Inhaltsverzeichnis

1 Anfänge bis zum 18. Jahrhundert
2 Spätes 18. Jahrhundert: Kinder- und Jugendliteratur der Aufklärung
3 18. und 19. Jahrhundert: Jugend-, Entwicklungs-, Bildungs-, Backfischromane
4 Kinder- und Jugendliteratur im Zeichen der Romantik
5 Kinder- und Jugendliteratur der Jahrhundertwende und der Weimarer Republik
6 Kinder- und Jugendliteratur der Nachkriegszeit in Westdeutschland und Österreich
7 Paradigmenwechsel der Kinder- und Jugendliteratur um 1970
8 Grenzüberschreitungen: Trends und Tendenzen in der deutschen Kinder- und Jugendliteratur zu Beginn des 21. Jahrtausends

8.1 Das Phänomen "Harry Potter"
8.2 Variationen fantastischer Leselust
8.3 Kinderliteratur als Markenerlebnis
8.4 Provokationen in der Jugendliteratur
8.5 All Age – das Ende der Kinder- und Jugendliteratur?
8.6 Dystopien - eine Alternative zur Fantasy?

Das Phänomen "Harry Potter"

In der Kinder- und Jugendliteratur begann das neue Jahrtausend etwas verfrüht. Mit Harry Potter und der Stein der Weisen (1997, dt. 1998) von Joanne K. Rowling (*1965) vollzog sich ein Epochenwechsel, dessen Auswirkungen bis in die unmittelbare Gegenwart hinein zu spüren sind. Die Buchserie, die sich vom Geheimtipp englischer Kinder zum weltweit präsenten, kommerziell höchst lukrativen Markenprodukt entwickelte, setzte neue Standards im Hinblick auf Verkaufszahlen, Merchandising und Zielgruppenansprache.

Über das Erfolgsgeheimnis der sieben Bände ist viel spekuliert worden. Rowling hat sich durch Klassiker der englischsprachigen Kinderliteratur (Alice, Der Zauberer von Oz usw.), aber auch durch Sagen, Fantasy und Märchen, Detektiv-, Schul- und Entwicklungsgeschichten anregen lassen. Aus Elementen dieser Genres hat sie ihre motivisch eng verklammerten Romane komponiert, die alles das enthalten, was Kinder zu allen Zeiten zum Lesen animiert hat: vor allem aufregende Abenteuer, innige Freundschaften und Kämpfe gegen das Böse. Zum Lesegenuss werden die Bände durch die ungemein bildhafte Sprache, eine unglaubliche Fülle kurioser, komischer und fantasievoller Einfälle sowie die zahlreichen höchst lebendigen Dialoge. Viele witzige, aber auch bedrohliche Effekte ergeben sich auch aus dem Nebeneinander von Alltags- und Zauberwelt. Zudem gelingt es Rowling, die Spannung über mehrere Hundert Seiten hin zu erhalten, durch Andeutungen, Vor- und Rückbezüge und genau kalkulierte Szenenwechsel, vor allem aber, weil ihr Erzählen ganz und gar der Handlung verpflichtet ist. Großen Anteil am Erfolg hat die Hauptfigur: Harry ist ein Held mit Schwächen, schüchtern und unauffällig lebt er in der Welt der Muggels, wo ihn seine Verwandten drangsalieren. In der Wunderwelt jedoch ist er eine bewunderte Gestalt mit legendärem Ruf, hier kann er die Ohnmacht des Ausgeliefertseins überwinden. Das hier gestaltete Aschenputtelmotiv bietet ein ausgeprägtes Identifikationspotenzial. In Harry Potter erfüllt sich die bei Erwachsenen wie Kindern gleichermaßen vorhandene Sehnsucht nach persönlicher Großartigkeit, aber auch das Bedürfnis nach Unterhaltung und Regression auf einem sprachlich-stilistisch hohen Niveau.

Variationen fantastischer Leselust

Harry Potter verhalf der fantastischen Kinder- und Jugendliteratur zu einem beispiellosen Popularitätsschub. Kaum ein Verlag, der nicht Hexen, Magier oder andere Zauberwesen ins Programm aufnahm, und wer als Autor Geld verdienen wollte, tat gut daran, magische Welten zu erfinden. Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends stand ganz im Bann üppig dimensionierter Fantasy, mindestens eine Trilogie musste es sein, gern auch mehr. Ein Ende des Trends ist noch nicht abzusehen. Damit die Leser nicht das Interesse an den recht gleichartigen Stoffen verlieren, in denen meist ein Außenseiter Länder, Völker oder das Universum retten muss, nutzt man im Wesentlichen zwei Mittel: das Empfindungspotenzial verschärfen und bekannte Genres neu mischen. Waren schon Rowlings Bücher von Band zu Band düsterer und gewalttätiger geworden, so verstärkte sich der Hang zur ausgiebigen Darstellung emotionaler Extremsituationen in der Folge noch. Durch Zutaten aus Science-Fiction, Mystery, Thriller oder Romanze werden fantastische Geschichten aufgepeppt und erwecken so zumindest den Anschein, innovativ zu sein.

Zu den Gewinnern der Pottermania zählt unter anderem der amerikanische Fantasyautor Christopher Paolini (*1983), der im Alter von fünfzehn Jahren mit dem Schreiben des Drachenreiterepos Eragon begann. 2004 erschien der erste Band, der vierte und bislang letzte kam im November 2011 heraus und eroberte sofort Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste. Sieben Bände umfasst zurzeit die Reihe über Artemis Fowl (ab 2001) des Iren Eoin Colfer (*1965). Colfer hat Fantasy mit Science-Fiction kombiniert: Der anfangs zwölfjährige Gentlemanganove und Computerfreak Artemis Fowl trifft in einer unterirdischen Nebenwelt auf technisch hochgerüstete Elfen, Zwergen und Kobolde. Von den deutschen Autoren hat insbesondere Kai Meyer (*1969) zahlreiche Fans. 2001 gelang ihm mit der Merle-Trilogie der Durchbruch; mit der Wellenläufer-Trilogie (2003-2004) konnte er seinen Bekanntheitsgrad noch steigern. Meyer verbindet realistische und fantastische Erzählweisen, greift gerne mythologische Motive auf und setzt auf starke Identifikationsfiguren.

Am überzeugendsten gelang es Cornelia Funke (*1958), die zuweilen als "deutsche Rowling" tituliert wird, an den Erfolg der Engländerin anzuknüpfen, obwohl sie inhaltlich und stilistisch einen ganz eigenständigen Weg beschritten hat. Die Tintenwelt-Trilogie (2003-2007) handelt von der Liebe zu Büchern und der Begeisterung für das Vorlesen. Der Buchbinder Mo verfügt über die Fähigkeit, Gestalten aus der Literatur in die Realität hineinzulesen, für die im Gegenzug Menschen in Büchern verschwinden. Mit Reckless. Steineres Fleisch (2010), inspiriert von den Märchen der Brüder Grimm, konnte Funke ihre Leserschaft offenbar nicht im gleichen Maße begeistern.

Schikorsky Grenzberschreitungen abb1 tintenherz Schikorsky Grenzberschreitungen abb2 twilight biss zum morgengrauen cover Schikorsky Grenzberschreitungen abb3 artemis fowl

Stephenie Meyers (*1973) Rezept für hohe Auflagen und Spitzenplätze auf Bestsellerlisten ist ein Mix aus Liebesgeschichte, Thriller und Fantasy. Von Bis(s) zum Morgengrauen (2005, dt. 2006) angefangen, können die Leserinnen vier Bände lang mitfiebern, ob Bellas unsterbliche Liebe zu dem Vampir Edward sich erfüllt.

