von Kjara von Staden

Welcher Buchliebhaber kennt das nicht? Die Buchregale sind mit Büchern vollkommen überfüllt und das Portemonnaie wird immer leichter, da der hohe Konsum von Büchern durchaus kostspielig sein kann. Die Lösung: Günstiger zu erwerbende und platzsparende E-Books. Aber wie kam es eigentlich zu der Etablierung von E-Books und digitalen Verlagsimprints? Der vorliegende Beitrag untersucht, aus welchen Gründen Verlage ihren digitalen Bestand immer mehr erweitern und weshalb digitale Labels an Bedeutung gewinnen. Dabei werden zunächst die Entwicklung des E-Books und dessen Vorteile beleuchtet, bevor das Konzept des digitalen Imprints anhand mehrerer deutscher Labels näher beleuchtet wird.

 

Inhaltsverzeichnis

1 E-Books, Wattpad, Self-Publishing: Druck auf die Verlage

2 Das Konzept des digitalen Verlages: An gesellschaftliche Entwicklungen angepasst

3 Carlsens digitale Imprints: Ein Erfolgskonzept?

4 Bastei Lübbe, Arena und Oetinger34: Innovative Ideen?

5 E-Book-Formate: Viele Gestaltungsmöglichkeiten, viele Haken

6 Fazit: Vor- und Nachteile digitaler Verlage

1 E-Books, Wattpad, Self-Publishing: Druck auf die Verlage

Warum erscheinen E-Books so reizvoll? Nicht nur, weil sie platzsparender und günstiger sind als gedruckte Bücher. In Deutschland weiß man zwar schon seit mehreren Jahren um den internationalen Trend der digitalen Variante eines Buches. Doch seit 2013 akzeptieren deutsche Verlage E-Books als Alternative zum Print-Geschäft. Misstrauisch beobachtete man vorher den Vorreiter im digitalen Buchgeschäft: die USA. Mit E-Book-Flatrates wie Kindle Unlimited, Plattformen wie Wattpad, dem Self-Publishing und digitalen Imprints setzten die Vereinigten Staaten Trends, die AutorInnen neue Möglichkeiten eröffnen, ihre LeserInnen zu erreichen. Auch die Verlage profitieren, da der Buchdruck mehrere Euros pro Buch verschlingt, die bei der Produktion eines E-Books eingespart werden können. [1] Ein weiterer Grund für die deutsche E-Book-Produktion ist die Einführung des E-Readers Kindle von Online-Händler Amazon auf dem deutschen Markt. Dies löst 2009 in unserem Land wie auch schon 2007 in den USA einen großen E-Book-Trend aus.

Richten wir unseren Blick weiterhin auf Deutschland. Wie die E-Book-Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zeigt, bieten alle großen Verlage seit 2013 E-Books an. [2] Der Kaufpreis für ein E-Book im Vergleich zum Ladenpreis des Print-Exemplares fällt allerdings nur wenig günstiger aus (in etwa 20%). Nun wird oft zunächst angenommen, dass dies ausschließlich mit der Furcht der Verlage vor einem Zerfall des Buchverkaufs zusammenhängt – ausgelöst durch die für viele Menschen attraktiver und moderne wirkende digitale Tochter des klassischen Buches. Schaut man jedoch etwas genauer hin, wird man bemerken, dass die Verlage die Preise für E-Books keinesfalls künstlich hochhalten. Denn die Kosten für die Herstellung eines Buches sind im Vergleich zu den restlichen zusammengenommenen Aufwendungen (Buchhandelsrabatt, Autorenhonorar, Lektorat, Marketing etc.) eher gering. Natürlich gibt es mehr finanzielle Spielräume bei der E-Book-Produktion und ein wenig mehr Rabatt wäre auch denkbar. Bei der Preissetzung laufen allerdings viele strategische Verkaufsüberlegungen der Verlage zusammen und auch eine Abstimmung von der Produktion des Print-Exemplares mit der des E-Books erfolgt (so beeinflusst etwa die Höhe der Druckauflage direkt den Ladenpreis des Print-Exemplares und indirekt dadurch wiederum des E-Books). Deshalb kann man die Preise von E-Books nicht unabhängig von denen der Print-Exemplare und der Verlagsstrategie ansehen.

