von Dr. phil. Kirsten Kumschlies

Verkleidete Weihnachtsmänner, verdächtige Personen in Berlin: Ein neuer Fall für die Kinderbande "Kreuzberg 007" mitten in der trubeligen Adventszeit…

Michaelis, Antonia: Codewort 007 – Alarm im Advent.
Oetinger, Hamburg 2012.
206 S., 12,- Euro
ISBN 978-3-7891-4267-3

Inhalt
Alarm in der Adventszeit! Es ist Dezember in Berlin, und die Kinderbande "Kreuzberg 007" steht vor einem neuen Kriminalfall: Die quirlige Bella, der dicke Max, der immer nur ans Essen denkt, der freundliche Pelle und die kleine Name beobachten vor dem Café au Spree einen verdächtigen Weihnachtsmann, der seltsame Visitenkarten verteilt. Sofort ist der Ehrgeiz, den neuen Fall zu lösen, bei den Kindern geweckt. Dabei ist vor allem Bella die treibende Kraft. Richtig turbulent wird es einige Tage später, als der Weihnachtsmann verschwindet und Bella kurz darauf ein blutverschmiertes Weihnachtsmannkostüm im Park findet. Dieser Fund beflügelt vor allem die kleine Name, deren Phantasie sehr blutrünstig ist, obwohl sie noch in den Kindergarten geht (die anderen Bandenmitglieder befinden sich schon im höheren Grundschulalter).

Doch es gibt auch harmonische Themen in diesem weihnachtlichen Kinderbuch: Da ist Pelles Vater Otto, der den ganzen Dezember über versucht, seiner Freundin Alberta einen Heiratsantrag zu machen, aber nie den richtigen Moment findet – bis es endlich Weihnachten wird und Alberta ihm am Heiligabend den Antrag abnimmt. Pünktlich zu Heiligabend haben die Kinder auch den Fall um den ominösen Weihnachtsmann gelöst. Alle Verdächtigungen lösen sich in Wohlgefallen auf: Es ist gar kein Mord geschehen! Und so können sie alle in Ruhe Weihnachten feiern.

Kritik
Der weihnachtliche Kinderroman Codewort 007 – Alarm im Advent ist der vierte Band, in dem Antonia Michaelis von der Kreuzberger Kinderbande erzählt. Deutlich auf die Rezeptionsbedürfnisse von Kindern abgestellt, hat sie vier klischeehafte Kindertypen entworfen, wie man sie beispielsweise schon von der TKKG-Literatur kennt. Vor diesem Hintergrund kann das Weihnachtsbuch als serielle Schemaliteratur ohne besonderes Innovationspotenzial bezeichnet werden. An den wunderbaren poetischen Erzählton, den Antonia Michaelis in ihren Jugendromanen Der Märchenerzähler und Solange die Nachtigall singt angeschlagen hat, kann die Autorin hier nicht anknüpfen.

Allerdings bietet das Buch Kindern, die gerne Bandenkrimis lesen, sicherlich einen hohen Leseanreiz, und auch die Ansiedlung der Geschichte im vorweihnachtlichen Berlin-Kreuzberg hat einen gewissen Charme: Liebevoll wird hier das multikulturelle Milieu beschrieben, wobei auch Figuren wie die Obdachlosen "Milde Gabe" und "Haste mal 'n Euro" äußerst klischeehaft konstruiert sind.

Die Struktur des Buches knüpft an das altbewährte Adventskalender-Prinzip von Weihnachtsbüchern für Kinder an, die schon Barbara Bartos-Höppner für Schnüpperle in den 1960er Jahren gewählt hat: Für jeden Tag vom 1. bis zum 24. Dezember findet sich eine Geschichte. Dieses Schema aber passt nicht zur Struktur einer Kriminalgeschichte, in der eine Kinderbande die Hauptrolle spielt.  Die Handlung wirkt seltsam konstruiert durch den Umstand, dass die Ereignisse sich gleichmäßig auf die 24 Tage und Kapitel verteilen müssen. Am Ende kann diese Struktur dann auch nicht durchgehalten werden: Unter der Überschrift "24. Dezember" werden weiterhin Erlebnisse des 23. Dezembers geschildert.

Fazit
Ein weihnachtliches Vorlese- oder Selbstlesevergnügen für alle kindlichen Fans von seriellen Bandengeschichten, und für solche, die Erzählungen mit Berliner Lokalkolorit mögen. Allen anderen, die sich auf der Suche nach schönen Weihnachtsgeschichten befinden, sei die Lektüre nicht empfohlen.

 Einen Überblick über weitere Weihnachtsbuchrezensionen finden Sie hier.

 

 


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