Ebenfalls bis auf die vordersten Verkaufsränge schaffte es Kerstin Gier (*1966) mit ihrer Edelstein-Trilogie (2009-2010). Rubinrot, Saphirblau und Smaragdgrün (2010) sind Zeitreiseromane, die ins historische England führen, angereichert mit Fantasyelementen und einer romantischen Liebesgeschichte.

Kinderliteratur als Markenerlebnis

Die Erfolge von Harry Potter und seinen Erben verdanken sich nicht zuletzt medialen Neuerungen. In den Achtziger- und Neunzigerjahren verlor das Buch seine Position als Leitmedium an das Fernsehen, inzwischen verbringen Jugendliche mehr Zeit vor dem Computer als vor dem Fernseher und nutzen ansonsten alle Medien von der Zeitung bis zum Handy.

Vor allem die neuen Möglichkeiten der sozialen Netzwerke im Internet sorgten bei der Distribution von Kinder- und Jugendliteratur für einschneidende Veränderungen. Verlage und Autoren können seither mit der Zielgruppe direkt kommunizieren, und müssen nicht mehr den Umweg über die Erwachsenen nehmen, die in der Regel eher Büchern mit pädagogischem Mehrwert den Vorzug geben als solchen mit reiner Unterhaltungsfunktion. Das sogenannte Endkundenmarketing eröffnete völlig neue Perspektiven. Durch Gewinnspiele, Making-of-Videos, Fanaktionen, Leseclubs, Social-Media-Kampagnen über Facebook und andere soziale Netzwerke sowie weitere Formen des viralen Marketings lassen sich Neuerscheinungen wesentlich effektiver und nachhaltiger als zuvor präsentieren. Autoren pflegen eigene Web- und Fansites, für einzelne Titel und Reihen richten Verlage oder Leser Homepages ein. Kinder und Jugendliche sind längst nicht mehr nur Adressaten von Werbebotschaften, sondern tragen sie selbst aktiv weiter, durch Empfehlungen, Rezensionen, das Drücken von »Gefällt-mir«-Buttons und das Teilen von Informationen. So ergibt sich für beliebte Titel ein enormer Multiplikationseffekt.

Auf diese Weise sind enge Bindungen zwischen Autor und Leser entstanden. Das gilt nicht nur für die erwähnten Fantasyautoren, sondern für besonders produktive Schreiber allgemein. Einer der Ersten, der die Bedeutung des virtuellen Direktkontakts zur Zielgruppe erkannte, war Thomas Brezina (*1963). Er bediente das ausgeprägte Interesse junger Leser an Pferde-, Grusel- und Detektivgeschichten mit diversen Reihen, die trotz moderner Attribute wie Computer und Internet ganz dem Trivialschema in der Tradition von Enid Blyton verpflichtet blieben. Die Klaviatur des Online-Marketings beherrscht auch Joachim Masannek (*1960) perfekt, der mit vierzehn Bänden über Die Wilden Fußballkerle (2002-2008) Lesespaß und aufregende Abenteuer bot und damit selbst Jungen zum Lesen brachte. Auf eine große und treue Anhängerschaft kann auch die ungemein erfolgreiche Mädchenbuchserie Freche Mädchen – Freche Bücher (seit 1998) bauen, deren umfangreiche Homepage ein breites Angebot an Informationen und Mitmachaktionen bis hin zu Schreibwettbewerben anbietet. Die Romane, die vorzugsweise um die Wirren der ersten Liebe kreisen, werden von verschiedenen Autoren und Autorinnen verfasst. Allein sechsundzwanzig Bände hat bislang Bianka Minte-König (*1947), die Erfinderin der Reihe, beigesteuert.

Längst geht es den Werbestrategen in den Verlagen nicht mehr darum, zum Kauf eines Buches anzuregen, sondern ein umfassendes "Markenerlebnis" zu ermöglichen, das weit in alle Bereiche des Alltags und der Freizeit hineinwirkt. Die Literatur dient hier als Auslöser für weitere Kaufimpulse. Wie die Verwirklichung eines solchen Merchandisingkonzepts idealerweise aussieht, zeigt etwa der Prinzessin-Lillifee-Kosmos, in dem die Geschichten um die Blütenfee aus dem Zauberland Rosarien und ihre Freunde auf der breiten Produktpalette nur noch ein schmales Segment beanspruchen neben Musical, Kinofilm, TV-Serie, Zeitschrift, Trinkflasche, Armband, Zauberstab, Bettwäsche und anderen Angeboten – insgesamt mehr als 350 – alle natürlich in Lillifee-Rosa. Dass die Prinzessin eine eigene Homepage und eine Fanseite bei Facebook unterhält, versteht sich von selbst.

Provokationen in der Jugendliteratur

Kennzeichnend für die Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur während der letzten Dekade ist ein Auseinanderdriften zweier Marktsegmente: Die bestsellertaugliche Unterhaltungsliteratur entfernt sich immer weiter vom literarisch ambitionierten Kinder- und Jugendbuch mit innovativem Anspruch. Die eher sperrigen Titel mit ästhetischem Mehrwert werden vor allem von Pädagogen, Literatur- und Kunstwissenschaftler, Journalisten und engagierten Buchhändler empfohlen und von Heranwachsenden aus bildungsnahen Sozialschichten gelesen. Auf Bestenlisten wie "Die Besten 7" und in den Titeln, die mit renommierten Preisen wie "Eule", "Luchs" oder dem "Deutschen Jugendliteraturpreis" ausgezeichnet werden, dominieren weiterhin klassische Problemthemen wie Krankheit, Tod, Drogen, Alkohol, Sex, Gewalt, Familien- und Immigrationskonflikte.

Besonders gut trifft offenbar der englische Autor Kevin Brooks (*1959) die Erwartungen erwachsener Kritiker wie junger Leser. Er kombiniert Elemente des Problembuchs mit spannenden Krimihandlungen. Die Protagonisten geraten in extreme emotionale Schieflagen, müssen sich mit Erpressung, Verfolgung, Aggression, Mord, Hass, Rache und Liebe auseinandersetzen und schwierigste Gewissensentscheidungen treffen. Im Jahresrhythmus erschienen in Deutschland Martyn Pig (2002, dt. 2004), Lucas (2003, dt. 2005), Candy (2005, dt. 2006), Kissing the Rain (2004, dt. 2007) und The Road of the Dead (2006, dt. 2008). Die authentisch wirkenden Schilderungen der Milieus, die brutal ehrliche Sprache und die exakt kalkulierte Dramaturgie trugen seinen Romanen zahlreiche Auszeichnungen ein. Vier der fünf genannten Titel wurden für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert (nur Candy nicht), für Lucas und The Road of the Dead gewann er ihn 2006 bzw. 2009.

Während Brooks zwar drastisch schreibt, am Ende aber doch zumindest Lösungsansätze aufzeigt, gibt es andere Autoren, die sich konsequent einer wie auch immer gearteten Sinnkonstruktion verweigern, die bewusst polarisieren und so teilweise heftige Kontroversen ausgelöst haben. Den Beginn dieser Entwicklung markierte 1999 Kirsten Boies Kinderroman Nicht Chicago. Nicht hier. Im letzten Jahrzehnt wurde immer wieder darüber diskutiert, ob in einer desillusionierten Gesellschaft, die keine Sicherheiten mehr kennt, die alten Grundsätze der Kinder- und Jugendliteratur noch ihre Berechtigung haben: Soll Literatur für Heranwachsende auch unter veränderten Vorzeichen noch pädagogischen Mehrwert bieten, Sinnangebote bereitstellen, Lösungen aufzeigen und Werte vermitteln?

