von Anna Zamolska

Else Ury (1877-1943) war eine jüdische Schriftstellerin, die mit der zehnbändigen Nesthäkchen-Reihe in Deutschland bekannt wurde.

Biographie

Else Ury wurde am 1. November 1877 in Berlin als drittes Kind von Emil und Franziska Ury geboren, in einer Familie, die bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Berlin ansässig war. Else hatte zwei ältere Brüder (Ludwig und Hans) und eine vier Jahre jüngere Schwester namens Käthe, zu der sie zeitlebens ein sehr enges Verhältnis hatte.

Ab 1884 besuchte Else die Königliche Luisenschule, die sie nach der 10. Klasse abschloss. Sie schrieb sehr gute Aufsätze, die bereits ihr Schreibtalent offenbarten, und kannte die deutsche Literatur gut – nicht nur die Klassiker, sondern auch moderne deutsche Literatur, die sie unter Anleitung ihrer Mutter kennenlernte.

Die 10. Klasse war die letzte, die Mädchen damals in Berlin erlangen konnten – es gab keine weiterführenden Schulen für Mädchen, das Immatrikulationsverbot für Frauen wurde erst 1908 aufgehoben, sodass Else Ury auch kein Studium anstreben konnte. Dementsprechend war Ury später eine begeisterte Anhängerin der bürgerlichen Frauenbewegung und sprach sich für Ausbildung und Studium für Frauen aus. Eine Lehrerausbildung (der einzige Weg, sich weiterzubilden) hat sie nicht angetreten – aus welchen Gründen, ist bis heute unbekannt. Ihre Schwester Käthe trat im Gegensatz zu Else die Lehrerausbildung an, ihre Brüder wurden Arzt und Rechtsanwalt.

Nachdem sie 1894 die Luisenschule mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen hatte, lernte sie, den Haushalt zu führen und litt sehr darunter, dass ihr keine geistige Bildung mehr zuteil wurde. Sie begann zu schreiben und veröffentlichte erste Reiseberichte und Märchen – so entstand zunächst eine Märchensammlung, die 1905 beim Globus Verlag in Berlin unter dem Titel Was das Sonntagskind erlauscht erschien.

1906 erschien ihr zweites Buch, der Mädchenroman Studierte Mädels bei Meidinger's Jugendschriften. Dieser Roman fand auch unter erwachsenen Frauen eine breite Leserschaft und bedeutete für Ury den Durchbruch. Bei der 26. Auflage 1929 überarbeitete Ury den Roman und verlieh der Neufassung den etwas abgeänderten Titel Studierte Mädel von heute.

Ab 1906 schrieb sie regelmäßig Beiträge für Kinder- und Jugendzeitschriften wie Jugendgarten, Kinderkalender (ab 1912 Meidinger's Kinderkalender), Das Kränzchen, später auch für Töchteralbum, Herzblättchens Zeitvertreib, Auberbach's Kinderkalender und Kinderlust. Viele dieser kurzen Erzählungen wurden später zu Sammelbänden (vgl. Asper 1984, S. 2).

Die Nesthäkchen-Reihe entstand zwischen 1913 und 1925 und gehörte zu den "meistgelesenen Mädchenbüchern der Weimarer Republik" (Wild 2008, S. 257). Sie begleiten das Nesthäkchen Annemarie Braun von ihrer Kindheit bis zu ihrer Zeit als Großmutter in zehn Bänden. Diese Reihe sollte zu den bekanntesten und beliebtesten Büchern Urys werden. Mit der Zeit wurde Urys Werken immer mehr Anerkennung vonseiten der Kritiker gezollt und sie bekam erste Auszeichnungen, wie beispielsweise 1913 für Goldblondchen (1908). Gelobt werden insbesondere Urys "erzähltechnische Qualitäten" (Asper, Kempin, Münchmeyer-Schöneberg 2007, S. 85). 1913 wurde außerdem Urys Theaterstück Der Sandmann kommt erfolgreich aufgeführt.

