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Hyperbel: Trope, Verfahren rhetorischer Steigerung, bei der ein Ausdruck durch einen diesen steigernden oder übersteigernden ersetzt wird (vgl. Spörl 2007)

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Im Gegensatz zur Litotes, mit der die Hyperbel verwandt ist, sagt diese nicht weniger, als gemeint ist, sondern mehr als sowohl gemeint, wahr und vor allen Dingen glaubhaft ist und sein könnte. Die Hyperbel stellt demnach eine Übertreibung dar, wobei über eben diese der bezeichnete Gegenstand oder Sachverhalt selbst überhöht wird. Denn schließlich muss dieser doch mit dem Gesagten mithalten können oder sollte es zumindest (vgl. ebd.). 

Die Hyperbel dient häufig der "pathetischen Affekterregung" (ebd.), wie im Falle von Nesthäkchens Jüngster Ursel, die ihre Mutter folgendermaßen anspricht: "Aber als meine aller-allerbeste Freundin mußt du dich mit mir freuen, daß ich wenigstens ein paar Stunden in der Woche Gesang studieren darf." (Ury) 

Die affektive Wirkung der hyperbolischen Formulierung "aller-allerbeste" ist an dieser Stelle möglicherweise bereits etwas eingeschränkt oder fast verloren, da diese – wie viele andere hyperbolische Formulierungen auch – bereits in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ist

Die Hyperbel ist häufig mit anderen rhetorischen Figuren und Tropen und dabei insbesondere Vergleichen und Metaphern verknüpft, die diese unterstützen (vgl. Spörl). So ist es gerade die Kombination aus Vergleich und Hyperbel, der die Beschreibung der Augen der Hunde in Hans Christian Andersens Das Feuerzeug ins schier unermessliche Größen steigern lässt: "Dort sitzt ein Hund, der hat ein Paar Augen, so groß wie Mühlräder." (Andersen)

Und wenn nicht ins Unermessliche, dann zumindest in den hyperbolischen Bereich der Mühlräder.


Literatur

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Erstveröffentlichung: 10.09.2015