von Sabine Planka

Alle 100 Jahre öffnet sich in der Nacht zum 1. November die Pforte zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten. Und ausgerechnet der fünfzehnjährige Pascal Rivas entdeckt diesen Weg und wandelt fortan als Wanderer zwischen den Welten.

Garbala, David Lozano: Puerta Oscura – Totenreise (Band 1).
Aus dem Spanischen von Susanna Mende.
Loewe, Bindlach 2010.
608 S., 19,95 €
ISBN 978-3-7855-6863-7.

Inhalt

Pascal Rivas entdeckt zufällig den Weg in die Welt der Toten in einer alten Truhe während einer Halloween-Party auf dem Dachboden seines Schulkameraden Jules. Fortan kann er die Welt der Toten betreten. Was er noch nicht weiß: Im Gegenzug betritt ein Wesen aus dem Totenreich die Welt der Lebenden. Und das ist im ersten Band von Puerta Oscura ausgerechnet ein Vampir – und zwar kein glitzernder oder vegetarischer, sondern ein äußerst blutrünstiger, der seine ausgesaugten Opfer schon mal in Fetzen in die Bäume hängt oder von Balkonen stößt und Pascal nach dem Leben trachtet. Pascal, der fortan der Wanderer genannt wird, muss den Kampf gegen das Böse aufnehmen und findet in seinen Schulfreunden Dominique, Michelle und Jules sowie der Wahrsagerin Daphne, die ihm fortan als Verbindung dient, wenn er in der Welt der Toten weilt, hilfreiche Verbündete. Der Kampf gegen den Vampir spitzt sich zu, als dieser Michelle in die Welt der Toten entführen lässt, so dass der Wanderer ihr folgen muss, um sie zu befreien. Wird die Pforte zerstört, während Pascal in der Welt der Toten weilt, ist eine Rückkehr für ihn unmöglich und der Vampir kann fortan sein Unwesen in der Welt der Lebenden treiben.

Während der Vampir in der Welt der Lebenden eine Spur des Todes hinterlässt – nach einem Lehrer an Pascals Schule, dessen Platz sich der Vampir annimmt, sterben zwei Schulkameraden –, folgt Pascal in der Welt der Toten über mehreren Ebenen, die immer tiefer Richtung Hölle führen und eine Kommunikation mit seinem Medium Daphne immer schwieriger machen, der Spur Michelles. Hilfe bekommt er von der umherirrenden Seele Beatrice. Nach zwei Zeitreisen, die Pascal und Beatrice erfolgreich überleben – einmal in das Zeitalter der Pest, dann in die Zeit der Inquisition –, finden sie Michelle, die zusammen mit dem kleinen Jungen Marc in die Hölle gebracht werden soll. Die beiden können befreit werden, zusammen gelingt ihnen schließlich die Flucht zurück in die sicheren Bereiche der Totenwelt, die Zwischenwelt.

In der Welt der Lebenden hat der Vampir inzwischen den Ort ausfindig gemacht, an dem die Pforte versteckt und bewacht wird und verschafft sich Zutritt zum Haus. Daphne, Dominique und Jules verteidigen die Pforte, drohen aber zu scheitern. Da der Vampir zwei weitere Opfer in der Nachbarschaft der Pforte auf der Straße hat liegenlassen, kommt die Polizei in Gestalt der Kommissarin Marguerite Betancourt und des Gerichtsmediziners Marcel Laville zu Hilfe, deren Wege sich im Laufe der Handlung immer wieder mit denen des Wanderers und seiner Helfer gekreuzt haben. In Laville erhält Pascal einen weiteren Verbündeten in der Welt der Lebenden: Er gibt sich den Bewachern als Wächter der Pforte zu erkennen und kämpft gegen den Vampir. Marguerite kommt hinzu und erschießt den Vampir mit Silberkugeln, mit denen sie auf Anraten Marcels ihren Revolver geladen hat.

Die Pforte ist vorerst gerettet, Pascal erreicht zusammen mit der befreiten Michelle und Beatrice sowie dem Jungen Marc, der sich auffällig schüchtern verhält, die Zwischenwelt. Hier ist Marc plötzlich verschwunden, es stellt sich heraus, dass er zu Recht auf dem Weg in die Hölle war, da er ein Verdammter war.



Kritik

Inmitten des Pariser Alltags eröffnet sich für den Leser auf immerhin gut 600 Seiten der Weg in eine phantastische Parallelwelt, die ganz im Zeichen der Gothic Novel steht und nicht nur dem Protagonisten den Weg in diese Parallelwelt ermöglicht, sondern dessen Bewohner auch in die Welt der Lebenden eindringen lässt.

Auch wenn das Buch für ein Jugendbuch an einigen Stellen sehr blutrünstig daher kommt – hauptsächlich in den Passagen, in denen der Vampir aktiv wird –, so besticht es doch durch eine wohlstrukturierte Erzählung, die sich im Spannungsfeld von Gothic Novel, Horrorroman und Kriminalroman bewegt und nebenher die – für das Totenreich obligatorische – griechische Mythologie aufgreift und an diesem Punkt etwas klischeehaft wirkt. Gleichzeitig wird mit historischen Figuren und Fakten gespielt: So wird Jack the Ripper als ein weiterer Gegner eines Wanderers vor Pascal inszeniert, und mittels des Motivs der Zeitreise werden Epochen der mittelalterlichen Geschichte dargestellt, was mitunter etwas zu viel des Guten ist, auch wenn es narrativ logisch in den Verlauf der Erzählung eingebettet ist.

Fazit

Puerta Oscura ist durchaus ein lesenswertes Buch, dessen Handlung sich um das bekannte Motiv des Grenzgängers dreht, der die Grenze zwischen Leben und Tod überschreitet und zwischen der Welt der Lebenden und der Toten wandelt, um seine künftige Freundin Michelle aus der Unterwelt zu retten. Damit steht er in der Tradition Orpheus', der Eurydike – vergeblich – zu retten versucht. Gleichzeitig zeigt das Buch nach den glitzernden Twilight-Vampiren endlich mal wieder einen richtig bösen Vampir, der den Menschen nicht gut gesonnen ist, sondern ihnen äußerst "un-vegetarisch" nach dem Leben trachtet und mit aller Macht besiegt werden muss, um nicht nur die Pforte in die Welt der Toten, sondern auch den Wanderer zu schützen.

 

Hier geht es zu der Rezension von Band 2.


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