Was die Verlage zusätzlich zum E-Book-Trend noch mehr unter Druck setzt: Self-Publishing wird auch in Deutschland immer beliebter. Von ihren Geschichten überzeugte AutorInnen ziehen nun häufiger die Möglichkeit einer relativ unkomplizierten Veröffentlichung ihres Werkes in Betracht. Ein Buch veröffentlichen in drei Schritten – das bietet beispielsweise die Self-Publisher-Plattform ePubli. Dieses Konzept klingt verlockend. Zum einen wird das Bedürfnis von AutorInnen, gelesen zu werden, schnell befriedigt. Zum anderen gibt es auch einige Erfolgsgeschichten zu verzeichnen: So startet die erfolgreiche Krimiautorin Nele Neuhaus zunächst mit ihrem Roman Unter Haien beim Book on Demand Dienst der Verlagsgruppe Monsenstein & Vannerdat. Auch Marah Woolf publiziert ihre MondLicht-Saga selbst und kann heute insgesamt bis zu eine Million verkaufte Exemplare dieser und zwei weiterer Reihen vorweisen. Mittlerweile erscheint ihre neue Trilogie GötterFunke beim Dressler Verlag. Ein großer Nachteil des Self-Publishing ist allerdings, dass weder ein professionelles und kostenfreies Lektorat noch eine breite Bewerbung des eigenen Textes angeboten werden. Zudem wird auch kein Vertrieb des Buches in Buchhandlungen offeriert. Rezensionsexemplare an bekannte BuchbloggerInnen, deren Rezensionen den Buchverkauf oft ankurbeln, können auch nicht bereitgestellt werden. Gerade für unbekannte AutorInnen stellt dies eine nicht zu ignorierende Hürde dar.

Quelle: Dressler

2 Das Konzept des digitalen Verlages: An gesellschaftliche Entwicklungen angepasst

An dieser Stelle setzt das Konzept des digitalen Verlages an, das die Vorteile des Self-Publishing und die Arbeitsweise der traditionellen Verlage vereinen soll, zugleich aber deren Defizite ausgleicht. Aber was zeichnet ein digitales Label, auch E-Only, E-Original oder Digi-Only genannt, aus? Es werden ausschließlich E-Books produziert, die zu einem geringen Preis von 0,99 bis 4,99 Euro zu erwerben sind. Die LeserInnen müssen die Geschichte also auf ihrem E-Reader lesen, wenn sie der Inhalt anspricht. Doch aufgrund des erschwinglichen Preises werden sie sich nicht besonders davor scheuen. So werden auch nicht-technophile LeserInnen dazu gebracht, Schmökerstunden auf digitale Weise zu verbringen. Trotzdem unterliegen E-Books natürlich auch der Buchpreisbindung; seit September 2016 werden elektronische Bücher auch explizit in dieses Gesetz mit eingeschlossen [3]

Man muss jedoch an dieser Stelle zwischen einem digitalen Imprint, das zu einem traditionellen Verlag gehört, und einem reinen digitalen Verlag unterscheiden, der eigenständig ein E-Only-Programm aufbaut und nicht Teil eines großen Verlages ist. Fokussiert wird nun ersteres, da vor allem die Arbeitsweise digitaler Imprints interessant ist. Denn hier stellt sich die Frage: Warum entschließen sich die traditionellen Verlage dazu, ein Label ins Leben zu rufen, das sich auf E-Books spezialisiert? Hatte man nicht zuvor Angst vor einer Kannibalisierung des Buchgeschäftes durch E-Books? Warum dann E-Onlys?

