von Dr. phil. Susanne Blumesberger

Lene Mayer-Skumanz (geb. am 7.11.1939) ist eine österreichische Kinder- und Jugendbuchautorin.

Biografie

Lene Mayer-Skumanz wurde am 7. November 1939 in Wien geboren, sie wurde behütet erzogen und die Schule war ihr Freiraum. Sie studierte  Germanistik und Altphilologie, war  als Mittelschullehrerin und Redakteurin der Kinderzeitschrift „Weite Welt“ tätig. Im Nachwort ihres Buches Glockenspiel und Schneckenhäuser (1994) verrät die Autorin, dass ihr Vater Axel Skumanz Schauspieler war: "Von ihm habe ich die Freude am Theater und am Menschenbeobachten geerbt. Von ihm habe ich auch gelernt, dass das Ernste im Komischen steckt und das Komische im Ernsten". "Humor ist für mich ein Lebens-Mittel. Er versteckt sich gern in ernsthaften Dingen", meint die Autorin (http://www.ig-lesen.at/autorinnenportraets/47_mayer_skumanz_lene). Ihr Vater hat ihr auch auf dem Gebiet der Sprechtechnik und Präsentation viel beigebracht. 

Auch ihre Mutter Erna Skumanz war Schauspielerin, hat ihren Beruf aber zugunsten der Familie – Lene Mayer-Skumanz wuchs mit einer jüngeren Schwester Leonore (Lorl) auf –  aufgegeben. Mayer-Skumanz hatte ein enges Verhältnis zu ihren Eltern, sie porträtierte sie auch in der Geschichte Der fremde Mann in Damals war ich vierzehn. Jugend im Dritten Reich. Berichte und Erinnerungen (Wien: Jugend & Volk 1978). Lene Mayer-Skumanz ist mit Dr. Josef Mayer verheiratet und hat zwei Töchter. Mag. Eva Maria Teja Mayer ist ebenfalls Schriftstellerin, einige Bücher sind schon aus der Zusammenarbeit entstanden. Tochter Elisabeth ist Gartengestalterin. Lene Mayer-Skumanz bietet Lesungen in Schulen an und steht somit in lebendigem Kontakt mit ihrem Leserpublikum. Mit Friedl Hofbauer, Käthe Recheis, Renate Welsh, Ernst A. Ekker, Mira Lobe, Helmut Leiter und vielen anderen war bzw. ist sie freundschaftlich verbunden. Als junge Autorin hat sie viel von ihren Kolleginnen und Kollegen gelernt, von Mira Lobe, von Käthe Recheis, besonders auch von Friedl Hofbauer, die ihr einmal  erklärte, dass sie herausspüren müsse, was ein Wort wiegt. Man braucht nicht zu sagen "die wahre Liebe", es heisst "die Liebe". Alles andere, was man dazu sagt, ist vermindernd. "Sie hat mir beigebracht darauf zu vertrauen, dass ein Wort so stark ist, dass es nichts mehr herum braucht."

Lene Mayer-Skumanz ist Mitglied des Österreichischen Schriftstellerverbandes, der IG Autoren und des Presseclub Concordia.

Werk

Schon als Volksschulkind begann Lene zu schreiben, später verfasste sie Stücke, die in der Klasse aufgeführt wurden. Mit Ein Engel für Monika gelang ihr 1965 der große Durchbruch. Die Beziehung zu Gott, Biografien von Heiligen und Sorgen des Alltags sind ihre Hauptthemen, dabei bleiben ihre Texte jedoch immer tröstend und mit einer Portion Humor versehen. Sie ist Mitarbeiterin von verschiedenen Anthologien, Theaterstücken und Hörspielen für Kinder. Ihr Gesamtwerk setzt sich aus Lyrik, Bild- und Detektivgeschichten, Geschichten aus dem Schulalltag, Bilderbüchern, Legenden, biblischen und historischen Erzählungen zusammen. Ihre Bücher richten sich an Kinder vom ersten Lesealter bis zu Jugendlichen.

