von Chantal Sapotnik

Ein schwedisches Kinderbuch in drei Bänden von Astrid Lindgren, das aus Pippi Langstrumpf (1945), Pippi geht an Bord (1946) und Pippi in Taka-Tuka-Land (1948) besteht.

Allgemeines

Die Trilogie Pippi Langstrumpf (1945), Pippi geht an Bord (1946) und Pippi in Taka-Tuka-Land (1948) besteht aus jeweils episodenhaften Erzählungen. Die Bücher werden zu den Klassikern der Kinderliteratur gezählt. In den Erzählungen von Pippi Langstrumpf geht es um ein neunjähriges Mädchen, welches immer das tut, worauf sie Lust hat, ohne sich an Regeln zu halten. Ihre Freunde Tommy und Annika begleiten sie durch die gesamte Trilogie und erleben viele Abenteuer mit ihr, wohingegen die Erwachsenen eher eine Nebenrolle spielen.

Handlung

Pippilotta Viktualia Rollagardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf, kurz Pippi, ist ein neunjähriges Mädchen, welches sich von den anderen Kindern in ihrem Alter unterscheidet. Sie lebt nur mit ihrem Äffchen, Herr Nilsson, und ihrem Pferd, Kleiner Onkel, in der Villa Kunterbunt. Ihre Mutter ist tot und ihr Vater, Kapitän eines Schiffes, ist Südseekönig auf einer Insel.

Sie hebt sich nicht nur äußerlich durch ihre roten Haare, die in zwei geflochtenen Zöpfen von ihrem Kopf abstehen,die zu großen Schuhe und selbst genähte Kleidung von den anderen Kindern ab, sondern auch im Hinblick auf ihr Verhalten. Sie ist übermenschlich stark, besiegt den stärksten Mann der Welt, Adolf und rettet Tommy vor einem Stier  Außerdem ist sie sehr reich, denn sie besitzt einen Koffer voller Gold.

Pippi freundet sich mit den braven Nachbarskindern Tommy und Annika an, die als Gegensatz zu ihr stehen. Durch Pippis Ideen und Abenteuer, die sich dadurch erleben, haben die drei Kinder sehr viel Spaß. Pippi macht, was sie will und lässt sich niemals von einem anderen etwas sagen. Kindern gegenüber ist sie sehr großzügig und macht ihnen häufig Geschenke und zeichnet sich außerdem durch ihre Fürsorglichkeit Tommy und Annika gegenüber aus; Erwachsenen hingegen präsentiert sie sich als freches und regelmissachtendes Mädchen. Durch Ihre besondere Art ist sie bei den Kindern durchweg beliebt.

Populärrezeption

Die Geschichten um Pippi und ihre Freunde werden vom Lesepublikum in vielen Fällen als "lesenswert" beschrieben. Lindgren beeindruckt zahlreiche Leser mit ihrer einzigartigen Art, die Welt des kindlichen Denkens darzustellen. Laut einem Leser, der seine Meinung auf der Internetseite des Online-Buchhändlers Amazon veröffentlicht hat, ist es endlich ein Kinderbuch, was nicht überhäuft ist mit pädagogischen Grundsätzen, sondern von einem Mädchen erzählt, das von frei von Zwängen aufwächst. Es ist ein unterhaltsames Buch, was geprägt ist von den Abenteuern und der Schlagfertigkeit eines Mädchens. (Amazon-Leserrezension, 30.04.2012)

Ein anderer Leser schreibt:

"Die Abenteuer der Heldin sind in Generationen von Ohren und Augen eingegangen, weltweit ist wohl die Pippi Langstrumpf das beliebteste Mädchen weit und breit und ihre Geschichten von Einbrechern, Polizisten, der Schule, dem Baumklettern und der Geburtstagsfeier sind weltberühmt." (Amazon-Leserrezension, 30.04.2012)

Des Weiteren wird Pippi zum Vorbild vieler Mädchen, die sich bis dato hintern den Jungen versteckt haben und nicht mutig oder selbstbewusst waren. Ein anderer Leser hebt Pippis zeitlose Ader hervor und geht davon aus, dass sie viele Kinder in den nächsten Generationen mit ihren Abenteuern und Streichen erfreuen wird. (Amazon-Leserrezension, 30.04.2012). Durch den großen Erfolg der Kinderbücher von Pippi Langstrumpf wurden auch Bilderbücher, Theaterstücke, Hörspiele sowie Film und Fernsehserien produziert.

Die Frage nach dem Grund des großen Erfolges der Trilogie beantwortet Inger Lison mit der Wirksamkeit von "Mundpropaganda". Demnach haben Kinder kein Interesse an Rezensionen Erwachsener, sondern lesen, was ihnen gefällt und erzählen ihren Freunden davon (Lison 2010, S. 57).