Die Verlagsbranche reagiert auf gesellschaftliche Veränderungen, den Lebensstil der Menschen und auf den wachsenden Markt für digitale Produkte. Junge, vernetzte LeserInnen, die durch Facebook, Twitter, Instagram und die ständige Nutzung von Smartphones und Tablets vollständig in einem von Digitalität dominierten Leben angekommen sind, werden von digitalen Imprints und Verlagen sicherlich mehr angesprochen als von der klassischen gedruckten Variante. Auch die Schnelllebigkeit der ständig unter Zeitdruck stehenden Gesellschaft und die hohe Mobilität der Menschen sind Gründe für die Entstehung digitaler Labels. Ein E-Book-Reader ist einfacher zu transportieren als ein schweres Buch, die Geschichten können so auf dem Nachhauseweg leicht gelesen werden. Gleichzeitig ist ein E-Only für die Verlage ökonomisch rentabel. Nicht nur die Produktionskosten für die E-Books fallen geringer aus als bei Print-Exemplaren. Auch die wirtschaftlichen Risiken lassen sich besser kalkulieren – die Sorge, ob sich die bereits gedruckten Exemplare auch tatsächlich verkaufen, fällt weg. Selbst Literaturgattungen wie Novellen, Kurzgeschichten oder Bücher mit enorm hoher Seitenanzahl, die sich als Print nur schwer verlegen lassen, können von einem digitalen Verlag relativ sorgenfrei in den Bestand aufgenommen werden. Während es teilweise über ein Jahr dauert, ein gedrucktes Buch auf den Markt zu bringen, können digitale Verlage ein Projekt sehr viel schneller verwirklichen.

Diese Darstellung unterstützt auch Nicole Boske, Lektorin bei Impress und Dark Diamonds, den beiden digitalen Imprints des Hamburger Verlags Carlsen. E-Onlys schaffen nicht nur Raum für Agilität und Flexibilität, sondern bieten auch die Chance, gleichzeitig auf den Markt und AutorInnen und LeserInnen zu reagieren, so Boske.

3 Carlsens digitale Imprints: Ein Erfolgskonzept?

Von den 110 in Deutschland ansässigen E-Book-Verlagen sind fünf digitale Imprints bekannter Verlagshäuser für Kinder- und Jugendliteratur (Stand Juni 2017): Carlsen wartet mit Impress und Dark Diamonds auf, Bastei Lübbe startete 2016 mit be und 2010 mit Bastei Entertainment und Arena stellt im Oktober 2016 Digi:tales vor. Oetinger führt 2014 mit Oetinger34 ein Netzwerk für Autoren, Lektoren und Illustratoren ein. Fokussieren wir nun einmal als Beispiel den Verlag, der als einer der ersten ein digitales Imprint ins Leben gerufen hat: Carlsen.

Die schwedische Bonnier-Gruppe, zu der auch der Hamburger Verlag Carlsen gehört, etablierte 2013 Impress, das in Deutschland "älteste" Imprint für Kinder- und Jugendliteratur, und legte 2016 mit Dark Diamonds noch einmal nach. Beide digitale Labels konzentrieren sich auf das Genre Romantasy, wobei die Zielgruppe jeweils eine andere ist (Impress für jüngere LeserInnen ab 14 und Dark Diamonds für junge Erwachsene). Außerdem wird ausschließlich mit Romanen von deutschen SchriftstellerInnen gearbeitet. Dabei setzt der Verlag auf digitalaffine und bekannte sowie bisher noch unentdeckte AutorInnen. Zudem werden die Buchtitel zu geringen Preisen angeboten, die jungen VielleserInnen sehr entgegenkommen. Durch diese niedrigen Kosten in Kombination mit der Spezialisierung ist es durchaus denkbar, dass viele LeserInnen sich von den Geschichten des E-Only-Imprints angezogen fühlen. Diese Exklusivität kann zudem ein Gemeinschaftsgefühl zwischen den LeserInnen auslösen.