1926 kaufte Else Ury ein Haus in Krummhübel (heute Karpacz), wo sie bereits oft die Ferien verbracht hatte, und erfüllte sich damit einen Herzenswunsch. Im Zuge eines Umbaus erschien zu Urys Überraschung ein neuer Name auf der Hauswand: "Haus Nesthäkchen", was ihr zuliebe von ihren Freunden organisiert worden war. Der Name wurde später von den Nationalsozialisten entfernt. Heute trägt das Haus wieder den Namen auf Polnisch: "Dom Nesthäkchen".

Else Ury hat nie geheiratet, obwohl sie Kinder liebte und Spekulationen zu einer möglichen Verlobung in der Sekundärliteratur vorhanden sind (vgl. Asper, Kempin, Münchmeyer-Schöneberg 2007, S. 49). Sie wohnte mit ihren Eltern und ihrem ebenfalls unverheiratet gebliebenen Bruder Hans zusammen.

In den 30er Jahren emigrierten die Familien ihrer Schwester Käthe und ihres Bruders Ludwig in die Niederlande und nach England, Urys Bruder Hans beging 1937 Selbstmord, weil er die Schikanen der Nationalsozialisten nicht aushielt. Im Mai 1935 wurde Else Ury aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Sie emigrierte als Einzige nicht, da sie sich um ihre Mutter kümmern wollte, die 1940 starb (der Vater war 1920 gestorben). 1939 wurde sie gezwungen, in ein "Judenhaus" in der Solinger Straße zu ziehen.

1943 wurde Else Ury nach Auschwitz deportiert und dort am 13. Januar 1943 ermordet, was in Deutschland lange Zeit unbekannt war (vgl. Asper, Kempin, Münchmeyer-Schöneberg 2007, S. 58). Viele weitere Familienangehörige Else Urys, auch ihre Schwester Käthe, wurden in Auschwitz oder anderen Konzentrationslagern ermordet.

Werk

Else Urys Gesamtwerk umfasst 39 Bücher. Zu ihrem Schaffen zählen ihre Mädchenbücher, Märchen, Reiseberichte und andere Artikel für Kinder- und Jugendzeitschriften. Die Nesthäkchen-Bände zählen zu ihren bekanntesten Werken, die zur damaligen Zeit Bestseller waren. "Mit Annemarie Braun, Arzttochter aus Berlin, entstand eine Identifikationsfigur für viele Mädchengenerationen des Bürgertums." (Brentzel 2009, S. 109) Vor allem die Nesthäkchen-Bände zählen zu den modernen Mädchenbüchern der Weimarer Republik: "Auch wenn sich deutliche Bezüge zum Backfischroman des späten 19. Jahrhunderts feststellen lassen, knüpfte […] Else Ury […] in ihrer die Geschichte dreier Generationen umfassenden Nesthäkchen-Serie […] an die aktuelle Frauendebatte an." (Kümmerling-Meibauer 2012, S. 57)

Urys Bücher zeichnet viel Zeit- und Lokalkolorit aus, sie nimmt viele geschichtliche Ereignisse in die Handlung mit auf und spiegelt den Alltag in der wilhelminischen Kaiserzeit und später in der Weimarer Republik wider. Daher werden ihre Bücher auch als lebendige Darstellungen des damaligen Alltags gesehen. (vgl. Asper 1984, S. 12) Die zeitgenössische literarische Szene wird dabei ebenso aufgenommen, indem Ury in ihren Werken oft aus zeitgenössischer Literatur zitiert, aber auch aus Klassikern, die sie in ihrer Schulzeit gelesen hatte – so fallen Namen wie Goethe, Schiller, Ibsen. Ihre eigenen Reiseerfahrungen lässt Ury in viele ihrer Texte einfließen und zitiert Goethe bei ihren Beschreibungen von Italien: "Damit steht Ury in einer Tradition mit deutschen Italienenthusiasten, die vom 18. bis ins 20. Jahrhundert tradiert wird und bestimmt ist von Achtung und Bewunderung vor den kulturellen Leistungen Italiens." (Asper, Kempin, Münchmeyer-Schöneberg 2007, S. 83)

