von Dr. phil. Kirsten Kumschlies

Ein Spukhaus im Allgäu und ein Kampf gegen Mobbingattacken – Martina Wildner präsentiert mit ihrem schaurigen Kinderroman eine unheimliche Familiengeschichte der besonderen Art.

Wildner, Martina: Das schaurige Haus.
Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 2011.
206 S., 12,95 €
ISBN 978-3-407-79995-1.

Inhalt

Der 13jährige Hendrik zieht mit seinen Eltern und dem kleinen Bruder Eddi aus Sachsen in ein Haus im Allgäu, wo der Vater Arbeit gefunden hat. Die herrliche Alpenlandschaft hilft nicht darüber hinweg, dass sich das neue Haus für den jugendlichen Ich-Erzähler vom ersten Tag an unheimlich anfühlt. Schon der Name scheint Programm zu sein: Das Haus liegt "Am Pestkirchlein", an der Einrichtung darf die Familie nichts verändern und im Garten wimmelt es vor Schnecken, die der kleine Eddi begeistert zu sammeln beginnt. Bereits in der ersten Nacht wird der kleine Bruder von Alpträumen heimgesucht, die meistens von Schnecken handeln. Im Traum bemalt der Junge die Wände und beginnt zu schlafwandeln. Für Hendrik wird schnell klar, dass hier etwas nicht stimmen kann, und er beginnt Nachforschungen über die Geschichte des Hauses anzustellen.

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Doch damit nicht genug der Aufregung, in der Schule hat Hendrik mit argen Eingewöhnungsschwierigkeiten zu kämpfen, besonders der Mitschüler Chris spielt ihm übel mit und geht mit seinen Mobbingattacken sogar soweit, dass er ihm Gülle in den Garten und in den Keller kippt. Zum Glück ist Hendrik nicht allein, er schließt Freundschaft mit dem Klassenkameraden Fritz und verliebt sich zaghaft in Ida, was zögerlich und nur in vorsichtigen Andeutungen erzählt wird. Hier findet Hendrik Unterstützung bei seinen detektivartigen Recherchen über die Geschichte des Hauses. Nach und nach finden die Kinder heraus, dass hier eine Familie namens Schneckmann gewohnt hat, deren Söhne Ralf und Roland an einer Pilzvergiftung gestorben sind, weshalb die Mutter inhaftiert wurde. Für Hendrik erhärtet sich der Verdacht, dass der Geist des verstorbenen Ralf im Dorf spukt und nach Rache sinnt. Eddis Alpträume weisen den ermittelnden Kindern den Weg, wobei sie mit genretypischen Elementen wie Geheimtüren, einer unheimlichen, alten Frau, einem alten Tagebuch und verstorbenen Kindern konfrontiert werden.

Am Ende verwischen die Grenzen zwischen Realistik und Phantastik und es bleibt offen, ob Hendrik von dem Spuk nur geträumt hat oder nicht. Auf jeden Fall nimmt die Geschichte ein glückliches Ende: Die Familie zieht zurück nach Sachsen und Eddi erbt das schaurige Haus im Allgäu von der Mutter, die aufgrund der Ermittlungen der Kinder freigesprochen wurde.

Kritik und Fazit

Das schaurige Haus ist eine Spukgeschichte der besonderen Art, die einerseits zauberhafte Alpenromantik versprüht, andererseits ein handfester und packender Kinderkrimi ist. Es ist eines der wenigen Bücher, in dem die Handlung dahinplätschert, ohne dabei je langweilig zu werden. Das liegt an der klaren Sprache Martina Wildners, die es vermag, Aufregendes recht unaufgeregt zu erzählen. Fraglich ist nur, inwieweit sich Kinder tatsächlich von dieser Art des Erzählens angesprochen fühlen.

Dennoch: ein empfehlenswertes Buch für Kinder ab etwa 11 Jahren.


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