Quelle: Dark Diamonds

Diesen Gedanken setzt das digitale Label Dark Diamonds gekonnt um. "Jeder Roman ein Juwel" – so präsentiert sich das neue Imprint, das sich auf düstere New Adult Romantasy für LeserInnen zwischen 18 und 25 Jahren spezialisiert hat. Die Texte werden aber auch gerne von Jugendlichen gelesen. Denn die ProtagonistInnen der Romane haben zwar ihre Teenagerjahre gerade hinter sich gelassen, unterscheiden sich deshalb aber noch nicht stark von Jugendlichen. Mit sechs Geschichten ging es im Oktober 2016 los. Mittlerweile hat das neue Label viele weitere Romane im Programm. Es ist für jeden Leser etwas dabei: Die Traumhaft-Trilogie von Johanna Lark entführt ihre LeserInnen in die Gefilde der Traumlenkung, SnowFyre. Elfe aus  Eis, geschrieben von Amy Erin Thyndal, erreicht Fantasy-Fans sofort. Vivien Sprengers Debüt Everly. Schattenreich des Himmels gibt Einblick in das Leben eines Halbengels, der zusammen mit seinen Freunden gegen Dämonen und den Teufel höchstpersönlich kämpfen muss – und nebenbei hat die Protagonistin auch noch allerhand andere Geheimnisse aufzudecken. Zum Interview mit der Autorin gelangen Sie hier.

Dark Diamonds erreicht seine LeserInnen allerdings nicht nur über die Geschichten. Das Label versucht, Konsumenten auch über Social-Media-Aktivitäten an sich zu binden. Mit täglichen Updates hinsichtlich des Programms, Zitaten aus den Romanen und an die LeserInnen gerichteten Aufforderungen wie "Gehe heute mal ungeschminkt aus dem Haus", begibt sich Dark Diamonds auf eine Ebene mit seinen LeserInnen, um das oben beschriebene Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Hierbei handelt es sich natürlich um eine gut durchdachte Marketing-Strategie. Authentizität und Glaubwürdigkeit sind für das Social-Media-Auftreten am wichtigsten. Die Nutzer sollen nicht den Eindruck bekommen, dass ihnen das Angebot des Verlages verkauft oder gar aufgezwungen wird. Deshalb können auf den Leser persönlich ausgerichtete und von den Produkten relativ unabhängige Postings deutlich höhere positive Resonanzen erfahren als Kampagnen, die offensichtlich ein Verkaufsziel erfolgen. Dark Diamonds versteht es somit, sich unter Berücksichtigung von Verlagsmarketingstrategien geschickt in den neuen Medien zu präsentieren.

               

Quellen: Impress und Dark Diamonds

Nicole Boske erklärt hierzu: "Als digitales Imprint müssen wir einfach auch in den sozialen Medien stattfinden. Community wird sehr groß geschrieben." Außerdem mache es viel Spaß, den Aspekt Social Media auszuweiten. Man bekomme viel positives Feedback, lerne aber auch durch negative Kommentare. Lesernah agieren ist hier also mehr als gefragt.

Ähnlich geht Carlsens erstes digitales Imprint Impress vor, das im August 2013 den Startschuss für E-Books in den Genres Paranormal Romance, Coming-Of-Age und New Adult gab. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche ab 14 Jahren, die eine Vorliebe für gefühlvolle und mitreißende Geschichten haben. Jeden Monat veröffentlicht Impress bis zu sechs E-Books und setzt dabei oftmals eher auf Buchreihen mit vom Umfang her schlankeren Einzeltiteln als auf abgeschlossene Romane. AutorInnen wie Sandra Regnier, die mit ihrer erfolgreichen Pan-Trilogie ein normales Teenager-Mädchen als Retterin der Elfenwelt inszeniert, bringen Impress große Erfolge ein. Auch Valentina Fast, deren royal-dystopische Welt zwanzig Anwärterinnen auf die Prinzessinnen-Krone in einen Wettbewerb um vier potentielle Thronfolger schickt, konnte die LeserInnen überzeugen. 

