von Kirsten Kumschlies

In der Adventszeit erwacht ein Stofflöwe zum Leben und hat nun 24 Tage Zeit einen Menschen zu finden, der ihn ins Herz schließt. Ein kurzweiliger, leicht erzählter Weihnachtskinderroman von Irmgard Kramer mit Anleihen an klassische Märchenmotive, dessen Lektüre der ganzen Familie Freude bringen kann.

Kramer, Irmgard: Ein Löwe unterm Tannenbaum.

Illustriert von Carola Sturm.
Loewe, Bindlach 2018.
143 Seiten. 10,95 €
ISBN 978-3-7855-8365-4

Empfohlen ab 7 Jahren. 

Inhalt

Die Geschichte beginnt am 1. Dezember, als im "Laden für eh fast alles" ein Stofflöwe zum Leben erwacht. Das tut er jedes Jahr in der Weihnachtszeit, denn, so will es der sogenannte magische Vertrag, er sucht einen Besitzer, der ihn lieb gewinnt. Sollte das gelingen, darf er lebendig bleiben, andernfalls muss er nach Weihnachten zurück in die Kiste, aus der er gekommen ist. All dies erschließt sich den Leserinnen und Lesern erst nach und nach. Zunächst lernen wir die Grundschülerin Lenja kennen und dann den alten Mann Richie, der einsam und zurückgezogen in einer Hütte lebt. Dass es sich bei diesen Figuren um Nachbarn handelt, erfährt man ebenfalls erst im Verlauf der Geschichte. Zunächst einmal ist Richie der Mann, der den Löwen kauft – nicht ganz freiwillig. Versehentlich macht Richie im Spielzeugladen alle Schiffe kaputt. Der Löwe beobachtet das Missgeschick und setzt den alten Eigenbrödler damit unter Druck: Wenn er ihn nicht kaufe, werde er allen verraten, wer die Schiffe kaputt gemacht hat. Richie fühlt sich durch diese Erpressung schachmatt gesetzt und kauft den Löwen. Aber kann dieser so erreichen, dass Richie ihn ins Herz schließt? Das soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: Es kommt noch zu allerhand Verstrickungen, bis schließlich alle glücklich und zufrieden Weihnachten feiern können.

 

Kritik

Irmgard Kramers Der Löwe unterm Tannenbaum ist eine leicht erzählte, unterhaltsame und spannende Weihnachtsgeschichte für Kinder im Grundschulalter, die sich sowohl zum Vorlesen als auch zum Selberlesen in der Adventszeit eignet und empfiehlt. Die Autorin greift in diesem kurzweiligen Kinderroman ein traditionelles Märchenmotiv auf, das vor allem durch Die Schöne und das Biest prominent ist: Wie das Biest sucht auch der Stofflöwe nach einem Menschen, der ihn liebt, nur dann kann der Zauber gebrochen werden: Das Biest wird schön, der Löwe darf einfach nur bleiben. Und der kauzige, verschrobene Richie ist auch keine schöne Belle, aber auch er hat ein weiches Herz und trifft auch am Ende von Kramers Weihnachtsgeschichte seine große Liebe wieder. Ebenso ist das Erwachen von Spielzeugen ein Element, das sich in vielen anderen Weihnachtsgeschichten findet, allen voran in Hoffmanns Nussknacker und Mausekönig (jüngst zum Beispiel auch im Weihnachtswunder von Katherine Rundell). Diese traditionellen Märchenmotive sind aber auch die einzigen phantastischen Elemente in einer ansonsten realistisch konzipierten Erzählwelt, die in literarischer Hinsicht nicht viel Neues zu bieten hat, sondern an altbewährte Erzählmuster anknüpft und vor allem einer Unterhaltungsfunktion (sehr gut) gerecht wird. Eine heterodiegetische Erzählinstanz führt durch die Handlung und springt zwischen den drei zentralen Figuren Lenja, Richie und dem Löwen hin und her, woraus sich (und auch das ist traditionell) die Spannung der story speist. So handelt es sich hier um einen schönen, weihnachtlichen Kinderroman, dessen Lektüre Lesefreude in die Adventszeit bringen kann. Wie so viele Weihnachtskinderbücher (z.B. Mein Lotta-Leben. Süßer die Esel nie singen, Der magische Blumenladen- Ein zauberhafter Adventskalender oder Drei Weihnachtsengel auf heißer Spur) der Gegenwart mag auch dieses auf die Adventskalender-Struktur nicht verzichten und ist unterteilt in 24 Kapitel – zum Glück nicht schon wieder mit perforierten Seiten, so sei als etwas spitze Randbemerkung hinzugefügt. Mit der Handlung selbst hat diese Unterteilung wenig zu tun (das war wohl nur beim Klassiker Schnüpperle von Barbara Bartos-Höppner aus dem Jahr 1969 der Fall, wo sich das Geschehen passgenau auf die 24 Dezembertage verteilt), schadet ihr freilich auch nicht. 

Fazit

Ein unterhaltsamer Kinderweihnachtsroman mit liebevoll konzipierten Figuren, einer kurzweiligen und spannenden Handlung und einer Prise Weihnachtszauber: Somit ein empfohlenes Vorlese- oder Selbstlesevergnügen für Kinder ab 7 Jahren, das Leseanfänger nicht überfordert. Eine Geschichte, die Spaß macht. 


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