Bezeichnend für ihre Bücher ist, dass sich in keinem die Darstellung des deutsch-jüdischen Milieus Berlins findet und nur wenige Texte eine jüdische Thematik haben, etwa das Märchen Im Trödelkeller (1908 in einem Sammelband erschienen) oder die Erzählung Die erste Lüge. Beide zeigen exemplarisch, wie gut Ury die jüdische Religion kannte. Ihr Roman Wie einst im Mai (1930) nimmt unter ihren Werken ebenfalls eine Sonderstellung ein, da er am meisten biographisch geprägt ist und Urys Vorstellungen von der Emanzipation der Frau am deutlichsten vorführt (vgl. Asper 1984, S. 10f). Alle anderen Werke prägen "das Leben des assimilierten deutsch-jüdischen Bildungsbürgertums und dessen Interesse an kultureller und wissenschaftlicher Bildung, das Streben nach Aufstieg und den Wunsch nach vollständiger Integration und gesellschaftlicher Anerkennung" (Asper, Kempin, Münchmeyer-Schöneberg 2007, S. 75).

In ihren Mädchenbüchern findet Else Urys Forderung nach Bildung für Mädchen ihren Ausdruck in Heldinnen, die einen Beruf anstreben und die Möglichkeit haben, Beruf und Ehe zu vereinen. "In ihrem kulturgeschichtlichen Roman Wie einst im Mai (1930) dokumentiert sie ihre Verbundenheit mit der bürgerlichen Frauenbewegung." (Wilkending 2003, S. 312) Damit entfernt sie sich von der traditionellen Backfischliteratur, die Mädchen sozialisieren und an ihre späteren Pflichten im Haushalt heranführen sollte: "Betrachtet man Urys Gesamtwerk, so wird deutlich, dass von Anfang an das Interesse der Autorin den Emanzipationsbestrebungen der jungen Mädchen galt, was sicher in der eigenen Biographie begründet ist. Urys starke, übermütige und lebhafte Heldinnen durchlaufen alle eine Entwicklung hin bis zur Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit." (Asper, Kempin, Münchmeyer-Schöneberg 2007, S. 75) Gleichzeitig  spielen immer noch traditionelle moralische Werte eine Rolle, die sie in ihren Werken stets zu vermitteln versucht: "Der heranwachsende junge Mensch, besonders das junge Mädchen, soll zu einem nützlichen und rücksichtsvollen Mitglied der menschlichen Gesellschaft herangebildet werden." (Asper, Kempin, Münchmeyer-Schöneberg 2007, S. 80) Else Ury will vor allem Humor und Pflichtgefühl an ihre jungen Leser vermitteln. Zu den wichtigsten Hauptthemen all ihrer Werke gehören jedoch vorrangig "Schule" und "Bildung".

Als Vorbild der Nesthäkchen-Reihe (wie auch vieler weiterer bekannter Mädchenbücher von Erfolgsautorinnen wie Magda Trott) wird der Roman Der Trotzkopf (1885) Emmy von Rhodens gesehen, der den Werdegang einer weiblichen Figur schildert und dessen Motive und Struktur in den Nesthäkchen-Büchern Eingang finden (vgl. Kümmerling-Meibauer 2012, S. 100).