Sie schuf eine neue religiöse Kinderliteratur, die von der Unmittelbarkeit der Sprache geprägt ist und in der die Gottheit als Partner erlebt werden kann. Sie befasst sich aber auch mit Problemen des Zusammenlebens, mit der Rassenproblematik, mit der Dritten Welt und dem persönlichen Problem der Zivilcourage. Über ihre Motivation meint Mayer-Skumanz selbst: "In Geschichten, in denen Kinder als 'Hauptperson' sich Gedanken über Gott machen, mit ihm reden oder gemeinsam mit ihm etwas erleben, verwende ich Alltagssprache, so einfach ich kann. Diese Texte sind als Ermunterung oder auch als Trost gemeint oder sollen auch nur zeigen: So könnte es gehen. Das ist möglich". "Für mich sind ganz besonders die Beziehungsmöglichkeiten zwischen den Menschen wichtig. Ich möchte zeigen, wie Beziehungen entstehen, wodurch sie gefährdet werden, ich möchte Konflikte darstellen und vielleicht für die eine oder das andere Lösungsmöglichkeiten anbieten. Oft kann man aber keine Lösung finden. Dann geht es mir darum, wie man lernt, diese Konflikte auszuhalten – wie lernt man, mit Widersprüchen und Konflikten zu leben? Ein anderes Thema, das mich sehr interessiert, ist Religion – meine eigene christliche, aber auch andere Religionen. Im Grunde sind das ja auch Beziehungsgeschichten – Beziehung zur Gottheit auf den verschiedensten, vielfältigsten Ebenen."

Über die Herangehensweise an ein Thema  erriet die die Autorin: "Die Hälfte meiner Arbeit ist eigentlich Schauen und Zuhören und Aufnehmen, wie die Menschen gehen, wie einer aufsteht, wie er sich setzt, wie er schaut. [...]" (Zumutungen 2006, S. 21). Die von Kindheit an trainierte Fähigkeit, mehrere Tätigkeiten parallel ausüben zu können, erleichtern ihre Arbeit. So erzählte sie einmal in einem Interview, dass sie mehrere Gespräche gleichzeitig verfolgen kann. In einem Restaurant, wenn am Nebentisch eine Liebestragödie zu Ende geführt wird, kann sie mit ihrer Begleiterin oder ihrem Begleiter das Gespräch weiter führen und weiß nachher genau was nebenan gesprochen wurde. Außerdem hat sie auch ein sehr gutes Gedächtnis und kann sich jahrelang Begebenheiten, Farben, ihre eigenen Gefühle, Situationen mit Menschen, eine Gegend und weiteres merken. Sie lässt die Geschichte wie einen Film zunächst vor sich entstehen, bis sie alles niederschreibt und sehr kritisch überarbeitet. Mayer-Skumanz meint, dass man Texte für jüngere Kinder nicht mit denen für ältere Kinder verglichen kann, denn bei Erstlesern habe sie zum Beispiel sehr wohl die Leserschaft beim Schreiben vor Augen, damit die Sätze nicht zu lang oder kompliziert werden. Bei älteren Lesern achtet sie dann nicht mehr, bis auf wenige Ausnahmefälle, auf die Rezipienten. Sie arbeitet auch gerne mit anderen AutorInnen zusammen: Die Geschichten von der "Mutwurzel"  hat sie zusammen mit Mira Lobe verfasst.

Ihre Werke sind oft stark mit ihrem eigenen Erleben verbunden. So ist der Ort Stillfried, wo sie ein Sommerhäuschen besitzt, als wichtige Etappe der Bernsteinstrasse in ihrem Buch Der Bernsteinmond erkennbar.
Mayer-Skumanz ist es gelungen, wichtige Impulse für eine neue religiöse Kinderliteratur zu geben, deren Sprache direkt und unmittelbar ist und in der Gott als Partner erlebt wird, was sich bereits an den Titeln ihrer Bücher ablesen lässt, so in Wenn du meinst, lieber Gott (1987)  in Hallo Partner oder die Sache mit dem Heiligen Geist (2000) oder in Gott, ich hab einen Tipp für dich (2002).

Schon ihr erstes Buch Ein Engel für Monika (1965) hatte sehr großen Erfolg. Entstanden ist es, weil die Mitbegründerin der Katholischen Jungschar und die Kinderbuchautorin Wilhelmine Lussnig in den 60er Jahren das Fehlen literarisch anspruchsvoller religiöser Bücher für die Heranwachsenden bedauerte und meinte, dass diesen Anspruch niemand mehr erfüllen könnte. Lene Mayer-Skumanz, damals als Germanistikstudentin eingeladen, ein Kinderbuch zu rezensieren, wollte das nicht glauben und nahm sich fest vor, das Gegenteil zu beweisen. Für Ein Engel für Monika erhielt sie den Österreichischen Jugendbuchpreis.