Als ein weiterer wichtiger Punkt  wird genannt, dass erstmalig ein Mädchen die Hauptrolle in einer "Lausbuben- und Abenteuergeschichte" übernimmt. (Lison 2010, S.116):

"Mit Pippi Langstrumpf bietet sie [Astrid Lindgren] nämlich vor allem Dingen der weiblichen Leserschaft eine abwechslungsreiche Alternative zu der von ihnen sonst rezipierten Kinder- und Jugendbuchliteratur an, da hier ein neues Rollenverständnis von Mädchen propagiert wird." (Lison 2010, S. 116)

Die Bücher der Pippi Langstrumpf gehören zu den "Longsellern" und der erste Band wurden in den Status des Kinderbuchklassikers erhoben (Lison 2010, S. 116). Außerdem wurde Pippi Langstrumpf in über 50 verschiedene Sprachen übersetzt (Strömstedt, 2001, S.230).

Wissenschaftliche Rezeption

Das erste Buch Pippi Langstrumpf wurde zunächst von Kritikern positiv bewertet: "Die Kritik war des Lobes voll, das Publikum jubelte, und eine Auflage folgte auf die andere", schrieb Ulla Lundqvist, eine schwedische Literaturkritikerin. (Strömstedt, 2001, S. 237) Dies änderte sich aufgrund der Meinung des Literaturwissenschaftlers John Landquist, der in seiner Rezeption "Schlecht und preisgekrönt. Eine Reflexion über gute und schlechte Kinderbücher" (18.08.1946 in Aftonbladet) die Inkompetenz des Preisgerichts anprangerte und ihnen einen "[…] Mangel an literarischem Geschmack und Verstand" vorwarf (Lison, 2010, S. 54ff). Er fügte außerdem hinzu:

"Wenn das Buch überhaupt eine Wirkung hat, dann ist diese Wirkung folglich schädlich." (Lison 2010, S. 55)

Aufgrund dieser vernichtenden Rezeption, wurden die zwei folgenden Bücher nicht so positiv aufgenommen, sondern man befürchtete im Jahre 1946, dass Pippi eine schlechte Vorbildfunktion sei und die Kinder so zum Imitieren ihrer Verhaltensweisen anrege (Lison 2010, S. 55).

Auch in Deutschland wurden die Bücher kritisiert, anders als in Schweden bereits seit dem ersten Band. Besonders die angeblich schlecht erkennbaren "Übergange von der Wirklichkeit in die Fantasie" (Lison 2010, S. 56) könne man kaum erkennen. Dennoch gab es auch gute Rezensionen, beispielsweise aus der Zeitschrift Lebendige Erziehung (1949), in der es hieß:

"[…] ein Feuerwerk von Lustigkeit, Narretei und Humor steckt in diesem Büchlein, das in Schweden bereits eine Auflage von über 300000 Exemplaren erlebte. Das Buch bringt in unsere von Romantik etwas überlastete Kinderliteratur einen frischen Wind." (Lison 2010, S. 56)

Interessant zu nennen ist es, dass die Rezeption ab diesem Zeitpunkt nicht stagnierte, sondern sich in den 1960er Jahren die Auffassung vom schlechten Vorbild hin zu einer Unterstützung der gesellschaftlichen Verhältnisse wandelte. Damit wurde Astrid Lindgren als eine Vertreterin der antiautoritären Erziehung angesehen, und schließlich in den 1980er Jahren wurde der dritte Band als rassistisch empfunden, da der Vater von Pippi als "Negerkönig" bezeichnet wurde.


Literatur

  • Gottschalk, Maren: Jenseits von Bullerbü: Die Lebensgeschichte der Astrid Lindgren. Weinheim und Basel: Beltz & Gelberg, 2009.
  • Beyond Pippi Longstocking: Intermedial and International Aspects of Astrid Lindgren's Works. Hrsg. von Bettina Kümmerling-Meibauer and Astrid Surmatz. New York: Routledge, 2011.
  • Lindgren, Astrid: Das entschwundene Land.Hamburg: Oetinger, 1987.
  • Lison, Inger: Du kennst mich nicht und schreibst trotzdem genau, wie es mir geht. Erfolgreiche Rezeption in ausgewählten Werken Astrid Lindgrens. Frankfurt am Main: Lang, 2010 (= Germanistik - Didaktik - Unterricht, Band 4).
  • Schönfeldt, Sybil: Astrid Lindgren: Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek beim Hamburg: Rowohlt, 2005.
  • Strömstedt, Margareta: Astrid Lindgren. Ein Lebensbild. Hamburg: Oetinger, 2001.
  • Surmatz, Astrid: Pippi Langstrumpf als Paradigma: Die deutsche Rezeption Astrid Lindgrens und ihr internationaler Kontext. Tübigen: Francke, 2005.
  • Wolff, Rudolf: Astrid Lindgren. Rezeption in der Bundesrepublik. Bonn: Bouvier, 1986.

Internet

 Erstveröffentlichung: 01.05.2012


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