Erste Neuauflagen der Nesthäkchen-Bände erschienen 1948 beim Düsseldorfer Hoch-Verlag, allerdings in überarbeiteter und gekürzter Form. Der Band Nesthäkchen und der Weltkrieg wurde nicht mehr neu aufgelegt. Mit den Jahren wurden die verbleibenden neun Bände immer wieder neu bearbeitet. Die Sprache wurde "modernisiert", gestrichen wurden Zeitbezüge (indirekte Bezüge sind daher heute unverständlich), außerdem wurde im damals geteilten Deutschland jeder Hinweis auf den Osten getilgt: "So kommt Freundin Vera statt aus Königsberg aus Hannover, und es ist nicht verständlich, warum das so sehr weit entfernt sein soll, "als ob es nach Sibirien ginge und nicht bloß nach Hannover" (Nesthäkchens Jüngste, 1950, S. 77)." (Asper 1984, S. 13) Weiterhin sah die Bearbeitung folgendermaßen aus: "Zwei Bearbeitungsformen sind zu nennen, eine eher formaler, eine inhaltlicher Art. Erstens werden unzählige Adjektive, adverbiale Bestimmungen und Nebensätze gestrichen; gekürzt, oft sogar extrem gerafft werden auch die meisten Dialoge. Alles, was über den reinen Handlungsverlauf hinausgeht, was aber eigentlich der differenzierteren Personendarstellung dient, was zur Milieuschilderung, zum Kolorit und zur Lebhaftigkeit beiträgt, ist als umständliche Altmodischkeit getilgt. Der Text wird schneller, effizienter und damit moderner. Um von dem Kürzungsausmaß eine Vorstellung zu geben, seien einige Zahlen genannt: Alle heute erscheinenden Bände enthalten höchstens 80%, gelegentlich nur 70% des Originaltextes, einzelne Kapitel bestehen aus weniger als der Hälfte des ursprünglichen Textes. Rechnet man den komplett gestrichenen Band vier mit ein, dann kann man sagen, daß die heutigen Ausgaben der Nesthäkchen-Reihe nur noch zwei Drittel des Originaltextes enthalten. Wer also heute Nesthäkchen liest, sollte sich bewußt sein, daß er keinen original Ury-Text vor sich hat." (Pech 1995, S. 348f)

Ab 1996 wurden die Nesthäkchen-Bücher vom Bertelsmann Verlag in einer neuen Fassung herausgegeben, in der die Sprache zwar ebenfalls modernisiert worden ist, bei der man jedoch versucht hat, sich mehr ans Original zu halten. Ein einziger Band ist nach 1945 in nahezu unveränderter Form nachgedruckt worden: Nesthäkchen und ihre Küken wurde 1980 vom Ullstein Verlag als "ungekürzte Ausgabe nach der Originalfassung von 1923" herausgegeben.

2014 wurden die zehn Nesthäkchen-Bände originalgetreu und ungekürzt im Omnium Verlag publiziert. Die Umschlaggestaltung nimmt Bilder der berühmten viktorianischen Bilderbuchautorin Kate Greenaway auf, die das Genre des Bilderbuchs in England maßgeblich beeinflusste und prägte. Im selben Jahr erschien im Geest-Verlag eine Neuauflage von Nesthäkchen und der Weltkrieg mit einem Vorwort von Marianne Brentzel.

Populärrezeption

Die Nesthäkchen-Bücher brachten Else Ury so große Bekanntheit und Beliebtheit, dass eine "Nesthäkchenpost" in Meidinger's Kinderkalender eingerichtet wurde, die Ury dort beantwortete und mit Nesthäkchen unterschrieb. Urys Bekanntheit zeigte sich auch darin, dass 1925 der Rundfunk zwei Sendungen mit Märchen von ihr sendete (vgl. Asper 1984, S. 3).

Bereits in den 1920er Jahren erschienen erste Übersetzungen von Urys Mädchenromanen ins Holländische, Schwedische und Finnische. Nesthäkchen wurde ebenfalls in diese Sprachen übersetzt, außerdem noch ins Französische und Norwegische. Den Merkmalen dieser Übersetzungen ist das Kapitel "Die Übersetzungen des Ury'schen Werks – Wiedergabe oder Neugestaltung?" in dem Band "Wiedersehen mit Nesthäkchen. Else Ury aus heutiger Sicht" gewidmet – dort werden die Übersetzungen auf ihre Nähe zum Original untersucht und die Unterschiede mit Tabellen veranschaulicht.

