Das lyrische Ich bezeichnet die Sprecher-Perspektive des erlebenden, empfindenden und wahrnehmenden Ichs in lyrischen Gedichten. 

Explikat

Das lyrische Ich, welches in der ersten Person Singular die Empfindungen und Erlebnisse im Rahmen eines Gedichts artikuliert und formuliert, sollte nicht pauschal mit dem jeweiligen Verfasser gleichgesetzt, sondern vielmehr im Kontext des jeweiligen Gedichts bewertet werden. Der Begriff soll die Unterscheidung zwischen der Sprecherinstanz des Gedichts und dessen Autor ermöglichen. 

So würde eine auto(r)biographische Einordnung des lyrischen Ichs in Josef Guggenmos' Mein Drache den Lesenden auf eine eher ungewöhnliche Fährte führen: 

Meine [sic] Drache reißt am Strick, 
der hält ihn am Genick. 
Wie er zieht, wie er zerrt voller Wut!
Oh, ich verstehe ihn gut. 

(Guggenmos 2007, S. 32) 

Kristine Felsner, Holger Helbig und Therese Manz betonen in ihrem Beitrag zum lyrischen Ich, den sperrigen Charakter des Begriffes (vgl. Felsner, Helbig und Manz 2009, S. 15). Dieser trage jedoch auch dazu bei, die gewünschte Trennung von Autor und lyrischer Sprecherinstanz aufrechtzuerhalten, indem er den Konstruktionsaspekt des lyrischen Ichs sprachlich vorführt (vgl. ebd.).


Bibliografie

Primärliteratur

  • Guggenmos, Josef: Mein Drache. In: Ders.: Was denkt die Maus am Donnerstag? München: DTV, 2007. S. 32.

Sekundärliteratur 

  • Felsner, Kristine und Helbig, Holger und Manz, Therese: Arbeitsbuch Lyrik. Berlin: Akademie Verlag, 2009. 

Erstveröffentllichung: 14.12.2016

 

 


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