von Tanja Lindauer

Mit Büchern und Schokolade verbringt die 17-jährige Maja am liebsten ihre Freizeit: Schokolade tröstet hervorragend und Bücher ermöglichen ihr die Flucht aus der Realität. Denn Maja ist mit sich überhaupt nicht zufrieden. Mit Kleidergröße 44 kommt sie sich viel zu dick vor und einen Jungen hat sie bisher auch noch nicht geküsst. Aber ein rätselhaftes und schauriges Ereignis wird das Leben der Außenseiterin gehörig durcheinanderwirbeln. 

Richter-Peill, Charlotte: Magoria – Das Haus der Schatten.
rororo rotfuchs, Reinbek 2013.
432 Seiten. 12,99 €
ISBN978-3-499-20013-7.

Inhalt

Auf einer Party läuft es für Maja alles andere als gut und als sie dann auch noch von Simon einen Korb erhält, flunkert sie ihre Freundin Rhonda an, es gehe ihr nicht gut. Sie schwingt sich auf ihr Fahrrad und macht sich auf den Weg nach Hause. Doch plötzlich taucht eine Frau mit einer unheimlichen Fratze vor ihr auf. „Das Gesicht der Frau war leichenblass, ihr Züge verzogen wie geschmolzenes Wachs, der ganze Kopf ein ungeformter Klumpen. Hautfäden zogen sich von der Ober- zur Unterlippe, als sei der Mund noch im Entstehen. Dort, wo die Augen hätten sein müssen, öffneten sich in ihrem Kopf zwei schwarze Löcher, in deren Tiefe weiße Punkte glühten“ (S. 18). Panisch radelt Maja nach Hause. Wird sie nun verrückt? Eins ist sicher, sie kann niemandem davon erzählen, schließlich will sie nicht in einer Zwangsjacke enden. Außerdem, wer würde sie auch schon ernst nehmen? Bald schon sieht sie auf dem Schulhof ein weiteres unheimliches Wesen. Kein Zweifel, sie dreht durch! Doch dann erzählt ihr die Aushilfslehrerin – die Majas Reaktion auf dem Schulhof beobachtete – Frau Graumel, was es mit diesen Wesen auf sich hat. Es sind Schattenwesen, und nur wenige auserwählte Menschen besitzen die Fähigkeit, sie zu sehen. Maja soll auserwählt sein? Das kann sie sich nun beim besten Willen nicht vorstellen. Ada Graumel erzählt ihr von Magoria, einem abgelegenen Gut, und dem Geheimbund der Jäger. Denn die Schattenwesen müssen vernichtet werden, sie saugen den Menschen die Lebensenergie aus, bis sie sterben.
Maja und fünf weitere Jugendliche machen sich auf nach Magoria, um ihr Training zu beginnen. Natürlich dürfen sie niemandem von Magoria und den Schattenwesen erzählen. Das Training ist hart und Majas Selbstzweifel stehen ihr anfangs immer wieder im Weg. Doch hier wird sie akzeptiert und schon bald fühlt sie sich wohl, sie verliebt sich in Justin, der unheimlich freundlich zu ihr ist, und sie wird zu der besten Anwärterin.als Schattenjägerin. Maja ist talentiert und auch beliebt – selbstredend, dass sie auch einige Kilos abnimmt. Auf Magoria fühlt sie sich pudelwohl, am liebsten würde sie für immer bleiben. Aber der Tag, an dem sie gegen die Schattenwesen kämpfen muss, rückt unaufhörlich näher. Maja ist von sich selbst überzeugt und sie weiß, dass sie die Beste ist. Sie wird die Schattenwesen bekämpfen. Aber dann fällt ihr neues Leben auf einmal wie ein Kartenhaus zusammen. Wem kann sie überhaupt noch trauen? Und ist wirklich alles so, wie es scheint? Nun muss Maja sich entscheiden ...

Kritik

Maja ist eine typische 17-jährige Teenagerin: Aussehen und Jungs, das sind die wichtigen Fragen in ihrem Leben. Doch das Mädchen wird von Selbstzweifeln geplagt. Sie traut sich noch nicht einmal, in der Öffentlichkeit zu essen, aus Angst, verspottet zu werden. Einigen Lesern werden solche Selbstzweifel sicherlich bekannt vorkommen und Majas Verwandlung zu einer selbstbewussten jungen Frau kann man einerseits als Motivation verstehen, sein Leben in die Hand zu nehmen und etwas an sich zu ändern. Andererseits wird hier aber auch ein Zeigefinger erhoben, denn man sollte sich dabei nicht selbst verleugnen, da nicht alle Entwicklungen Majas als positiv zu bewerten sind. Sie wird auf Magoria selbstsicher und behandelt andere nun so, wie sie selbst immer behandelt wurde: Sie schließt manche Personen, die nicht so cool sind, aus. Erst spät merkt sie, dass sie einen Fehler begangen hat. Die Ich-Erzählerin lernt so im Verlauf der Handlung, sich selbst zu akzeptieren, mit all ihren Schwächen. Für Maja ist diese Erfahrung eine schmerzhafte, aus der sie aber als gestärkte Persönlichkeit wieder hervorgeht. Die Autorin Charlotte Richter-Peill verwebt diese typischen Jugendprobleme mit fantastischen Elementen, wie den Schattenwesen oder den Neumondpferden – zwar erinnert dieses Element auch sehr an Reiterhof-Geschichten – die mit der Schattenwelt verbunden sind. Durch die Ich-Perspektive wird dem Leser manche Information vorenthalten und man tappt gemeinsam mit Maja zeitweise im Dunklen (und das sogar auch wortwörtlich). Als aufmerksamer Leser wird man aber bereits vor Maja auf das wirkliche Geheimnis der Schattenwesen stoßen, dennoch ist die Auflösung durchaus gelungen und fügt sich in das Gesamtkonzept des Romans hervorragend ein.    
Auch das Motiv der Spiegel greift die Autorin in diesem Zusammenhang auf. Die Schattenwesen können nur durch die Scherbe eines bestimmten Spiegels – in dem das jeweilige Menschenopfer des Schattenwesens zu sehen war – getötet werden. An dieser Stelle sei auch auf Jacques Lacans Konzeption des Spiegelstadiums verwiesen, denn in diesem erlangt das Kind durch den Blick in den  Spiegel seine Selbstwahrnehmung.. Auch Jorge Luis Borges' Konzept des Spiegels und seine Angst vor selbigem kann man so in dem Text durchaus wiederfinden. Diese Angst impliziert zum einen die Verdoppelung des Ichs und zum anderen befürchtete er, dass das Spiegelbild von der Realität abweichen und ein entstelltes Gesicht preisgeben könne.

Fazit

Magoria wendet sich vornehmlich an ein weibliches Lesepublikum, das sowohl Fantasy als auch Abenteuer- und Liebesgeschichten bevorzugt. Vor allem Leserinnen ab 14 Jahren werden in Maja eine Identifikationsfigur vorfinden. Die Pubertät, die Maja durchlebt, ist von Selbstzweifeln, der ersten Liebe, aber auch von Wutausbrüchen und einer Achterbahn der Gefühle gekennzeichnet und die die Leserinnen nur all zu gut nachvollziehen können. Dabei wird ihnen gezeigt, dass man sich zwar auch durchaus verändern darf, wenn man unzufrieden ist, doch sollte man sich dabei immer treu bleiben. Mit typischen Teenagerproblemen und ideenreichen Details gelingt es der Autorin, den Leser bis zum Schluss gut zu unterhalten.

 

 


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