von Tanja Lindauer

Voldemort ist zurück! Über Hogwarts und die Zaubererwelt legt sich ein dunkler Schatten. Doch das Zaubereiministerium ignoriert die Vorboten von Voldemorts Aufstieg vehement. Dabei sind die Zeichen untrüglich, und auch als Harry und sein Cousin Dudley in der Muggelwelt von Dementoren angegriffen werden, weigert sich das Ministerium, Voldemorts Rückkehr ernst zu nehmen. Harry und Dumbledore werden des Lügens bezichtigt. Doch die Wahrheit ist nicht aufzuhalten …

Rowling, Joanne K.: Harry Potter und der Orden des Phönix.
Aus dem Englischen von Klaus Fritz.
Carlsen, Hamburg 2013.
1024 Seiten. 12,99 €.
ISBN 978-3-551-31315-7.

Inhalt

Die Sommerferien verbringt Harry wieder einmal bei den Dursleys und wartet darauf, endlich nach Hogwarts zurückzukehren. Aber warum melden sich seine Freunde nicht? Er hat schon lange nichts mehr aus der Zaubererwelt gehört, und die dunklen Mächte werden immer stärker. Dann geschieht es, plötzlich und ohne Vorwarnung: Harry und Dudley werden von Dementoren angegriffen - und das in der Muggelwelt. Nur dank Harrys Patronuszauber kann das Schlimmste verhindert werden.  Doch das Ministerium und vor allem Minister Cornelius Fudge weigern sich, die Wahrheit einzugestehen, dass der dunkle Lord zurückkehrt. Die Konsequenz: Harry muss sich für seinen Zauber vor Gericht verantworten. Denn für junge Zauberer ist es strengstens verboten, in der Muggelwelt ihre Fähigkeiten einzusetzen, vor allem nicht vor einem Muggel! (Nur dank Dumbledore kann Harry das Gericht ungeschoren wieder verlassen.) Unverzüglich nach dem Vorfall wird Harry zunächst von Mitgliedern des Orden des Phönix abgeholt und zu ihrem geheimen Quartier am Grimmauldplatz gebracht - in das Haus seines Paten Sirius Black. Der Orden des Phönix ist eine von Albus Dumbledore wieder ins Leben gerufene Vereinigung, um Voldemort zu bekämpfen.

Natürlich erfährt auch die Zaubererpresse von Harrys Vorladung vor Gericht und so berichtet der 'Tagesprophet', dass sich Harry lediglich mit Gerüchten wichtig machen wolle und Dumbledore etwas senil geworden sei.

In Hogwarts wird das Leben indes auch immer schwerer, da sich u.a. das Ministerium immer stärker in die Schulangelegenheiten einmischt und die Kontrolle zu erlangen sucht. Und so übernimmt Dolores Umbridge, Beamtin des Zaubereiministeriums, den Unterricht für die 'Verteidigung gegen die dunklen Künste'. Doch der praktische Teil des Unterrichts entfällt, denn dafür bestünde ja keine Notwendigkeit. Harry und seine Freunde Ron und Hermine beschließen daher, einen eigenen Geheimbund – 'Dumbledores Armee' – zu gründen, um sich praktisch auf den Kampf gegen Voldemort und seine Schergen, die Todesser, vorzubereiten. Als Fudge davon erfährt, wird Dumbledore beschuldigt, die Schüler hierzu motoviert zu haben. Der Direktor flieht, um einer Sanktion zu entgehen. Fortan wird Hogwarts von der nun zur Großinquisitorin beförderten Umbridge mit dubiosen und fragwürdigen Methoden geführt, wobei auch körperliche Züchtigungen an der Tagesordnung stehen.

Indes wird Harry immer wieder von Albträumen geplagt, die in der Mysteriumsabteilung des Zaubereiministeriums stattfinden. In einer dieser Visionen sieht er durch die Sicht Naginis, Voldemorts Schlange, wie Rons Vater, Arthur Weasley, von dieser angegriffen wird. Dank Harry kann Arthur so gerettet werden. Doch diese Visionen entpuppen sich als große Gefahr für Harry und sein Umfeld, ist Harry doch durch die Visionen seit jeher mit Voldemort und dessen Gedanken verbunden, so dass Harry Teil hat an Voldemorts Plänen und Taten. Snape soll ihn daher in 'Okklumentik' unterrichten, damit er seinen Geist vor fremdem Eindringen schützen kann. Doch immer wieder geraten Snape und Harry aneinander und der Unterricht wird frühzeitig beendet. In einem weiteren Traum sieht der Zauberschüler auch Sirius in Lebensgefahr. Harry und Mitglieder des Geheimbundes machen sich daher unverzüglich auf den Weg zum Zaubereiministerium, um Sirius zu helfen. Doch dann schnappt die Falle zu ...

