Katniss Everdeen und Peeta Mellark haben die Hungerspiele überlebt. Eigentlich möchten sie die schrecklichen Erlebnisse in der Arena möglichst schnell vergessen. Doch das Kapitol hat andere Pläne…

 

Collins, Suzanne: Die Tribute von Panem 2. Gefährliche Liebe
Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister und Peter Klöss
Oetinger, Hamburg 2010
432 S., € 17,95
ISBN 978-3-7891-3219-3
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Inhalt
 
Katniss und Peeta sind als Sieger nach Distrikt 12 zurückgekehrt. Mit dem Geld, das sie aufgrund ihres Gewinns nun regelmäßig erhalten, bräuchten sie sich über ihre Zukunft eigentlich keine Sorgen zu machen. Doch es ist die Vergangenheit, die sie nicht loslässt: Die Hungerspiele verfolgen beide ständig in ihren Träumen. Auch das Kapitol lässt ihnen keine Ruhe: Katniss und Peeta werden auf eine Siegerreise durch die Distrikte geschickt, auf der sie Panem weiterhin das glückliche Liebespaar vorspielen müssen. Die Tatsache, dass hinter der angebliche Beziehung zu Katniss für Peeta offensichtlich mehr steht als der Wunsch, die Illusion für die Kameras aufrecht zu erhalten, macht die Situation nur noch komplizierter. Und Katniss ist hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen für Peeta und denen für ihren Jugendfreund Gale.
 
In Distrikt 12 verschlechtert sich die Situation inzwischen. Neue "Friedenswächter" sorgen für Angst und Schrecken, und die bestehenden Gesetze werden radikal durchgesetzt. Katniss wird nach ihrer Rückkehr besonders überwacht. Präsident Snow bedroht sie, da ihr angeblicher Selbstmordversuch in der Arena in manchen Distrikten als Aufruf zur Revolution interpretiert wird.
 
Dann werden die nächsten Hungerspiele vorbereitet. Alle 25 Jahre finden zum Jubiläum der gescheiterten Revolution besondere Spiele statt. Katniss und Peeta sind entsetzt, als verkündet wird, dass für die 75. Hungerspiele die Teilnehmer aus den bisherigen Siegern ausgelost werden. Distrikt 12 hatte insgesamt nur 3 Sieger, und so finden sich Katniss und Peeta in der Arena wieder, vor der sie sich für den Rest ihres Lebens sicher geglaubt hatten.
 
Doch die 75. Hungerspiele verlaufen nicht wie geplant. Die Sieger zeigen kaum Motivation, sich gegenseitig zu ermorden, es bilden sich ungewöhnlich schnell Allianzen. Das Kapitol versucht diesem Phänomen mit einer besonders tödlichen Arena entgegenzuwirken. Katniss fühlt sich Peeta zutiefst verpflichtet, da er sich während der ersten Hungerspiele mehrmals in Gefahr gebracht hatte, um sie zu schützen. Daher beschließt sie, alles für sein Überleben zu tun, selbst, wenn es sie das eigene Leben kostet.
 
Unbegreiflicherweise scheinen die anderen Sieger sie bei dieser Aufgabe unterstützen zu wollen, denn sie riskieren mehrmals ihr Leben, um Peeta zu retten. Schließlich wird ein Plan ausgearbeitet, bei dem vordergründig diejenigen Sieger, die nicht Mitglieder der Allianz sind, getötet werden sollen. Im letzten Moment erkennt Katniss, dass das eigentliche Ziel ein Ausbruch aus der Arena ist. Während Katniss das Kraftfeld ausschaltet, das die Arena umgibt, taucht ein Luftschiff, vermeintlich aus dem Kapitol, auf und nimmt Katniss und einige andere Sieger mit sich.
 
Es stellt sich heraus, dass die aufkeimende Rebellion keine Illusion ist. Von Beginn der Hungerspiele an bestand der Plan, einige der Teilnehmer aus der Arena zu retten und die Revolution auszulösen. Auch der Spielleiter entpuppt sich als Agent der Rebellen. Schwer verletzt erfährt Katniss, dass Peeta vom Kapitol gefangen genommen wurde und Distrikt 12 zerstört ist.
 
 
Kritik
Gefährliche Liebe dient vor allem zur Vorbereitung der Geschichte der Revolution, die im dritten Band erzählt wird. Der Schwerpunkt der Erzählung liegt auf der Charakterisierung von Katniss. Sie wird als Heldin wider Willen dargestellt, die eigentlich nur ein möglichst "normales" Leben in Distrikt 12 führen möchte, daran jedoch von den Ereignissen, in die sie als Siegerin der Hungerspiele hineingezogen wird, gehindert wird. Ihre Strategie ist nicht Rebellion, sondern zunächst Fügung, dann der Plan der Flucht aus Distrikt 12. Auch in ihre zweiten Hungerspiele geht sie unter veränderten Voraussetzungen: Hatte sie sich noch im ersten Band durch ihren Überlebenswillen und ihren Kampfgeist ausgezeichnet, dominiert im zweiten Band die Resignation.
 
Als "Heldin" eines Jugendbuchs wertet diese Darstellung die Protagonistin unter Umständen herab, doch als realistischen Charakter macht es sie umso interessanter. Die Veränderung ihrer Persönlichkeit wird nachvollziehbar durch ihre Erlebnisse während der ersten Hungerspiele. Damit übermittelt die Autorin über ihre Hauptfigur eine wichtige Botschaft: Gewalt hinterlässt Spuren und verändert Menschen.
 
Einige Schwächen des ersten Bands werden teilweise kompensiert: So erfahren die Leserinnen und Leser mehr über die Organisation von Panem, die Teilnehmer der Hungerspiele sind zudem sehr viel besser ausgearbeitet als im ersten Band. Trotz einer deutlich phantasievolleren Arena verlieren die Spiele selbst allerdings an Spannung, da selbst unbedarften Leserinnen und Lesern schnell klar werden dürfte, dass die Handlung auf einen Ausbruch aus der Arena hinausläuft.
 
Fazit
Trotz zahlreicher interessanter Aspekte, vor allem in der Charakterisierung der Protagonisten und Nebenfiguren, steht hauptsächlich die Weiterentwicklung der Handlung im Hinblick auf die Revolution im Vordergrund. Die Stellung des Romans als Bindeglied zwischen erstem und drittem Band tritt deutlich hervor, weshalb er auch gegenüber dem ersten Band an Spannung einbüßt.
 
Die Frage, ob die Gewaltdarstellungen in einem Buch für Jugendliche angemessen sind, stellt sich selbstverständlich immer noch, zumal die Drastik gegenüber dem ersten Band zunimmt. Allerdings werden die Konsequenzen solcher Handlungen diesmal viel deutlicher über die psychischen Auswirkungen, die die Spiele auf Katniss und Peeta haben, reflektiert. Daher ist die Gewalt als weniger kritisch einzustufen als in Tödliche Spiele.

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