von Michel Winde

"Michel bringt die Welt in Ordnung" – und das, obwohl er jede Menge Unfug treibt.

Astrid Lindgren: Michel bringt die Welt in Ordnung.
Mit Bildern von Rolf Rettich.
Aus dem Schwedischen von Karl K. Peters.
Oetinger, Hamburg 1990.
180 Seiten. 9,90 €
ISBN 378911927X .

Inhalt

Michel ist die Hauptfigur des Kinderbuch-Klassikers Michel bringt die Welt in Ordnung von Astrid Lindgren, der 1970 erstmals in deutscher Übersetzung von Karl Kurt Peters im Oetinger Verlag erschienen ist. Michel lebt zusammen mit seiner Familie – Vater Anton, Mutter Alma, Schwester Ida, Knecht Alfred und Magd Lina – auf dem Bauernhof Katthult in dem Dorf Lönneberga. Ein bäuerliches Leben ohne Elektrizität zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dieses Leben schildert Astrid Lindgren in ihrem Roman als auktoriale Erzählerin. Im Mittelpunkt steht Michel, der die Welt zwar immer und immer wieder durcheinander, letztlich aber doch in Ordnung bringt. Egal, ob er seinen Vater in Eiseskälte auf dem Lokus einsperrt, Schwester Ida Typhus andichtet oder Magd Lina von der Scheune springen lässt.

 

Kritik

Astrid Lindgren brilliert in diesem Buch in vielerlei Hinsicht. Zu allererst versteht sie es, den Leser und eventuelle Zuhörer in die Handlung mit einzubeziehen. Diese Möglichkeit ist erst durch einen ganz bestimmten Kniff gegeben. So orientiert sich der Erzähler bei seinen Geschichten, die vom Samstag, 12. Juni eines unbestimmten Jahres bis zum Weihnachtsfest des gleichen Jahres reichen, an den Tagebuchaufzeichnungen von Michels Mutter. Dieser erzähltechnische Trick gewährt die Möglichkeit zu kommentierenden Aussagen seitens der Erzählerin. Ebendiese Kommentare sind es, die den Leser mit Michels Welt konfrontieren, ihn aufklären, auffordern, befragen und ihn Teil des Geschehens werden lassen.

Lindgren spricht ihre Leser direkt an. Es heißt: "Stell dir vor", "Das musst du dir merken" und "Wenn du jemals da gewesen bist, wirst du dich erinnern". Und der Leser wird sich später an das erinnern, was Lindgren schildert. Schließlich war er dort, wo auch Michel, Anton und all die anderen vom Katthulter Hof waren: Auf der Versteigerung in Backhorva, beim Männchenschnitzen im Tischlerschuppen, beim Versuch, Lina einen Zahn zu ziehen oder dabei, wie er und sein Schwein sich mit vergorenen Kirschen 'betrinken'. All das erlebt der Leser, wenn er sich mit Michel auf eine Reise durchs schwedische Småland macht. Die Figuren in Lindgrens Roman bedienen Klischees und Stereotype. Die Magd ist naiv, der Knecht ein Kumpeltyp, die Mutter verständnisvoll und die kleine Schwester schaut zu Michel auf. Einzig Michel ist ein höchst vielschichtiger Charakter. Michel ist ein kleiner Junge, vielleicht sieben, höchstens acht oder neun Jahre alt. Er ist lebenslustig und nicht zu bremsen in seinen (Un-)Taten. Michel hat strohblondes Haar, trägt eine 'Müsse' und ist äußerst aufgeweckt. Er ist sensibel, gutherzig und großzügig. Aber Michel macht auch allerlei Unfug. So gibt er sein hart verdientes Geld für Limonade aus, lässt Magd Lina von der Scheune springen, um ihr einen Zahn zu ziehen, färbt das Gesicht seiner Schwester Ida mit Tinte blau und gibt vor, sie habe Typhus und sperrt seinen Vater – versehentlich – bei klirrender Kälte im Lokus ein. Papa Anton macht all dies rasend. Dabei hat Michel nichts Böses im Sinn. Bei allem, was er tut, möchte er stets das Beste. Es sind keine böswilligen Streiche, die Michel da begeht. Und dennoch muss Strafe sein. Für jeden Unfug, den er macht, jagt sein Vater ihn in den Tischlerschuppen. Dort schnitzt er jedes Mal ein Holzmännchen, derer es schon mehrere hundert sind.

Doch Michel ist vor allem auch clever. Hier stellt er den Kontrapunkt zu all den anderen Charakteren, insbesondere zu seinem Vater, dar. Dieser Konflikt zwischen Michel und seinem Vater ist der Stoff, aus dem Lindgren ihre Geschichte strickt. Während Michels Vater festgefahren und verbohrt ist, verblüfft Michel immer wieder mit seinen genialen Einfällen. Besonders deutlich wird dieser Graben zwischen Vater und Sohn zum Ende der Backhorva-Auktion. Anton Svensson möchte seine gerade erst ersteigerte Kuh erschießen, da sie verrückt zu sein scheint. Michel, mit Einfühlungsvermögen, Geschick und Geist reich bestückt, beruhigt das Tier und treibt es zum Hof Katthult – natürlich nicht, ohne vorher auszuhandeln, dass das Tier bei Gelingen dieser Aktion in seinen Besitz übergeht. Bei all seinem Unfug ist Michel Geschäftsmann und Gutmensch zugleich. So ist es nur folgerichtig, dass er am Ende des Romans als Held in Småland gefeiert wird. Schließlich bringt er ja doch die Welt in Ordnung.

Fazit

Astrid Lindgrens Roman ist ein Buch, das schon für kleine Kinder von etwa fünf Jahren an geeignet ist. Lindgren schreibt in einfachen Sätzen. Die doppelte Erzählperspektive durch das Tagebuch der Mutter macht Michels Abenteuer ebenso für ältere Kinder interessant. Und auch Erwachsene werden ihren Spaß an den schwedischen Geschichten und den dazugehörigen Zeichnungen von Björn Berg haben. Dabei bedarf es dieser Bilder eigentlich gar nicht. Denn Lindgren selbst schreibt schon bildhaft genug.

Erstveröffentlichung: 05.12.2012


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