In diesem Kapitel findet auch die einzige Übersetzung ins Englische Beachtung: 2006 übersetzte der amerikanische Historiker Steven Lehrer Nesthäkchen und der Weltkrieg. "Dem Vernehmen nach hat(te) er wohl vor, die gesamte NESTHÄKCHEN-Reihe in (sic) Englische zu übertragen, aufgrund ungeklärter respektive schwieriger Copyrightfragen zwischen dem Thienemann-Verlag und dem Ury-Erben E.K. Heyman konnte er zunächst nur den nach 1945 nicht wieder aufgelegten Band, für den keine Verlagsrechte existierten, übersetzen." (Asper, Kempin, Münchmeyer-Schöneberg 2007, S. 104)

Die ersten drei Nesthäkchen-Bände wurden außerdem filmisch adaptiert und 1983 in sechs Folgen als TV-Serie unter der Regie von Gero Erhardt ausgestrahlt. Die Serie und die dazugehörigen Hörspiele erfreuen sich heute ebenso wie die Bücher großer Beliebtheit.

Wissenschaftliche Rezeption

Obwohl Else Urys Mädchenbücher zu ihren Lebzeiten großen Erfolg hatten, wurden sie vonseiten der zeitgenössischen Literaturkritik völlig ignoriert (vgl. Asper, Kempin, Münchmeyer-Schöneberg 2007, S. 134). Auch heute findet Else Ury als Verfasserin von Kinder- und Jugendbüchern, die nun zu den Klassikern der Mädchenliteratur gezählt werden, immer noch sehr wenig Beachtung in Sekundärwerken und der Forschung zu Kinder- und Jugendliteratur.

Vielleicht ist die Ursache darin zu suchen, dass die Sekundärliteratur von einem widersprüchlichen Bild der Autorin beherrscht wird, das für eine gewisse Dissonanz in den Meinungen sorgt. Grund dafür ist Else Urys letztes Buch Jugend voraus! (1933), dem vonseiten einiger Literaturkritiker eine "national-konservative Grundhaltung" und Sympathie mit den Nationalsozialisten angelastet wird (vgl. Asper, Kempin, Münchmeyer-Schöneberg 2007, S. 11). Mit diesem Verdacht steht die Tatsache, dass Else Ury in Auschwitz ermordet wurde, in unvereinbarem Kontrast. Trotzdem herrscht in diesem Punkt auch unter den Forschern ein umstrittenes Bild von der jüdischen Schriftstellerin, was unter anderem daran liegen dürfte, dass so wenige biographische Anhaltspunkte zu Ury bekannt sind.

Sozusagen "aus Protest" gegen dieses widersprüchliche und verurteilende Bild erschien 2007 der bis heute einzige Forschungsband zu Else Ury von Barbara Asper, Hannelore Kempin und Bettina Münchmeyer-Schöneberg Wiedersehen mit Nesthäkchen. Else Ury aus heutiger Sicht. Die Autorinnen widersprechen in ihrem Band vehement einigen Thesen, die in der Forschung zu Urys Werken aufgestellt wurden und die sich vorrangig auf Marianne Brentzels fiktive und sehr interpretatorisch geschriebene Biographie Else Urys stützen.

