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[28.10.2019]

Vom 12. bis 14. Dezember 2019 findet auf dem Campus der Universität Duisburg-Essen das Symposium "Von literarischen Außenseitern, dem Vampir auf der Leinwand und dem Tod im Comicbuch. Narratoästhetik und Didaktik transmedialer Motive in Kinder- und Jugendmedien" statt.

Wenn sich in E.T.A. Hoffmanns Das fremde Kind der Hauslehrer Magister Tinte vor den Augen der Kinder "in eine große scheußliche Fliege" verwandelt, offenbart er sich sowohl den Figuren als auch dem Lesenden gegenüber als "der Gnome Pepser", der in der Heimat des titelgebenden fremden Kindes die Herrschaft zu übernehmen versucht. Dieses Motiv der Verwandlung beeinflusst jedoch nicht nur die narrative Ebene des Textes, sondern auch seine generische Zugehörigkeit zur literarischen Fantastik. Das skizzierte Verwandlungsmotiv beschränkt sich nicht allein auf Das fremde Kind oder gar Hoffmanns Œuvre: Das Motiv und seine Bedeutung lässt sich für den Bereich der Kinder- und Jugendmedien generell festmachen: In Harry Potter ist es bspw. der Vielsafttrank, der es den Figuren erlaubt, in andere Rollen zu schlüpfen. In der Herr Bello-Trilogie von Paul Maar changiert der Protagonist beständig zwischen seiner tierischen und menschlichen Gestalt, bis er schließlich als sprechender Hund endet und sich damit als intertextuell verwandelter Hund im Sinne des von Cervantes erschaffenen und von Hoffmann weitergeschriebenen Hundes Berganza offenbart.

Diese kurze Liste, die sich beliebig fortsetzen lässt, zeigt exemplarisch, wie zentral literarische Motive als "kleinste semantische Einheit[en]" (Christine Lubkoll) für narrative Texte in Kinder- und Jugendmedien sind. Doch auch darüber hinaus lässt sich die Bedeutung von Motiven nachzeichnen: So bestimmen Matthis Kepser und Ulf Abraham Motive als "Elementarerfahrungen" , die wir "zum Verständnis unserer Kultur und unserer Existenz darin benötigen".

Trotz dieser Prominenz, welche das Motiv damit sowohl in der Kinder- und Jugendmedienwissenschaft als auch in der Literaturdidaktik besitzt, fehlt bis dato ein motivanalytisches Modell, das zum einen für die literaturwissenschaftliche Analysepraxis tragfähig, zum anderen für den Schulunterricht bzw. die didaktische Auseinandersetzung geeignet ist. Dieses Desiderat adressiert das mehrjährige Forschungsprojekt Zur Genealogie einer transmedialen Motivik der Kinder- und Jugendmedien an den Universitäten Bremen und Duisburg-Essen, in welchem ein Symposium vom 12.-14.12.2019 den Höhepunkt darstellen soll: Ziel dessen ist Eruierung und Diskussion eines tragfähigen Motivbegriffs, die Erprobung des im Projekt entwickelten Analysemodells an zentralen Motiven und Motivkonstellationen sowie die Didaktisierung von Begriff und Modell für den Unterricht. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse ist im Verlag Francke, Marburg, vorgesehen.

Programm

12. Dezember

13. Dezember

14. Dezember

Organisation

Prof. Dr. Tobias Kurwinkel & Stefanie Jakobi

Kontakt & Anmeldung

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! / www.motivik.kurwinkel.de

Veranstaltungsort

Glaspavillon auf dem Campus Essen, Universität Duisburg-Essen

Weitere Informationen zum Symposium finden Sie hier.

[Quelle: Veranstaltungsankündigung]