Kritik

Im Verlauf der Harry Potter-Heptalogie wird die Atmosphäre immer düsterer - und auch komplexer. Band fünf der Reihe ist nicht nur das seitenstärkste Buch, sondern überflügelt die gruselige Stimmung von Band vier Harry Potter und der Feuerkelch um einiges. Der Erzählstil wird weiterhin beibehalten und durch die interne Fokalisierung des personalen Erzählers wird die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten.

Joanne K. Rowling versteht es zudem, bekannte Mythen und Erzählungen in die Heptalogie zu verweben. So kann man auch in Band fünf Dumbledore zweifelsohne erneut als Merlinfigur identifizieren, auch die Schlange als Symbol des Bösen spielt erneut eine zentrale Rolle - sogar Voldemort wird als Schlange beschrieben: "Groß, dünn und mit schwarzer Kapuze, das schreckliche, schlangenähnliche Gesicht weiß und ausgemergelt, starrende scharlachrote Augen mit Pupillenschlitzen ..." (S. 953). Zudem kann er sich mit Schlangen unterhalten, da er 'Parsel' spricht und auch zu seiner Schlange Nagini hat er ein besonderes Verhältnis (dies wird im weiteren Verlauf der Hepatologie noch deutlich). Diese Parallelen zu Schlangen werden in der gesamten Heptalogie immer wieder beschrieben. Dies verwundert auch nicht weiter, da die Schlange ein Sinnbild der Versuchung sowie des Bösen ist und dadurch ein direkter Verweis auf den Teufel gegeben ist. Die Darstellung des Bösen durch das Symbol der Schlangen ist nur ein Beispiel unter vielen für die Intertextualität und Referenzen auf Legenden und Sagen, die in allen Bänden vorzufinden ist. Doch auch Harry ist ein 'Parselmund', denn durch Voldemorts Mordversuch wurde die Fähigkeit auf ihn übertragen. Harrys Verbindung zum Bösen wird somit verdeutlicht, und zeigt dass man die Welt – ob Muggel- oder Zaubererwelt – nicht auf zwei Kategorien (Schwarz und Weiß/Gut und Böse) reduzieren kann.

Ein weiteres Gebiet, mit dem sich Rowling immer wieder beschäftigt, ist die Onomastik. Auch Dolores Umbridges Name bietet schon Auskunft über den weiteren Verlauf der Handlung. Zweifelsohne lässt sich ihr Vorname als 'Schmerzen' interpretieren (von dem Lateinischen dolor abgeleitet) und auch ihr Nachname lässt nicht Gutes vermuten, erinnert er doch an das englische Wort umbrage, was übersetzt Schatten bedeutet. Und so kann der Leser schnell erahnen, dass für Harry, Hermine, Ron, ihre Familien und Freunde dunkle Zeiten bevorstehen.

Fazit

Die Faszination Harry Potter ist nach wie vor ungebrochen und so verwundert es auch nicht, dass der Carlsen Verlag im August 2013 eine neue Exklusiv-Ausgabe der Bände in einem Schuber veröffentlichte. Eine (erneute) Lektüre wird so zum puren Lesegenuss – auch dank der zahlreichen Referenzen zu Sagen, Legenden und Mythen.

Durch die Harry Potter-Reihe ist die sogenannte All-Age-Literatur vermehrt auf dem Markt aufgetreten, dabei handelt es sich um zielgruppenübergreifende Texte, die sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen konsumiert werden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Mehrfachadressierung. So können Rowlings Bände zwar von Jung und Alt gelesen und genossen werden, jedoch ist eine untere Altersgrenze von 10 Jahren empfehlenswert, da vor allem die letzten Bände eine düstere Atmosphäre aufweisen und die Leser auch mit Themen wie dem Tod konfrontiert werden.


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