von Friederike Bernhardt und Dennis Klingenberg

Ein Kinderbuch über das Thema Krieg, geht das? Ja, das geht! "Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor, wohnten wir woanders." Mit diesen Worten beginnt eine feinfühlige Geschichte über Krieg und Flucht. Die niederländische Autorin Joke van Leeuwen malt eindrucksvolle sprachliche Bilder und schafft es auf diese Weise, sich eines schwierigen Themas anzunehmen.

van Leeuwen, Joke: Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor.
A.d. Niederl. v. Hanni Ehlers.
Gerstenberg, Hildesheim 2012.
128 S., 12,95 €
ISBN 978-3-8369-5467-9

Inhalt
Toda lebt mit ihrem allein erziehenden Vater in einer kleinen Stadt. Eines Tages bricht im Süden des Landes ein Krieg aus und der Vater, eigentlich Feinbäcker von Beruf, wird als Soldat eingezogen. Vorübergehend zieht die Großmutter ins Haus. Als die Gefechte die Stadt erreichen, beschließt die Großmutter, dass Toda ins friedliche Nachbarland zu ihrer Mutter fliehen soll, da es dort für Toda sicherer ist. Da die Protagonistin ihre Mutter nie kennen gelernt hat, steht ihr eine Reise in ein fremdes Land zu einer unbekannten Person bevor.

Auf ihrer Flucht begegnet Toda anderen Menschen in stereotypischen Rollen (u.a. einem General im Ruhestand und einem Deserteur), bis es ihr schließlich gelingt, über die Grenze in das friedliche Ausland zu gelangen. Doch auch hier steht die Protagonistin vor einigen Hürden. So hat sie auf ihrer Flucht die Adresse ihrer Mutter verloren und kämpft mit sprachlichen Schwierigkeiten und behördlichen Absurditäten. Da bei den Behörden Zweifel an der Existenz der Mutter aufkommen, muss Toda sogar in ein Heim für 'freilaufende' Kinder.

Durch ihre Flucht hat Toda jedoch gelernt für ihre eigenen Belange zu kämpfen und so überrascht es nicht, dass die Protagonistin ihren Aufenthalt im Heim nicht lange hinnimmt…

Kritik
Das Buch von Joke van Leeuwen stand zu Recht auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2013. Hanni Ehlers ist dabei eine Übersetzung aus dem Niederländischen ins Deutsche gelungen, der man nicht anmerkt, dass es sich um eine solche handelt.

Durch die in Ich-Form verfasste Erzählung gelingt es auf besonders authentische Art und Weise, kindliche Weltanschauung und Gedankengänge zu transportieren. Auffällig ist, dass die Protagonistin in ihren Beschreibungen sehr geradlinig und direkt ist, dabei jedoch keine Wertungen vornimmt. Somit ermöglicht sie es dem Leser, sich den Figuren zu nähern und sich ein eigenes Bild zu machen. Auch lässt es Raum für Identifikationen mit den Figuren. Die Beschreibungen der Ereignisse und Figuren sind äußerst detailliert, es werden jedoch nie konkrete Namen von Figuren oder Orten genannt. Dadurch kann man keine expliziten Rückschlüsse auf Ort, Zeit, Personen oder historische Geschehnisse ziehen, denn diese sind von den individuellen Vorerfahrungen der Leser abhängig. Zwar werden dem Leser die negativen Auswirkungen von Krieg, Flucht und Vertreibung exemplarisch vor Augen geführt, aber durchaus in verschiedenen Facetten, sodass man als Leser zum Nachdenken gezwungen wird. Augenscheinlich einfache Lösungen entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als Dilemma, wobei die Autorin durch die Nutzung einer sehr bildhaften Sprache versucht, damit auf einfühlsame Weise umzugehen.

Am eindrucksvollsten mag vielleicht die Metapher des Vaters als Busch erscheinen. Dieses Bild, das sowohl für Tarnung als auch für die Traumata, die Krieg hinterlässt, stehen kann, zieht sich durch das Buch und wird durch eindrucksvolle schwarz-weiße Federzeichnungen ergänzt.

Fazit
Mit Dem Tag an dem mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor ist dem Gerstenberg-Verlag ein originelles Buch zuteil geworden, das einem ernsten Thema auf originelle, einfühlsam humorvolle Weise begegnet. Dieses Buch besitzt im Bezug auf handelnde Personen und den undefinierbaren Ort der Handlung eine immerwährende Aktualität.

 

 

 


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