Inhalt

Voller Vorfreude auf die Winterzeit erwacht die Meisterbäckerin Rosmarin Glyck morgens um fünf Uhr, begibt sich in die Backstube und möchte bei der Zubereitung neuer Rezepte helfen.

Denn: Die Familie Glyck besitzt eine Bäckerei, in der nicht nur köstliche Kuchen, Plätzchen, Muffins und Gebäckstücke hergestellt werden, sondern diese auch eine magische Wirkung besitzen. Sie können Krankheiten heilen, bei Liebesdingen behilflich sein und auch sonstige menschliche Probleme lösen. Daher verwundert es weder Rosmarin noch ihre Mutter, dass plötzlich ein sprechender Schneemann vor der Tür der Glücksbäckerei steht und um Hilfe bittet. Er erzählt, dass in seiner Stadt eine entsetzliche Kälte ausgebrochen sei und die Menschen frieren. Rosmarin muss schnell handeln. In ihrem Zauberbuch findet sie ein Rezept gegen die Kälte, gemeinsam mit dem Schneemann und ihrem Bruder macht sie sich auf den Weg, um die Stadt des Schneemanns von der Kälte zu befreien. Dort angekommen ist die Gefahr jedoch gebannt, denn mit Nevika betritt eine weitere Meisterbäckerin die Bühne. Rosmarin spürt Eifersucht und möchte die Rivalin übertrumpfen. Bald bekommt sie eine neue Gelegenheit, denn auch benachbarte Ortschaften sind von der Kältewelle betroffen und benötigen ihre Hilfe. Doch auch Nevika ist nicht untätig und gemeinsam stolpern die Mädchen in ein vorweihnachtliches Abenteuer, in dem Rosmarin neue Freundschaften schließt und Feinden gegenübersteht.

Kritik

Im siebenten Band der Serie um das Mädchen Rosmarin Glyck und ihre Glücksbäckerei greift die Autorin Themen wie Eifersucht, Rivalität sowie Familie auf und bettet alles in ein vorweihnachtliches, spannendes Setting. Es sind Themen, die kindliche Leserinnen und Leser interessieren, im Roman selbst stehen sie neben den phantastischen Elementen und dem Abenteuer und damit erfüllt Littlewood das, was phantastische Kinderromane oft auszeichnet: Probleme werden benannt, aber nicht überstrapaziert. Den Leserinnen und Lesern werden Lösungen angeboten, sie können den Text als eine Abenteuergeschichte lesen, sich aber auch mit Rosmarins Sorgen und Ängsten auseinandersetzen und diese in ihren Alltag übertragen. Freundschaft und Konkurrenz spielen in der Serie um die Meisterbäckerin immer wieder eine Rolle, denn Rosmarin ist trotz ihres Erfolges als Meisterbäckerin auch eifersüchtig auf andere Bäckerinnen und muss lernen, Erfolg zu teilen. Es geht aber auch um familiäre Probleme, Einsamkeit und die Frage, was Freundschaft bedeutet. Erzählt aus der Perspektive des Mädchens sind die Ereignisse nachvollziehbar.

Dank der zauberhaften und einfallsreichen Sprache der Autorin werden sowohl das Setting als auch die Rezepte sinnlich eingefangen. Um Flammenden Knieküchle zu backen, benötigt sie bspw. Sonnenlicht. Dieses hat die Familie in Gläsern im Sommer einfangen und als es Rosmarin dem Teig hinzufügt, wird die Backstube erleuchtet:

"Mit dem Sonnenlicht kam der Klang von zwitschernden Vögeln und von Meereswellen, die an ferne Sandstrände schlugen. Die Düfte nach frisch gemähtem Gras und Erdbeeren durchfluteten den Raum." (S. 31)

Immer wieder arbeitet die Autorin mit genauen Beschreibungen und entfaltet so eine Fabulierlust, die sich durch den gesamten Band zieht. Hinzu kommen spannende Einschübe über die Entstehung der magischen Rezepte, die Einblicke in die Geschichte der Familie und ihres Backhandwerks geben. Auch hier zeigt die Autorin ein besonders Gespür für den Aufbau der Geschichte, denn sie setzt Pointen gekonnt ein.

Zugleich ermöglichen gerade das Spielen mit Sprache und auch die detailreichen Beschreibungen den Zugang zum Text auch Kindern, die bislang wenig Erfahrung mit literarischen Texten gesammelt haben. Sie begegnen neuen Wörtern, lernen sich die Welt vorzustellen und erhalten neue Perspektiven. Diese Lust an der Sprache offenbart sich auch in den Namen der einzelnen Figuren, die liebevoll nach Kräutern benannt sind. Rosmarins älterer Bruder wird Tymo genannt, heißt eigentlich Thymian, und der jüngere trägt in Anlehnung an Basilikum den Namen Basil. Ähnlich wie die früheren Bände lebt auch dieser Roman von der Darstellung der Figuren, wobei die Autorin auf das Wissen der Lesenden aus den letzten Bänden setzt.

Fazit

Der weihnachtliche Band um die Glücksbäckerei der Familie Glyck wird insbesondere die Leserinnen und Leser der Serie begeistern, denn zahlreiche Anspielungen verweisen auf frühere Bände. Aufgrund der sprachlichen Gestaltung, der zahlreichen Dialoge und der Spannung ist der Roman auch für jene Leserinnen und Leser geeignet, die bislang wenig lesen. Aber: Es ist vor allem ein Roman für junge Mädchen, die gerne spannende Abenteuergeschichten kombiniert mit phantastischen Elementen und mädchenliterarischen Themen lesen. Das Cover selbst unterstreicht diese These, denn die Illustratorin arbeitet mit Klischees, die zumindest im Text etwas gebrochen werden: Auf dem Cover werden bevorzugt Farben wie Lila und Rosa eingesetzt, die man vor allem Mädchen zuschreibt. Es glitzert, was auch junge Leserinnen begeistern wird. Das englischsprachige Cover verzichtet auf die verspielten Details und rosa Töne, sondern wählt dunkelblau, nimmt auch männliche Hauptfiguren auf und öffnet so den Roman für alle Leserinnen und Leser. In der Geschichte selbst widerspricht Rosmarin den Assoziationen des deutschsprachigen Covers, denn sie ist mutig, hilfsbereit, hat eine genaue Kombinationsgabe und setzt sich für andere ein.

Titel: Die Glücksbäckerei. Das magische Fest
Autor/-in:
  • Littlewood, Kathryn
Originalsprache: Englisch
Übersetzung:
  • Eva Riekert
Illustrator/-in:
  • Eva Schöffmann-Davidov
Erscheinungsort: Frankfurt am Main
Erscheinungsjahr: 2018
Verlag: Fischer
ISBN-13: 978-3-7373-4127-1
Seitenzahl: 318
Preis: 15,00 €
Altersempfehlung Redaktion: 9 Jahre
Littlewood, Kathryn: Die Glücksbäckerei. Das magische Fest