Ihre religiösen Bücher handeln von den Beziehungen zwischen Mensch und Gott. In ...wenn du meinst, lieber Gott. Geschichten für Aufgeweckte (1987) geht es um die Beziehung zwischen Xaverl und Gott. Der kleine Xaverl spricht mit Gott und Gott antwortet ihm. Das Buch erinnert an eine Sammlung asiatischer Weisheitsgeschichten, der Text "Die Hundehütte" ist besonders einprägsam: In einer nicht mehr benutzten Hundehütte findet Xaverl Unterschlupf, wenn er einmal alleine sein will: "Er kommt sich müde und klein und jämmerlich vor, zu nichts zu gebrauchen. Er will sich nur ausruhen. 'Lieber Gott' sagt Xaverl. 'Bist du da?' 'Ja, ich bin da' sagt der liebe Gott. 'Ich wäre aber jetzt viel lieber allein', sagt Xaverl. 'Ich halt's im Moment nicht aus, daß da einer bei mir ist und etwas will von mir und mich festhält'. 'Ich halt dich nicht fest', sagt der liebe Gott. 'Ich störe dich nicht. Ruh dich nur aus, ich halt derweil die Hundehütte.'". In Hallo Partner oder die Sache mit dem heiligen Geist steht Niko, der kleine Bruder der zwölfjährigen Susanna, die den Firmunterricht besucht, im Vordergrund. Der Heilige Geist ist dem kleinen Niko zum Partner geworden mit dem er all seine Sorgen besprechen kann. Themen wie die drohende Arbeitslosigkeit des Vaters, Streitigkeiten in der Familie, Erpresserbanden vor der Schule und so weiter hat die Autorin aufgegriffen.

In Gott, ich hab einen Tipp für dich (2002) hat Laura, ein Kindergartenkind, Gott als besten Freund. Sie gibt ihm hin und wieder Tipps und er schickt ihr hilfreiche Menschen. So lassen sich alle Probleme lösen. Um das Überwinden von Schwierigkeiten geht aus auch in Anna und Sebastian (2003), die sich beide auf die Erstkommunion vorbereiten und Jesus zum Freund haben.

Das Buch Geschichten von Tino und Tina (1999) beschreibt die Erlebnisse von zwei Kindergartenkindern. "Mit Tino und Tina kann man leben und lieben lernen, denn sie bringen Wesentliches auf den Punkt. Ob beim adventlichen Theaterspiel oder bei der Gartenarbeit, ob im Bus oder beim Telefonat mit Gott...." heißt es im Umschlagtext.

Das Gleiche könnte man auch für Julie, Martin und der Mond (1999) behaupten. Das Buch, das als begleitende Lektüre auch für Firm- und Konfirmandengruppen beworben wurde, ist an ältere Kinder gerichtet. Die erste Liebe und praktizierte Nächstenliebe als AltenbetreuerIn im Rahmen des Firmunterrichts spielen eine wichtige Rolle, ebenso die Warnung vor esoterischen Praktiken. Die beschriebenen Personen sind in diesem Buch sehr klar in gut und böse eingeteilt

Lene Mayer-Skumanz' Geschichten sind von Humor geprägt und eher unkonventionell; obwohl sie sehr wohl eine erzieherische Aufgabe haben, wirken sie nicht moralisierend, ihre Botschaft ist unaufdringlich. Ihre Bücher über große Heilige erzählt sie mit sachlicher Genauigkeit, einfachen aber eindrucksvollen Worten und mit einer gewissen Begeisterung für das Leben dieser Menschen. Mit Franziskus und seine Gefährten (1989), Johannes der Wegbereiter (1994), Maria Magdalena (1995), Josef von Nazareth (2002) oder Florian. Die letzten Tage eines Heiligen (2004) hat sie Bücher geschaffen, die Kindern den christlichen Glauben näher bringen sollen, aber auch zugleich gewisse unvergängliche Werte, die nicht an eine bestimmte Religion gebunden sind, mitgeben.