Welche Reichweite Carlsens Imprint mittlerweile entwickelt hat, demonstrieren nicht nur die 7.000 Follower auf Facebook. Auch der Leserpreis der größten Leser-Community in Deutschland LovelyBooks [4] in der Kategorie "Bestes E-Book-Only" macht 2015 den Erfolg deutlich: Auf den ersten zehn Plätzen fanden sich sieben Titel des Imprints. Ganz vorne: Band 1 der zuvor erwähnten Royal-Reihe. Und auch 2016 konnte ein Impress-Sprössling, die Jahreszeiten-Reihe von Jennifer Wolf, den ersten Platz dieser Kategorie für sich gewinnen. Dabei setzt auch Impress auf hohe Präsenz bei Facebook, konzentriert sich jedoch auf Bilder von Impress-Titeln und Zitaten daraus.

Die digitale Strategie des Hamburger Verlages beginnt jedoch nicht mit der Etablierung der digitalen Imprints. Schon 2010 präsentierte Carlsen den ersten digitalen Standort: Den offiziellen Bella-und-Edward-Blog des Verlages. Hier wird sich aktiv über die Bis(s)-Buchreihe ausgetauscht, deren deutsche Ausgabe bei Carlsen erschien. Noch vor dem Start von Impress kreierte Carlsen 2011 ein neues, breiter gefächertes Portal für LeserInnen, deren Begeisterung "bittersüßen" Geschichten gilt (und nicht nur Stephenie Meyers Vampiren). Auf Bittersweet (hier folgen mittlerweile 90.000 Menschen) wird über romantische und fantastische Helden diskutiert (egal ob sie nun von Impress, Dark Diamonds oder von Carlsen an die LeserInnen gebracht werden). Zudem werden Wissbegierige über neuen Lesestoff, Specials und Gewinnspiele informiert.

Quelle: Bittersweet

Aber warum hat Carlsen digitale Labels etabliert? Nicole Boske gibt auch hier Antwort. Man müsse natürlich auf Veränderungen am Markt reagieren, aber der Wunsch, etwas Neues auszuprobieren war auch da. Gleichzeitig habe man zwei Dinge bemerkt: Die große Reichweite Carlsens bei Romantasy-LesernInnen und die Tatsache, dass es sehr viele talentierte deutsche AutorInnen gibt, die ihre Manuskripte beim Verlag einsenden und eine Chance verdienen, gelesen zu werden. "Zudem konnte man aus Bittersweet auch viel über die Vorlieben der LeserInnen herauslesen", so Boske. Diese Überlegungen lassen sich auch in der Konzeption und Implementierung von Impress nachzeichnen.

Dark Diamonds ist wiederum dem Bedürfnis, etwas Neues in Angriff zu nehmen, geschuldet. "Wir haben einfach gemerkt, dass die LeserInnen von Impress und der Bittersweet-Community älter werden", erklärt Boske. New Adults hätten andere Prioritäten und Vorstellungen, wie ihre HeldInnen aussehen, mit welchen Problemen sie kämpfen sollen. Parallel dazu hätten auch Manuskripte mit viel Potential ihren Weg zu Impress gefunden, in denen zwar die schönsten Geschichten schlummerten, die aber von der Zielgruppe her einfach nicht in das Impress-Programm passten. "So merkte man", führt Boske an, "dass der Bedarf nach einer älteren Zielgruppe sowohl bei den LeserInnen als auch bei den AutorInnen vorhanden war." Trotzdem bedeute das nicht, dass die heutigen New Adults nicht weiterhin beständig in Impress-Geschichten eintauchen: "Wer einmal für das Genre brennt, wird dem immer treu bleiben."

Was aber müssen Autor und Geschichte mitbringen, um tatsächlich einen Platz bei Impress oder Dark Diamonds zu finden? Zum einen muss der Text programmatisch zu den Imprints, ihren Genres und Zielgruppen passen. Und zum anderen "müssen wir von dem Text begeistert sein", macht Boske deutlich.