Schikorsky Grenzberschreitungen abb4 Nicht Chicago

Zu den umstrittenen Autoren gehört die in England lebende US-Autorin Meg Rosoff (*1956). In ihren rätselhaften Romanen, die zwischen Wirklichkeit und Fantasie mäandern, geht es um existenzielle Dinge: Leben, Tod, Angst, Krankheit, Krieg und die rettende Kraft von Freundschaft und Liebe. Rosoffs Bücher So lebe ich jetzt (2004 dt. 2005), Was wäre wenn (2006, dt. 2007) und Damals, das Meer (2007, dt. 2009) fanden nicht zuletzt wegen ihres schonungslosen, eigenwilligen Schreibstil, der Schnoddrigkeit mit Beklommenheit vereint, viel Beachtung.

Noch radikaler sind die Gedankenexperimente, die Janne Teller (*1964) in Nichts. Was im Leben wichtig ist (2000, dt. 2010) und Krieg – stell dir vor, er wäre hier (2004, dt. 2011) konsequent durchspielt. Nichts stellt die Frage nach dem Sinn des Lebens ganz explizit und erzählt darüber eine ebenso eindringliche wie erschreckende Parabel.

Mit seiner unverblümten und realistischen Darstellung von Sexualität unter Jugendlichen, die deren Gedanken, Bedürfnisse und Gefühle sehr glaubwürdig abbildet, provozierte der englische Autor Melvin Burgess (* 1954) in Doing It (2003, dt. 2004).

Von großer Bedeutung ist in der Jugendliteratur nach wie vor das Thema Gewalt. Kontroversen ergeben sich vor allem, wenn Autoren sich weigern, mit einfachen Ursache-Wirkung-Modellen zu erklären, wie Gewalttaten motiviert sind und sich verhindern lassen. Das trifft auf Evil. Das Böse (1981, dt. 2005) von Jan Guillou (*1944) und Im Schatten der Wächter (2003, dt. 2004) von Graham Gardner (1975) zu. Beides sind gelungene Beispiele für Romane, die Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht angesichts von Aggression zulassen, deutlich machen, wie schwer es ist, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und zeigen, wie leicht Opfer zu Tätern werden können.

All Age – das Ende der Kinder- und Jugendliteratur?

Der auffälligste Trend des ersten Jahrzehnts nach 2000 betrifft Verschiebungen innerhalb des Systems der Kinder- und Jugendliteratur sowie die Überschreitung der Grenze zur Erwachsenenliteratur. Einerseits greifen Heranwachsende in immer jüngerem Alter zu Titeln, die eigentlich für eine höhere Altersstufe gedacht sind, anderseits bedienen sich Erwachsene ungeniert in den Bücherregalen der Kinder, und Mütter und Töchter fiebern gemeinsam der nächsten Neuerscheinung ihrer Lieblingsautorin entgegen. Doch nicht nur Fantasy und sehr komplexe Jugendbücher lassen sich immer schwerer eindeutigen Leserschichten zuweisen. Beim Bilderbuch ist eine Tendenz zum Artifiziellen und - damit verbunden - zur Ausweitung der Alterszielgruppe beobachten. Steht der künstlerisch-ästhetische Aspekt der Gestaltung ganz im Vordergrund, richten sich die Werke oft nicht mehr an Vorschulkinder, sondern sprechen ältere Kinder an oder sind als Kunst- und Sammelobjekte für Erwachsene gedacht. Auch Sachbücher für Kinder und Jugendliche werden häufig von Erwachsenen gelesen.

"All Age" heißt das Schlagwort, mit dem Verleger und Autoren die sprichwörtliche Lesergruppe von acht bis achtzig erreichen möchten. Beim Publikum scheint das Bewusstsein von einer spezifischen Altersdifferenzierung der Literatur zu schwinden. Viele Leser wissen nicht, ob sie ein Jugend- oder Erwachsenenbuch lesen. Zur Verwischung des Unterschieds trägt auch bei, dass wesentlich mehr Autoren als noch vor einigen Jahrzehnten für mehrere Zielgruppen schreiben. Kai Meyer etwa sagte in einem Interview, er finde eine Differenzierung künstlich. Zu den bekannteren Namen gehören Isabel Allende, Friedrich Ani, Andreas Eschbach, Paula Fox, Joyce Carol Oates und seit neustem John Grisham, der 2010 in Deutschland den ersten Band seiner Jugendbuchreihe Theo Boone veröffentlicht hat.

Schikorsky Grenzberschreitungen abb5 theo boone Schikorsky Grenzberschreitungen abb6 ich habe einfach glueck

Deutlich wird die Grenzüberschreitung auch daran, dass seit einigen Jahren Bücher aus allgemeinen Publikumsverlagen den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten. Als 2002 Alexa Hennig von Lange (*1973) für Ich habe einfach Glück (2001) ausgezeichnet wurde, schien das ein Einzelfall zu sein, inzwischen sind viele weitere Titel gefolgt.

Von den zwanzig meistverkauften Titeln zwischen 2002 und 2009 im Bereich Belletristik waren elf Jugendbücher: nicht nur Harry Potter und die Tintenwelt-Saga, sondern auch Bücher von Markus Zusak, Kerstin Gier und anderen. Ein Blick auf die aktuellen Bestsellerlisten zeigt, dass dieser Trend sich weiter verstärkt hat.

So lässt sich Ende 2011 resümieren: Ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, jeder sucht sich aus dem Gesamtangebot der Bücher, Filme, DVDs und Hörbücher offenbar das heraus, was seinen Interessen und Vorlieben entspricht. Ist das als Freiheit des mündigen Medienbürgers oder als Beliebigkeit eines auf größtmöglichen Profit bedachten Literaturmarkts zu bewerten? Vor allem: Was bedeutet dieser Befund für die Zukunft der Kinder- und Jugendliteratur? Wenn der Trend sich fortsetzt, könnte die spezifische Kinder- und Jugendliteratur im Sinne von Zielgruppenliteratur irgendwann mehr oder weniger vollständig im Gesamtsystem Literatur aufgehen. Vielleicht aber werden Kinder und Jugendliche das nicht zulassen, und sich ihre eigene Literatur zurückerobern. Man kann also auf die weitere Entwicklung gespannt sein.


Der Artikel wurde übernommen aus:

Isa Schikorsky

Dystopien – eine Alternative zur Fantasy?

Zum Ende der 2000er Jahre wurde der Hype um die Harry Potter-Heptalogie (ab 1997, dt. 1998) von Joanne K. Rowling (*1965) und die Twilight-Tetralogie (ab 2006, dt. 2007) von Stephenie Meyer (*1973) von einer neuen Romanreihe abgelöst, die sich nicht im Genre der Fantasy, sondern der Dystopie verorten lässt. Die Tribute von Panem (ab 2008, dt. 2009) von Suzanne Collins (*1962) behandelt weder Magie noch Zauberwesen; im Gegenteil setzt sich die Reihe mit einer möglichen Zukunft Nordamerikas auseinander und bedient sich einiger Elemente der Science-Fiction. Die Buchreihe skizziert eine Gesellschaft, die sich durch Naturkatastrophen, Kriege und massenmediale Propaganda zum Negativen entwickelt hat und nun von einer Diktatur beherrscht wird. Die Romanreihe gehört zu den populärsten und kommerziell erfolgreichsten Young-Adult-Dystopien.[1]

Die Dystopie, heutzutage auch Future-Fiction-Roman genannt, hat in den 70ern und 80ern mit Romanen wie Die Wächter (1970, dt. 1975) von John Christopher (*1922, †2012) oder Die Wolke (1987) von Gudrun Pausewang (*1928) ihren Weg in die Kinder- und Jugendliteratur gefunden (vgl. von Glasenapp 2012). Sie entwickelte sich im 19. Jahrhundert aus der Utopie, die im Gegensatz zur Dystopie eine ideale Gesellschaft abbildet, die jedoch aufgrund ihrer Wesenszüge ein fiktionales Konstrukt ist. Die phantastische Textgattung entstand im 16. Jahrhundert durch Thomas Morus' (*1478, †1535) Werk Utopia (1516), in dem der Autor eine Insel beschreibt, auf der alle Menschen die gleichen Rechte haben und friedlich miteinander leben. Aber auch ältere Schriften, wie Der Staat (ca. 370 v. Chr.) von Platon (*427 v. Chr., †347. v. Chr.), weisen bereits utopische Charakteristika auf. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist ein Trend von der Utopie weg zur Dystopie hin zu erkennen und während letztere heutzutage ein prosperierendes Genre ist, werden kaum noch Utopien veröffentlicht (vgl. Kuon 2013, S. 334).