Das wichtigste Anliegen von Asper, Kempin und Münchmeyer-Schöneberg besteht darin, Ury von dem Vorwurf, eine Anhängerin des Nationalsozialismus gewesen zu sein, zu befreien. Dabei gehen sie vor allem auf Urys letztes Buch Jugend voraus! ein, das "1933 noch erscheinen [konnte], jedoch wurde der zweite Teil wahrscheinlich ohne Urys Einwilligung verändert. Ihr nachweislich heftiger Protest gegen die Illustration mit Hakenkreuz blieb erfolglos." (Asper 1985, S. 4) Darauf weisen die Autorinnen in ihrem Band noch einmal hin, nämlich dass es "überaus fraglich [ist], ob sie den letzten Teil des Buches selbst verfasst hat. Danach hat Else Ury keine Zeile mehr geschrieben, obwohl sie erst am 6. März 1935 aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen wurde und der Meidinger's Jugendschriften Verlag noch bis 1938 publizierte, ehe er arisiert wurde." (Asper, Kempin, Münchmeyer-Schöneberg 2007, S. 135) Einigkeit besteht aber darin, dass Ury oft "ein typisches Kind ihrer Zeit" ist und sich nicht immer von den damals herrschenden Anschauungen zu lösen weiß. (vgl. Asper, Kempin, Müncheyer-Schöneberg 2007, S. 83)


Literatur

  • Asper, Barbara, Kempin, Hannelore u. Münchmeyer-Schöneberg, Bettina: Wiedersehen mit Nesthäkchen. Else Ury aus heutiger Sicht. Text Verlag, 2007.
  • Asper, Barbara: Else Ury. In: Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur. Hrsg. von Klaus Doderer. Weinheim: Beltz, 1984.
  • Brentzel, Marianne: Mir kann doch nichts geschehen…Das Leben der Nesthäkchen-Autorin Else Ury. Berlin: edition ebersbach, 2009.
  • Brentzel, Marianne: Nesthäkchen kommt ins KZ. Eine Annäherung an Else Ury. Zürich: Ebersbach, 1993.
  • Dahrendorf, Malte: Das Mädchenbuch und seine Leserin. Jugendlektüre als Instrument der Sozialisation. Weinheim: Beltz, 1980.
  • Deutsch-jüdische Kinder- und Jugendliteratur. Ein literaturgeschichtlicher Grundriß. Hrsg. von Annegret Völpel u. Zohar Shavit. Stuttgart: Metzler, 2002.
  • Geschichte der deutschen Kinder- und Jugendliteratur. Hrsg. von Reiner Wild. Stuttgart: Metzler, 2008.
  • Geschichte der Mädchenlektüre. Mädchenliteratur und die gesellschaftliche Situation der Frauen. Hrsg. von Dagmar Grenz u. Gisela Wilkending. Weinheim: Juventa Verlag, 1997.
  • Grunenberg, Angelika: Die Welt war so heil. Die Familie der Else Ury. Chronik eines jüdischen Schicksals. Berlin: List Taschenbuch, 2006.
  • "Hinauf und zurück, in die herzhelle Zukunft". Deutsch-jüdische Literatur im 20. Jahrhundert. Hrsg. von Michael Braun, Peter J. Brenner, Hans Messelken, Gisela Wilkending. Bonn: Bouvier Verlag, 2000.
  • Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland 1840-1950. Gesamtverzeichnis der Veröffentlichungen in deutscher Sprache. Hrsg. von Aiga Klotz. Stuttgart: Metzler, 2013.
  • Kümmerling-Meibauer, Bettina: Kinder- und Jugendliteratur. Eine Einführung. Darmstadt: WBG, 2012.
  • Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen im Exil 1933-1945. Hrsg. von Renate Wall. Gießen: Haland & Wirth, 2004.
  • Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1800-1945. Hrsg. von Gisela Brinker-Gabler, Karola Ludwig u. Angela Wöffen. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1986.
  • Mädchenliteratur der Kaiserzeit. Zwischen weiblicher Identifizierung und Grenzüberschreitung. Hrsg. von Gisela Wilkending. Stuttgart: Metzler, 2003.
  • Pech, Klaus-Ulrich: Ein Nesthaken als Klassiker. Else Urys "Nesthäkchen"-Reihe. S. 339-357. In: Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Hrsg. von Bettina Hurrelmann. Frankfurt: Fischer, 1995.

Erstveröffentlichung: 05.11.2013


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