Nun der Versuch eines vorläufigen Fazits: Es gelingt Carlsen, mit Impress und Dark Diamonds – und in Kombination mit Bittersweet – ein Alternativangebot zum Self-Publishing zu etablieren. Denn die Imprints liefern nicht nur den renommierten Namen des Carlsen Verlages, auch ein professionelles und kostenfreies Lektorat und Korrektorat warten auf angehende AutorInnen. Zusätzlich werden die E-Books gezielt beworben, meist innerhalb von drei bis fünf Monaten veröffentlicht und die SchriftstellerInnen werden intensiv betreut. Vor allem aber das lesernahe und autorenfreundliche Auftreten der Imprints lassen sie reizvoll erscheinen.

Quelle: Impress

4 Bastei Lübbe, Arena und Oetinger: Innovative Ideen?

Doch natürlich gibt es – wie zuvor schon erwähnt – auch noch andere digitale Imprints, auf die nun eingegangen werden soll.

Seit Oktober 2016 betreibt der Arena Verlag Digi:tales. Dieses digitale Imprint richtet sich ebenfalls an junge, mobile LeserInnen und grenzt sich gezielt vom Print-Bestand des Verlages ab. Das E-Only Programm startet zunächst mit drei Titeln, die in den Genres Liebe, Fantasy, Crime und Science-Fiction einzuordnen sind. Mittlerweile sind Fortsetzungen zu diesen Titeln verfügbar, die jeweils für 1,99 bis 3,99 Euro zu erwerben sind.

Zum anderen setzt Bastei Lübbe mit be und Bastei Entertainment wie Carlsen auf gleich zwei E-Book-Labels. Hier sollte jedoch angemerkt werden, dass diese sich nicht nur an Kinder und Jugendliche richten. Zudem wandelt Bastei Entertainment auch Texte, die bereits als Print erschienen sind, in E-Books um und bietet diese zu relativ hohen Preisen (bis zu 13,99 Euro) an. Das Label be, das genau wie Dark Diamonds und Digi:tales im Oktober 2016 eingeführt wurde, präsentiert E-Books in drei Kategorien: beTHRILLED, beHEARTBEAT und beYOND, wobei sich hinter letzterer Fantasy und Science-Fiction-Romane verbergen. Jedoch ist nur beYOND auch für Jugendliche geeignet.

Quelle: be

oopilo: Mobiles Storytelling

Seit März 2017 experimentiert Bastei Lübbe mit einem neuartigen digitalen Veröffentlichungsformat: Die Unterhaltungsplattform oopilo ermöglicht mobiles Storytelling mithilfe einer Smartphone-App. Auf dieser erscheinen regelmäßig neue Geschichten, die in Staffeln und Episoden unterteilt werden, sodass die Texte fast schon an eine Fernsehserie erinnern. Während die App und auch die meisten ersten Folgen eines Textes noch kostenfrei zu erwerben sind, werden die darauffolgenden Episoden zu einem Preis von jeweils 90 Cent zur Verfügung gestellt. Das Interessante an oopilo sind jedoch die multimedialen Aspekte. So werden die Geschichten mit farbigen Hintergrundbildern hinterlegt, die sich an den jeweiligen Schauplatz der Erzählungen orientieren. Außerdem werden an einigen Stellen zur gerade ablaufenden Handlung passende Geräusche eingespielt. Wie sich oopilo entwickelt und ob Bastei Lübbe die Plattform auch für externe AutorInnen und SelfpublisherInnen öffnet, bleibt noch abzuwarten.