Die Dystopie zeichnet sich grundlegend durch einen negativen Weltentwurf in einer fiktiven Zukunft aus, der im Verlauf der Romanhandlung zum Positiven verändert werden kann. Im Gegensatz zur positiven Utopie, in der eine ideale Welt konstruiert wird, weisen dystopische Welten folglich einen Makel auf, den der Protagonist beheben muss, um zu besseren Lebensverhältnissen zurückkehren zu können. Oft betrifft dies die Bedürfnisse des Einzelnen, der durch das staatliche System in seinem Handeln eingeschränkt wird (vgl. Schulze-Bergmann 2021). In der Panem-Trilogie muss Katniss beispielsweise die Regierung stürzen, um die Unterdrückung durch das Kapitol und damit einhergehend die Hungerspiele zu beenden, in denen sich als Form der Unterhaltung und Machtinstrument der Regierung jedes Jahr zwölf Jugendliche gegenseitig umbringen müssen. Häufig nehmen sich Autorinnen und Autoren für ihre Dystopien das Weltgeschehen zum Vorbild, indem sie aktuelle Themen in ihre Werke integrieren. Die Gesellschaftskritik, die dem Genre zu eigen ist, trifft dabei den Zeitgeist, denn Dystopien setzen sich nicht nur mit verschiedenen Gesellschaftssystemen auseinander, sondern thematisieren unter anderem auch die etwaigen Folgen von Naturkatastrophen und Kriegen. Gerade in Zeiten, in denen die Klimakrise so stark im Fokus steht und die Politik immer wieder in die Kritik gerät, vermag es die Dystopie, verschiedene Zukunftsszenarien zu entwerfen und den Jugendlichen damit nicht nur neue Perspektiven aufzuzeigen, sondern sie auch vor möglichen Konsequenzen der aktuellen ökologischen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu warnen. Gleichzeitig wird ihnen demonstriert, dass diese Probleme von starken Persönlichkeiten, wie den Protagonistinnen und Protaginisten in dystopischen Romanen, bewältigt werden können. Grundlegend für die Dystopie sind demnach verschiedene Raum- und Zeitentwürfe. Generiert werden diese im "Chronotopos der Gefährdung und Bewährung [Herv. d. Verf.]" (Rank 2014, S. 8).

Wie die Fantasy zählt auch die Dystopie zur phantastischen Literatur. Zugehörige Romane spielen in einem von der Normwirklichkeit abweichenden Handlungskreis. Phantastische Literatur zeichnet sich durch ein "als zentral erachtete[s] Strukturmerkmal des Genres aus – dem Aufeinandertreffen von einer real-fiktiven mit einer wunderbaren, einer Anderswelt." (Weinkauff und von Glasenapp 2017, S.‍‍ 103) Es wird folglich ein Zwei-Welten-Modell entworfen, das der phantastischen Literatur zugrunde liegt. Hierzu wurden erweiternde Modelle entwickelt, die Kategorisierungen der Anderswelt vornehmen, darunter die Aufteilung in eine geschlossene, offene und implizierte Welt bzw. in das Grundmodell A, B und C (vgl. Nikolajeva 1988, S. 36; vgl. Gansel 2016, S. 145-148). Als Subgenre der phantastischen Literatur entwirft die Fantasy eine "Gegenwelt zur Normwirklichkeit" (Antonsen 2007a, S. 230). Entsprechend dem Modell nach Maria Nikolajeva und Carsten Gansel handelt es sich beim Genre der Fantasy um eine Variante der phantastischen Literatur, in der die Sekundärwelt von der real-fiktiven Welt getrennt existiert. Anders als in diesen geschlossenen Sekundärwelten der Fantasy, wie beispielsweise Mittelerde in der Romanreihe Der Herr der Ringe (ab 1954, dt. ab 1969) von J.R.R. Tolkien (*1892, †1973), das eine eigenständige, von der real-fiktiven abgetrennte Welt darstellt, ist der Handlungsraum in der Dystopie eine stark abgewandelte, futuristische Version der Normwirklichkeit. Dystopien können auch für die Fantasy typische Elemente enthalten, müssen aber dennoch grundsätzlich von dieser abgegrenzt werden, da das Wunderbare in der Dystopie im Gegensatz zur Fantasy in der Regel nicht magisch, sondern wissenschaftlich motiviert und in der Zukunft statt in der Vergangenheit verankert ist (vgl. Rank 2014, S. 5). Aus diesem Grund wird sie oft der Science-Fiction zugeordnet, die sich als alternative Kategorie zur Fantasy positioniert, da die Science-Fiction ein Subgenre der phantastischen Literatur darstellt, in dem das Wunderbare und in diesem Fall "(zukünftige) Neue […] wissenschaftlich, logisch und rational begründet" (Innerhofer 2007, S. 698) wird. Die Dystopie umfasst häufig auch Merkmale anderer Genres, unter anderem des Abenteuer-, Bildungs- und Liebesromans. Es handelt sich folglich um ein Genre mit transgrediertem Charakter (vgl. Durst 2010, S. 396f.) Derartige Genre-Hybride sind eine aktuelle Erscheinung in der Kinder- und Jugendliteratur.

Weniger auffällig ist in den 2010er Jahren die Anzahl der veröffentlichten Dystopien, denn auch zuvor wurden bereits zahlreiche Dystopien und andere die Zukunft als Sujet aufgreifende Romane veröffentlicht, wie beispielsweise Pausewangs Die letzten Kinder von Schewenborn (1983) oder Lois Lowrys (*1937) Hüter der Erinnerung (1994). Markant ist dagegen, dass viele Dystopien in dieser Zeit Platzierungen in den Bestsellerlisten erreichen und sogar verfilmt werden. Während in den 00ern Fantasy-Romanreihen wie Harry Potter, Twilight und Eragon (ab 2003, dt. 2004) von Christopher Paolini (*1983) den Markt dominieren, sind es in den 10ern dystopische Reihen wie Die Tribute von Panem, Die Bestimmung (ab 2011, dt. 2012) von Veronica Roth (*1988) oder Die Auslese (ab 2013, dt. 2013) von Joelle Charbonneau (*1974). Ralf Schweikart vermutet hinter diesem Trend eine "Rückbesinnung auf archaische, vormoderne Figuren und Erzählweisen" (Schweikart 2012, S. 7). Demnach besteht der Reiz der Dystopie in der Verknüpfung bekannter Figurenmodelle und Erzählmuster mit einem breiten Themenspektrum. Wichtig ist dabei zum einen, dass die Geschichten in der Zukunft spielen und zum anderen negativ dargestellte Gesellschaftssysteme in die Narration eingebunden werden. Durch die zukunftsorientierte Thematik, die mit naturwissenschaftlichen Regeln begründet wird, stellt die Dystopie im Vergleich zur Fantasy, die mit jeglichen physikalischen Gesetzen brechen kann, für die Leserinnen und Leser einen direkten Bezug zu ihrer eigenen Alltagswelt her. Denn während es für die Rezipientinnen und Rezipienten nicht möglich ist, wie in Harry Potter Magie zu wirken und ein Zauberinternat zu besuchen, erscheint eine Zukunft gespickt mit Mutationen und technischen Spielereien wie in Die Tribute von Panem nicht völlig undenkbar. Dies legt auch den Schluss nahe, dass es sich beim Lesen von Dystopien im Gegensatz zu Fantasyromanen weniger um eine Flucht in die Literatur handelt, als mehr um eine Konfrontation mit möglichen Zukunftsvisionen. 

