnen. Schreiben Sie uns hierzu eine eMail mit Ihrem Namen, Ihrer Adresse und dem Titel des Buches am 19.12. an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Erstveröffentlichung: 01.12.2017


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