Oetinger34: Digitale Kollaboration

Ein Hybrid zwischen digitalem Verlag und klassischem Printverlag ist das Netzwerk Oetinger34, ein Imprint der Verlagsgruppe Friedrich Oetinger. Seit 2014 ermöglicht es eine digitale Kollaboration zwischen AutorInnen, LektorInnen, IllustratorInnen und LeserInnen. Im sogenannten Weißraum, einem eigens für das Imprint kreierten Editor-System, können sich eben jene über ein Buchprojekt austauschen und gemeinsam daran arbeiten. Wer Mitglied des Projektes wird, entscheiden jedoch allein die AutorInnen. Das Besondere hierbei ist: Jeder kann sich auf einen Platz im Team von Oetinger34 bewerben. AutorInnen müssen nur gute Schreibfähigkeiten und Geschichten mit Lesepotential, IllustratorInnen vorzeigbare Bilder vorweisen. Junior-LektorInnen (das können Studierende in höheren Semestern oder auch andere mit Lektoratstalent sein) helfen, das Projekt durch Tipps und Vorschläge zu Handlungsstrang und Spannungsbogen zu optimieren. Oetinger verspricht sich von dieser Zusammenarbeit viele kreative Geschichten. Seit August 2017 entwickelt sich die Plattform auch technisch weiter: Ein neuer Editor soll sich den Wünschen und Verbesserungsvorschlägen der Mitglieder anpassen und nun erstmals in die Testphase übergehen. Die gesamte Community zieht nun auf die neue StoryWunder-Plattform um, deren Partner auch andere bekannte Verlage wie der Verlagsriese Random House oder der Independent-Verlag Tulipan sind. Detaillierte Informationen zur Funktionsweise von Oetinger34 finden Sie hier.

Quelle: Oetinger34

5 E-Book-Formate: Viele Gestaltungsmöglichkeiten, viele Haken

Zum Schluss sei auf eine Problematik hingewiesen, die bei passionierten E-Book-LeserInnen höchstwahrscheinlich schon oft Frustration hervorgerufen hat: die E-Book-Formate. Diese unterscheiden sich hinsichtlich Gestaltungsmöglichkeiten (Schriftgröße und -art etc.), Lesbarkeit auf den E-Readern und Kopierschutz. Jeder E-Reader-Anbieter unterstützt nur einige wenige Formate. Das EPUB-Format wird beispielsweise von allen Online-Shops angeboten, die E-Books verkaufen – außer vom Online-Handelriesen Amazon. Der Kindle ist so konzipiert, dass dort EPUBs nicht gelesen werden können. Andersherum verhält es sich genauso. Die Amazon-Formate K8 und AZW sind nicht kompatibel mit den Tolinos. PDFs sind wiederum auf allen E-Reader lesbar. Obwohl PDF kein richtiges E-Book-Format ist, wird es von vielen Anbietern trotzdem zur Verfügung gestellt. Der Grund liegt auf der Hand: PDFs sind deutlich einfacher zu erzeugen als E-Book-Formate. Doch ein großer Nachteil ist das festgelegte und damit unveränderliche Layout. Und da PDFs eigentlich für den Gebrauch an Computern gedacht sind, sind die Schriftgrößen oft zu klein und damit schwer lesbar. Zwar lassen sich die Formate mithilfe des Programmes Calibre konvertieren – das funktioniert allerdings nur mit nicht kopiergeschützten E-Books.

LeserInnen müssen sich erst einmal mit diesen vielen verschiedenen Abkürzungen der Formate und ihren Bedeutungen und Einschränkungen auseinandersetzen – was nicht nur lästig ist, sondern auch Unverständnis hervorrufen kann. Man geht ja auch nicht zu einem Buchhändler und stellt dann fest, dass dieser nur Bücher von ganz bestimmten Verlagen verkauft.

Ein einheitliches E-Book-Format ist indes nicht in Sicht, da die Anbieter ihre jeweiligen Standards am Markt etablieren wollen. Denn darüber lässt sich Marktmacht ausüben und bis zu einem gewissen Grad bieten proprietäre E-Book-Formate auch einen Schutz gegen Piraterie. Dieser Formatkrieg trifft allerdings vor allem die LeserInnen. Doch wie wir bereits am Beispiel der Blu-Ray sehen konnten: Früher oder später kommt es zu einer Vereinheitlichung, selbst wenn große Unternehmen miteinander konkurrieren.