Der große Erfolg der Die Tribute von Panem-Bücher bereitete weiteren dystopischen Buchreihen den Weg. Vor allem Veronica Roth profitierte mit ihrer Trilogie Die Bestimmung von dem Aufschwung des Genres und erreichte neben hohen Verkaufszahlen auch, dass ihre Bücher verfilmt wurden. Ihre Reihe handelt von einem Gesellschaftssystem, das Menschen in fünf verschiedene Eigenschaftskategorien einteilt. Selection (ab 2012, dt. 2013) von Kiera Cass (*1981) zeichnet eine auf den ersten Blick deutlich positivere Zukunftsvision, in der die Protagonistin ähnlich wie Aschenputtel zur Prinzessin aufsteigt. Dennoch wird auch hier eine ins Negative gekehrte Gesellschaft skizziert, in der die Bürger in Kasten eingeteilt sind, die ihnen vorschreiben, welche Berufe sie ausüben können, und eine Rebellengruppe versucht, dieses System zu stürzen. Auch die Mischung aus Dystopie, Liebesgeschichte und Märchen schafft es in die Bestsellerliste.

Für Autorinnen und Autoren im deutschsprachigen Raum scheint das Erfolgsrezept darin zu bestehen, Thriller mit dystopischen Elementen anzureichern. Dem Bestsellerautor Andreas Eschbach (*1959), der vor allem technologische Aspekte in den Mittelpunkt seiner Geschichten stellt, gelang 2010 mit dem ersten Band seiner Out-Reihe (ab 2010) die Platzierung in der Bestsellerliste. Später legte er mit der Aquamarin-Trilogie (ab 2015) nach, die Fantasy- und Dystopielemente vereint. Auch die österreichische Autorin Ursula Poznanski (*1968) knüpfte an den Erfolg der Panem-Reihe an und schaffte es mit der Eleria-Trilogie (ab 2012) in die Top 10. In dieser geht es um eine von Klimakatastrophen zerstörte Welt, in der die privilegierte Oberschicht in Kuppelbauten lebt und überwacht wird, während die Menschen außerhalb um ihr Überleben kämpfen. Die Literaturwissenschaftlerin Maren Conrad konstatiert in ihrer Analyse zur Eleria-Trilogie, in dieser werde "oft so dicht an den Prätext [Die Tribute von Panem] angeknüpft, dass rasch deutlich wird, wie generisch und strukturell wenig innovativ diese vermeintlich neue Form eines weiblichen Adoleszenznarrativs im Modus utopischer Literatur funktioniert." (Conrad 2020, S. 102)

Die verfilmte amerikanische Dystopiereihe Die Auserwählten (2009, dt. ab 2011) von James Dashner (*1972) hat durch die thematische und narrativ-strukturelle Nähe möglicherweise Rainer Wekwerths (*1959) Labyrinth-Reihe (ab 2013) inspiriert. Nachdem der erste Band mit verschiedenen Preisen, unter anderem als bestes deutsches Jugendbuch, prämiert wurde und der dritte Band in der Bestsellerliste rangierte, erschien fünf Jahren später noch ein vierter Band, der die Reihe abschließt. In Wekwerths Romanen müssen sieben Jugendliche einem Labyrinth entkommen und dabei ähnlich wie bei Collins entscheiden, wer leben darf und wer sterben muss. Obgleich die Die Auserwählten und Labyrinth hierbei im Gegensatz zu den oben genannten Romantexten von zwei männlichen Protagonisten erzählen, zeigt sich in anti-utopischen Erzählungen der Kinder- und Jugendliteratur generell ein gleichförmiges Erzählmuster, das über Geschlechterkonfigurationen hinausgeht. Lena Kiefers (*1984) Dystopie-Reihe Ophelia Scale (ab 2019) wurde in der Kategorie Debüt mit dem Lovelybooks Leserpreis 2019 ausgezeichnet und beweist, dass das Genre auch am Ende des Jahrzehnts immer noch beliebt ist.

Im Zentrum der hier behandelten dystopischen Erzähltexte stehen Themen wie Schule, Politik und Computertechnologien, wobei diese in der Narration häufig gemeinsam verflechtet werden (vgl. Rank 2014, S. 6). Gerade politische Themen werden in Dystopien besonders häufig angesprochen. "Klimawandel, Kriegsführung, Waffen, Fahrzeuge, Überwachung, Eingriffe ins menschliche Bewusstsein, omnipotente Steuerungsinstrumente, biologische Mutationen, medizinische Eingriffe und dergleichen mehr" stellen neben "Computerprogrammen und virtuellen Welten" (ebd.) typische Elemente dar, die in Dystopien aufgegriffen werden. Nüman benennt 2012 insbesondere "[d]ie negativ explorierten Konsequenzen Neuer Medien, das Problem der Umweltzerstörung und die Gefahren einer Pandemie" (Nüman 2012, S. 59) als aktuell angesprochene Themen in dystopischen Jugendbüchern. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der schon viel früher im Zentrum dieser Textsorte stand, sind aber auch "die konkreten sozialen Erfahrungen der Altersgruppe" (Schulze-Bergmann 2011). Dazu zählen Themen des Alltags wie Freundschaft, Liebe oder die Beziehung zu den Eltern, die die Protagonistin oder den Protagonisten häufig intrinsisch dazu motivieren, das bisherige System in Frage zu stellen und daraus auszubrechen.

In Die Tribute von Panem soll die Regierung durch das Kapitol gestürzt werden, das die Distrikte unterdrückt, gegeneinander aufwiegelt und eine immense Kluft zwischen Arm und Reich bzw. zwischen den Distrikten und dem Kapitol etabliert (vgl. Collins 2009, S. 18f.). Das Kapitol nutzt – insbesondere für die Hungerspiele, aber auch im alltäglichen Leben – fortgeschrittene Technologien, mit denen es unter anderem die Flora und Fauna verändert. Über eine derartige Technologie verfügt grundsätzlich nur das Kapitol, während die Bürger der Distrikte, wenn überhaupt, veraltete Technologien besitzen, wie zum Beispiel altmodische Fahrstühle, die sich langsam bewegen (vgl. ebd., S. 84). Waffen werden bereits in den Hungerspielen zu einem über Leben und Tod entscheidenden Gegenstand und sind auch im Krieg zwischen den Distrikten und dem Kapitol essenziell. Katniss erhält dabei eine eigens für sie angefertigte Waffe (vgl. Collins 2011, S. 82–84). In Form der Jägerwespen und Schnattertölpel treten biologische Mutationen auf (vgl. Collins 2009, S. 208f.). Zudem werden Menschen manipuliert, wie zum Beispiel Peeta, der so konditioniert wird, dass er Angst statt Liebe für die Protagonistin Katniss empfindet (vgl. Collins 2011., S. 202). Auch die sozialen Erfahrungen werden aufgegriffen. Die Handlung wird erst dadurch initiiert, dass Katniss sich freiwillig als Tribut meldet, damit ihre kleine Schwester Primrose nicht an den Hungerspielen teilnehmen muss (vgl. Collins 2009, S. 27f.). Im weiteren Handlungsverlauf der Romanreihe agiert sie immer wieder aus dem Interesse heraus, ihre Schwester zu schützen.

