von Dr. phil. Tanja Lindauer

Das Fest der Liebe, so wird Weihnachten auch bezeichnet. Doch immer mehr wird es zum jährlichen Stressfaktor: Schnell müssen noch Geschenke eingekauft, die Wohnung geschmückt und der Weihnachtsbraten zubereitet werden und, und, und... Im Kaufhaus herrscht ein regelrechtes Gedränge und Geschiebe und zu allem Übel wird man auch noch mit weihnachtlichen Evergreens regelrecht beschallt. Sicherlich kennt der ein oder andere solch ein Szenario, und der eigentliche Sinn von Weihnachten wird dabei vergessen. Abhilfe schafft da Jostein Gaarders Das Weihnachtsgeheimnis: Es steigert die Vorfreude auf Weihnachten und zeigt, was wirklich wichtig ist.

Gaarder, Jostein: Das Weihnachtsgeheimnis.
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs.
Mit Bildern von Hildegard Müller
Hanser, München 2013.
288 S., 14,90 €
ISBN 978-3-446-24319-4.

Inhalt

Es ist der 30. November und Joachim und sein Vater versuchen, noch einen Adventskalender zu erhaschen. Aber die sind schon längst ausverkauft – bis auf einen alten, handgefertigten, in den Joachim sich auch sogleich verliebt. Mit großer Vorfreude fiebert der Junge so dem 1. Dezember entgegen: Dann endlich darf er das erste Türchen öffnen. Aber statt Schokolade fällt ihm ein Zettelchen entgegen und legt so den Blick frei auf das Bild hinter dem Türchen: Inmitten von Spielsachen ist ein Mädchen mit einem Lamm abgebildet. Aber was hat das denn mit Weihnachten zu tun? Vorsichtig faltet Joachim den Zettel auseinander und erfährt so die Geschichte des Mädchens Elisabet. Sie ist mit ihrer Mutter in einem Spielwarenladen. Es ist das übliche Getümmel vor Weihnachten und die Menschen versuchen, noch schnell die letzten Einkäufe zu erledigen. In diesem Trubel befindet sich ein kleines Glockenlamm, das den Lärm nicht mehr ertragen kann und flüchtet. Das Mädchen möchte es aber so gerne streicheln und so läuft es dem kleinen Lämmchen hinterher. Bald schon findet sie sich in einem Wald wieder, wo sie auf den Engel Efiriel trifft. Gemeinsam mit ihm reist sie von Norwegen nach Bethlehem und dabei auch 2000 Jahre rückwärts durch die Zeit, denn immerhin möchten sie ja Jesus' Geburt miterleben. Fortan taucht der Leser gemeinsam mit Joachim – und später auch seinen Eltern – ein in eine wunderbare und abenteuerliche Reise nach Bethlehem. Mit jedem Tag wird die Pilgerschar größer, und weitere Schafe, ein Hirte, die drei Weisen, weitere Engel oder auch Kaiser Augustus gesellen sich zu Elisabet und Efiriel. Diese abenteuerliche Geschichte durch Raum und Zeit gewährt dem Leser Einblicke in historische und religiöse Ereignisse – etwa über Kathedralen, Sterne, den Nikolaus, den Rattenfänger von Hameln oder auch Gott – und jeden Tag nähert man sich etwas mehr der Geburt Jesus.

Doch Gaarder wäre nicht Gaarder, wenn Elisabets Reise nicht mit Joachims Welt verwoben wäre. Bald schon liest die gesamte Familie jeden Tag die Geschichten und gemeinsam versuchen sie, den Rätseln des magischen Adventskalenders auf die Schliche zu kommen. Gibt es Elisabet wirklich? Immerhin ist in Norwegen 1948 tatsächlich ein kleines Mädchen verschwunden. Hängen diese Geschichten etwa zusammen? Und was hat der Blumenverkäufer, Johannes aus Damaskus, der den Adventskalender gebastelt hat, damit zu tun?

Kritik

Gaarders 1992 geschriebenes Das Weihnachtsgeheimnis ist schon längst ein Klassiker, den der Hanser Verlag nun neu aufgelegt hat mit Illustrationen von Hildegard Müller. Wie bei einem Adventskalender begleitet der Autor den Leser kapitelweise durch die 24 Tage bis zu Weihnachten. Und so verkürzt dieser literarische Adventskalender die lange Wartezeit, mit dem man jeden Tag etwas mehr über Elisabets und Joachims Geschichte erfährt. Wie für Gaarder typisch, wird mit der Geschichte über Elisabets Reise nach Betlehem eine weitere Geschichte verwoben, die das mysteriöse Verschwinden eines Mädchens im Jahr 1948 behandelt. Kann es sich tatsächlich um ein und dasselbe Mädchen handeln, über das Joachim tagtäglich mehr in seinem Adventskalender erfährt? Durch das Verschmelzen der beiden Geschichten gelingt es Gaarder, philosophische und religiöse Fragestellungen leicht einzubauen und überfordert so den Leser zu keiner Zeit. Denn durch Joachims eigenes Abenteuer wird die Geschichte immer wieder aufgelockert und ermöglicht dem jungen Leser, diese zu verarbeiten. Tag für Tag erfährt man interessante Details über wichtige Begebenheiten: Wer war der erste Weihnachtsmann, was passierte eigentlich am See Genezareth und wer war Paulus?

Doch nicht nur Fakten werden in diesem Roman aufbereitet, sondern auch Wertvorstellungen vermittelt, die dem Leser aber nie mit erhobenem Zeigefinger präsentiert werden. Dank Gaarder erinnert man sich schnell daran, worum es bei Weihnachten ursprünglich ging. Die Botschaft von Liebe und Frieden steht so im Mittelpunkt, doch auch die von Teilen und Schenken: "'Aber erst muss man doch etwas haben, was man verschenken kann.' Jetzt lachte der muntere Bischof so wild, dass sein ganzer Körper bebte. Elisabet wurde auf seinem Arm fast seekrank. 'Ganz und gar nicht', sagte er [...]' Du brauchst überhaupt nichts zu besitzen, um Freigiebigkeit in den Adern zu spüren. Ein kleines Lächeln reicht, oder etwas Selbstgemachtes'." (S. 209 f.)

Fazit

Mit Das Weihnachtsgeheimnis ist es dem Autor gelungen, die wahre Botschaft von Weihnachten mit interessanten historischen und religiösen Fakten zu verbinden. Dank der "kleinen Krimi-Geschichte" werden diese Details kindgerecht verpackt und die Wartezeit auf den Weihnachtsmann wird sicherlich nicht nur kleinen Lesern versüßt.

 

Einen Überblick über weitere Weihnachtsbuchrezensionen finden Sie hier.

 


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