Wenn man die gegenwärtige Medienlandschaft betrachtet, kann man es kaum übersehen: Überall geht es um Identität. Dabei ist es egal, ob diese sich gerade in einer Krise befindet, politisch verhandelt oder gewollt verschleiert wird. Ein Autor, welcher das mannigfaltige Spektrum rund um Persönlichkeit und Individualität wie beinahe kein zweiter aufzeigt, ist Walter Moers, sowohl in seinem Werk als auch in der außerliterarischen Wirklichkeit.
Ein Blaubär, der in einer Nussschale auf dem Ozean seine Existenz beginnt, Buchlinge, deren einziger Lebenssinn es ist, das Werk eines Dichters zu memorieren, ein Zwölfjähriger auf einer scheinbar ziellosen Reise durch die Nacht, ein äußerst gewalttätiger Pinguin und ein Fönig, der statt zu regieren lieber auf den Klohmarft möchte: All diese charakteristischen Figuren aus der Feder Moers’ sind auf der Suche nach ihrer eigenen Identität und oszillieren dabei zwischen Erwartungshaltungen und deren Bruch. Auch in einem seiner neuesten Werke, „Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte“, findet sich mit dem Werwolf Werner, der lieber ein Wiewolf wäre, eine Figur, welche die eigene Persönlichkeit in Zweifel zieht. Das Werk von Walter Moers ist somit maßgeblich geprägt durch das Wechselspiel aus Transformation und Devianz, wobei die Identität als bindendes Kernelement fungiert.
Es ist erstaunlich, dass sich trotz des kommerziellen Erfolgs nur wenige Wissenschaftler:innen bisher mit dem Moersschen Gesamt-werk auseinandergesetzt haben. Diese Tagung soll zu einer Änderung dieses Umstandes beitragen und sowohl einen globaleren als auch einen differenzierteren Blick mit dem expliziten Fokus auf den Aspekt der Identität in politischen, kulturellen, religiösen und sozialen Kontexten richten. Es können hierfür Beiträge zu allen Werken von Walter Moers eingereicht werden – dies beinhaltet neben den bekannten Zamonien-Romanen auch den an den Werken Gustave Dorés orientieren Roman „Wilde Reise durch die Nacht“ und das Comicwerk. Denkbar sind aber auch Beiträge zur Identitätsbildung oder gar -erschaffung der Autorfigur Walter Moers und dem Spiel mit der Öffentlichkeit. Zu nennen sind dabei die Herausgeberfiktionen und seine choreografierten Interviews. Es liegt der Themenvarianz ein sehr weiter Identitätsbegriff zu Grunde, welcher auch gerne mit kontrovers diskutierten Themen verknüpft werden kann: Gender, Intersektionalität, Race, Sexualität, Gewalt, Postkolonialismus etc.
Die Tagung soll am 09. und 10.10.2026 in Chemnitz stattfinden. Wir bitten um die Einreichung von aussagekräftigen Themenvorschlägen bis 15.02.2026. Die Veröffentlichung der Beiträge in einem Sammelband ist ein deutlich erklärtes Ziel. Bei einer von uns angestrebten Förderung werden die anfallenden Reise- und Übernachtungskosten übernommen. Sollte keine Förderung der Tagung erreicht werden, ist eine Teilnahme auf eigene Kosten oder in hybrider Form möglich. Die Sprachen der Tagung sind Deutsch und Englisch.
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Bei Interesse, an der Tagung teilzunehmen und einen Vortrag sowie einen daran geknüpften Sammelbandbeitrag im Nachgang einzubringen, bitten wir bis spätestens 15.02.2026 eine Mail mit einem vorläufigen Votragstitel und einer kurzen Beschreibung des Themas zu übermitteln.
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[Quelle: Pressemitteilung]