Josef von Nazareth (2002) erzählt eigentlich die Kindheit von Jesus. Mayer-Skumanz hat in diesem Buch das Eintreten Jesu für die Frauen sehr betont.

In Florian. Die letzten Tage eines Heiligen  (2004) hat die Autorin das Thema der Christenverfolgung aufgegriffen. ...und die Spatzen pfeifen lassen. Geschichten von Don Bosco (2003) erzählt in 21 Geschichten den Werdegang vom kleinen Bauernjungen bis zum Priester und Ordensgründer.  Am Umschlagtext heißt es: "einen Heiligen, der nicht nur Kranke heilt, Kirchen baut und Bücher schreibt, sondern auch mit Kindern herumtobt, Seiltanzen und Zaubertricks beherrscht, Schuhe flickt und mit Lehrmeistern verhandelt – gibt es so etwas? Wer so fragt, der kennt Don Bosco noch nicht, den ungewöhnlichen Heiligen, der sich einen Platz in den Herzen aller Kinder erobern kann!"

Das Buch Maria Magdalena (1995) wird mit den Worten eingeleitet: "'Kommt wir gehen zu Jesus' sagt Maria Magdalena zu den Kindern und nimmt sie bei der Hand. Sie führt die Menschen zu Jesus und hat ein offenes Auge für die Nöte ihrer Mitwelt. Dieses bewegende Buch zeigt anschaulich und sensibel das Bild einer faszinierenden Frauengestalt, die zur ersten Zeugin der Auferstehung und zur Botschafterin des lebendigmachenden Gottes wird." Maria Magdalena wird als starke und für ihre Zeit sehr eigenständige Frauengestalt geschildert, die sich von Vorwürfen in Bezug auf ihre Lebensweise nicht von ihrem Weg abbringen lässt.

In einer Rezension wird das Buch mit folgenden Worten gelobt: "Lene Mayer-Skumanz gelingt es, Maria Magdalena lebendig werden zu lassen. Die Stimmungen der Erzählung werden durch die einfühlsamen Bilder von Elisabeth Singer aufgenommen und vertieft. Somit ein Buch, das uns einlädt, sich wie Maria Magdalena auf Jesus mit unseren Gefühlen und Stimmungen einzulassen". (Michael Hofmann, RU-Kurier)

Ihr inzwischen mehrfach aufgelegter Erstkommunion-Klassiker Ein Löffel Honig (1994, 1995, 1996, 2001) ist insofern etwas ganz Neues, als nicht nur vom "lieben Gott" gesprochen wird, sondern die Gottheit, wie Mayer-Skumanz meint, selbst ins Spiel kommt und "Ich bin da. Ich bin mit euch" oder kurz "IBD-IBME" genannt wird. Beworben wurde das Buch als "realistisches" Kinderbuch – übrigens auch für Erwachsene, "das alle Dimensionen ausleuchtet". Im Mittelpunkt steht die 8-jährige Julia, die es zwischen ihrem kleinen Bruder und der großen Schwester nicht immer leicht hat. Aber auch Stefan, der bei seinem Großvater lebt, weil seine Mutter in der Stadt in einem Nachtcafé arbeitet, kennt die dunklen Seiten des Lebens. Zusammen lernen die beiden, was Freundschaft bedeutet, sie lernen, sich nach einem Streit wieder zu versöhnen und vor allem lernen sie, die christlichen Werte zu verstehen. Stefans Großvater, der Imker ist, lehrt sie das Teilen, er schenkt ihnen jeden Tag einen Löffel Honig.

In Hanniel kommt in die Stadt (1989), in späteren Auflagen unter Hanniel. Ein Engel im Sondereinsatz erschienen, erhält der Schutzengel Hanniel eine ungewöhnliche Aufgabe. Er schlüpft in den Körper eines sterbenden Mannes, um den 10-jährigen Christian von seinen psychischen Störungen, die sich durch die Trennung der Eltern gebildet haben, zu heilen. Anders kommt er nicht mehr an den Jungen, für den er verantwortlich ist, heran. Durch die wachsende Freundschaft mit dem scheinbar alten Herrn Pospischil, der ja in Wirklichkeit der Engel Hanniel ist, fühlt sich Christian wieder geborgen und lernt langsam, seinen Mitmenschen zu vertrauen. Seine veränderte Haltung hilft auch seiner Mutter, ihren Schmerz des Verlassenwerdens durch den Vater wegen einer anderen Frau leichter zu ertragen. Als Hanniel erkennt, dass Christian geheilt ist, verlässt er die Erde wieder mit dem Tod von Herrn Pospischil.

