Raubtiere als Helden: In Aaron Blabeys charmantem Comic Böse Jungs. Band 1 gründet Mr Wolf mit seinen Freunden einen Gute-Jungs-Club, um gute Taten zu vollbringen und damit den eigenen schlechten Ruf aufzubessern.

Blabey, Aaaron: Böse Jungs. Band 1.                                                           A. d. Australischen Englisch von Lisa Engels.
Baumhaus, Köln, 2016.
139 Seiten, 10 €
ISBN 978-3-83390423-3.
Empfohlen ab 7 Jahren.
 
Inhalt
 
Mr Wolf hat genug von seinem schlechten Ruf und will endlich gute Taten vollbringen. Deshalb überredet er seine Freunde Mr Snake, Mr Piranha und Mr Shark dazu, einen Gute-Jungs-Club zu gründen, der sich darauf spezialisiert, anderen zu helfen. Doch das Heldendasein will gelernt sein und der Wolf muss seinen Freunden erst einmal beibringen, wie das überhaupt geht: Gutes tun. Als allen klar ist, dass man hilflose Katzen auf dem Baum retten statt fressen muss, kann es losgehen.
Der Gute-Jungs-Club fährt im 200-PS-Sportwagen durch die Stadt – denn auch Helden dürfen eine gute Figur abgeben – und retten zuerst eine Katze aus einem Baum. Angespornt durch diese gute Tat (die von der halsbrecherisch das Weite suchenden Katze nicht so recht gewürdigt wird) überlegt sich Mr Wolf eine spektakuläre zweite Hilfeaktion: Mit einem ausgeklügelten Plan befreien die vier Möchtegern-Helden 200 Hunde aus dem von Gorillas bewachten Hundezwinger.
 

Kritik

Auch Raubtiere möchten mal die guten Jungs sein: Mit dieser Prämisse spielt Aaron Blabeys Böse Jungs-Comicreihe. Durch die raffiniert erzählte erste Geschichte führt Mr Wolf, der die Leser bereits auf den ersten Seiten direkt anspricht und dann sich und seine Freunde vorstellt: "Pssst! Hey, du! Ja, genau du. Komm mal rüber. Ich habe gesagt, dass du rüberkommen sollst." (S. 1-3) Erzählt wird ausschließlich über die Bilder und mittels Figurenrede. Wenn sich die Tiere nicht unterhalten, spricht Mr Wolf mit den LeserInnen und kommentiert die Ereignisse. Durch dieses metafiktionale Spiel, in dem der Wolf und auch die anderen Figuren wiederholt die Barriere zwischen Erzähl- und Leserwelt durchbrechen und ihre kindlichen LeserInnen adressieren, erhalten diese das Gefühl, den Gute-Jungs-Club bei seinen Abenteuern zu begleiten (vgl. auch Abb. 1).
 
 Abb. 1: Aaron Blabey: Böse Jungs. Band 1. Köln: Baumhaus Verlag, 2016. S. 84-85.
 
Interessant ist auch das intertextuelle Verweisspiel: So fahren die Tiere im Stile von Quentin Tarantinos Reservoir Dogs in schwarzen Anzügen durch die Stadt; zudem wird jedes Clubmitglied mit einem "Vorstrafenregister" vorgestellt. Mr Wolf ist aufgrund seiner Untaten aus der Welt der Märchen und Fabeln polizeibekannt, hat er doch ein Haus umgepustet, sich als Schaf ausgegeben und versucht, eine ältere Dame und ihre Verwandten zu fressen. Intertextuelle Verweise lassen sich auch auf der Bildtextebene ausmachen, etwa, wenn Mr Snake aus Versehen Mr Piranha verschlingt und Blabey dies mit einer an das erste Kapitel von Antoine de Saint-Exupéry Der kleine Prinz erinnernden Zeichnung vom Inneren der Schlange illustriert (vgl. Abb. 1 und 2).
 
 
 Abb. 2: Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz. Düsseldorf: Karl Rauch Verlag, 2010. S. 7-8

Im Fokus von Blabeys schwarz-weißen Filzzeichnungen stehen die Figuren, während die Welt, in der sie sich bewegen, weitgehend ausgeblendet bleibt. Stattdessen rückt der überwiegend onomatopoietische Schrifttext mit seinen großen Buchstaben in den Vordergrund, wodurch die ohnehin einfach gehaltenen Sätze für junge LeserInnen noch verständlicher werden. Souverän spielt Blabey dabei mit den Gesichtsausdrücken der Tiere, in denen sich die Ambivalenz zwischen Raubtiernatur und dem Wunsch, gut zu sein, spiegelt (vgl. Abb. 3). Zugleich liest sich der Comic mit seinen ständigen Wechseln in der Perspektive und den Einstellungsgrößen wie ein Storyboard für einen Film.
 
 Abb. 3: Aaron Blabey: Böse Jungs. Band 1. Köln: Baumhaus Verlag, 2016. S. 75.
 
Im Kern ist Böse Jungs eine Fabel über den Wert von Freundschaft und darüber, dass selbst in schlecht beleumundeten Raubtieren der Wunsch, Gutes zu tun, schlummert. Damit bleibt Blabey seinen Lieblingsthemen treu: In seiner Heimat ist der 1974 geborene Australier ein Star, der mittlerweile vier Millionen Bilderbücher verkauft hat: Bekannt wurde er als Schauspieler in Fernsehserien, bevor er 2007 mit dem Bilderbuch Pearl Barley and Charlie Parsley über zwei ungleiche und doch unzertrennliche Freunde einen Überraschungserfolg feierte. Von den in Australien erstmals 2015 erschienenen The Bad Guys gibt es mittlerweile fünf Teile (zwei davon bisher auf Deutsch erschienen). Erfolgreich sind auch die bislang vier Bilderbuchbände von Pig the Pug über einen mies gelaunten Mops.

Fazit

Mit Böse Jungs ist Aaron Blabey eine zeichnerisch pfiffig umgesetzte Geschichte über eine charmante Bande von Antihelden gelungen, an der Kinder ab sieben Jahren und deren Eltern ihre Freude haben werden. Es ist also nicht überraschend, dass Böse Jungs für den Jugendliteraturpreis 2017 nominiert wurde.
 
 
 
Literatur:
  • Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz. Aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Düsseldorf: Karl Rauch Verlag, 2010.
 

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