Auch die Gestaltungsmöglichkeiten, die E-Books auf den ersten Blick bieten, sind nicht einheitlich. Denn die meisten medialen Elemente können zwar von Tablets und Smartphones abgespielt werden, nicht aber von E-Readern. So sind diese nicht in der Lage, Medientypen wie Slideshows, Audio, Video oder Screen-Aufzeichnungen anzuzeigen bzw. abzurufen. Auch interaktive Elemente, zu denen Fragen oder ein Quiz für die Leser zählen können, können nicht in Form von Widgets in den Text eingebaut werden. Tablets und Smartphones mit den Betriebssystemen iOS und Android sind dazu jedoch im Stande. Auf Smartphones lassen sich auch Bilder vergrößern und eingebettete Links aufrufen.

Ferner mögen Leser vielleicht die Freiheit haben, sich die Schriftart und -größe selbst auszusuchen, können sich aber von den AutorInnen selbst kreierte Schriften oftmals nicht anzeigen lassen. Denn die nötigen Codes in das E-Book einzufügen und das Tablet oder den E-Reader somit dazu zu "zwingen", die Schrift anzuzeigen, erfordert gute Programmierkenntnisse. Auch Hintergrundfarben, die die Aufmerksamkeit der LeserInnen auf wichtige Abschnitte des Textes lenken, können tückisch sein, da viele E-Reader Texte nur in schwarz-weiß zugänglich machen.

Zudem sollte man auch bedenken, dass all diese medialen Extras ein E-Book zwar attraktiv machen, dennoch aber sehr aufwendig und kostspielig für AutorIn bzw. Verlag sein können – was sich letztendlich im Preis des E-Books widerspiegelt.

6 Fazit: Vor- und Nachteile digitaler Verlage

Es kann also festgehalten werden: Digitale Verlage und Imprints haben gegenüber traditionellen Anbietern durchaus Vorteile. Sie passen sich an gesellschaftliche Prozesse, Marktveränderungen und Bedürfnisse der LeserInnen an. Die wirtschaftlichen Vorteile sollte man auch nicht vergessen. Zudem bieten die Imprints AutorInnen vieles, womit auch Print-Verlage aufwarten können. Aber eben nicht alles – so fehlen die Präsenz und die Verfügbarkeit im Buchhandel, eine intensive Qualitätskontrolle und Pressearbeit. Weitere Nachteile können LeserInnen oft die Freude am Lesen verderben – zum Beispiel, wenn sie bemerken, dass ihr E-Reader nicht mit dem Format der von ihnen ausgewählten Geschichte kompatibel ist oder einige "Special-Effects" nicht anzeigen kann.


Fußnoten

[1] https://www.voland-quist.de/verlagsblog/buchkalkulation-was-verdienen-autor-und-verlag-an-buchern/

[2] Börsenverein des Deutschen Buchhandels (2014): Verankert im Markt – Das E-Book in Deutschland 2013. Kurzzusammenfassung der Studie online abrufbar unter: http://www.boersenverein.de/sixcms/media.php/976/Kurzversion_E-Book-Studie2014.pdf

[3] nähere Informationen unter: http://www.boersenverein.de/preisbindung

[4] LovelyBooks wird betrieben von der aboutbooks GmbH, einem Tochterunternehmen der Georg von Holtzbrinck Verlagsgruppe. Zu Holzbrinck gehören unter anderem Verlage wie S. Fischer, DroemerKnaur und Rowohlt.

BIBLIOGRAPHIE

 

Interview mit Vivien Sprenger

Rezension Sprenger, Vivien: Everly. Schattenreich des Himmels

Rezension Regnier, Sandra: Die Pan-Trilogie 1. Das geheime Vermächtnis des Pan

Rezension Fast, Valentina: Royal. Ein Königreich aus Glas

Rezension Woolf, Marah: Götterfunke. Liebe mich nicht

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