In Hanniel hat die Autorin Elemente der phantastischen Erzählung verwendet, allerdings nicht zwei Wirklichkeitsebenen, wie es sonst oft üblich ist. Mit Hanniel hat Mayer-Skumanz nicht nur Zustimmung sondern auch Betroffenheit und Befangenheit ausgelöst. Die Vorstellung, dass ein Schutzengel den Körper eines Menschen benutzt, um auf der Erde zu wirken, hat viele Leser an einer Tabuzone tief berührt. Von evangelischen Buchhändlern wurde kritisiert, dass sie "zu kumpelhaft mit Engeln umgegangen wäre".

Mayer Skumanz hat auch einige Bücher mit Sammlungen von Gebeten, Gedichten und religiösen Geschichten geschrieben. Das 2000 erschienene Buch Die Heilige Nacht wird vom Verlag mit folgenden Worten angekündigt: "Der österreichischen Autorin Lene Mayer-Skumanz gelingt es mit großem Feingefühl aufzuzeigen, welche beglückende Wirkung die Geburt des Gottessohnes auf die Menschen hat. Auch jenen, die Schuld auf sich geladen haben – ob Räuber oder Spion des König Herodes – weist die Begegnung mit dem Neugeborenen einen neuen Weg. Die stimmungsvollen Beiträge verkürzen die Zeit bis zum Weihnachtsfest: durch Selberlesen, Vorlesen und Aufführen des Weihnachtsspiels."

Ich will bei dir sein. Mein Buch zur Erstkommunion (2003) ist ein sehr meditativ gestaltetes Erinnerungsbuch, das kurze Texte über Gott und die Feier der Erstkommunion bereithält. Es wird vom Verlag beworben mit den folgenden Worten: "Ein ideales Buch für Kinder, um sich an die Erstkommunion zu erinnern und Unterstützung und Kraft zu finden in den unterschiedlichen Situationen des Lebens."

In Die kleine Eule (1998), das als "Mitbringselbuch für Nachdenkliche" vom Verlag beworben wurde, hat ein Eulenkind die Aufgabe, anderen Tieren und auch den Menschen von Gott zu erzählen.

1996 erschien das recht bemerkenswerte Buch Die Weihnachtstrommel für Kinder ab vier Jahren. Zwei Kinder, Hanna und Paul, sitzen nach der Bescherung unter dem Christbaum. Plötzlich entdecken sie unter den Bergen Weihnachtspapier ein weiteres Geschenk, eine kleine Trommel, die von Hanna gleich ausprobiert wird. Paul legt sich unter den Christbaum und hört zu. Die nun folgende Reise durch den Christbaum, bei der die Figuren lebendig werden und ihm einiges beibringen, könnte man durchaus mit einer schamanischen Reise vergleichen, wie man sie aus der indianischen Tradition kennt. Mayer-Skumanz' oft angedeutetes Interesse für andere Religionen klingt bei diesem Buch deutlich an.

Neben ihren zahlreichen religiösen Werken hat Mayer-Skumanz auch spannende historische Romane verfasst. Der Bernsteinmond. Geheimnisse aus der Vorzeit (1982) ist eine phantastische Erzählung, für die Mayer-Skumanz den Jugendbuchpreis der Stadt Wien erhielt. Im Grabungsgebiet der frühgeschichtlichen Burgsiedlung im heutigen Stillfried an der March taucht plötzlich ein fremdes Mädchen auf, das sich mit der Vergangenheit sehr gut auskennt. Niemand weiß, woher sie kommt und wohin sie nach einiger Zeit wieder verschwindet.