Auch in Die Bestimmung wird das politische System angezweifelt, das den Menschen eine von fünf Charaktereigenschaften zuordnet, wodurch dem Einzelnen seine Individualität aberkannt wird. Analog dazu ist die Regierung in fünf Fraktionen aufgeteilt. Mithilfe einer Computersimulation wird überprüft, welches Wesensmerkmal in einer Person dominiert. Gleichzeitig sollen damit diejenigen aufgespürt werden, die nicht eindeutig einsortiert werden können und dadurch das System gefährden (vgl. Roth 2012, S. 25–27). Zudem gibt es für jede Fraktion Aufnahmerituale, die wie eine Art Schulunterricht gestaltet sind. Die Jugendlichen trainieren gemeinsam und bemühen sich darum gute Ergebnisse zu erzielen, um offiziell in die Fraktion aufgenommen zu werden (vgl. ebd., S. 72–75). Waffen spielen eine wichtige Rolle, denn die Protagonistin muss bei ihrem Training lernen, mit ihnen umzugehen (vgl. ebd., S. 78f.). In der späteren Handlung wird der gesamten Fraktion eine Impfung verabreicht, mit der ihre Mitglieder wie Marionetten kontrolliert werden können (vgl. ebd., S. 390). Auch in dieser Buchreihe kommt es schließlich zum Krieg. Neben diesen ernsten Themen stehen aber auch Freundschaft und Familie im Fokus der Erzählung, da die Protagonistin Tris im Konflikt steht, zwischen ihrer Familie und ihren neugewonnenen Freunden einerseits und ihrer Fraktion andererseits zu entscheiden. Durch den Wettkampf um die freien Plätze in der Fraktion werden Tris' Freunde gleichzeitig auch zu ihren Rivalen. Ihr vermeintlicher Freund Al geht sogar so weit, dass er sie gemeinsam mit ein paar anderen Anwärtern umbringen will, um eine höhere Platzierung zu erreichen und nicht zum Fraktionslosen zu werden (vgl. ebd., S. 274-277). Das gesellschaftlich etablierte System und das Bedürfnis nach zwischenmenschlichen Beziehungen stehen hier also nicht im Einklang und sorgen für Kontroversen und Zerwürfnisse.

Neben Themen lassen sich weiterhin einige das Genre kennzeichnende Motive konstatieren. Ein in Young-Adult-Romanen beliebtes Motiv, das sich auch in Dystopien wiederfindet, ist das Liebesdreieck, bei dem die Protagonistinnen sich nicht nur zwischen zwei Gruppierungen, sondern auch zwischen zwei Jungen entscheiden müssen, die meistens auf unterschiedlichen Seiten stehen oder diese zumindest repräsentieren. Auch in Die Tribute von Panem gibt es eine solche Beziehungskonstellation zwischen der Protagonistin Katniss, dem anderen Tribut Peeta und ihrem besten Freund Gale. Weitere Beispiele, in denen Dreiecksbeziehungen im Fokus der Handlung stehen, sind die Buchreihen Cassia & Ky (ab 2010, dt. 2011) von Ally Condie (*1978) und Infernale (ab 2015, dt. 2016) von Sophie Jordan (*1975) sowie der Roman Seelen (2008, dt. 2008) von Stephenie Meyer. Ein weiteres Motiv, das bereits ein bewährtes Phänomen in der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur ist, ist das des Vertrauensbruchs zwischen den Protagonistinnen und Protagonisten und der Mentorenfigur. Dieser basiert auf der eingeschränkten Informationsweitergabe und wird narrativ durch den in Dystopien häufig auftretenden Ich-Erzähler, dessen Wissen auf das der erzählenden Figur beschränkt ist, verstärkt (vgl. Loidl 2012, S. 55). Manipulatorische Mentorinnen und Mentoren treten beispielsweise in Die Tribute von Panem mit Haymitch Abernathy und in der Reihe New World (ab 2008, dt. 2009) von Patrick Ness (*1971) mit den Figuren Präsident Prentiss und Mistress Coyle auf.

Viele Motive, die in Dystopien aufgegriffen werden, sind für die Kinderliteratur im Allgemeinen typisch. Dazu gehören nach Heidi Lexe "das Motiv der Elternferne sowie das Motiv der Bewährung in unbekannter Umgebung; in deren Zentrum steht jedoch das Motiv der kindlichen Verweigerung" (Lexe 2003, S. 193). Die Protagonistin in Die Tribute von Panem ist eine Halbwaise. Ihrer Mutter spricht sie zudem die Elternrolle ab, da diese sich nach dem Tod ihres Mannes nicht um ihre beiden Töchter gekümmert hat (vgl. Collins 2009, S. 33). In Die Bestimmung muss Tris ihre Familie verlassen und nach dem Motto "Fraktion vor Blut" (Roth 2012, S. 47) leben. In beiden Fällen liegt das Motiv der Elternferne vor. Auch verlassen beide Mädchen ihr gewohntes Milieu. Katniss reist im Laufe der Romanreihe durch das ganze Land Panem. In jedem der Bände befindet sie sich anfangs in ihrem Heimatdistrikt und reist im Laufe der Handlung bis ins Kapitol, um nach den Hungerspielen bzw. dem Krieg wieder nach Hause zurückzukehren. Auch Tris muss ihr Zuhause verlassen. Im ersten Band zieht sie zunächst in ihre neue Fraktion um, im zweiten Band besucht sie die anderen Fraktionen und im dritten Band verlässt sie schließlich die Stadt. Das Motiv der Verweigerung trifft ebenfalls in beiden Fällen zu. Katniss übertritt immer wieder die Regeln, nicht zuletzt als sie am Ende des ersten Bandes den Zuschauern vorspielt, gemeinsam mit Peeta tödliche Beeren zu essen, um die Hungerspiele gemeinsam gewinnen zu können (vgl. Collins 2009, S. 383). Dadurch entzieht sie sich bewusst den Direktiven der Hungerspiele. Tris wiederum kann dadurch, dass sie eine Unbestimmte ist, dem Simulationsserum ihrer Fraktion widerstehen und immer noch selbstständig agieren, nachdem es ihr verabreicht wurde (vgl. Roth 2012, S. 409f.). Die Romanbeispiele zeigen auf, dass in den jugendliterarischen Dystopien langjährig in der KJL etablierte Motive auftreten und generell mit vielen verschiedenen Themen und Motiven gearbeitet wird, die auf unterschiedliche Art umgesetzt werden.

Jana Mikota differenziert das Genre in die ökologische und postapokalyptische Dystopie. Demnach befasst sich die ökologische Dystopie mit dem unmittelbaren Ereignis der Katastrophe, während die postapokalyptische Dystopie die Zeit nach der Katastrophe thematisiert (vgl. Mikota 2013). Hierbei handelt es sich um eine Einordnung, die im einen Fall thematisch und im anderen Fall zeitlich getroffen wird und daher nicht völlig stringent ist, aber bereits einen potenziellen Ansatz bietet. Ralf Schweikart unterscheidet zwischen der regressiven Dystopie, in der die Menschheit sich zurückentwickelt hat und nicht mehr über die Technologien der heutigen Zeit verfügt, und der progressiven Dystopie, in der die Menschheit sich weiterentwickelt hat und fortschrittliche Technologien besitzt (vgl. Schweikart 2012, S. 6). Der aktuelle Dystopietrend wird vorrangig von der postapokalyptischen Dystopie dominiert (vgl. Collins 2009, Roth 2011, Wekwerth 2013). Eine eindeutige Unterscheidung in regressiv und progressiv kann dabei aber bereits innerhalb einer Dystopiereihe nicht immer getroffen werden, da ein Teil der Bevölkerung häufig in regressiven Missständen lebt, während die privilegierte Elite einen progressiven Lebensstil führt (vgl. Collins 2009, Cass 2012). Beide Einordnungsversuche divergieren in ihren Ansätzen stark voneinander und zeigen dadurch, wie breit das Genre thematisch aufgestellt ist.

