Ob Bellas und Edwards erstes Mal in Twilight, die Prävalenz des Topos ‚bury your gays‘ oder aktuelle Verlagskataloge, die mit Chilischoten das ‚Spice Level‘ aktueller Dark Romance-Veröffentlichungen markieren: Sexualität stellt ein zentrales Thema der Jugendliteratur dar. Die literarischen Inszenierungen werfen dabei Fragen auf: Wie sprechen wir mit jungen Leser:innen über Sexualität? Welche Themen sind erlaubt, notwendig oder gar tabu? Und wie verschiebt sich das Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Unterhaltung im historischen Vergleich? Diese und weitere Fragen stehen im Zentrum des literaturdidaktischen Kolloquiums "Let’s Talk About Sex (in Jugendliteratur) – Literaturwissenschaftliche und -didaktische Perspektiven auf die Inszenierung von Sexualität in Jugendliteratur." Ziel der Veranstaltung ist es, gemeinsam mit Studierenden und Forschenden aktuelle Werke, didaktische Konzepte sowie historische Entwicklungen zu diskutieren. Neben literaturwissenschaftlichen Impulsen wird es auch Raum für praxisorientierte Perspektiven geben.
Das Literaturdidaktische Kolloquium findet an drei Terminen im WiSe 25/26 in der Classen-Kappelmann-Str. 24 im Raum S251 von 18:15-19:30 Uhr statt:
- 04.11.25 PD Dr.‘in Katja Kauer (Tübingen):‚Toy Boys‘, ‚Clean Girls‘ und ‚Pick-me Girls’. Die glücklose Verkörperung hochästhetisierter Heteronormativität. Ein queerer Blick auf einen Dark Romance-Roman
Nach der Etablierung der binären Genderideologie, spätestens jedoch nachdem im 19. Jahrhundert ein Diskurs um Heterosexualität dominant wurde, befassen sich weibliche Figuren in oft abfällig als „Frauen- „Mädchenliteratur oder Trivialliteratur “ bezeichneten Texten mit dem Erwerb ihrer Genderqualitäten, um sich auf dem Heiratsmarkt zu bewähren. Männer in ihren Bann zu ziehen, war diesen Frauenfiguren strukturell als Aufgabe anheimgegeben. Es mag zwar so aussehen, als gehöre diese sexistische Validierung der Vergangenheit an, doch die heutigen New Adult- und Dark Romance-Romane, die romantische Sehnsüchte thematisieren, sind trotz ihrer Betonung sexueller Aspekte nicht weit entfernt von Geschichten, die vor 150 Jahren geschrieben wurden. Ungefiltert beziehen sie sich auf eine patriarchale Ordnung, in der Geschlecht und Sexualität ‚heteronormativ‘ gestaltet sind und Mann und Frau in einem hierarchischen Verhältnis zueinanderstehen. Der Vortrag bespricht die Texte nicht als innovativ oder ungewöhnlich sexualisiert, sondern als konservativ und patriarchatskonform sowie als inhärent sexistisch.
- 09.12.25 Julia Müller (M.Ed.) (Bremen): Leerstellen sprechen lassen – literarische Abtreibungsnarrative mit Schüler*innen diskurskritisch bearbeiten – Der Vortrag muss leider entfallen.
Julia Müller gibt in ihrem Vortrag einen Einblick in ihr Dissertationsprojekt, das sie im Rahmen des strukturierten Promotionsprogramms der Universität Bremen „Duale Promotion“ durchführt, welches die Promotion mit dem schulischen Vorbereitungsdienst (Referendariat) verbindet. An der Schnittstelle von Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik untersucht sie einerseits, welche sprachlich-diskursiven Muster, narrative Strategien sowie (Dis-)Kontinuitäten literarischer Abtreibungsnarrative seit 1900 prägen und andererseits, inwiefern Schüler*innen der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe durch die Auseinandersetzung mit solchen Gegenständen zu einer diskurskritischen Reflexion (critical literacy), einer Sensibilisierung für sprachliche Machtverhältnisse (critical language awareness) sowie einem umfassenderen Verständnis reproduktiver Gerechtigkeit angeregt werden können.
- 20.01.26 Posterpräsentation von Studierenden (Köln): Von weiblicher Wut und sexueller Gewalt
Organisiert von: Stefanie Jakobi und Merle Lotter
Teilnahme über Zoom:
https://uni-koeln.zoom.us/j/98622342615?pwd=LqbeA0Zaas6KrljaYStbaGGUG6xdeE.1
[Quelle: Pressemitteilung]