Der Adlergroschen (1995), ein Lebensbild des Grafen Meinhard II, der das Land Tirol vereinte, zeigt durch penibel recherchierte Details die Verwobenheit der kirchlichen und weltlichen Macht, erzählt von der Klostergründung in Stams und von den Lebensbedingungen der damaligen Menschen. Frau Ava (2003) ist die Geschichte der ersten Dichterin, die in deutscher Sprache schrieb und von der vier Werke mit religiösen Themen erhalten geblieben sind. 1127 starb sie als Klausnerin in Kleinwien. In Kowan und der Wolf. Erzählung aus der Zeit der Mammutjäger (2001) ließ Mayer-Skumanz durch unglaublich detailliert erzählte Begebenheiten und exakt beschriebene Gegenstände sowie plastisch dargestellte Figuren vor der Leserin bzw. dem Leser eine längst vergangene Zeit wiederauferstehen, in der die Menschen zwar anders lebten als heute, aber dennoch mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten. Kowan, Ziehsohn und Gehilfe des Steinschlägers hat sich mit einem Wolf angefreundet, was für ihn, der leicht hinkt, beim Jagen Vorteile bringt, für die "Rentierleute" jedoch Gefahr bedeutet. Nach einigen Abenteuern findet Kowan seinen Platz in der Gesellschaft.

Zu Lene Mayer-Skumanz Werken zählen auch Geschichten, die Mut machen. Allen voran ist hier das Buch Die Mutwurzel (1985) zu nennen, ein Buch das Mayer-Skumanz zusammen mit Mira Lobe geschrieben hat. Sophi, ein Mädchen das zum Erstaunen aller eine sehr ungewöhnliche Frisur mit sieben Zöpfen trägt, ist neu in der Klasse und mutig wie sonst niemand. Stefan ist schüchtern und fürchtet sich vor vielen Dingen. Ihm schenkt Sophi eine "Mutwurzel". An dieses Stück Holz glaubt Stefan fest und getraut sich von nun, Dinge zu tun, die er früher nie zu tun gewagt hätte. Auch als ihm Sophi zu der Erkenntnis verhilft, dass die "Mutwurzel" nur ein Stück Holz ist, bleibt die Wirkung bestehen und wird an andere Kinder weitergegeben.

Der Turm, 1991 erschienen, ist ein weiteres "Mutmacher-Buch". Ein kleiner Junge und sein Großvater, beide Zwangsarbeiter unter Nebukadnezzar, König von Babylon, leben am Euphratfluss und brennen Ziegel für die Großbauten. Der Großvater erzählt dem Enkel unter anderem vom Turmbau zu Babel und andere Geschichten, die dem kleinen Jungen Mut machen sollen.

Das Thema "Mut zur Wahrheit" hat Mayer-Skumanz in Das Lügennetz (1993) aufgegriffen. Roman und Zlatko sind Freunde. Roman ist in Sissy verliebt und begegnet ihr immer wie zufällig dienstags nach ihrer Klavierstunde. Als er den Auftrag bekommt, seine Tante Steffi, die er noch nie gesehen hat und die trotz ihres hohen Alters voll Schwung und Neugier ist, im Altersheim zu besuchen, springt Zlatko ein und schlüpft in Romans Rolle. Das Lügennetz wird immer dichter, bis durch einen Zufall die Schwindeleien entdeckt werden. Es wird aber trotzdem noch alles gut. Neben dem Miteinander-leben-können von Jung und Alt schildert Mayer-Skumanz in diesem Buch auch die Probleme, die Kinder von Einwanderern in unserer Gesellschaft haben.

Geschichten aus dem Kindergarten erzählt die Autorin mit Glockenspiel und Schneckenhäuser (1994). Sebastian, die dunkelhäutige Monique, die Zwillinge Sanna und Sarah, Schefko, der den Krieg in seiner Heimat Bosnien nicht vergessen kann und Manfred, der wegen des Todes seines großen Bruders viel Aufmerksamkeit braucht, werden in ihrem alltäglichen Leben im Kindergarten beschrieben.

Mut zur Ehrlichkeit soll das Buch Mein Onkel der Zauberer (1965, Neuauflage 1981), ihr allererstes Kinderbuch, vermitteln. Sabine und ihr kleinerer Bruder Felix verbringen die Zeit vor der Geburt ihres Geschwisterchens bei den Großeltern. Onkel Fritz ist ein Zauberer, stellt Sibylle schon bei der ersten Begegnung mit ihm fest. "Er beherrscht Kartenkunststücke, das Verschwindenlassen und Wiederauftauchen von Taschentüchern, Bleistiften und anderen Sachen. Außerdem kann er Gedanken lesen und Mut zaubern."