Auch wenn die meisten Werke als All-Age-Dystopie bezeichnet werden und erwachsene Leserinnen und Leser haben, sind die Jugendlichen die wichtigste Zielgruppe der Dystopien. Analog dazu handeln die Romane von adoleszenten Figuren, die auf der Schwelle von der Kindheit zum Erwachsensein stehen (vgl. Boller und Voigts 2015, S. 412f.). Festzustellen ist dabei, dass diese "in einen vermeintlich futuristischen Kontext transformiert werden, strukturell aber auf bemerkenswert traditionelle bis zutiefst konservative Konzepte zurückgreifen" (Conrad 2020, S. 111). Anders als in Fantasyromanen, in denen ein männlicher Held im Zentrum steht, sind die Hauptfiguren in Dystopien oft junge Mädchen und bieten Leserinnen dadurch nicht nur Identifikationspotenzial, sondern sprechen aus eben diesem Grund eine weibliche Zielgruppe im Besonderen an. Dennoch werden die Protagonistinnen, so beispielsweise auch Katniss in Die Tribute von Panem, häufig nicht mit eindeutig weiblichen, sondern eher geschlechterübergreifenden oder männlich konnotierten Eigenschaften charakterisiert, wodurch das Geschlechtergefüge aufgebrochen wird (vgl. ebd., S. 414). Angelehnt an Fantasyromane wird auch in Dystopien das Erzählmuster des Heldenepos umgesetzt, das der Struktur "von der Ausfahrt, den Kämpfen und der Bewährung des Helden und seiner Gefährten" (Ewers 2011, S. 9) folgt. Dementsprechend lassen sich Die Tribute von Panem und andere anti-utopische Adoleszenz-Narrative als weibliche Heldenreisen verorten.

Dystopien für Jugendliche heben sich von Klassikern wie 1984 (1949, dt. 1950) von George Orwell (*1903, †1950) ab, denn sie sind "not as dark or pessimistic as classic dystopias […] and […], therefore, their social messages do not have the same urgency or power" (Henthorne, S. 123). Sie fokussieren sich vorrangig auf die Hauptfigur und ihr Umfeld und stellen das Gesellschaftssystem nicht in den Mittelpunkt. Wichtiger als die Gesellschaft im Allgemeinen ist dabei, wie der Einzelne damit umgeht (vgl. Henthorne, S. 123). "[D]en Figuren eine gewisse psychologische Dimension einzuschreiben, die Gegensätze, Unstimmigkeiten oder Brüche an der Textoberfläche jedoch gleichzeitig durch eine straffe Handlungsführung und eine eindeutige Plotstruktur (Sieg des Guten, Rettung der Welt) zu verwischen" (Schlachter 2014, S. 5f.) konstatiert Birgit Schlachter als ein identifikationsstiftendes Merkmal für Jugendliche. Dennoch ist vermutlich gerade die Verzahnung beider Aspekte für die Zielgruppe interessant. Zum einen werden sie dadurch direkt angesprochen und zum anderen werden Zukunftsszenarien entworfen, die dem aktuellen Zeitgeist entsprechen. Dies knüpft daran an, dass Kinder und Jugendliche sich ebenso wie Erwachsene mit Themen wie dem Klimawandel, Nachhaltigkeit, Digitalität und möglichen Katastrophen beschäftigen. Ein weiteres Merkmal, in dem sich Dystopien für Jugendliche von den klassischen Dystopien für Erwachsene unterscheiden, ist das Ende. Während erwachsene Dystopien häufig ein schlechtes Ende haben, ist das Ende in Young Adult Dystopien meistens positiv.

Besonders häufig wird in Dystopien die Ich-Erzählsituation verwendet. Dies markiert bereits der erste Satz in vielen Jugenddystopien, unter anderem in Die Tribute von Panem: "Als ich aufwache, ist die andere Seite des Bettes kalt" (Collins 2009, S. 7). Aber auch in den Reihen Die Bestimmung und Cassia & Ky wird aus der Perspektive einer Ich-Erzählerin berichtet (vgl. Roth 2012, S. 7; vgl. Condie 2011, S. 7). In der Trilogie Godspeed (ab 2011, dt. 2011) von Beth Revis (*1981) treten zwei Ich-Erzählende auf, das Mädchen Amy und der Junge Junior. Die Erzählsituation wechselt hier kapitelweise (vgl. Revis 2011, S. 5, 21). Differenziert wird die Erzählsituation anhand der Geschlechterkonstruktion, da im Fall von männlichen Hauptfiguren oftmals eine personale Erzählsituation vorliegt (vgl. Conrad 2020, S. 103f.). Die Ich-Erzählsituation ermöglicht den Lesenden, die unmittelbaren Gedanken der Hauptfigur wahrzunehmen. Dieses narratologische Mittel trägt dazu bei, Identifikationsmöglichkeiten mit der adoleszenten Figur für die Zielgruppe zu schaffen. Auch die Erzählung im Präsens überbrückt die Distanz zwischen der Protagonistin bzw. dem Protagonisten und den Rezipientinnen und Rezipienten, da die Handlung sich dadurch während der Narration ereignet und nicht erst nacherzählt wird. Ein weiteres narratologisches Mittel ist die Nutzung von Cliffhangern, die hier teilweise exzessive Verwendung finden, wie es beispielsweise in Die Tribute von Panem vorgemacht wurde. In der Romanreihe endet fast jedes Kapitel – angelehnt an das Erzählen von Fernsehserien – mit einem Cliffhanger (vgl. Collins 2009, S. 193, 218, 368). Dieses Phänomen nimmt Einfluss auf das Erzähltempo, da dadurch die Handlung im Mittelpunkt steht (vgl. Henthorne 2012, S. 29).

Die genannten Erzählstrategien haben den Trend zur Dystopie möglicherweise durch die Mischung aus Neuem und Tradiertem befeuert. Dystopien sprechen nicht nur einen eher weiblichen Adressatenkreis an, sondern versuchen mit verschiedenen narratologischen Mitteln auch die Distanz zu den Lesenden abzubauen und sie dadurch direkt am Geschehen teilhaben zu lassen. Dabei werden bewährte Motive und Strukturen mit aktuellen Themen vermischt, die sich in futuristischen Welten entfalten.

Fußnoten

[1] Der erste Band schaffte es im Erscheinungsjahr nicht nur auf Platz 5 der SPIEGEL-Bestsellerliste in der Kategorie Jugendromane und blieb jahrelang in den Top 50, sondern erreichte 2012 auch durch die filmische Adaption hohe Platzierungen. Die Trilogie verkaufte sich in Deutschland über 4 Millionen Mal, in den USA über 70 Millionen Mal, weltweit über 100 Millionen Mal. Mit dem Erscheinen des Prequels zur Trilogie steht Suzanne Collins 2020 auf Platz 1 der Bestsellerliste und zeigt damit, dass die Popularität der Reihe auch Jahre später weiterbesteht (vgl. Buchreport 2020). Auch die Verfilmungen der Romanreihe waren weltweit ein großer Erfolg. Der erste Film spielte dabei weltweit über 600 Millionen Dollar ein, 400 Millionen Dollar in den USA und 20 Millionen Dollar in Deutschland. Neben den USA und Großbritannien hat Deutschland für die Filme die dritthöchsten Einspielergebnisse erzielen können, für den vierten Film "The Hunger Games: Mockingjay – Part 1" sogar die zweithöchsten noch vor Großbritannien (vgl. Box Office Mojo o.J.: a, vgl. Box Office Mojo o.J.: b). Zudem gehören The Hunger Games zu den Filmen mit den höchsten Einnahmen aller Zeiten. Der erste Film rangiert dabei auf Platz 34, der zweite sogar auf Platz 26 (vgl. Box Office Mojo 2021c).

