In Kooperation mit:

von Anja Herkenrath

Sehnsüchtig wartet Hedvig den ganzen Sommer darauf, dass mal etwas Spannendes passiert. Als zum ersten Mal der schwarze Schulbus vor ihrem Haus auftaucht, hat das Warten ein Ende: die so liebenswerte wie redselige Heldin durchlebt und durchleidet ihr erstes Schuljahr.

Nilsson, Frida: Hedvig!.
Mit Illustrationen von Anke Kuhl. Aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger.
Gerstenberg 2012.
144 S., 12,95 Euro.
ISBN 3-8369-5369-2

Die erfolgreiche schwedische Autorin Frida Nilsson (u.a. Ich, Gorilla und der Affenstern) wählt für dieses Buch eine unspektakuläre Umgebung. Eine stinknormale Schule in der nächsten Kleinstadt, und Hedvigs Eltern sind nett, glücklich und normal. Unfälle, Trennungen, hochdramatische Ereignisse sucht man vergeblich. Doch Hedvig mit ihren vielen phantastischen Einfällen und ihrer Erstklässlersicht mischt das Leben ihrer Mitmenschen gehörig auf. Wenn sie in der Pause eine Mitschülerin als Pferd im Schuppen einsperrt und vergisst, sie wieder zu befreien, bis das Pferd vom Lehrer vermisst wird, tut sich für das Mädchen schlagartig ein schwarzer Abgrund auf. "Jetzt kann sie genauso gut ins Hühnerhaus ziehen und auf der Stange sitzen bleiben, bis sie stirbt".

Das erste Schuljahr ist eine Achterbahn der Gefühle zwischen unendlicher Seligkeit (über das marzipanrosa Ponyschloss zu Weihnachten) und Grauen (als Hedvig denkt, sie hätte ihren Klassenkameraden mit Seife im Saft vergiftet). Nilsson gelingt es wunderbar, diese Unbedingtheit der Gefühle, die der Kindheit vorbehalten ist, in Hedvigs ganz alltäglichem Leben greifbar zu machen. Auch familiäre Schwierigkeiten deutet sie in knappen, unsentimentalen Sätzen – großartig übersetzt von Friederike Buchinger – lieber nur an, anstatt sie breit auszuwalzen.

Etwa wenn Hedvigs beste Freundin Linda zur Weihnachtsfeier in der Schule als einzige keine selbstgebackenen Lebkuchen mitbringt, weil ihre alleinerziehende Mutter von der Arbeit in der Hosenträger-Fabrik vollkommen absorbiert wird. So ist Hedvig durchaus zeitgemäß – doch die wundersame Kinderwelt einer Siebenjährigen wird dennoch nicht an den Zeitgeschmack verraten. (ab 7 Jahre)

---

Diese Rezension erschien ursprünglich in der Süddeutschen Zeitung Nr. 154 am 6. Juli 2012. Veröffentlichung auf KinderundJugendMedien.de mit Erlaubnis der Redaktion der Kinder- und Jugendliteraturseite der Süddeutschen Zeitung.


catchme refresh
Joomla Extensions powered by Joobi

Veranstaltungen

November 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 31 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 1 2