Lene Mayer-Skumanz versucht auf viele Arten, Brücken zu bauen zwischen Kindern und Erwachsenen, zwischen Kindern und Außenseitern, innerhalb der Familien und auch zwischen den Menschen verschiedener Kulturkreise. 1993 veröffentlichte die Autorin zusammen mit Kindern das Buch Hola Servus. Mit Geschichten Brücken bauen. Texte, Briefe, Bilder, Zeichnungen und Geschichten von chilenischen und österreichischen Kindern wurden zusammen in diesem zweisprachigen Buch, das auf ein chilenisch-steirisches Schulprojekt zurückgeht, verpackt.

Auch in Wer wirft die Sterntaler? ...und andere Schulgeschichten (1989) geht es um das Bauen von Brücken von Mensch zu Mensch. Sabine, ein hilfsbereites, gescheites, praktisches und tatkräftiges Mädchen steht im Vordergrund der 24 Erzählungen, die vom Schulalltag, von Problemen, Freuden und Freundschaften handeln.

Märchen und Sagen zählen ebenfalls zu den Werken von Lene Mayer-Skumanz. In dem 1994 erschienenen Buch Die Wilden Leute bearbeitete Lene Mayer-Skumanz eine Sage aus dem Alpenraum über kleine Wesen, die den Erzählungen der Holzfäller und Jäger nach, im Inneren der Berge nach Erzen und Gold suchen. Lene Mayer-Skumanz hat Märchen aus vielen Ländern zusammengetragen und bearbeitet, unter anderem gemeinsam mit Käthe Recheis Das Ungeheuer. Märchen aus aller Welt (1982).

Einen wichtigen Teil ihres Gesamtwerkes stellen die zahlreichen Porträts von Persönlichkeiten aus dem kirchlichen und historischen Bereich dar. Wolfgang Amadeus Mozart (1991, 2005 neu aufgelegt) erzählt aus dem Leben des Musikgenies. Einzelheiten und Begegnungen werden detailliert geschildert, seine ersten großen Erfolge, aber auch die eher dunklen Seiten seines Wesens werden nicht verheimlicht, zum Beispiel, dass die Beziehung zu seiner Mutter durch das unstete Leben des Komponisten sehr belastet war.

Das Leben des Johannes des Täufers beschreibt sie in Johannes der Wegbereiter (1994). Franziskus hat sie mit ihrem Buch Franziskus und seine Gefährten (1995) ein spannendes und lebensnahes Buch gewidmet.  Aber auch Paracelsus hat sie mit dem Buch Buz und Muz. Die Bergmandlkinder (1997) ein Denkmal gesetzt. Paracelsus begegnet den kleinen Wesen unter der Erde, den "Bergmandln", die auf die Menschen sehr böse sind, weil sie durch Abgrabungen den Berg ohne Rücksicht ausbeuten. Paracelsus möchte jedoch nur Heilpflanzen sammeln und freundet sich mit den Bergmandln an. Zwei Seiten in diesem Buch sind der Biographie des historischen Paracelsus gewidmet, dessen eigenes eigentümlich überzeugendes Werk über die Naturgeister die Anregung für dieses Kinderbuch war. 1998 (Neuauflage 2006) erschien Sisi. Begegnung mit Kaiserin Elisabeth in Bildern und Geschichten. Sissy, ein Mädchen von heute, entdeckt auf einem Werbeplakat für ein Musical die Kaiserin Sisi. Neugierig geworden, möchte sie die Geschichte dieser Frau kennenlernen. Nach und nach wird ihr das Leben von Sisi kindgerecht erzählt.

2003 erschien Die Schätze des Doktor Batthyány. Geschichten aus dem Leben des seligen Arztes Ladislaus Batthyány-Strattmann. Der "Arzt der Armen", der im Erscheinungsjahr selig gesprochen wurde, wird in 22 kurzen Geschichten porträtiert. In Österreichs liebste Heilige (2005) stellt Mayer-Skumanz das Leben und Wirken von Menschen vor, die in der katholischen Kirche später einen wichtigen Platz einnahmen.