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

  • Cass, Kiera: Selection. Frankfurt am Main: Fischer Sauerländer, 2013.
  • Charbonneau, Joelle: Die Auslese. Nur die Besten überleben. München: Penhaligon, 2013.
  • Christopher, John: Die Wächter., 1995.
  • Collins, Suzanne: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele. Hamburg: Oetinger, 2009.
  • Collins, Suzanne: Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe. Hamburg: Oetinger, 2010.
  • Collins, Suzanne: Die Tribute von Panem – Flammender Zorn. Hamburg: Oetinger, 2011.
  • Condie, Ally: Cassia & Ky. Die Auswahl. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2011.
  • Dashner, James: Die Auserwählten. 2011.
  • Eschbach, Andreas: Black*Out. Würzburg: Arena, 2010.
  • Eschbach, Andreas: Aquamarin. Würzburg: Arena, 2015.
  • Jordan, Sophie: Infernale. Bindlach: Loewe, 2016.
  • Kiefer, Lena: Ophelia Scale. Die Welt wird brennen. München: cbj, 2019.
  • Krapinger, Gernot: Platon: Der Staat. Stuttgart: Reclam, 2017.
  • Lowry, Lois: Hüter der Erinnerung. München: dtv, 1994.
  • Meyer, Stephenie: Bis(s) zum Morgengrauen. Hamburg: Carlsen, 2007.
  • Meyer, Stephenie: Seelen. Hamburg: Carlsen, 2008.
  • Morus, Thomas: Utopia. Zürich: Diogenes, 1981.
  • Ness, Patrick: New World. Die Flucht. Ravensburg: Ravensburger Verlag, 2009.
  • Paolini, Christopher: Eragon. Das Vermächtnis der Drachenreiter. München: blanvalet, 2004.
  • Pausewang, Gudrun: Die letzten Kinder von Schewenborn oder … sieht so unsere Zukunft aus? Ravensburg: Ravensburger Verlag, 1983.
  • Pausewang, Gudrun: Die Wolke. Ravensburg: Ravensburger Verlag, 1987.
  • Poznanski, Ursula: Eleria. Die Verratenen. Bindlach: Loewe, 2012.
  • Revis, Beth: Godspeed. Die Reise beginnt. Hamburg: Cecilie Dressler Verlag, 2011.
  • Roth, Veronica: Die Bestimmung. München: cbt, 2012.
  • Rowling, Joanne K.: Harry Potter und der Stein der Weisen. Hamburg: Carlsen, 1998.
  • Tolkien, J.R.R.: Der Herr der Ringe. Stuttgart: Ernst Klett Verlag, 1969-1970.
  • Wekwerth, Rainer: Das Labyrinth erwacht. Würzburg: Arena, 2013.

Sekundärliteratur

  • Antonsen, Jan Erik: Fantasy. In: Metzler Lexikon Literatur: Begriffe und Definitionen. Hrsg. von Burdorf, Dieter und Christoph Fasbender und Burkhard Moennighoff. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart: J.B. Metzler, 2007, S. 230.
  • Boller, Alessandra und Eckart Voigts: Young Adult Dystopia: Suzanne Collins' The Hunger Games Trilogy (2008-2010). In: Dystopia, Science Fiction, Post-Apocalypse: Classics – New Tendencies – Model Interpretations. Hrsg. von Boller, Alessandra und Eckart Voigts. Trier: WVT, 2015, S. 411-430.
  • Box Office Mojo: The Hunger Games (o.J., a). In: https://www.boxofficemojo.com/title/tt1392170/?ref_=bo_cso_table_128. Abgerufen am 12.05.2021.
  • Box Office Mojo: The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 (o.J., b). In: https://www.boxofficemojo.com/title/tt1951266/?ref_=bo_cso_table_137. Abgerufen am 12.05.2021.
  • Box Office Mojo: Top Lifetime Grosses (2021). In: https://www.boxofficemojo.com/chart/top_lifetime_gross/?ref_=bo_cso_ac. Abgerufen am 12.05.2021.
  • Buchreport: Platz 1: Suzanne Collins »Panem X« (2020). In: https://www.buchreport.de/news/mit-prequel-auf-platz-1/ (12.05.2021).
  • Conrad, Maren: "The Quantified Child. Zur Darstellung von Adoleszenz unter den Bedingungen der Digitalisierung in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur.” In: Narrative der Überwachung. Typen, mediale Formen und Entwicklungen. Hrsg. von Hauptmann, Kilian und Hans Krah und Martin Henning. Berlin: Peter Lang, 2020, S. 87-114.
  • Durst, Uwe: Theorie der phantastischen Literatur. Aktualisierte, korrigierte und erweiterte Neuausgabe. Lit Verlag: Berlin, 2007.
  • Ewers, Hans-Heino: Fantasy – Heldendichtung unserer Zeit: Versuch einer Gattungsdifferenzierung. In: Zeitschrift für Fantastikforschung. Heft 1. Berlin: LIT Verlag, 2011, S. 5-23.
  • Glasenapp, Gabriele von: Apokalypse now! Future-Fiction-Romane und Dystopien für junge LeserInnen. Unveröffentlichter Vortrag, 2012.
  • Glasenapp, Gabriele von und Gina Weinkauff: Kinder- und Jugendliteratur. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Paderborn: Schöningh, 2017.
  • Gansel, Carsten: Moderne Kinder- und Jugendliteratur. Ein Praxishandbuch für den Unterricht. 7. Auflage. Berlin: Cornelsen Scriptor, 2016.     
  • Henthorne, Tom: Approaching the Hunger Games Trilogy. A Literary and Cultural Analysis. Jefferson: McFarland & Company, Inc., 2012.
  • Innerhofer, Roland: Science-Fiction. In: Metzler Lexikon Literatur: Begriffe und Definitionen. Hrsg. von Burdorf, Dieter und Christoph Fasbender und Burkhard Moennighoff. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart: J.B. Metzler, 2007, S. 698-699.
  • Kuon, Peter: Utopie/Dystopie. In: Phantastik. Ein interdisziplinäres Handbuch. Hrsg. von Brittnacher, Hans Richard und Markus May. Stuttgart: J.B. Metzler, 2013, S. 328-335.
  • Lexe, Heidi: Pippi, Pan und Potter. Zur Motivkonstellation in den Klassikern der Kinderliteratur. Wien: Edition Praesens, 2003.
  • Loidl, Sonja: MentorInnen als ManipulatorInnen. Vertrauensbruch als zentrales Motiv in dystopischer Jugendliteratur. In: kjl&m – forschung.schule.bibliothek. Jg. 64, H. 3. München: kopaed, 2012, S. 54-58.
  • Mikota, Jana: Dystopie. In: KinderundJugendmedien.de. URL: http://www.kinderundjugendmedien.de/index.php/begriffe-und-termini/594-dystopie. Erstveröffentlichung: 10.03.2013. Abgerufen am 12.05.2021.
  • Nikolajeva, Maria: The Magic Code. The Use of Magic, Patterns in Fantasy for Children. Stockholm: Almqvist & Wiksell, 1988.
  • Nüman, Maik: Aktuelle dystopische Jugendliteratur. In: In: kjl&m – forschung.schule.bibliothek. Jg. 64, H. 3. München: kopaed, 2012, S. 59-63.
  • Rank, Bernhard: Zum Beispiel die jugendliterarische Dystopie. Über die Notwendigkeit eines Perspektivenwechsels bei der Analyse eines aktuell erfolgreichen Genres. In: Leseräume. Lese- und Medienkulturen. Hrsg. von Vach, Karin. 1. Jg., Ausgabe 1. Heidelberg, 2014.
  • Schlachter, Birgit: Twilight, Die Tribute von Panem & Co im Deutschunterricht? Zur didaktischen Relevanz der populären Jugendliteratur. In: Leseräume. Lese- und Medienkulturen. Hrsg. von Vach, Karin. 1. Jg., Ausgabe 1. Heidelberg, 2014.
  • Schweikart, Ralf: Kein Ort. Niemals? Endzeitstimmung und Dystopie als Themen der Kinder- und Jugendliteratur. In: kjl&m – forschung.schule.bibliothek. Jg. 64, H. 3. München: kopaed, 2012, S. 3-11.

Diana Schmidt