Auch Krimis hat Mayer-Skumanz verfasst. In der Krimiserie Der kleine Pater, die 1972 begann, löst der pfiffige Pater Florinus seine Kriminalfälle rund um den Globus mit viel Spürsinn und gesundem Menschenverstand. Einen weiteren Krimi für Kinder legte Mayer-Skumanz mit Der Unheimliche auf Zimmer 3 (1984) vor. Zwei Kinder beschatten in ihren Ferien einen Schriftsteller, weil sie denken, dass dieser etwas Unrechtes vorhat. In diesem Buch "porträtierte" die Autorin liebevoll-heiter ihren Schriftstellerkollegen Wilhelm Meissel, der sich für die penible Letzt-Überarbeitung seiner Texte gern in einen absolut stillen Winkel auf dem Land zurückzog.

Auch in Hände weg vom Abendschatten (1999) geht es sehr spannend zu. In zwei Geschichten gelingt es Kindern, Kriminalfälle zu lösen.

Mit Gespenster gehen nicht verloren. Unheimliche Geschichten aus unserer Zeit (1992) widmete sich die Autorin auch Gespenstergeschichten.

Lene Mayer-Skumanz scheibt jedoch auch für Erwachsene. Von Montag bis Alltag. Geschichten, die das Leben schreibt (2000) ist laut Umschlagtext für Menschen geschrieben, "die so voll im Leben stehen, dass sie zum Lesen kaum Zeit haben, aber doch schon eine Brille brauchen". Die Mittfünfzigerin Frau Bacher meistert in diesem Buch mit jugendlichem Elan all ihre Probleme.

Auszeichnungen

1965 Österreichischer Staatspreis für Jugendliteratur; 1965, 1981, 1987, 1990, 1994 Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis;  1965, 1968, 1972, 1974, 1982, 1984, 1986, 1990, 1995, 2003 Ehrenliste zum Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien; 1967 Förderungspreis des „Österreichischen Bundesverlages“; 1968, 1972, 1978, 1979, 1981, 1982, 1984, 1993, 1995, 2003 Ehrenliste zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis; 1981 Katholischer Kinderbuchpreis der deutschen Bischofskonferenz; 1981, 1982, 1988, 1990 und 1994 Österreichischer Staatspreis für Kinderbücher; 1981, 1983, 1993 und 1994 Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien für Jugendbücher; 1982, 1990 Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien für Kinderbücher; 1983, 1989, 1991, 1993, 1995 Auswahlliste zum Katholischen Kinderbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz; Catholic Book Award of USA and Canada für die „Geschichten vom Bruder Franz“; 1991 Professorentitel, 1994 BüBü-Kinderbuchpreis der Kinderjury des ORF; 1995 Österreichischer Würdigungspreis für Kinder- und Jugendliteratur; 2000 Verleihung des höchsten vatikanischen Ordens für Laien. Für den Hans Christian Andersen Awards 2008 nominiert.

Rezeption

Ihre zahlreichen Würdigungen, vom Österreichischen Staatspreis für Jugendliteratur aus dem Jahre 1965 über den fünfmal verliehenen Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, den ebenso oft erhaltenen Österreichischen Staatspreis für Kinderbücher bis zur Verleihung des höchsten vatikanischen Ordens für Laien im Jahre 2000 zeigen die Bedeutung, die Lene Mayer-Skumanz für die österreichische Kinder- und Jugendliteraturszene hat. "Ihr großes Verdienst liegt sicherlich in der Schaffung einer neuen religiösen Kinderliteratur, die geprägt ist von einer Unmittelbarkeit in der Sprache und in einer Unaufdringlichkeit in der Botschaft. Sachliche Genauigkeit und Begeisterungsfähigkeit ergänzen einander in der Gestaltung jener Stoffe, die große Heilige zum Inhalt haben." (www.alida.at)


Literatur

  • Ellbogen, Christa: Begabung ist eine Gabe...Österreichischer Würdigungspreis für Lene Mayer-Skumanz. In: Tauend und ein Buch Nr. 6, 1995.
  • Rudloff-Garreis, Doris: Der Hund hat die Idee zum Laufen gebracht. Zur Entstehung von Prosatexten für Kinder. Diss. Graz 1997.
  • Zumutungen. Lene Mayer-Skumanz und die religiöse Kinderliteratur. Hrsg. von Cevela, Inge. Wien: Praesens, 2006 (Kinder- und Jugendliteraturforschung in Österreich, Band 9).

 Erstveröffentlichung: 19.06.2013


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